SOMACROSS - Projekt 3

Prädiktoren für die Persistenz somatischer Symptome bei Patient:innen mit chronischer Nierenerkrankung

Sieben von zehn Personen mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) erleben belastende persistierende somatische Symptome (PSS) bereits in frühen Stadien der Niereninsuffizienz. Trotz der Prävalenz und Bedeutung für Lebensqualität, Progredienz der Erkrankung und Mortalität sind PSS bei CKD unterbeforscht und bleiben häufig unbehandelt.

Zunehmende Evidenz zeigt dass eine biopsychosoziale Perspektive am besten die Pathogenese der PSS in frühen Stadien der Nierenerkrankung erklären kann. Nur eine integrierte Analyse biomedizinischer, behandlungsbezogener und psychosozialer Risikofaktoren kann ätiologische Mechanismen und modifizierbare Prädiktoren somatischer Symptombelastung in frühen Stadien der CKD identifizieren.

Ziele

Es ist unser übergeordnetes Ziel, das Verständnis der Entstehung und Aufrechterhaltung von PSS bei CKD zu vertiefen. Hierfür werden wir biopsychosoziale Risikofaktoren für PSS und deren Interaktion in einem multivariaten prognostischen Prädiktionsmodell untersuchen. Wir werden ungünstige Symptomverläufe, deren Prädiktoren und kausale Zusammenhänge über die Zeit analysieren.

In der eingebetteten mixed methods Studie bei neudiagnostizierten Patient*innen werden wir Mechanismen der Symptomwahrnehmung experimentell, sowie Mechanismen der Symptomentwicklung qualitativ untersuchen.

Arbeitsprogramm

Eine mixed methods Kohortenstudie mit drei Messzeitpunkten (Baseline, 6 und 12 Monate) untersucht multivariate Prädiktoren für PSS in 330 Patient*innen mit CKD Stadium 2-4. Primärer Endpunkt ist die CKD-spezifische somatische Symptombelastung, sekundäre Endpunkte beinhalten CKD-bezogene Lebensqualität, allgemeine Symptombelastung und Funktionalität.

Prädiktoren, basierend auf dem adaptierten biopsychosozialen Arbeitsmodell der FOR SOMACROSS, umfassen biomedizinische (u.a. epigenetische Mechanismen und den Biomarker suPAR), behandlungsbezogene (u.a. Nebenwirkungen) und psychosoziale Variablen (u.a. Erwartungen). Die eingebettete experimentelle Studie untersucht in einem Bildparadigma den Effekt negativer Affektinduktion auf Symptomwahrnehmung. Die eingebettete qualitative Studie untersucht mittels thematischer Analyse intrapersonelle Mechanismen der Symptomentwicklung nach einer neuen CKD-Diagnose.

Erwartete Auswirkungen

Der interdisziplinäre biopsychosoziale Fokus auf subjektive Symptombelastung wird unser Verständnis von PSS bei CKD umfassend erweitern. Wir werden die relative Bedeutung biopsychosozialer Risikofaktoren identifizieren, neue Variablen wie epigenetische Mechanismen, suPAR und Erwartungen erforschen und die Interaktion dieser Faktoren in der Entstehung und Aufrechterhaltung von PSS bei CKD untersuchen. Unsere Ergebnisse tragen zum übergeordneten Ziel der FOR SOMACROSS bei, Risikofaktoren und Mechanismen von PSS über verschiedene Erkrankungen hinweg zu identifizieren. Sie sind die Basis für die Entwicklung prozessbasierter, gezielter Interventionen zur Reduktion von Symptombelastung bei CKD in der zweiten Förderphase.