Interventionelle Elektrophysiologie

Neben der Diagnostik von Herzrhythmusstörungen mittels Langzeit- oder Belastungs-EKG, externer bzw. interner Eventmonitore oder auch elektrophysiologischer Untersuchungen liegt unser Fokus insbesondere auf der Therapie von Vorhofflimmern und ventrikulären Tachykardien (Kammertachykardien, ventrikuläre Extrasystolen) sowie supraventrikulären Tachykardien (Vorhofflattern, atriale Tachykardien, AV-Knoten-Reentrytachykardien, akzessorische Leitungsbahnen).

Alle Eingriffe werden in tiefer Sedierung der Patienten durchgeführt, sodass die Ablation für die Patienten sehr schonend und völlig schmerzfrei abläuft. Um die entsprechenden Katheter zum Herzen führen zu können, sind in den meisten Fällen lediglich venöse und/oder arterielle Gefäßzugänge über die rechte Leiste nötig. Alle Eingriffe werden mittels modernster Röntgenanlagen durchgeführt, um ein Höchstmaß an Präzision und Strahlenreduktion gewährleisten zu können.

Für die katheterinterventionelle Therapie von Vorhofflimmern setzen wir modernste und innovative Ablationsverfahren ein. Neben Hochfrequenzstrom in Kombination mit hochauflösenden dreidimensionalen Mappingsystemen, welche eine präzise und strahlenarme Navigation der Katheter erlauben, verwenden wir die jeweils neuesten Generationen von Ballonverfahren wie den Cryoballon oder den endoskopischen Laserballon.

Die Therapie ventrikulärer Tachykardien stellt aufgrund der Komplexität des Eingriffs eine besondere Herausforderung dar. Um hier ein Höchstmaß an Sicherheit und Effektivität zu gewährleisten, können diese Ablationsbehandlungen in unserer Klinik unter Integration modernster Bildgebungsverfahren und bei Notwendigkeit auch mit Herzkreislaufunterstützungssystemen (z.B. Impella-Pumpe oder Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO)) durchgeführt werden.

Die prä- und postinterventionelle stationäre Versorgung unserer Patienten erfolgt auf spezialisierten Rhythmusstationen mit insgesamt 33 Monitor-Betten.

Mit der akuten Therapie ist unsere Versorgung nicht am Ende! Auch nach der Entlassung können wir in unserer Rhythmusambulanz im weiteren Verlauf die Mitbetreuung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen anbieten.

    • Langzeit-EKG (bis zu 72 Stunden)
    • Langzeit-Blutdruck (24 Stunden)
    • Event-Recording (Tele-EKG-Scheckkarte, implantierbare Event-Recorder)
    • Ergometrie
    • Transthorakale und transösophageale Echokardiographie
    • Ambulante Rhythmussprechstunde
    • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)
    • Kardio-MRT

  • Mit der Katheterablation, einer Verödungstherapie am Herzen, steht eine sichere Methode zur Verfügung, um Vorhofflimmern effektiv mit einem Herzkatheter zu behandeln. Das primäre Ziel einer jeden Vorhofflimmer-Ablation ist die dauerhafte elektrische Isolation der Lungenvenen (sogenannte „Pulmonalvenenisolation“), da diese als Auslöser für die Entstehung und Unterhaltung von Vorhofflimmern nachgewiesen wurden.

    KODEX-EPD – neuartiges 3D-Mappingsystem
    Neben der Hitze-basierten Hochfrequenzstromablation gilt die Kälteballon-basierte Pulmonalvenenisolation heute als Goldstandard. Hierbei wird der Kälteballon an der jeweiligen Lungenvene positioniert und anschließend auf bis zu -60 °C gekühlt, was zur Verödung der umliegenden Herzmuskelzellen führt und die unerwünschte elektrische Leitung aus den Lungenvenen auf den Vorhof verhindert.

    Kürzlich wurde das neuartige Bildgebungssystem KODEX-EPD (Philips, Netherlands) entwickelt, welches in unserer Klinik Anwendung findet. Durch das KODEX-EPD-System ist es möglich, mittels elektrophysiologischer Katheter ein hochauflösendes dreidimensionales (3D) Echtzeitbild des Herzens zu erstellen. Das System ist sowohl für eine Ablation mittels Hitze als auch mittels Kälteballonverfahren geeignet. Mit Hilfe des Systems ist neben der Darstellung der Anatomie des Herzens auch eine Analyse der Position des Kälteballons an der Mündung der Lungenvene möglich, was insbesondere bei Patienten mit Kontraindikationen gegen jodhaltiges Kontrastmittel oder einer Nierenfunktionsschwäche von großem Vorteil ist. Möglicherweise kann hierdurch auch die Anwendung von Röntgenstrahlen reduziert werden.

    Der HELIOSTAR-Hochfrequenzstrom-Ballon
    Der HELIOSTAR (Biosense Webster, USA) ist ein neues Ballon-basiertes Ablationssystem. Sein Einsatz gleicht dem des Kälteballons, wobei nach Positionierung dieses Ballons an der Mündung der Lungenvene umliegendes Gewebe nicht durch die Applikation von Kälte, sondern von Hitze verödet wird. Der Ballon erlaubt dem anwendenden Arzt die auf der Ballonoberfläche fixierten Elektroden einzeln anzusteuern und die applizierte Energie so zu dosieren, dass beispielsweise dickeres Gewebe im linken Vorhof des Herzens möglichst effektiv und dünneres Gewebe besonders schonend verödet wird. Der neue Radiofrequenz-Ballon wird in Verbindung mit einem etablierten 3D-Mappingssystem, dem sogenannten CARTO-System, angewendet. Über eine Darstellung des Ballons in diesem Mappingsystem kann dies zur Strahlenreduktion führen, da dem Bediener das Manövrieren des Ballons ohne Einsatz von Röntgendurchleuchtung ermöglicht wird.

    Die Pulsed Field Ablation
    Aktuell gewinnt zudem eine weitere, neuartige Energiemodalität, die sogenannte Pulsed Field Ablation (PFA), neben Hitze- und Kälte-basierten Verfahren an Bedeutung (Abbildung 1). Hierbei werden durch die Abgabe kurzer gezielter Stromstöße Verödungsläsionen erzeugt; es zeigt sich bisher ein sehr vorteilhaftes Sicherheitsprofil (z.B. keine ablationsbedingten Veränderungen an der Speiseröhre). Das Universitäre Herzzentrum Hamburg setzt diese Technologie als eines der ersten Zentren weltweit ein. Eigene Erfahrungen mit diesem neuartigen System in unserem Zentrum zeigen eine hohe Akuteffektivität, wobei Langzeitergebnisse, insbesondere hinsichtlich der Rezidivraten von Vorhofflimmern, noch ausstehen.

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    Abbildung 1

    A: Der sogenannte „Farawave“ Verödungs-Katheter in seinen beiden Konfigurationen (Blütenblatt und Körbchen).

    B: Abbildung der Röntgendurchleuchtung während einer Verödungstherapie, welche die Positionierung des „Farawave“ Katheters, hier in der sogenannten „Blütenblatt“-Konfiguration, über einen Führungsdraht im Bereich der Einmündung der linken unteren Lungenvene zeigt (links).

    C: Elektrische Herzaktivitäten können über Elektroden des Katheters abgeleitet werden und zeigen hier Lungenvenenpotentiale direkt vor (*) und fehlende Lungenvenenpotentiale nach (**) einer PFA-Applikation (rechts), was eine akut erfolgreiche Vorhofflimmerablation anzeigt.

    PFA= Pulsed Field Ablation, CS= Koronarvenensinus-Katheter, LAO= left-anterior oblique

    • Differentialdiagnose und Beratung bei seltenen rhythmogenen Erkrankungen
      • Long-QT-Syndrom
      • Short-QT-Syndrom
      • Brugada-Syndrom
      • Catecholaminerge polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT)
      • Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC)
      • Non-compaction Kardiomyopathie
    • Humangenetische Abklärung
    • 12-Kanal-Langzeit-EKG
    • Primär- und sekundärprophylaktische ICD-Implantation und Nachsorge

  • Als Synkope wird ein kurzer Verlust des Bewusstseins bezeichnet, der durch eine Minderdurchblutung des zentralen Nervensystems hervorgerufen wird. Die möglichen Gründe für eine Synkope sind vielfältig und reichen von harmlosen Ursachen bis hin zu bedrohlichen Erkrankungen. Unter anderem können auch Herzrhythmusstörungen eine Synkope auslösen. In diesem Fall spricht man von einer rhythmogenen Synkope.

    Prinzipiell können sowohl bradykarde (zu langsamer Herzschlag) als auch tachykarde (zu schneller Herzschlag) Arrhythmien zu einer Synkope führen. Zur Diagnose einer rhythmogenen Synkope ist die EKG-Dokumentation des Herzrhythmus‘ beim Bewusstseinsverlust essenziell. Gerade bei seltenen Ereignissen ist dies oft eine diagnostische Herausforderung.

    Unser Zentrum bietet sämtliche Möglichkeiten zur Diagnostik und Therapie von Synkopen.

    Diagnostik:

    • (12-Kanal-) Langzeit-EKG, Tele-EKG, Event-Rekorder zur Dokumentation des Herzrhythmus
    • Belastungs-EKG, Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) zur Auslösung von Arrhythmien unter kontrollierten Bedingungen
    • Schellong-Test, Carotiden-Duplex-Sonographie zur Abklärung alternativer Ursachen (wie z.B. Kreislaufdysregulationen)

    Ist eine Rhythmusstörung als Ursache der Synkope gesichert, so ist in der Regel eine weitere Therapie notwendig. Im Falle von tachykarden Arrhythmien ist neben Medikamenten oft eine Katheterablation möglich. In diesem Bereich können wir als eines der größten Zentren in Europa mit über 1600 Ablationsbehandlungen pro Jahr das gesamte Therapiespektrum anbieten. Bei bradykarden Herzrhythmusstörungen kann ein Herzschrittmacher sinnvoll sein, um weiteren Synkopen vorzubeugen. In diesem anspruchsvollen, sich stets weiterentwickelnden Feld bietet unser Team eine Device-Versorgung auf dem modernsten Stand des Wissens und der Technik.

  • Beispiel eines typischen Vorhofflatterns im Oberflächen-EKG
    Beispiel eines typischen Vorhofflatterns im Oberflächen-EKG

    Unter einer supraventrikulären Tachykardie (SVT) versteht man regelmäßiges Herzrasen (>100 /Min.), das außerhalb von körperlicher Belastung oder psychischem Stress besteht. Zu den regelmäßigen SVTs zählen Vorhofflattern, atriale Tachykardien, AV-Knoten-Reentrytachykardien (AVNRT), AV-Reentry-Tachykardien (AVRT), inadäquate Sinustachykardien und das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (POTS).

    Wir bieten folgende Verfahren zur Diagnostik und Therapie an:

    • Adenosin-Test zur Differenzierung von regelmäßigen supraventrikulären Tachykardien, sowie elektrische Kardioversion
    • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) zur Diagnostik bei supraventrikulären Tachykardien (SVT) sowie Therapie mittels Katheterablation (Verödung)

    Dazu werden unter Sedierung und örtlicher Betäubung über eine venöse Punktion in der Leiste Katheter zum Herzen geführt. Durch elektrische Stimulationsmanöver können verschiedene SVTs differenziert werden:

    a) Vorhofflattern
    Während des Vorhofflatterns besteht eine kreisende Erregung (Reentry) innerhalb der Vorhöfe. Beim typischen Flattern wird dabei ein Makro-Reentry um die Trikuspidalklappe durchlaufen, der durch eine Ablationslinie am Übergang der unteren Hohlvene zur Trikuspidalklappe (cavotrikuspidaler Isthmus, CTI) unterbunden werden kann. Unter Vorhofflattern fallen auch atriale Tachykardien, die häufig durch kreisende Erregungen um OP-bedingte Narben oder Fibroseareale charakterisiert sind. Bei der Therapie von atrialen Tachykardien wird häufig eine elektroanatomische 3D-Rekonstruktion mit modernsten Mappingsystemen (Carto3®, Biosense Webster; EnSiteTM NavXTM, St. Jude Medical und Rhythmia HDx®, Boston Scientific) durchgeführt und eine individuelle Verödungstherapie mittels Radiofrequenzstrom angewendet. Beispiel eines typischen Vorhofflatterns.

    b) Ektope atriale Tachykardien
    Diese Rhythmusstörung geht von einer Stelle im Vorhof außerhalb des Sinusknotens (fokal) aus. Sie wird durch abnorme Automatie oder Mikro-Reentries ausgelöst. Die auslösende Stelle im Herzen wird mittels elektroanatomischer 3D-Rekonstruktion aufgesucht und punktuell verödet.

    c) AV-Knoten-Reentry-Tachykardien (AVNRT)
    Die AVNRT zeigt sich durch einen plötzlichen Beginn und ein häufig plötzliches Ende (On-off) aus und ist bedingt durch duale Leitungseigenschaften des AV-Knotens, so dass eine kreisende Erregung entstehen kann. Die Therapie besteht bei der typischen Form in der Ablation bzw. Modulation mittels Radiofrequenzstrom des langsam leitenden Anteils („slow pathway“). d) Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW) /Atrioventrikuläre Reentry-Tachykardie (AVRT) Auch diese Rhythmusstörung zeichnet sich meist durch einen plötzlichen Beginn und ein plötzliches Ende aus. Hier besteht eine elektrische Verbindung zwischen Vorhof und Kammer außerhalb des AV-Knotens (akzessorische Leitungsbahn), die zu Reentry-Tachykardien führen kann. Diese Verbindung ist bei antegrader Leitfähigkeit durch eine charakteristische Deltawelle im EKG zu erkennen; bei allein retrograder Leitfähigkeit kann die Bahn erst durch eine elektrophysiologische Untersuchung demaskiert werden. Unter Zuhilfenahme einer 3D-Rekonstruktion wird die Stelle aufgesucht und punktuell mit Radiofrequenzstrom verödet, so dass der AV-Knoten die einzige elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Herzkammern darstellt und AVRTs nicht mehr entstehen können.

    e) Inadäquate Sinustachykardien
    In diesem Fall liegt eine Anomalie des Sinusknotens vor, bei der Anteile des Sinusknotens häufig katecholamin-bedingt mit einem abnormen Frequenzsprung reagieren. Bei sehr hohem Leidensdruck und Ausschöpfung von konservativen Maßnahmen kann eine Modulation des Sinusknotens mittels Radiofrequenzstrom oder Kälte(Cryo)-Energie erfolgen.

  • Behandlung von Vorhofflimmern
    Vorhofflimmern ist weltweit die häufigste Herzrhythmusstörung. Viele betroffene Patientinnen und Patienten leiden unter Herzrasen oder unregelmäßigem Herzklopfen, sowie einer verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit, was die Lebensqualität der Betroffenen sehr stark einschränkt.

    Individuelle Therapiekonzepte
    Die Therapie des Vorhofflimmerns hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt und wird für Patient:innnen je nach den persönlichen Begleitumständen individuell angepasst. In unserer Rhythmussprechstunde diskutieren wir mit unseren Patient:innnen, wie ein solches individualisiertes Therapiekonzept aussehen kann.


    Behandlungsmöglichkeiten:

    Kardioversion
    Kurzfristig kann der normale Herzrhythmus durch einen Stromimpuls über die Brustwand (Kardioversion) wiederhergestellt werden. Hierzu kann – auch kurzfristig – ein Termin bei uns vereinbart werden. Eine Kardioversion erfolgt bei uns unter kurzer Narkose im Rahmen einer tagesstationären Behandlung.

    Medikamentöse Therapie
    Rhythmuserhaltende Medikamente können den Herzrhythmus stabilisieren. Hierfür kommen Medikamente wie zum Beispiel Flecainid oder Amiodaron zum Einsatz.

    Katheterablation („Verödung“) bei Vorhofflimmern
    In unseren Herzkatheterlaboren werden alle Eingriffe unter Narkose durchgeführt, sodass die Ablation für die Patient:innnen schmerzfrei abläuft. Die zur Verödung erforderlichen Katheter werden über die Gefäße der Leiste zum Herzen geführt. Die Therapie mittels einer Katheterablation basiert darauf, dass die Vorhöfe mittels einer Verödung von störenden Impulsen, die zumeist den Lungenvenen enstpringen, abgeschirmt wird. Man spricht in diesem Fall von einer elektrischen Isolation der Lungenvenen im Rahmen der Vorhofflimmerablation. Hierzu setzen wir modernste und innovative Verfahren ein.

    Vorhofflimmerablation mit Hochfrequenzstrom
    Zur Echtzeitdarstellung von Kathetern in den Herzhöhlen wurden in den letzten Jahren Systeme entwickelt, die ermöglichen die Herzkammer in 3D und die Position des Katheters darzustellen. Diese Verfahren ermöglichen die anatomische Form und die elektrischen Eigenschaften des Vorhofs zu erfassen und die Katheter unter minimaler Strahlenbelastung zu führen. Es kommen dabei die neuesten Verfahren der Katheterablation zum Einsatz.

    Vorhofflimmerablation mit dem Cryoballon
    Die Ablation mittels Cryoballon ist inzwischen neben der Hochfrequenzstromablation eine etablierte Therapie und ist hinsichtlich des Erfolges und der Risiken der Hochfrequenzablation ebenbürtig. Hierbei wird ein Ballon zu den Lungenvenen navigiert und an der gewünschten Position entfaltet. Der Ballon kühlt das Gewebe und führt so zur gewünschten elektrischen Isolation der Lungenvenen.

    Vorhofflimmerablation mittels Elektroporation
    Das neue Verfahren der Elektroporation hingegen ist eine nicht-thermische Verödungsmethode, die auch als „Pulsed Field Ablation“ bezeichnet wird. Hierdurch kann gezielt das Gewebe des Herzmuskels behandelt werden, so dass an das Herz angrenzende Organe wie Nerven oder die Speiseröhre geschont werden. Es werden durch kurze, repetitive Stromstöße gezielt nur jene Herzzellen angesteuert, die für die Störimpulse verantwortlich sind.

  • LAA Board
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    LAA Board

    Warum kann es beim Vorhofflimmern zu Schlaganfällen kommen?
    Vorhofflimmern (VHF) ist die häufigste Herzrhythmusstörung des Menschen und die Prävalenz steigt mit der demographischen Entwicklung. Neben der Symptomatik ist mit der Rhythmusstörung vor allem eine erhöhte Schlaganfallgefahr durch entstehende Blutgerinnsel verbunden. Man geht davon aus, dass sich diese Blutgerinnsel in ca. 90 % der Fälle im linken Vorhofohr (engl: Left Atrial Appendage; LAA) bilden. In den meisten Fällen sind medikamentöse Blutverdünner wie die direkten oralen Antikoagulanzien oder aber auch Marcumar indiziert. Für einige Patienten sind diese Präparate aufgrund von Unverträglichkeiten, bestimmten Kontraindikationen oder aber wegen Komplikationen wie Blutungen nicht geeignet. Bei einem hohen Schlaganfallrisiko kann dann ein Verschluss des linken Herzvorhofohres sinnvoll sein.

    Innovation und Interdisziplinäre Kardiologie – das LAA Board
    Das Universitäre Herz- und Gefäßzentrum hat eine innovative Form der interdisziplinären Zusammenarbeit etabliert, um für jeden Patienten die passende Methode zur Schlaganfallprophylaxe zu finden und diese im Konsens zwischen verschiedenen Fachbereichen zu diskutieren. Während häufig alleinig der behandelnde Internist oder Kardiologe entscheidet, wird im UHZ im Team, bestehend aus interventionellen Kardiologen, Elektrophysiologen, Gerinnungsmedizinern und Neurologen, jeder Patientenfall im Detail diskutiert und eine Empfehlung ausgesprochen. Dadurch versuchen wir unnötige Risiken zu vermeiden und der Patient profitiert von der großen Expertise eines universitären Großversorgers.

    Welche Methoden gibt es dafür?
    Seit Anfang der 2000er Jahre besteht die Option eines katheterinterventionellen LAA-Verschlusses mittels eines sog. Okkluders oder Vorhofohrschirmchens in das linke Vorhofohr. Zurück bleibt lediglich eine kleine Hautnaht in der Leiste, die am nächsten Tag wieder entfernt werden kann. Eine andere Methode ist der sog. epikardiale Herzohrverschluss. Dabei handelt es sich um den Verschluss des LAA von außen. Das Herzohr wird somit verschlossen ohne, dass ein Fremdkörper im Herzen verbleibt.

    Wie sieht die Nachbehandlung für den Herzohrverschluss aus?
    Bei einem Herzohrschirmchen wird die Blutverdünnung abgesetzt und gegen eine Blutplättchenhemmung mit ASS und Clopidogrel für 3 Monate ausgetauscht. Danach werden mittels Schluckecho die Lage und der dauerhafte Verschluss kontrolliert. Anschließend wird ASS als alleinige Therapie lebenslang fortgeführt. Nach einem epikardialen LAA-Verschluss kann sofort jegliche Blutverdünnung abgesetzt werden, sofern keine andere Indikation hierfür besteht. Auch hier erfolgt eine Kontrolle des Verschlusses mittels Schluckechokardiographie im weiteren Verlauf. Als Universitätsklinikum sind wir der Forschung und Lehre verpflichtet, weswegen wir in ausgewählten Fällen eine ausgedehnte Nachbetreuung unserer Patienten anbieten.

  • Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen
    Zu den ventrikulären Herzrhythmusstörungen (Herzrhythmusstörungen, welche die beiden Herzkammern betreffen) zählen ventrikuläre Extrasystolen sowie ventrikuläre Tachykardien. Ventrikuläre Extrasystolen sind regelmäßig oder unregelmäßig einfallende Extraschläge, die ihren Ursprung in einer der beiden Herzkammern nehmen. Sie treten vereinzelt bei den meisten Menschen auf, können jedoch, wenn sie in höherer Anzahl vorliegen, mit Beschwerden wie Herzstolpern einhergehen oder zu Herzschwäche führen. Als ventrikuläre Tachykardie wird ein Herzrasen mit Ursprung in den Herzkammern bezeichnet. Dieses tritt insbesondere bei Patienten mit vorerkranktem Herzen auf und ist häufig lebensbedrohlich. Typische Symptome sind Herzrasen, Schwindelanfälle, Synkopen, im Extremfall resultiert der plötzliche Herztod. Zur Behandlung der ventrikulären Herzrhythmusstörungen kommen neben einer medikamentösen Therapie zunehmend auch Interventionen in Betracht. Durch die minimalinvasive Katheterablation (Verödung) der Ursprungsorte der Rhythmusstörung im Herzen können diese oft erfolgreich behandelt werden. Die Abteilung für Rhythmologie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums führt bereits seit vielen Jahren erfolgreich und auf höchstem Niveau Katheterablationen zur Behandlung dieser Herzrhythmusstörungen durch (ca. 250 Katheterablationen ventrikulärer Herzrhythmusstörungen pro Jahr).

    Die Prozeduren finden in Analgosedierung (Dämmerschlafnarkose) sowie örtlicher Betäubung statt und sind für den Patienten schmerzfrei. Nach Punktion der Gefäße der Leiste können die Katheter zum Herzen vorgeführt werden. Zur Navigation im Herzen und Darstellung der Katheter verwenden wir modernste elektroanatomische 3D-Mappingsysteme wie Carto3® (Biosense Webster), EnSiteTM NavXTM (St. Jude Medical) oder auch Rhythmia HDx® (Boston Scientific). Durch sie wird ein dreidimensionales Modell des Herzens erstellt, welches die Behandlung vereinfacht. Bei schwerstkranken Patienten können die Prozeduren auch unter Herzkreislaufunterstützung mittels Impella® Herzpumpe oder im Notfall ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung) erfolgen.

    Durch die Ablation werden ventrikuläre Extrasystolen in den überwiegenden Fällen völlig beseitigt. Eine bei hoher Anzahl von Extraschlägen (in der Regel bei mehr als 10% ventrikulärer Extrasystolen im Langzeit-EKG) potentiell ausgelöste Herzschwäche kann sich oft bessern oder vollständig zurückbilden. Bei ventrikulären Tachykardien kann durch die Ablation die Episodenhäufigkeit der Rhythmusstörung verhindert oder zumindest vermindert werden. Dadurch können Schockabgaben eines ICDs (implantierter Defibrillator) verhindert und nebenwirkungsreiche Medikamente gegebenenfalls abgesetzt werden. Um in seltenen Fällen auftretende Komplikationen der Katheterprozedur schnell zu erkennen, werden alle Patienten nach der Untersuchung für 24-48 Stunden auf einer Monitorstation überwacht.

    Die individuelle Besprechung Ihres Falls ist gerne nach Anmeldung in unserer Herzrhythmussprechstunde möglich. Zuweisende Ärzte können uns jederzeit gerne unter unserer Rhythmushotline erreichen. Vorbefunde und ein Medikamentenplan sollten zum Besprechungstermin mitgebracht werden.

    Eine Besonderheit unseres Herz- und Gefäßzentrums ist die enge Zusammenarbeit vieler medizinischer Teildisziplinen unter einem Dach. Die Katheterablation und alle weiteren notwendigen Therapieschritte, wie zum Beispiel regelmäßige Kontrollbesuche in der Herzinsuffizienzambulanz, Schrittmacher- und ICD-Therapie oder auch die Behandlung von Klappen- oder Gefäßerkrankungen, erfolgen in enger Abstimmung im interdisziplinären Team. Durch den umfassenden Therapieansatz und die Betrachtung aller Aspekte garantieren wir eine optimale Behandlung Ihrer Herzerkrankung mit dem Patientenwohl im Fokus.

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    Abbildung 1:
    3D-Modell der linken Herzkammer mittels Mapping-System

    Im Rahmen der Katheterablation erstellt der Untersucher mit Hilfe des 3D-Mapping-Systems (in diesem Fall Carto3®) ein Modell des Herzens. In diesem werden die Bewegung und Position der Katheter in Echtzeit angezeigt. Farblich können gesundes und krankes Gewebe unterschieden werden. Die rosafarbenen Punkte am unteren Rand des Modells zeigen an, dass in diesem Bereich bereits verödet wurde.

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    Abbildung 2:
    Elektrokardiogramm während der Ablation

    In diesem Bild ist erkennbar, wie die ventrikulären Extrasystolen unter der Ablation plötzlich sistieren. Im Anschluss zeigt sich ein stabiler, regelmäßiger Herzrhythmus (Sinusrhythmus).