Die UKE-Hygienekampagne - Teil 2 (2017)

Das Logo der Hygienekampagne
Das Logo der Hygienekampagne

Wir im UKE: Einer für alle. Alle für Hygiene.

Unter dem Motto "Hygiene im UKE. Ohne Wenn und Aber!" startete das UKE 2015 seine Hygienekampagne – nun geht die Kampagne in die nächste Runde. Ob Medizin, Pflege, Service oder Reinigung - Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen patientennaher Arbeitsbereiche werben auf den Plakaten für mehr Sensibilität beim Thema Hygiene. Die Botschaft: Jeder kann mit seinem persönlichen Verhalten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit der Patientinnen und Patienten leisten – besonders beim Thema Händehygiene.

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 900.000 Menschen an einer Krankenhausinfektion. Eine bedenkliche Zahl, der nur durch konsequente Einhaltung von Hygienerichtlinien entgegengewirkt werden kann. Ein guter Grund für den Vorstand des UKE, sich besonders für Hygiene stark zu machen - und das mit einer außergewöhnlichen Kampagne. Der Vorstand hat diese Kampagne 2015 initiiert um noch einmal deutlich zu machen, welchen Stellenwert die Hygiene in der Patientenversorgung hat.

UKE-Hygienekampagne - Teil 1


Motive des ersten Teils der UKE-Hygienekampagne

Motive des ersten Teils der UKE-Hygienekampagne

Motive des ersten Teils der UKE-Hygienekampagne

Hygiene auf Station 5a

Wie im gesamten UKE wird Hygiene auch auf der 5A des Kopf- und Neurozentrums großgeschrieben. Um sich noch weiter zu verbessern, steht der Station eine Hygienefachkraft des UKE beratend zur Seite.

Erst nachdem der Arztkittel abgelegt ist, Einmalschürzen übergezogen und die Hände gründlich desinfiziert sind, betreten Dr. Alexandre Assaf, Facharzt der MKG-Chirurgie, und Gesundheits- und Krankenpflegerin Anja Herrmann das Patientenzimmer zur morgendlichen Visite. „Da wir viele Patienten mit Gesichtswunden und nach Hauttransplantationen behandeln, was häufige Verbandwechsel erfordert, hat Hygiene bei uns oberste Priorität“, sagt Herrmann, die seit April letzten Jahres die Station 5A pflegerisch leitet.

Und wenn der Schutzkittel versehentlich vergessen wird oder der Ring noch am Finger sitzt? „Dann machen wir den Kollegen höflich, aber bestimmt darauf aufmerksam“, antwortet die Stationsleitung lächelnd. Begleitet und unterstützt werden die Mitarbeiter bei der Umsetzung hygienischer Vorschriften durch die Hygienefachkraft in Weiterbildung Tanja Borchert, die selbst 15 Jahre auf der neurochirurgischen Intensivstation als Pflegekraft tätig war. Neben der Station 5A berät sie die Stationen 3A und 3B des Kopf- und Neurozentrums.

„Hygiene ist eine gemeinsame Aufgabe aller Mitarbeiter in der Patientenversorgung“, sagt Borchert. „Ein vertrauensvoller, offener Umgang miteinander, wie er auf Station 5A gelebt wird, schafft die besten Voraussetzungen, hygienische Regeln im Team umzusetzen.“

Monatliche Kurzfortbildungen

Einmal im Monat organisiert Borchert 15-minütige Kurzfortbildungen auf Station, die während der Arbeitszeit stattfinden und für alle Kolleginnen und Kollegen verpflichtend sind. Hier wird Wissen zu Themen wie Händehygiene, Wundversorgung oder zum Umgang mit multiresistenten Keimen aufgefrischt. Im Rahmen von Hygienechecks begleitet Borchert regelmäßig Pflegekräfte bei ihrer Arbeit und gibt Feedback.

„Diese Form der Hygiene-Beratung ist für uns deshalb so wertvoll, weil sie sich stark an der Praxis unserer täglichen Arbeitsabläufe orientiert“, sagt Herrmann. Im Vordergrund stehe nicht die Kritik, sondern der Anspruch, gemeinsam umsetzbare Lösungen zu erarbeiten. Hygienefragen im Arbeitsalltag beantworten auf Station 5A drei Hygienementoren. „Dadurch, dass uns viele direkte Ansprechpartner bei Hygienefragen zur Verfügung stehen, sind wir bei dem Thema einen weiteren Schritt vorangekommen“, sagt Herrmann. Diesen Weg wollen sie und ihr Team nun konsequent weitergehen.

"Hygiene ist der beste Schutz"

Wer die Regeln befolgt, kann schwere Infektionen verhindern – davon ist Elisabeth Carstens, Stationsleitung Pflege der Neurochirurgie, überzeugt. Mitunter ist auch kollegiale Kontrolle notwendig.

Welchen Stellenwert hat Hygiene in der Pflege?

Elisabeth Carstens: In der Pflege sind Hände mit das wichtigste Handwerkszeug – und gleichzeitig Keimüberträger Nummer eins. Da wir viel mit stark pflegebedürftigen Menschen zu tun haben, hat die Händedesinfektion oberste Priorität. Denn damit können wir wirkungsvoll verhindern, dass Keime von Zimmer zu Zimmer getragen werden und auch uns Mitarbeiter vor Ansteckung schützen.

Warum ist die Hygienekampagne wichtig fürs UKE?

Elisabeth Carstens: Hygiene ist zentraler Bestandteil unserer Ausbildung und täglichen Arbeit. Doch in hektischen Phasen, wo verschiedene Dinge gleichzeitig passieren, gerät sie manchmal kurzzeitig in den Hintergrund. Genau hier greift die Plakatkampagne. Sie spricht Mitarbeiter direkt an und führt ihnen die Wichtigkeit des Themas sprichwörtlich immer wieder vor Augen.

Wo liegen – aus pflegerischer Sicht – die größten Herausforderungen?

Elisabeth Carstens: Hygieneregeln auch in Ausnahmesituation nicht aus den Augen zu verlieren, ist eine der größten Herausforderungen. Beispielsweise, wenn ein Patient plötzlich erbricht oder blutet. Ein weiterer Aspekt ist das Abwägen zwischen Einhaltung von Hygieneregeln und dem Umgang mit Patienten. Geben wir zur Begrüßung die Hand? Setzen wir uns aufs Bett, wenn ein Patient Gesprächsbedarf hat? Die Vorschriften sagen Nein. Doch menschlich gesehen kann ein Augenblick der Nähe sehr wichtig für einen Schwerkranken sein.

Wie werden Sie bei der Umsetzung hygienischer Vorgaben unterstützt?

Elisabeth Carstens: Maßgeblich durch unsere speziell fortgebildete Hygienefachkraft Tanja Borchert. Sie ist jederzeit für die Mitarbeiter erreichbar, beantwortet aktuelle Fragen und organisiert Fortbildungen auf Station zu unterschiedlichen Hygienethemen. Im Rahmen von Hygienechecks begleitet sie zudem regelmäßig Kollegen als stumme Zuschauerin und gibt Rückmeldung, an welchen Stellen Verbesserungsbedarf besteht. Gemeinsam überlegen wir dann, wie sich die Maßnahmen am sinnvollsten in die täglichen Arbeitsabläufe integrieren lassen.

Wie gehen Sie in Ihrem Team mit dem Thema Hygiene um?

Elisabeth Carstens: Wir handeln nach dem Vier-Augen-Prinzip. Fällt jemandem auf, dass der Kollege vergessen hat, seinen Ring abzunehmen oder sich vor Betreten des Zimmers die Hände zu desinfizieren, sprechen wir ihn direkt darauf an. Das gilt auch für unsere Ärzte. Diese kollegiale Kontrolle ist meines Erachtens der beste Weg, Fehler zu minimieren. Um das Thema bei allen im Bewusstsein zu halten, weise ich meine Kolleginnen und Kollegen außerdem regelmäßig auf die Risiken mangelnder Hygiene hin – auch im Hinblick auf den Schutz der eigenen Person und der Familie.

"Hygiene geht uns alle an!"

Prof. Johannes Rueger
Direktor der Klinik für Unfall-Hand- und Wiederherstellungschirurgie im UKE

„Hygiene geht uns alle an!“Warum ist die Hygienekampagne wichtig fürs UKE?

Prof. Rueger: Dass Hygiene ein fester Bestandteil unseres Berufsbildes ist, weiß in der Theorie jeder, der in einem Krankenhaus arbeitet. Das Problem: Mit der Routine werden Menschen nachlässig. Hinzu kommt, dass wir in einer Zeit leben, in der es durch den hohen Einsatz von Antibiotika – sowohl in der Medizin als auch in der Landwirtschaft – immer mehr resistente Bakterien gibt und damit immer weniger Möglichkeiten, diese mit Antibiotika zu bekämpfen. Deshalb ist es so wichtig, durch die Einhaltung von Hygieneregeln die Kontamination von Patienten im Vorfeld zu verhindern. Um Mitarbeitern das immer wieder vor Augen zu führen, brauchen wir die Hygienekampagne.

Auch Sie sind auf einem der Kampagnenmotive zu sehen. Warum wollten Sie mitmachen?

Prof. Rueger: Gerade Keimbesiedlungen im Bereich der Knochen, Weichteile oder Gelenke können sich in Folge einer Operation zu besonders problematischen und gefährlichen Infektionen entwickeln. Deshalb muss unser Anspruch sein, die Infektionsraten gegen Null zu drücken. Mit der Einhaltung von Hygienevorschriften kann jeder Mitarbeiter seinen Teil dazu beitragen – diese Botschaft möchte ich weitergeben.

Wo liegen die Probleme bei der Umsetzung von Hygieneregeln?

Prof. Rueger: Eines unserer größten Probleme ist sicher, dass Keime auf Station mangels Händehygiene immer noch von Zimmer zu Zimmer getragen werden. Rund 80.000 Infektionen entstehen so pro Jahr in deutschen Krankenhäusern. Auch hierfür soll die Kampagne das Bewusstsein schärfen und Mitarbeiter aufrufen, die klaren Vorgaben einzuhalten.

Was lässt sich die Situation weiter verbessern?

Prof. Rueger: Auf meiner Station lege ich großen Wert auf die persönliche Hygiene und appelliere immer wieder an jeden Einzelnen. Das heißt konkret: Händedesinfektion vor jedem neuen Patientenkontakt, keine Uhren und Schmuck sowie Handschuhpflicht, Papierkittel und grünes Tuch während des Verbandswechsels. Ein wunder Punkt bleiben die Arztkittel als weiterer möglicher Überträger von Bakterien. Um die rasante Entwicklung multiresistenter Keime in den Griff zu bekommen, hat man in England und den USA radikale Maßnahmen ergriffen. Unter dem Motto “Bare below the ellbow“ wird dort nur noch mit freien Unterarmen in ärmellosen Kitteln gearbeitet. So kann der Bereich zwischen Ellenbogen und Händen gründlich desinfiziert und als Keimüberträger ausgeschaltet werden. Ich denke, diese Maßnahme wäre auch für Deutschland eine Überlegung wert.

Wie gehen Sie in Ihrem Team mit dem Thema um?

Prof. Rueger: Da hier auf Station ein starkes Bewusstsein darüber herrscht, wie schwer es ist, durch eine Infektion hervorgerufene Komplikationen wieder in den Griff zu bekommen, wird mit dem Thema sehr sensibel umgegangen. Als Direktor der Klinik versuche ich stets, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Wichtig ist mir auch ein offener Umgang zwischen allen Beteiligten. Eine Pflegekraft soll einen Arzt ebenso auf die Einhaltung hygienischer Vorschriften hinweisen wie umgekehrt. Eines ist klar: Hygiene ist Teamarbeit.