Die Geschichte der Neurologischen Klinik

Die Neurologie besitzt eine lange Tradition in Hamburg. Ihre erste Entwicklung als eigenständiges Fachgebiet wurde in Hamburg wesentlich von Carl Eisenlohr (1847-1896) und vor allem Max Nonne (1861-1959) betrieben. Beide waren Schüler des Heidelbergers Wilhelm Erb (1840-1921).


Ordinarius Max Nonne 1919-1934

Nach Eisenlohrs frühem Tode übernahm Max Nonne 1896 die Leitung der II. Medizinischen Abteilung des damaligen Allgemeinen Krankenhauses Eppendorf (AKE) und gründete recht bald die erste eigenständige Neurologische Abteilung. Mit Gründung der Universität im Jahre 1919 wurde seine Abteilung zur Neurologischen Universitätsklinik. Nonne erhielt damit den ersten deutschen Lehrstuhl für Neurologie. Seine Rolle im Nationalsozialismus wird kritisch gesehen.


Ordinarius Heinrich Pette 1934-1958 (suspendiert 1945-1949)

Heinrich Pette (1887-1964), Schüler Nonnes, wurde 1934 Nachfolger in der Klinikleitung der Neurologischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, nachdem er zuvor im Allgemeinen Krankenhaus St. Georg tätig war. Er gründete neben der Neurochirurgischen Abteilung auch ein, der Klinik angegliedertes "Institut zur Erforschung der Kinderlähmung und der Multiplen Sklerose", welches noch heute als Heinrich-Pette-Institut auf dem Gelände des UKE existiert. Später leitete seine Frau Edith Pette dieses Institut. Sie war Fachärztin für Nervenkrankheiten und Honorarprofessorin der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg.


1953 Gründung der ersten deutschen neurologischen Intensivstation


Ordinarius Rudolf Janzen 1958-1975

Mit 71 Jahren übergab Pette im Jahres 1958 den Lehrstuhl und die Klinikleitung weiter an Rudolf Janzen (geb. 1907). Janzen war zugleich ab 1963 Dekan der Medinizischen Fakultät und machte sich "um die Weiterentwicklung der Neurologie mit ihren Wurzeln auf der Inneren Medizin internation verdient". In Janzens Ära fallen die Gründung einer eigenständigen Abteilung für Neurochirurgie (Rudolf Kautzky) und einer Abteilung für Neuroradiologie (Andreas Tänzer). Zwischen 1975, nach Janzens Ausscheiden aus der Leitungsfunktion, und 1977, leitete der langjährige Oberarzt Karl-Heinz Puff die Klinik interimsmäßig.


Ordinarius Hartmut Pilz 1977-1978

Anschließend übernahm Hartmut Pilz die Leitung der Klinik 1977, der ein Schüler Pettes war. Sein Ableben 1978 bereits ein halbes Jahr nach Amtsantritt zwang zu einer erneuter kommissarischer Leitung durch den Oberarzt Karl-Heinz Puff.


Ordinarius Klaus Kunze 1981-1999

Im Jahre 1981 übernahm schließlich Klaus Kunze das Amt des Klinikdirektors der Neurologie. Kunze rief mehrere Spezialsprechstunden ins Leben. Die Erforschung des Schlaganfalls stellte einen Schwerpunkt seiner Arbeit dar. So wurde am UKE 1997 die erste Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten in Hamburg, die sogenannte Stroke Unit, eröffnet. Ebenso interessierte Kunze sich für Stoffwechsel- und entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, neuromuskuläre Krankheiten sowie genetische Nervenerkrankungen. Die neurologische Intensivstation des UKE, die einzige ihrer Art in Norddeutschland, wurde von Prof. Kunze ausgebaut.


1997 Gründung der ersten Stroke Unit


Ordinarius Cornelius Weiller 1999-2005

Prof. Weiller übernahm 1999 die Leitung der Klinik, der zuvor Oberarzt in Essen unter Christian Diener war und u.a. bei Frackowiak in London ausgebildet wurde. Er ist ausgewiesener Schlaganfall-Spezialist und trieb vor allem die neurologische Forschung der Bildgebung voran. Von 2005 bis 2006 wurde die Klinik kommissarisch von Joachim Liepert geleitet


Ordinarius Christian Gerloff 2006-heute

Seit dem Jahre 2006 leitet Prof. Christian Gerloff die Klinik und Poliklinik für Neurologie. Sein besonderes Interesse gilt der Erforschung des Schlaganfalls, insbesondere Mechanismen der Neuroplastizität sowie die Hirnbildgebung im akuten Schlaganfall.


2011 Gründung des ersten neurologisch-neurophysiologischen Sonderforschungsbereiches am UKE: "SFB 936 - Multi-site Communication in the Brain"




Quelle: Ursula Weisser (Hrsg.), Klaus Kunze (Autor): 100 Jahre Universitäts-Krankenhaus Eppendorf 1889-1989. Tübingen: Attempto 1989, bearbeitet S.Keßner

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