Posterbeiträge zur Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (09/2025)


  • Catharina Ahrens, Bärbel Kahl-Nieke

    Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf;

    Ziel: Eine Lückenversorgung im Frontzahnbereich stellt nicht nur eine funktionelle, sondern auch eine große ästhetische Herausforderung dar. Es bedarf einer sorgfältigen, interdisziplinären Planung, in der alle Optionen der Lückenversorgung abgewogen werden sollten. Dieser Fallbericht dokumentiert den kieferorthopädischen Lückenschluss.

    Material und Methoden: Der Patient stellte sich im Alter von elf Jahren und drei Monaten vor. Die Zähne 11 und 21 waren tief frakturiert und avulsiert. Es zeigte sich ein Totalplatzverlust für die zweiten oberen Prämolaren bei Palatinalverlagerung sowie Mesiorotation der ersten oberen Molaren und Distorotation der ersten oberen Prämolaren. Im Molarenbereich bestand eine symmetrische Klasse II Verzahnung von 1 PB. Aufgrund dessen erfolgte der kieferorthopädische Lückenschluss von distal sowie die Einordnung der Zähne 15 und 25.

    Ergebnisse: Nach Derotation der ersten Prämolaren und Molaren mittels Teilbögen und Pushcoils eruptierten die Zähne 15 und 25 spontan palatinal. Es folgte eine Pininsertion zweier paramedianer Pins mittels Guide und die Eingliederung der palatinalen Apparatur zur Maximalverankerung der ersten Molaren. Aufgrund des begrenzten Platzangebotes für eine palatinale Führungsschiene, wurde ein vestibulärer Kraftansatz gewählt. Die Zähne 14, 13, 12, 22, 23 und 24 wurden um eine Zahnbreite mesialisiert, die Zähne 15 und 25 in den Zahnbogen eingeordnet. Im Anschluss an die kieferorthopädische Therapie soll ein „Reshaping“ der Frontzähne mittels Adhäsivtechnik stattfinden.

    Schlussfolgerung: Der kieferorthopädische Lückenschluss stellt eine funktionell und ästhetisch anspruchsvolle Alternative zur prothetischen oder implantologischen Versorgung dar. Eine interdisziplinäre Planung ist essenziell, um ein stabiles funktionelles und ästhetisches Ergebnis zu erzielen. Das finale „Reshaping“ der Frontzähne optimiert die Ästhetik sowie Harmonie des Zahnbogens und gleichzeitig die Stabilität der Zahnstellung.

  • Julia Eser, Annick Pfeiffer, Bärbel Kahl-Nieke

    Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Ziel: Im Rahmen des Modellstudiengangs iMED DENT wurde untersucht, inwiefern der frühe Patient:innenkontakt zur Steigerung der Zufriedenheit der Studierenden beiträgt. Durch die Integration praktischer Erfahrungen in die frühe Phase des Studiums sollen nicht nur die Motivation und Identifikation der Studierenden mit dem Beruf gestärkt, sondern auch die klinischen Fähigkeiten der Studierenden gefördert werden.

    Material und Methode: In einer qualitativen und quantitativen Umfrage (Evaluation) unter den Studierenden des iMED DENT Studiengangs wurden die Erfahrungen und Rückmeldungen der Studierenden erfasst. Der Fragebogen umfasste verschiedene Aspekte des frühen Patient:innenkontakts, darunter unter anderem die Relevanz der praktischen Erfahrungen sowie deren Auswirkung auf die klinischen Fähigkeiten.

    Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass der direkte Kontakt zu Patienten:innen das Verständnis für praktische Aspekte der Zahnmedizin verbessert und das theoretische Wissen in einen realen
    Kontext setzt. Die Mehrheit der Studierenden bewertet den frühen Patient:innenkontakt als positiv, was zu gesteigerter Motivation und besserer Vorbereitung auf die Patient:innenbehandlung führt.

    Schlussfolgerung: Der frühe Patient:innenkontakt ist ein entscheidender Bestandteil der zahnmedizinischen Ausbildung, der die Zufriedenheit der Studierenden erhöht und sie optimal auf ihre zukünftige berufliche Praxis vorbereitet.

Posterbeiträge zur Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (09/2024)

  • Schmid-Herrmann Carmen U., Kahl-Nieke Bärbel

    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Poliklinik für Kieferorthopädie

    Einleitung und Ziel: Die Prävalenz orofazialer Spalten liegt laut EUROCAT bei 14,71 pro 10 000 Neugeborenen. Häufig sind Anomalien der Zahnzahl und -form bei Schmelzhypomineralisation. Durch die Narbenzüge kommt es zur Hemmung der transversalen und sagittalen Entwicklung der Maxilla und zur Entstehung einer Pseudoprogenie.
    Dieser Fallbericht dokumentiert die komplexe Ausformung eines Spaltkiefers.

    Methode: Die Patientin stellte sich im Alter von 11:08 Jahren vor. Es lag ein sagittal deutlich unterentwickelter Oberkiefer mit linksseitig unversorgter Kieferspalte und großem Knochendefizit (im DVT: 13 mm) bei Restloch vor. 16 und 26 waren nicht erhaltungswürdig, 21 und 22 fehlten bei vestibulärem Hochstand von 23 und Palatinalverlagerung von 15 und 25. Bei zirkulärem Kreuzbiss bestand eine Klasse III-Verzahnung um ¾ PB rechts und 1 PB links. Aufgrund der ausgeprägten skelettalen Diskrepanz erfolgten ausschließlich orthodontische Maßnahmen zur Ausformung des Oberkiefers.

    Ergebnisse: Nach Extraktion von 16 und 26 sowie sekundärer Osteoplastik wurde ein modifizierter Transpalatinalbogen mit Kunststoffpelotte als Obturator für das Restloch als maximale Verankerung auf den ersten Prämolaren für die aktive Einordnung von 23, 15 und 25 inseriert. 17 u. 27 wurden in regio 016 u. 026 eingestellt und der Zahnbogen ausgeformt. In regio 021 und 022 wurden Lücken für einen späteren prothetischen Zahnersatz eingestellt. Als Retentionsgerät diente eine Oberkieferplatte mit Ersatzzähnen 21 und 22. Nach Wachstumsabschluss erfolgt eine kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Therapie mit weiterer Osteoplastik im Spaltbereich und anschließender Implantation.

    Schlussfolgerung: Die isolierte Ausformung von Spaltkiefern trotz Indikation für eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Therapie nach Wachstumsabschluss ist eine wichtige Therapieoption mit dem Ziel eines funktionell und ästhetisch guten Ergebnisses für eine Verbesserung der mundbezogenen Lebensqualität. Aufgrund der Narbenzüge und Komplexität der Befunde stellt sie sich im Rahmen der langjährigen interdisziplinären Betreuung der Patient:innen häufig als Herausforderung dar.

    Schlagworte: Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Spaltkiefer, sekundäre Osteoplastik, Pseudoprogenie

  • Catharina Ahrens, Theresa Zoe Boelter, Lisa-Marie Northoff, Bärbel Kahl-Nieke

    Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Ziel: Lippen-, Kiefer- und/oder Gaumenspalten zählen zu den häufigsten Fehlbildungen im Kopfbereich. Nicht selten bestehen Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, welche mit Wachstumseinschränkungen einhergehen können. Um die Nahrungsaufnahme zu verbessern, gibt es unterschiedliche Therapiemittel, welche hinsichtlich ihres Therapieerfolgs verglichen werden sollten.

    Material und Methode: Es wurde eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. Inkludiert wurden klinische Studien sowie systematische Reviews zum Thema Therapiemaßnahmen zur Vereinfachung der Nahrungsaufnahme bei Säuglingen mit Lippen-, Kiefer- und/oder Gaumenspalten. Hierbei wurde der Schwerpunkt auf den Einfluss der Maßnahmen auf die Gewichtszunahme sowie die orofaziale Muskulatur gelegt.

    Ergebnisse: Trink- und Sprechplatten als alleinige Therapiemaßnahme zeigen keinen positiven Einfluss auf die Trinkmenge und somit auch nicht auf die Gewichtszunahme. Jedoch unterstützen sie die Ausführung physiologischer Zungen- und Muskelbewegungen, die neben der Nahrungsaufnahme auch für die Annäherung der Spaltsegmente eine hohe Relevanz haben. Sowohl beim Trinkverhalten als auch beim Saugdruck konnte man bei besonderen Flaschen wie dem Habermannsauger oder einer Flasche mit modifiziertem Aufsatz eine Verbesserung verzeichnen. Noch bessere Ergebnisse konnten bei der kombinierten Anwendung mit einer Trink- und Sprechplatte beobachtet werden. Die Nahrungsaufnahme mittels Ernährungsspritze ermöglicht ein mit gesunden Säuglingen vergleichbares Trinkverhalten, jedoch wird die Nahrung hierbei aktiv appliziert, sodass keine habituellen Zungen- oder Saugbewegungen ausgeführt werden. Den geringsten positiven Einfluss auf das Trinkverhalten sowie die physiologische Beanspruchung der orofazialen Muskulatur hat die Tasse.

    Schlussfolgerung: Zur Unterstützung der Nahrungsaufnahme sowie zur Ausführung physiologischer Zungen- und Muskelbewegungen können Patient:innen mit Lippen-, Kiefer- und/oder Gaumenspalte von einer Therapie mittels Trink- und Sprechplatte in Kombination mit einem Habermannsauger oder einer Flasche mit modifiziertem Aufsatz profitieren.

    Schlagworte: Lippen-, Kiefer- und/oder Gaumenspalte; Wachstum; Trinkverhalten; Saug- und Trinkbewegungen; Nahrungsaufnahme; Trink- und Sprechplatte

Posterbeiträge zur Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (09/2023)

  • Mann, Lucas Leo1; Kahl-Nieke, Bärbel1

    1 Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Ziel: Ziel der Untersuchung ist ein Vergleich des Grades des Informationsgehaltes zum Thema Multiband zwischen Künstlicher Intelligenz (KI) generierten und von Menschen (MI) geschrieben Informationsbögen.

    Material und Methode: Mittels ChatGPT (OpenAI, San Francisco) wurde eine Patienteninformation zum Thema Multiband erstellt. Diese wurde anhand des Inhaltes und des Informationsgehaltes mit dem Informationsbogen der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Eppendorf verglichen.

    Durch eine zweite Aufforderung an die KI konnten weitere Risiken benannt werden. Der Bogen wurde mit DeepL (DeepL, Köln) ins Deutsche übersetzt.

    Die Bögen wurden an 21 Teilnehmer (10 männlich, 11 weiblich) gegeben. 17 Teilnehmer waren fachfremd, 4 Personen hatten kieferorthopädische Kenntnisse. Die Probanden sollten auf einer Skala von 1-10 beschreiben, wie informiert sie sich in Bezug auf die Multiband-Therapie fühlen. Der Informationsgehalt wurde folgendermaßen eingeteilt: 0 - ≤3,9: niedriger; ≥4 - ≤7,9: mittlerer und ≥8 - 10: hoher Informationsgehalt. Die deskriptive Statstik wurde mit Excel (Microsoft Corporation, Redmond) erstellt.

    Ergebnisse: KI-generierte und MI-geschriebene Informationsbögen haben teilweise inhaltliche Überschneidungen (6 von 11 Risiken sind identisch). In beiden Bögen wurden Risiken genannt und erklärt.

    Durch die Eingabe weitererer Risiken konnte der KI-Informationsbogen individualisiert werden.

    Bei 21 Probanden erzielte der MI geschriebene Informationsbogen bezogen auf den Informationsgehalt einen mittleren Wert von 7,8 (SD ±1,92). Der Informationsgehalt der KI erzielte einen Wert von 8,55 (SD ±0,82) und ist als hoch einzustufen. Der Grad des Informationsgehaltes liegt bei dem KI generiertem Bogen um 0,75 höher. Der Signifikanzwert liegt bei p=0,28.

    Schlussfolgerungen: KI generierte Patienteninformation zu Multiband-Behandlung bieten einen hohen Informationsgehalt, die dennoch der Freigabe des Kieferorthopäden bedürfen.

    Ein Vorteil der KI ist die schnelle Erstellung informativer Texte mit Individualisierungsmöglichkeit. Die in den Bögen genannten Risiken sind nicht vollständig identisch, dennoch sind, von der KI genannten, Risiken real mögliche Risiken.

  • Lisa-Marie Northoff1, Albert Hülsbeck1, Jesper Delfs2, Bärbel Kahl-Nieke1

    1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg

    2 Fachpraxis für Kieferorthopädie, Lübeck

    Ziel: Der Funktionsregler nach Fränkel Typ III findet Verwendung in der Therapie von Anomalien des progenen Formenkrei-ses. Abstehende Bukkalschilde sowie Pelotten im Oberkiefer sollen einen Zug auf das Periost ausüben und so dessen verti- kale sowie sagittale Nachentwicklung fördern. Der Herstellungsprozess eines konventionellen FR III ist äußerst komplex und zeitintensiv. Eine digitale Herstellung verspricht sowohl Zeitersparnis als auch Kosteneffizienz. Im Folgenden soll der digitale Workflow für die Herstellung eines 3D-gedruckten thermoelastischen Funktionsreglers nach Fränkel Typ III präsentiert werden.

    Material und Methoden: Mithilfe eines 3D-Scanners (3Shape, Kopenhagen, Dänemark) wurden die durch Funktionsabfor-mung hergestellten Gipsmodelle des Patienten digitalisiert und anschließend mithilfe des Programms OrthoSystems (3Sha-pe, Kopenhagen, Dänemark) in einem digitalen Artikulator fixiert. Zur eindeutigen Positionierung der Apparatur im Mund wurden Aufbisse mit Impressionen im Seitenzahnbereich erstellt. Diese wurden im Oberkiefer digital eingeschliffen, um eine Nachentwicklung in sagittaler Richtung zu ermöglichen. Pelotten und Bukkalschilde wurden im Oberkiefer mit Abstand zum Modell gestaltet. Auf diese Weise soll Zug auf das Periost ausgeübt und das Oberkieferwachstum angeregt werden. Im Unterkiefer dagegen wurden die Bukkalschilde dicht anliegend gestaltet. In Kombination mit einem Labialbogen sollen sie zur Hemmung des Unterkieferwachstums beitragen. Um ausreichende Stabilität zu gewährleisten und dem Druck der perioralen Weichteilkapsel standzuhalten, wurde ein Transpalatinalbogen (3mm x 5mm) hinzugefügt. Das Verbinden der Einzelteile und das Glätten von Kanten und Übergängen markierte das Ende des Designprozesses.

    Ergebnisse: Anhand des digitalen Entwurfs wurde ein Funktionsregler nach Fränkel Typ III mittels 3D-Drucker (VOCO, Cux-haven, Deutschland) gedruckt. Als Material wurde ein Kunstharz (VOCO, Cuxhaven, Deutschland) verwendet, welches bei Körpertemperatur moderat thermoelastisch wird.

    Schlussfolgerung: Durch Speicherung der einzelnen Arbeitsschritte konnte ein standardisierter digitaler Workflow erstellt werden, welcher sich auf unterschiedliche Patientenmodelle übertragen lässt. Damit ist der Herstellungsprozess des 3D-gedruckten FR III äußerst zeiteffizient und kostengünstig. Um den therapeutischen Effekt des digitalen Funktionsreglers nach Fränkel Typ III zu testen, bedarf es klinischer Studien.

Posterbeitrag zum Kongress der European Orthodontic Society Juni 2023. Ausgezeichnet mit dem Francesca Miotti Award für das beste klinische Poster.

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