Lehre in der Neurologie

Propädeutikum Neurologie

  • Die neurologische Propädeutik soll eine Grundlage in der neurologischen Anamneseerhebung und eine Systematik in der Neurologischen Untersuchung vermitteln. Ziel ist es, dass alle Studenten durch gegenseitiges Untersuchen den Ablauf einer Neurologischen Untersuchung kennenlernen und und Varianten von Normalbefunden erheben.

    Hilfsmittel zur neurologischen Untersuchung:
    Reflexhammer, Lampe, Augenspiegel, Visustafel, Ishiharatafeln, Stimmgabel, Reagenz-gläser, Nadel, Spatel, Watteträger, Riech- und Geschmacksstoffe, Stethoskop, Blutdruck-Gerät.

    Vorausgesetzt wird bei allen Studenten das Mitbringen eines Reflexhammers!

  • 70% der Diagnose ist die Anamnese!

    Zwei Schlüsselfragen, auf die sich Anamnese und Untersuchung richten:

    • Wo ist die krankheitsverursachende Läsion?
    • Welche Pathologie liegt ihr zugrunde?

    Hauptbeschwerde, Charakteristika

    • Dauer? (ab wann?, wie lange?, Verlauf?, Tageszeit?)
    • Akuität des Beginns? (einschleichend, schlagartig)
    • Stärke? (Skalenwerte 1-10)
    • Art? (z.B. dumpf, spitz, bohrend, klopfender Schmerz)
    • Ort? (Ausstrahlung)
    • Funktion? (wobei?, Begleitumstände, Änderung anderer Körperfunktionen)

    Eigenanamnese / Vorerkrankungen

    • spezielle und allgemeine neurologische Vorgeschichte
    • Herz / Kreislauf
    • Urogenital / Gynäkologische Anamnese
    • Lunge
    • Stoffwechsel
    • Gastrointestinaltrakt
    • Haut / Bewegungsapparat (Unfälle, OPs)

    Allgemeine Anamnese (inkl. vegetativer Anamnese)

    • Risikofaktoren
    • Medikamente
    • Toxine / Noxen
    • Auslandsaufenthalte

    Familienanamnese

    • Infektionen
    • Erbkrankheiten
    • familiär gehäufte Erkrankungen
    • Todesursache der Eltern

    Psychosoziale Anamnese

  • 1. Kopf / Hals / Wirbelsäule

    • Schädelform (Mikrokranie, Turmschädel, Verletzungen)
    • Hautbeschaffenheit, Haare, Gefäßzeichnug
    • Mimik (Hypomimie, Asymmetrie)
    • Exophthalmus / Enophthalmus
    • Kopfhaltung (Dystonie, Meningismus)
    • Klopfschmerzen (Nasennebenhöhlen, Nervenaustrittspunkte, Kalotte)
    • Pulsationen, Geräusche

    Nervendehnungszeichen:

    • Meningismus: bei passiver Kopfhebung schmerzhafter Widerstand
    • Brudzinski: bei passiver Kopfhebung Beugung von Knie- und Hüftgelenk
    • Kernig: Beugung im Hüftgelenk (liegender Patient) hat entlastende Beugung in den Knien zur Folge; der sitzende Patient kann Kniee nicht strecken
    • Lasègue: Beugung im Hüftgelenk führt zu schmerzreflektorischer Hemmung bei < 90° (DD: Wurzelirritation (L4) L5-S1)
    • Bragard: Lasègue und passive Dorsalextension des Fußes, Schmerzprovokation?
    • Umgekehrter Lasègue: Bauchlage und passive Dorsalextension im Hüftgelenk, (DD: N.femoralis, L2-4 Wurzeln)
    • Signe de Lhermitte: Kopfneigung nach vorne führt zu Kribbeln am Rumpf, entlang der WS, in die Arme, "wie Sprudel über den Rücken" (DD: meningeale Reizung, Radikulopathie, MS)
    • Opisthotonus: Nackensteife mit Überstrecken des Kopfes

    2. Hirnnerven

    N.olfactorius (I)
    Untersuchung:

    • Prüfung mit Vanille, Kaffee, Pfefferminz, Mandelöl
    • Salmiak und Essig: Trigeminusreizstoffe zur DD psychogene Riechstörung
    Anosmie: meist als Geschmacksstörung empfunden
    Kakosmie/Parosmie: spontane, anfallsartige unangenehme Geruchsempfindungen (DD: frontobasale Prozesse, olfaktorische Aura)

    N.opticus (II)
    Untersuchung:

    • Visus (Nah/Fern)
    • Gesichtsfeld (orientierend, seitengetrennt, blinder Fleck)
    • Pupillenreaktion direkt, indirekt, Konvergenz
    • Weite / Rundheit
    • Seitendifferenz: Anisokorie
    • Ziliospinaler Reflex (Kneifen im Gesicht, Nacken, Oberkörper, Pupillendialatation 1-2 mm)

    N.oculomotorius (III), N.trochlearis (IV), N.abducens (VI)
    Untersuchung:

    • Nystagmus (Spontan-N., Blickrichtungs-N., Endstell-N.)
    • Augenfehlstellung (latentes, manifestes Schielen)
    • Doppelbilder

    N.trigeminus (V)
    Untersuchung:

    • Sensibilitätsstörungen inkl. druckschmerzhafte Nervenaustrittspunkte
    • (DD: Zwiebelschalenmuster (zentrale) - Etagenmuster (periphere) Läsion)
    • Korneal-Reflex: Afferenz: N.V1 Efferenz: N.VII
    • Masseter-Reflex
    • Kraftprüfung der Kaumuskulatur

    N.facialis (VII)
    Untersuchung:

    • Stirnrunzeln, Augen zukneifen, Backen blähen, Zähne zeigen, Pfeifen, Nasenflügel blähen, Augenbrauen zusammenziehen, untere / obere Zähne zeigen, Unter-/Ober-Lippe über jeweils andere, Nase lang machen
    • Geschmack: Zucker-Salz-Zitronenproben
    • Schirmer-Test: Prüfung der Tränensekretion; Soll: >1 cm / 5 min.
    • Stapedius-Reflex: Hyperakusis
    • Kornealreflex (DD: zentrale Lähmung (Stirnast mitbetroffen), periphere (Stirnast intakt, aber Geschmack betroffen)
    • Bell-Phänomen: Bulbusabweichung nach oben, beim unvollständigen Augenschluß sichtbar
    • Signe-de-cils: Wimpern werden beim Augen-zukneifen nicht verdeckt

    N.vestibulocochlearis (VIII)
    Untersuchung:

    • Hörprüfung
    • Rinne, Weber
    • Unterberger Tretversuch
    • Lagerungsproben

    N.glossopharyngeus (IX)
    N.vagus (X)
    Untersuchung:

    • Gaumensegelasymmetrie bei Phonation
    • Würg-Reflex: Afferenz: N.IX, Efferenz: N.X
    • Artikulation: "Liebe Lilli Lehmann"; "Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid"; "Dritte reitende Kavalleriebrigade"
    • Schlucken, Heiserkeit?
    • Herzfrequenzvariabilität
    • Kulissenphänomen: Uvula weicht zur gesunden Seite ab, Gaumensegel steht auf gelähmter Seite tiefer

    N.accessorius (XI)
    Untersuchung:

    • Kraftprüfung M. trapezius, sternocleidomastoideus

    N. hypoglossus (XII)
    Untersuchung:

    • Herausstrecken der Zunge
    • Kraftprüfung: Druck gegen Wange, Widerstand von außen periphere Parese: Abweichung zur paretischen Seite
    zentrale Parese: Lähmung mit Abweichung zur Gegenseite
    Bulbärparalyse: mit Atrophie und Faszikulation
    Pseudobulbärparalyse: keine Atrophie, keine Faszikulation, Masseter-Reflex gesteigert

    3. Gangbild

    Untersuchung:

    • normaler Gang
    • Blindgang
    • Seiltänzergang (blind)
    • Zehen-/Hackengang
    • Monopedales Hüpfen

    4. Motorik

    Inspektion (Atrophien?, Bewegungsunruhe?):
    Myokymie: Muskelwogen, feines Zucken über weite Muskelgebiete, entspricht lokalen Myoklonien oder kontinuierlichen Faszikulationen
    Faszikulation: unwillkürliche Kontraktionen einzelner Muskelfaserbündel, ursächlich neurogene Paresen, amyotrophe Lateralsklerose, aber auch benigne F. ohne Krankheitswert
    Fibrillation: Kontraktionen einzelner Muskelfasern, nur an Zunge und im EMG sichtbar
    myotone Reaktion: verzögertes Erschlaffen nach Innervation

    Tonus:
    Hypotonie: Schädigung im Kleinhirn, periphere Lähmungen
    Hypertonie: Schädigung des 1. Motoneurons
    Spastik: Arme in Beugung, Beine in Streckung, Taschenmesserphänomen
    Rigor: anhaltender Widerstand, ruckartiges Nachlassen und Wiederzunehmen, Zahnradphänomen
    Hyperkinesen

    Kraft:
    latente Paresen:
    Arm-Halteversuch: Kleinfingerabduktion, Pronation und Absinken?
    Bein-Halteversuch: Absinken?
    manifeste Paresen: Einteilung nach Kraftgraden
    MRC-Grade (British Medical Research Council)
    0 - keine Kontraktion
    1 - eben sichtbare Anspannung
    2 - Bewegung bei Ausschaltung der Schwerkraft
    3 - Bewegung gegen Schwerkraft
    4 - gegen leichten, bis kräftigen Widerstand
    5 - normal

    Reflexe:
    Reflexbahnung: Jendrassik-Handgriff, Zähne zusammenbeißen
    Reflexintensität: schwach-mittellebhaft-lebhaft-gesteigert

    Eigenreflexe (monosynaptisch, propriozeptiv):

    • Biceps-Sehnen-Reflex (BSR) C5,6
    • Radius-Periost-Reflex (RPR) C5,6
    • Triceps-Sehnen-Reflex (TSR) C7
    • Patella-Sehnen-Reflex (PSR) L2,3,4
    • Achilles-Sehnen-Reflex (ASR) S1

    Merkregel: von unten beginnen S1 ASR, L2,3,4 PSR, C5,6 BSR / RPR, C7 TSR

    Zusätzliche Muskeleigenreflexe:

    • Tibialis-posterior-Reflex (TPR) L5
    • Trapezius-Reflex C3,4
    • Adduktoren-Reflex L2-4

    Fremdreflexe (polysynaptisch, exterozeptiv):

    • Bauchhaut-Reflexe (BHR) Th7-12
    • Trömner/ Rossolimo (Anschlagen der Finger / Zehen von palmar)
    • Meyer / Knips (gestreckten Mittelfinger im Grundgelenk beugen / Fingernägel knipsen)
    • Kremaster-Reflex (sensible Reizung der medialen Oberschenkelseite führt zu Skrotumretraktion) L1,2
    • Anal-Reflex S3-5

    Pyramidenbahnzeichen (PBZ):

    • Babinski: Bestreichen der lateralen Fußsohle führt zu Großzehenextension im Grundgelenk und Spreizung der anderen Zehen, physiologisch ist eine Flexion des Fußes (Fluchtreflex), die sogenannte stumme Sohle (kaum Reaktion) ist bei seiten-differentem Vorliegen mit Vorsicht als Indiz für eine Pyramidenbahnschädigung zu werten mit gleicher Reflexantwort:
    • Gordon: Greifen in Waden
    • Oppenheim: an Tibiakante entlang
    • Strümpel: gebeugtes Bein gegen Widerstand strecken
    • Chaddock: Bestreichen des lateralen Fußrandes seitendifferente Befunde für: Trömner / Rossolimo, Meyer / Knips

    Klonus: andauernde monosynaptische Reflexantwort, mehr als 3-4 Kloni: PBZ, z.B. Fußklonus, Patellaklonus, Supinationsklonus des Unterarms

    Primitivreflexe:

    • Saug- und Such-Reflex (auf periorale sensible Stimulation)
    • Greif-Reflex: auf palmare sensible Reizung Fingerbeugung
    • Palmomental-Reflex: auf palmare sensible Reizung mimische Innervation im Kinnbereich
    • Glabella-Lid-Reflex: auf Fingertippen an die Stirn unerschöpfliches Augenzwinkern

    5. Koordination

    Störungsursachen: zerebellär, spinal, vestibulär, psychogen

    Rumpf-, Stand- und Gangataxie

    • Schwanken im Sitzen: typisch für Rumpfataxie
    • Stehen frei und mit Fußschluß: DD Läsionen des Kleinhirns, vestibulär, peripher, Apraxie, Frontalhirnsyndrom
    • Romberg: wenn der Patient deutlich schwankt, ist eine periphere / Hinterstrangläsion anzunehmen
    • Unterberger-Tretversuch: auf der Stelle treten, Beine hoch, Arme nach vorn, Abweichung größer 45° von Ursprungsrichtung ist pathologisch, Wendung erfolgt zur Läsionsseite hin bei vestibulärer Läsion
    • DD: vestibulär, peripher sensorisch, zerebellär

    Asynergie

    • Diadochokinese: rasche Wechselbewegungen, z.B. Supinations / Pronationsbewegungen; Glühbirnen einschrauben, Fingertippen, Klavierspiel, Fußtappen, Handwechsel
    • Handfeinmotorik: z.B. Knöpfe schließen, Bleistift zwischen Finger rollen, Fingerfolgeberührungen, Nadel aufheben

    Gliedataxie

    • Arm- und Bein-Halte-Versuch: proximale Ataxie?, DD: latente Parese
    • Zielbewegungen: Finger-Nase und Knie-Hacke-Versuch, Figuren in Luft zeichnen
    • Barany-Zeigeversuch: senkrecht hochgestreckter Arm, mehrfach auf Objekt in
    • Horizontalebene der Arme zeigen, erst unter Sicht, dann mit geschlossenen Augen
    • DD: vestibulär, peripher, zerebellär

    Dysmetrie

    • Hyper- / Hypometrie
    • Intentionstremor: bei Zielbewegungen, kurz vor Ziel zunehmend
    • skandierende Sprache: explosiv, falsch akzentuiert, Tempo wechselnd, neben Rumpfataxie einzig sicheres Kleinhirnzeichen!
    • Rebound: bei Wegfall eines Widerstandes "Rückbindung", d.h. Stopp der Bewegung; pathologisch: Fehlen des Rebound!
    • Dysarthrie

    6. Extrapyramidal-motorisches System

    Tremor

    • Ruhe
    • Halte
    • Intentionstremor
    • Frequenz?
    • physiologisch 8 - 12 / sek., niedrigere: pathologisch
    • Lokalisation? Unterkiefer und Bein bei M.Parkinson, Kopf bei essentiellem Tremor!

    • Tics: stereotypes, aber unterdrückbares Bewegungsmuster, vor allem im Gesicht
    • Chorea: blitzartige arrhythmische Kontraktionen
    • Athetose: distale Dystonie mit wurmartig schraubenden Bewegungen
    • Ballismus: proximale Chorea
    • Dystonie: unwillkürlich anhaltende Muskelkontraktionen
    • Myoklonus: rhythmische Muskelkontraktionen, synchron oder asynchron, Auslösung durch sensible Reize
    • Aktionsmyoklonus: bei willkürlichen Bewegungen
    • Polymyoklonus: z.T. den ganzen Körper erfassend
    • Myokymien: kontinuierliche Faszikulationen in großen Muskelgruppen
    • Myorhythmien: rhythmische Zuckungen in einer Muskelgruppe, z.B. Singultus

    7. Sensibilität

    protopathisch (Vorderseitenstrang)

    • Oberflächensensibilität - Berührung
    • Schmerz - Nadel
    • Temperatur - Reagenzgläser

    epikritisch (Hinterstrang)

    • Lagesinn - Stellung Finger, Zehen im Raum
    • Vibration - Stimmgabel
    • Zwei-Punkte-Diskrimination - Zahlen auf Haut schreiben, Zirkel
    • Stereognosie - Gegenstände durch Tasten benennen

    Orientierungspunkte

    • Brustwarzen: Th4
    • Bauchnabel: Th10
    • Leistenband: Th12/L1

    Vegetativum

    Anamnese:
    Blasen-, Darm-, Sexualfunktion, Schwitzen, Lichtempfindlichkeit, Kreislauf (Orthostase)
    Untersuchung:
    - Dermographismus
    - Analspinktertonus / Analreflex
    - Schwitzen

    Schweißtest: Jodstärke (Minor): 1g Azetylsalizylsäure 1h zuvor, entkleiden, einstreichen mit Jodlösung, Stärkepuder darüber, Wärmeexposition und Lindenblütentee, nach 20 min. Beurteilung: violett = normale Sekretion; kühlen und Duschen
    Ninhydrintest: Hand / Fußabdruck auf weißes Papier, 1% Ninhydrinspray, für 2-3 min. auf 110-120° Erhitzen.: violett: Schweiß, hellviolett-weiß: verminderte Sekretion
    Schellong, Herzfrequenzvariabilität (Valsalva, respiratorische Arrhythmie)

    Neuropsychologische Befunde

    Handlungstörungen (Apraxien)
    ideatorische Apraxie: betrifft Handlungskonzept, Einzelbewegungen können nicht zu einer Handlung zusammengesetzt werden, fällt im Alltag auf, z.B. Kaffee kochen
    ideomotorische Apraxie: Elemente einer Bewegung können nicht zusammengesetzt werden, Suchbewegungen, Ersatzbewegungen) häufig: bukkofaziale Apraxie bei rechts-hirnigem ischämischem Insult Untersuchung:
    - Fazialis-Befehle: an Blume riechen, Nase rümpfen, Kerze ausblasen, Mund
    spitzen, Lippen ablecken, sich räuspern
    - symbolische Handlungen: Winken, lange Nase, Faust zeigen, Kuß wegblasen
    - praktische Dinge: Kämmen, Zähne putzen, Klavierspielen, Nagel in Wand, Ball kicken
    - Komplexaufgaben: Flasche öffnen, Zigarette anzünden Raumwahrnehmungsstörungen
    konstruktive Apraxie: Unvermögen, Elemente zu einer Gestalt zusammenzufügen z.B. Fahrrad zeichnen
    Hemineglekt
    Rechts- / Links-Unterscheidung
    Untersuchung:
    - Haus, Uhr, Fahrrad zeichnen Akalkulie
    Untersuchung:
    - Vorgabe 2 mehrstelliger Zahlen - welche ist größer?
    - Vorlesen, Schreiben und Diktat von Zahlen
    - Schätzen von Mengen, Größen Agnosien
    - akustische
    - visuelle
    Objektagnosie
    Prosopagnosie (kein Erkennen von Gesichtern)
    - taktile
    - Autotopagnosie (Körperteil kann nicht benannt werden, z.B. bei Neglekt)
    - Anosognosie (Nichterkennen der eigenen Krankheit) Gedächtnis und Merkfähigkeit
    - Amnesien
    anterograd (für die Zeit nach dem Ereignis)
    retrograd (für die Zeit vor dem Ereignis)
    - amnestische Episoden (transiente globale Aphasie)

    Aphasien
    Untersuchung:
    - Benennen
    - Nachsprechen
    - Aachener Aphasietest
    - Schreiben nach Diktat / spontan Perseverationen: unrichtige Wiederholungen
    Echolalie: Wdh. von Äußerungen des Untersuchers mit Abwandlungen
    phonematische Paraphasien: Fehllautungen, z.B. Auslassungen, Substitutionen, Permutationen
    semantische Paraphasien: Ersetzen des Zielwortes durch ein anderes
    Agrammatismus: bis zum Telegrammstil motorische Aphasie (Broca)
    - Sprachproduktion vermindert
    - Patient versteht alles
    - Agrammatismus (Telegrammstil)
    - Alexie, Agraphie
    - Akalkulie
    - kortikale Dysarthrophonie sensorische Aphasie (Wernicke)
    - "Logorhoe"
    - Paragrammatismus, Neologismen, versteht nichts
    - Paragraphie, Paralexie amnestische Aphasie
    Wortfindungsstörungen im Vordergrund, floskelhafte Ausdrucksweise globale Aphasie
    alle sprachlichen Modalitäten eingeschränkt, evtl. Sprachautomatismen transkortikale motorische Aphasie
    initial sind Patienten meist mutistisch, rasche Restitution des Nachsprechens Leitungsaphasie
    Nachsprechen eingeschränkt bei guter Sprachproduktion und wenig eingeschränktem Sprachverstehen

Unterricht am Krankenbett (UaK)

  • Bitte daran denken: Die Untersuchungsinstrumente Reflexhammer, Puppillenleuchte und Stimmgabel sowie ein sauberer Untersuchungskittel sind immer zum Termin mitzubringen!

    Die Studenten erhalten die Möglichkeit, die wesentlichen klinischen Krankheitsbilder der Neurologie und Neurochirurgie zu erfassen und die Problemstellungen der neurologisch-neurochirurgischen Intensivmedizin kennenzulernen. Hierbei wird sich der neurochirurgische Unterricht schwerpunktmäßig mit den Tumorerkrankungen des Gehirns sowie den Krankheiten des Rückenmarks und der Wirbelsäule befassen. Der neuroradiologische Teil handelt besonders die Klinik und Behandlung von Schlaganfällen und Gefäßmissbildungen des Gehirns ab. Im neurologischen Teil werden die übrigen Erkrankungen, besonders die entzündlichen und degenerativen Krankheiten von Gehirn und Rückenmark sowie die Krankheiten des peripheren Ner-vensystems und der Muskulatur abgehandelt. In den Untersuchungsterminen der Neurologie geht es nicht darum, einen Überblick über viele neurologische Krankheitsbilder zu bekommen, sondern exemplarisch um neurologische Anamnesen und Untersuchungsbefunde.

  • Lernziele der Neurologie:
    In der Neurologie haben die Studierenden die Gelegenheit, in kleinen Gruppen Patienten mit unterschiedlichen Krakheitsbildern aus dem gesamten Spektrum der Neurologie zu anamnestizieren und zu untersuchen. Hier sollen die im Propädeutikum erworbenen Fähigkeiten angewandt werden, um ein Gefühl für die Neurologische Anamnese und Untersuchung zu bekommen. Darüber hinaus sollen die Studierenden einzelne neurologische Krankheitsbilder kennenlerner. Der Unterricht am Krankenbett erhebt nicht den Anspruch, systematisch neurologische Kranlkheitsbilder zu vermitteln. Vielmehr stellt dieser eine Gelegenheit dar, selbst erworbenes Wissen in der Praxis anzuwenden und zu vertiefen.

    Themen des UaK Neurochirurgie:
    . hirneigene Tumoren
    . Hirnhauttumoren
    . Hypophysentumoren
    . Bandscheibenvorfall, lumbal und zervikal
    . Spinalkanalstenosen, lumbal und zervikal
    . Hydrocephalus, Endoskopie und Shuntformen
    . SAB und Aneurysmabehandlung
    . intrazerebrale, subdurale, epidurale Blutungen
    . Hirndruck und Therapie

    Lernziele der Neuropathologie:
    In der Neuropathologie wird fallbezogen das morphologisch-diagnostische Spektrum neuropathologischer Untersuchungsverfahren des zentralen und des peripheren Nervensystems sowie der Muskulatur vorgestellt. Im Blockpraktikum erheben die Studenten einen makroskopischen Sektionsbefund. Als Vorbereitung hierfür - wie für den Themenblock insgesamt - wird empfohlen, die Neuroanatomie zu rekapitulieren.

    Lernziele der Neuroradiologie:
    Zuhilfenahme klassischer neuroradiologischer Befunde bei der Beurteilung neuro-vaskulärer Erkrankungen.
    Der Einsatz neuroradiologischer Verfahren wird an klinischen Fallbeispielen einge-übt. (Allgemeine Grundlagen der Neuroradiologie, Notfalldiagnostik, Tumorerkran-kungen, entzündliche ZNS-Erkrankungen, Systematik der neurovaskulären Erkran-kungen werden im Rahmen des Querschnittsblockes "Bildgebende Verfahren" ver-mittelt.)

    Themen der Neuroradiologie:
    1. Einführung in die Diagnostik des Schlaganfalles und Übungen an 5 typischen Beispielfällen
    2. Einführung in die Diagnostik bei akuter Subarachnoidalblutung und Übungen an 5 typischen Beispielsfällen

Blockpraktikum Neurologie

  • Im Blockpraktikum werden Sie den klinischen Alltag in der Neurologie und Neurochirurgie erleben. Hierbei werden Sie Gelegenheit haben, Anamnesen und klinische Aufnahmebefunde zu erheben, Untersuchungstaktiken zu entwerfen, Patienten im Rahmen von Visiten vorzustellen und Entlassungsberichte zu verfassen.

    Darüber hinaus sollen Indikationen für neurophysiologische und neurosonographische Untersuchungen gestellt werden können. Der Student hat anschließend die Gelegenheit, diesen Untersuchungen beizuwohnen und das Untersuchungsergebnis zu bewerten. Es ist vorgesehen, dass die Studierenden im neurochirurgischen Operationssaal Eingriffen am peripheren und zentralen Nervensystem beiwohnen, nachdem zuvor die OP-Indikation nachvollzogen wurde.

  • Um den Lehrerfolg zu dokumentieren wird von den Studierenden erwartet, dass die einzelnen Lerngegenstände gemäß dem Aufgabenheft im Blockbuch schriftlich ausgearbeitet und dem jeweils zuständigen Oberarzt zum Attestieren vorgelegt werden. Parallel findet an einigen Tagen Unterricht an unserem Liquorpunktions-Simulator unter Anleitung durch einen Arzt statt. Ebenso gibt es während der Zeit auf Station individuelle Seminare und klinischen Unterricht, der Ihnen kurzfristig auf Station bekanntgegeben wird. Hierbei haben Sie die Möglichkeit, einzelne Themen genauer zu vertiefen und individuelle Fragestellungen ausreichend besprechen zu können.

    Die im Blockbuch und in FACT erwähnten maximalen Anwesenheitszeiten stellen einen Rahmen dar, in dem es den Studierenden möglich gemacht wird, die gestellten Aufgaben zu bearbeiten und niederzuschreiben. Eine kontinuierliche Anwesenheit in dieser Zeit ist nicht gefordert und auch nicht unbedingt sinnvoll. Es wird darauf hingewiesen, dass das Blockpraktikum ein den Routinealltag begleitendes Praktikum und keine explizite Lehrveranstaltung darstellt.

LP-Simulator

Während des Blockpraktikums haben die Studenten die Möglichkeit, an einem virtuellen Liquorpunktions-Simulator die Entnahme von Nervenwasser zu üben.

POL-Unterricht Neurologie

  • Problemorientiertes Lernen (POL) ist eine studentenzentrierte Lernform. Diese Lehrmethode sieht vor, dass Studenten unter ausdrücklicher Berücksichtigung ihres Vorwissens anhand aufbereiteter Anamnesen (paper cases) Lernziele formulieren, welche sie zur "Lösung", d.h. zum Verständnis des vorliegenden Falles und des damit abgedeckten Stoffgebietes führen. Die Theorie des POL geht davon aus, dass Lerninhalte so effektiver verstanden, erinnert und angewendet werden können.

    In einer POL-Gruppe gibt es einen Tutor, einen Diskussionsleiter, einen Schriftführer und die Diskutanten.

    Der Tutor soll keine Fakten vermitteln, sondern den Gruppenprozess strukturieren. Er soll erst dann durch gezielte Sachfragen eingreifen, wenn der Eindruck eines mangelnden Tiefgangs oder eine ungünstige Richtung des Lernprozesses entsteht und Ungleichgewichte in der Gruppe entstehen.

    Der Diskussionsleiter (ein Student) begleitet die Gruppe durch die 7 u.g. Schritte. Er achtet a) auf die Zeit, b) darauf, dass der Schriftführer die Punkte notieren kann und c) sorgt dafür, dass alle Diskutanten die Chance haben, an der Diskussion zu partizipieren.

    Der Schriftführer notiert für alle lesbar die Punkte der Schritte 1-5 und listet die Lernziele beim nächsten Treffen auf.Um den Unterricht interaktiver zu gestalten, wird zu Beginn der jeweiligen Unterrichtseinheit nicht der ganze Fall ausgehändigt, sondern erst am Ende. Es werden nur von den Diskutanten erwünschte Untersuchungsbefunde vorgelegt. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass natürlich nur Untersuchungsergebnisse vorgelegt werden können, die in diesem Zusammenhang sinnvoll sind.Die Schritte nach Lesen der Anamnese:

    • Medizinische Fachbegriffe und unverstandene Wendungen klären. Der Schriftführer hält fest, was noch nicht verstanden wurde.
    • Probleme für die Diskussion exakt definieren. Der Schriftführer macht eine Liste von den Problemen, auf die sich die Gruppe geeinigt hat.
    • "Brainstorming" aller Hypothesen in der Gruppe. Was ist zur Verifizierung bzw. Erklärung der Hypothesen schon bekannt? Welche Informationen werden noch benötigt?
    • Einigung auf eine gemeinsame Arbeitshypothese.
    • Formulierung von Lernzielen für das Selbststudium. Die Lernziele sollen fokussiert und umfassend sein, aber dem Fall angemessen bleiben. Der Schriftführer hält die Lernziele fest.
    • Selbststudium in der Zeit zwischen den Gruppentreffen.
    • Beim nächsten Treffen: Rekapitulation und Diskussion der erarbeiteten Lernziele.

Wahlfach in der Neurologie

In der Neurologie wird in Kooperation mit der Neurochirurgie und Neuropathologie erstmals ein Wahlfach angeboten, um interessierten Studenten einen tieferen Einblick in die Neurofächer zu ermöglichen.

Ziel ist es dabei, neurologisch-klinisches Untersuchen und Denken zu schulen, Befunde zu erheben und zu werten sowie Therapien zu planen.

Die Studenten werden wahlweise eingesetzt entweder im stationären Bereich (ggf. mit Schwerpunkt Schlaganfall oder Multiple Sklerose) oder im ambulanten Bereich in der Neurologischen Poliklinik, ggf. auch in den Spezialambulanzen und den verschiedenen Funktionsbereichen.

Es findet jeden Tag strukturierter Unterricht statt, in dem neben klinischen Unterrichtsthemen auch Einblicke in die Neurowisenschaften vermittelt werden sollen.

Die Nachfrage nach Wahlfachplätzen ist erfreulich groß. Wenn auch Sie Interesse an unserem Wahlfach haben oder mehr über das Wahlfach Neurologie am UKE wissen möchten, melden Sie sich bitte möglichst frühzeitig bei: Prof Dr. C. Heesen unter der E-Mail-Adresse heesen@uke.de .

Informationen für Psychologiestudenten

Angebot von Praktikumsplätzen über 8-12 Wochen mit Beginn im Frühjahr/Herbst (im Rahmen des Bachelor- oder Masterstudienganges für Psychologie).

Grundlagenvorlesungen/Seminare im Bereich Neuropsychologie, gern auch klinische Vorerfahrungen im Umgang mit Patienten oder einer Krankenhauseinrichtung sind erwünscht. Die Praktikumstätigkeit umfasst folgende Bereiche: neuropsychologische Diagnostik und Befundung sowie neuropsychologische Therapie neurologischer Patienten nach Anleitung; Teilnahme an interdisziplinären Teams, Angebot eines vielfältigen universitären Fortbildungsprogramms, Erhebung von Daten für eine Bachelor- oder Masterarbeit.

Informationen erhalten Sie per Email bei weineck@uke.de .

Web-Admin Neurologie: S. Keßner