• Das duktale Adenokarzinom des Pankreas bzw. Bauchspeicheldrüsenkrebs stellt eine Tumorerkrankung mit steigender Inzidenz in den westlichen Industrienationen dar. Es handelt sich hierbei um den dritthäufigsten malignen Tumor des Gastrointestinaltraktes, welcher nach wie vor schwierig zu behandeln ist. Das mediane Überleben nach Diagnosestellung liegt unter Ausschöpfen aller möglichen Therapieoptionen lediglich zwischen 12-18 Monaten; die 5-Jahresüberlebensrate liegt bei weniger als 5%. Betrachtet man die Gesamtpopulation, so entspricht die Inzidenz quasi der Letaliltät der Erkrankung.

    Die Hauptursachen für diese extrem ungünstige Prognose liegen in der Kombination aus früh einsetzender Metastasierung und den immer noch unzureichenden Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

    Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es für den Bauchspeicheldrüsenkrebs keine Therapieoptionen die einem Patienten eine realistische Chance auf Heilung versprechen; alle Therapieverfahren können allenfalls als lebensverlängernd angesehen werden. Auch der Einsatz einer Chemo- bzw. Strahlentherapie oder die Anwendung einer Kombinationstherapie aus beidem, bieten bisher keine befriedigende therapeutische Alternative, da bei über 50% der Tumore eine ausgeprägte Chemotherapie-Resistenz vorliegt und hochdosierte Therapien meist aufgrund des reduzierten Allgemeinzustandes des Patienten nicht möglich sind.

    Daher besteht ein dringender Bedarf neue diagnostische und präventive Ansätze als auch innovative Behandlungsverfahren zur Überwindung der Chemotherapie-Resistenz im Pankreaskarzinom zu entwickeln. Aber auch die Identifikation sog. Biomarker, welche eine mögliche Resistenz gegenüber bestimmten Chemotherapien bereits vor der geplanten Therapie anzeigen könnte, steht im Fokus unserer Forschung. Mittels Anwendung molekularer und globaler Genomanalysen an Primärtumorzellen, konnten wir bereits eine Reihe von Resistenz-relevanten Genen identifizieren. Unter Verwendung bestimmter Tumor-Mausmodelle versuchen wir aktuell das molekulare Zusammenspiel dieser Faktoren besser zu verstehen, so dass zukünftig mehr Patienten von einem Chemotherapie-Ansatz profitieren könnten.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Leiter der Arbeitsgruppe

    Dr. Cenap Güngör (Head of Laboratory)

    Antje Heinecke (MTA)

    Petra Merkert (MTA)

    Petra Schröder (MTA)

    Email: c.guengoer@uke.de

    Telefon Forschungslabor: +49 (0)40 74105 - 3469

    Telefon Büro: +49 (0) 40 74105 - 1956

    Telefax: +49 (0) 40 74105 – 3496

    Ausgewählte Publikationen

    1. Hofmann BT, Schlüter L, Lange P, Mercanoglu B, Ewald F, Fölster A, Picksak AS, Harder S, El Gammal AT, Grupp K, Güngör C, Drenckhan A, Schlüter H, Wagener C, Izbicki JR, Jücker M, Bockhorn M, Wolters-Eisfeld G. COSMC knockdown mediated aberrant O-glycosylation promotes oncogenic properties in pancreatic cancer. Mol Cancer. 2015 May 29;14:109.

    2. Hofmann BT, Stehr A, Dohrmann T, Güngör C, Herich L, Hiller J, Harder S, Ewald F, Gebauer F, Tachezy M, Precht C, Izbicki JR, Bockhorn M, Wagener C, Wolters-Eisfeld G. AB0 Blood Group IgM Isoagglutinins interact with Tumor-associated O-glycan Structures in Pancreatic Cancer. Clin Cancer Res. 2014 Dec 1;20(23):6117-26.

    3. Güngör C, Hofmann BT, Wolters-Eisfeld G, Bockhorn M. Pancreatic Cancer. Br J Pharmacol. 2014 Feb;171(4):849-58. Review.

    4. Rawnaq T, Dietrich L, Wolters-Eisfeld G, Uzunoglu FG, Vashist YK, Bachmann K, Simon R, Izbicki JR, Bockhorn M, Güngör C. The multifunctional growth factor midkine promotes proliferation and Migration in pancreatic cancer. Mol Cancer Res. 2014 May;12(5): 670-80.

    5. Jiao B*, Taniguchi-Ishigaki N, Güngör C*, Peters MA, Chen YW, Riethdorf S, Drung A, Ahronian LG, Shin J, Pagnis R, Pantel K, Tachibana T, Lewis BC, Johnsen SA, Bach I. Functional activity of RLIM/Rnf12 is regulated by phosphorylation-dependent nucleo-cytoplasmic shuttling. Mol Biol Cell. 2013 Oct; 24(19):3085-96. *contributed equally.

    6. Uzunoglu FG, Kolbe J, Wikman H, Güngör C, Bohn BA, Nentwich MF, Reeh M, König AM, Bockhorn M, Kutup A, Mann O, Izbicki JR, Vashist YK. VEGFR-2, CXCR-2 and PAR-1 germline polymorphisms as predictors of survival in pancreatic carcinoma. Ann Oncol. 2013 May;24(5):1282-90.

    7. Vashist YK, Trump F, Gebauer F, Kutup A, Güngör C, Kalinin V, Muddasar R, Vettorazzi E, Yekebas EF, Brandt B, Pantel K, Izbicki JR. EGFR intron-1 CA repeat polymorphism is a predictor of relapse and survival in complete resected only surgically treated esophageal cancer. Target Oncol. 2013 Mar;9(1):43-52.

    8. Uzunoglu FG, Kaufmann C, Wikman H, Güngör C, Bohn BA, Nentwich MF, Reeh M, Pantel K, Bockhorn M, Kutup A, Mann O, Izbicki JR, Vashist YK. Vascular Endothelial Growth Factor Receptor 2 Gene Polymorphisms as Predictors for Tumor Recurrence and Overall Survival in Non-Small-Cell Lung Cancer. Ann Surg Oncol. 2012; 19(7):2159-68.

    9. Güngör C, Zander H, Effenberger KE, Vashist YK, Kalinina T, Izbicki JR, Yekebas E, Bockhorn M. Notch signaling activated by replication stress-induced expression of midkine drives epithelial-mesenchymal transition and chemoresistance in pancreatic cancer. Cancer Res. 2011 Juli 15, 71(14): 5009-19.

    10. Kalinina T, Bockhorn M, Kaifi JT, Thieltges S, Güngör C, Effenberger KE, Strelow A, Reichelt U, Sauter G, Pantel K, Izbicki JR, Yekebas EF. Insulin-like growth factor-1 receptor as a novel prognostic marker and its implication as a cotarget in the treatment of human adenocarcinoma of the esophagus. Int J Cancer. 2010 Oct 15; 127(8):1931-40.

    11. Kalinina T*, Güngör C*, Thieltges S, Möller-Krull M, Penas EM, Wicklein D, Streichert T, Schumacher U, Kalinin V, Simon R, Otto B, Dierlamm J, Schwarzenbach H, Effenberger KE, Bockhorn M, Izbicki JR, Yekebas EF. Establishment and characterization of a new human pancreatic adenocarcinoma cell line with high metastatic potential to the lung. BMC Cancer. 2010 Jun 16;10: 295. *contributed equally.

  • Ziel unserer Forschung ist ein verbessertes Verständnis von Glykosylierungsmustern, welche krankheitsbezogen spezifisch verändert auftreten. Bei Glykanstrukturen handelt es sich um posttranslationale Modifikationen von Proteinen und Lipiden. Diese „Zucker“ sind biologisch sehr heterogen und erfüllen Kontext-abhängig wichtige Funktionen u.a. bei der Faltung, Lokalisation und Aktivität von Proteinen. Des Weiteren spielen Glykanstrukturen eine zentrale Rolle bei Zell-Zell Interaktionen und modulieren Zellen des Immunsystems bei Prozessen der Inflammation und Karzinogenese. Bei letzterer entscheiden verkürzte O-verknüpfte Zuckerketten (Tn Antigen) über Zellüberleben und metastatisches Potential. An folgenden Schwerpunkten wird aktuell geforscht:

    • Murines O-GalNAc Glyko-Proteom des Pankreas und der Leber
    • Einfluss differentieller O-Glykosylierung auf Inflammation und Karzinogenese des Pankreas
    • Analyse der genetischen Mechanismen der Tn Antigen Entstehung
    • Tn Antigen als Zielstruktur von nanopartikulären Kontrastmitteln zur molekularen Bildgebung
    • Untersuchung von T-Synthase, COSMC und Polypeptid-GalNAc-Transferasen in humanen und murinen Modellen

    Kooperationspartner: Prof. H. Schlüter (Core Facility Proteomanalytik), Prof. J. Heeren (Zellulärer Lipidstoffwechsel), Prof. F. Rinninger (Endokrinologie/Diabetologie), Prof. G. Adam (Diagnostische und Interventionelle Radiologie), Prof. H. Weller (Physikalische Chemie), Prof. M. Jücker (Biochemie und Signaltransduktion) und Prof. T. Lange, Prof. U. Schumacher (Anatomie und Experimentelle Morphologie) Förderung durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Werner Otto Stiftung, Forschungsförderungsfonds der Medizinischen Fakultät (FFM) und Roggenbuck-Stiftung

    Förderung durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Werner Otto Stiftung, Forschungsförderungsfonds der Medizinischen Fakultät (FFM) und Roggenbuck-Stiftung

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Gerrit Wolters-Eisfeld
    Dr. rer. nat.
    Gerrit Wolters-Eisfeld
    Dr. med.
    Bianca Hofmann
  • Bestimmte Tumoren sind außergewöhnlich aggressiv und neigen zur frühzeitigen Metastasierung. Die Erforschung neuer Therapiestrategien, die die Komplexität des Tumors und seiner Vorläuferzellen berücksichtigen, ist deshalb von zentraler Bedeutung. In unseren Studien werden deshalb beim Ösophaguskarzinom und Colonkarzinom gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern aus der 1. Med. Klinik (Prof. Lohse), dem UCCH und der Tumorbiologie (Prof. Pantel) potentielle Vorläuferzellen der klinisch manifesten Metastase und beteiligte Targets, welche die metastatische Ansiedlung forcieren, identifiziert und charakterisiert und deren prognostische Relevanz beurteilt. Wir sind dabei im Rahmen von Colonet (Norddeutsche Tumorbank) an ein nationales und internationales Konsortium angegliedert, um in unserer eigenen Tumorbank hochwertiges Material für anspruchsvolle Forschung zur Verfügung zu stellen.

    Trotz der hohen prognostischen Relevanz sind die Mechanismen des metastatischen „Pathways“ und der Tumormigration noch weitgehend unbekannt. Unsere Hypothese, geht davon aus, dass bereits vor Einnistung der Metastasen in den Lymphknoten Prozesse stattfinden, die die Einnistung fördern bzw. hemmen können.

    Die molekulare Charakterisierung der Tumorzellen öffnet dabei neue Wege für das Verstehen der sogenannten „Cancer dormancy“, d.h. das Ruhen der minimal residualen Tumorzellen in bestimmten Kompartimenten des Körpers für eine unbestimmte Dauer, mitunter viele Jahre bevor die makroskopisch sichtbare Metastase erscheint. Auch den sogenannten Circulierenden Tumorzellen (CTCs) kommt eine große Bedeutung im „Bridging“ zwischen Auftreten des Primärtumors, der Dissemination von Tumorzellen und dem Erscheinen der klinisch manifesten Metastase zu. Derzeitige Modelle diskutieren, dass zum Zeitpunkt der Primärtumorentstehung bereits maligne Zellen mit einem aggressiven Phänotyp via Blut und Lymphknoten in distante Organe disseminierten. Wir konnten bereits zeigen, dass die zusätzlichen Informationen durch CTCs hohe klinische Relevanz haben und einerseits zum Einschätzen der individuellen Prognose und zur Risiko Stratifizierung beitragen und andererseits als Target der systemischen Therapie zur Prävention eines Rezidives oder Fernmetastasen dienen. Zusätzlich sind CTCs ein wichtiger Biomarker zum Monitoring der Effektivität einer systemischen Therapie, was neue Möglichkeiten eröffnet Subpopulationen von Patienten zu identifizieren, um den höchsten therapeutischen Nutzen zu erreichen und Chemotherapie Resistenzen zu identifizieren.

    Der Erforschung von Human epidermal growth factor receptor 2 (HER2) eröffnete wurde bereits bei anderen malignen Tumoren diagnostische und therapeutische Optionen. In unserer Klinik untersuchen wir gemeinsam mit dem Institut für Pathologie (Prof Sauter) sowohl bei Ösophagus Karzinomen aber auch bei Schilddrüsenkarzinomen als zertifiziertes Referenzzentrum für endokrine Chirurgie die Relevanz dieses Markers um neue Therapiestrategien entwickeln zu können.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Alexandra König
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Alexandra M. König
    • Fachärztin für Allgemeinchirurgie
    • Fachärztin für Viszeralchirurgie
    • Fachärztin für Thoraxchirurgie

    Ausgewählte Publikationen

    • Circulating tumor cells as a biomarker for preoperative prognostic staging in patients with esophageal cancer. Reeh M*, Effenberger K*, Koenig AM*,Riethdorf S, Eichstädt D, Vettorazzi E, Uzunoglu FG, Vashist YK, Izbicki JR, Pantel K, Bockhorn M. Annals of Surgery. 2014 Nov. *equal first authorship.
    • Molecular changes in pre-metastatic lymph nodes of esophageal cancer patients. Otto B*, Koenig AM*, Tolstonog GV, Jeschke A, Klaetschke K, Vashist YK, Wicklein D, Wagener C, Izbicki JR, Streichert T. PLoS One. 2014 Jul 21;9(7):e102552
    • Concordance of HER2 status in primary tumour and lymph node metastases in patients with esophageal carcinoma. König AM, Reeh M, Dancau AM, Rathjens M, Gros S, Uzunoglu FG, Bockhorn M, Simon R, Sauter G, Marx A, Izbicki JR.Anticancer Res. 2013 Nov;33(11):4975-82.
    • Reduced incidence of nodal micrometastasis after major response to neoadjuvant chemoradiation in locally advanced esophageal cancer. Prenzel KL*, König AM*, Schneider PM, Schnickmann C, Baldus SE, Schröder W, Bollschweiler E, Dienes HP, Mueller RP, Izbicki JR, Hölscher AH. Ann Surg Oncol. 2007 Feb;14(2):954-9. Epub 2006 Nov 11. *equal first authorship.
    • Strong Impact of Micrometastatic Tumor Cell Load in Patients with Esophageal Carcinoma.Koenig AM*, Prenzel KL*, Bogoevski D, Yekebas EF, Bubenheim M, Faithova L, Vashist YK, Gawad KA, Baldus SE, Pantel K, Schneider PM, Hölscher AH, Izbicki JR. Ann Surg Oncol. 2009 Feb;16(2):454-62. Epub 2008 Nov 18. *equal first authorship. The "North German Tumor Bank of Colorectal Cancer": status report after the first 2 years of support by the German Cancer Aid Foundation.Expression of DIAPH1 is up-regulated in colorectal cancer and its down-regulation strongly reduces the metastatic capacity of colon carcinoma cells.
    • Oberländer M, Linnebacher M, König A, Bogoevska V, Brodersen C, Kaatz R, Krohn M, Hackmann M, Ingenerf J, Christoph J, Mate S, Prokosch HU, Yekebas EF, Thorns C, Büning J, Prall F, Uhlig R, Roblick UJ, Izbicki JR, Klar E, Bruch HP, Vollmar B, Habermann JK; ColoNet consortium. Langenbecks Arch Surg.2013 Feb;398(2):251-8.Epub 2013 Jan
    • Lin YN, Izbicki JR, König A, Habermann JK, Blechner C, Lange T, Schumacher U, Windhorst S. Int J Cancer. 2014 Apr 1;134(7):1571-82.Epub 2013 Oct 8.

  • Mit dem Fortschritt der chirurgischen Techniken und der perioperativen intensivmedizinischen Betreuung sind mittlerweile höchst komplexe Operationen möglich. Wie die postoperative Komplikationsrate bereits im Rahmen der Operationsplanung gezielt gesenkt werden kann, ist Gegenstand der Forschung. Anhand aufwendiger multinationaler Studien konnten beispielsweise im Falle der Bauchspeicheldrüsenoperationen Risikofaktoren identifiziert werden, die mit einer höheren Komplikationsrate in Verbindung stehen. Hier sind beispielhaft zu nennen Unterernährung, Erkrankungen des Herzkreislaufsystems oder aber Notfalleingriffe. Es ist somit bereits präoperativ möglich, Patientinnen und Patienten über die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen nach der Operation adäquat aufzuklären und vorzubereiten. Weiterhin kann bereits vor der Operation beispielsweise der Ernährungszustand optimiert und der Blutdruck behandelt werden, um das Risiko von Komplikationen zu senken. Das bisher bestehende Modell zur Risikostratifizierung bei Pankreaseingriffen wird konstant weiterentwickelt und derzeit auf weitere Eingriffe, wie z.B. an der Speiseröhre, erweitert.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Faik Uzunoglu
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Faik G. Uzunoglu
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Spezielle Viszeralchirurgie
    Matthias Reeh
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Matthias Reeh
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Spezielle Viszeralchirurgie
    • Spezielle Chirurgische Intensivmedizin
  • Die Arbeitsgemeinschaft beschäftigt sich mit dem präoperativen Staging, der Klassifikation sowie der chirurgischen Therapie von Patienten mit Ösophaguskarzinomen und Adenokarzinomen des gastroösophagealen Überganges (AEG). Das präoperative Staging stellt beim Ösophaguskarzinom eine Schlüsselfunktion dar. Anhand dessen erfolgt die Indikation zur neoadjuvanten Therapie oder sofortiger chirurgischer Resektion. Des Weiteren wird anhand der Tumorlokalisation zwischen Ösophaguskarzinom, Adenokarzinom des gastroösophagealen Überganges (AEG) und Magenkarzinom unterschieden.

    Die chirurgische Therapie differiert bei diesen verschiedenen Karzinomen erheblich. Hierbei wird zwischen der Ösophagektomie, Ösophagogastrektomie und erweiterter Gastrektomie unterschieden.

    Eine weitere wesentliche Voraussetzung für eine suffiziente Diagnostik und Therapieplanung ist eine interdisziplinär und international akzeptierte Tumorklassifikation. Im Jahre 2009 wurde die siebte Edition der Tumorklassifikation des Ösophaguskarzinoms der Union International Contre le Cancer (UICC) mit vollständig modifizierter Einteilung des Lymphknotenstatus veröffentlicht.

    In einem großen prospektiv erfassten Patientengut wurde die Qualität und onkologische Überlebensstratifizierung der sechsten und siebten Editionen der TNM-Klassifikation der UICC bei Patienten mit chirurgisch therapiertem Ösophaguskarzinom untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die siebte Edition nicht zufriedenstellend zwischen einzelnen Tumorstadien klassifiziert. Des Weiteren neigt die neue Tumorklassifikation zur komplexen Subgruppenbildung ohne Vereinigung von Patientengruppen mit ähnlicher Überlebensprognose. Anhand dieser Tumorklassifikation erfolgt bei fortgeschrittenen (T3) oder Lymphknoten-positiven (N+) Tumoren die Indikation zu einer neoadjuvanten Chemo- oder auch Radiochemotherapie. Die jüngsten multizentrischen, randomisierten Studien wiesen hierbei für Patienten mit erfolgter neoadjuvanter Therapie einen signifikanten Überlebensvorteil auf. Da viele dieser großen multizentrischen Studien insbesondere im Hinblick auf die chirurgische Qualität Mängel aufwiesen, blieb bis zuletzt das Überlebensbenefit der neoadjuvanten Therapie umstritten. Wir untersuchten daher in einer prospektiv erhobenen Kohorte das onkologische Outcome von Patienten mit fortgeschrittenen Ösophaguskarzinomen (T3), welcher ohne neoadjuvante Therapie chirurgisch behandelt worden waren. Die Ergebnisse zeigten, dass das Gesamtüberleben dieser Patienten mit dem in Studien publizierten Gesamtüberleben von Patienten mit erfolgter neoadjuvanter Therapie vergleichbar ist. Eine 2012 publizierte multizentrische, randomisierte Studie (CROSS) wies jedoch signifikant längere Überlebensdaten ihrer neoadjuvant vorbehandelten Patienten auf. Die neoadjuvante Therapie stellt daher aktuell bei T3, N+ Ösophaguskarzinomen die Standardtherapie dar. Der Überlebensvorteil der neoadjuvanten Therapie wird nun in weiteren Jahren der klinischen Anwendung studiert werden.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Matthias Reeh
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Matthias Reeh
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Spezielle Viszeralchirurgie
    • Spezielle Chirurgische Intensivmedizin
  • Die medizinische und vor allem onkologische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Migrationshintergrund steht im klinischen Alltag vor immer wiederkehrenden Herausforderungen. Hier rücken nunmehr die nun alternden Migranten der 1. und 2. Generation in der Vordergrund. Neben der oftmals bestehenden sprachlichen Hürde beginnt die Problematik schon bei dem fehlenden Wissen über Angebote der onkologischen Vorsorge und setzt sich fort in Bezug auf chirurgische und onkologische Therapieoptionen sowie der Wahrnehmung der Nachsorgeuntersuchungen. Aufgrund dessen ist in Zusammenarbeit mit dem Universitären Cancer Center Hamburg eine interdisziplinäre Sprechstunde für Patientinnen und Patienten mit türkischem Migrationshintergrund eingerichtet worden. Hier stehen den Patientinnen und Patienten ärztliche Kolleginnnen und Kollegen aus unterschiedlichen Fachabteilungen sowohl klinisch als auch ambulant zur Verfügung, die eine Betreuung in der Muttersprache gewährleisten können. Das Angebot soll in Zukunft auf weitere Nationalitäten ausgeweitet werden. Basierend auf der Sprechstunde werden klinische Studien durchgeführt mit dem Ziel, die bisher bestehenden Versorgungsdefizite systematisch zu analysieren und die Vorsorgung zu optimieren.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Faik Uzunoglu
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Faik G. Uzunoglu
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Spezielle Viszeralchirurgie
  • Die Individualisierung der medizinischen Diagnostik und Therapie hat in den letzten Jahren einen hohen Stellenwert in der Forschung eingenommen. Insbesondere im onkologischen Bereich wird mit großem Aufwand nach individuellen Faktoren geforscht, die die onkologische Prognose als auch die Ansprechrate auf Therapien vorhersagen können. Im Fokus der experimentellen Forschung der Arbeitsgruppe stehen unter anderem die genetischen Variationen, die sog. Keimbahnvariationen. Keimbahnvariationen stellen bei jedem Patienten ein individuelles Muster dar. Die Variationen beschränken sich oftmals nur auf den Austausch einer Base innerhalb eines Gens, das aus mehreren tausend Basen bestehen kann. Der Austausch dieser einen Base kann biologisch ohne Effekt sein, oder aber die Funktion des Gens essentiell beeinflussen. So kann z.B. das Protein, das von dem jeweiligen Gen kodiert wird, vermehrt produziert werden oder aber herunterreguliert werden. Dies wiederum kann einen essentiellen Einfluss auf die onkologische Prognose haben oder aber die Ansprechrate auf Therapeutika beeinflussen. Im Fokus der Arbeitsgruppe stehen hier unter anderem Gene, die die Blutversorgung von Tumoren gewährleisten und Gene die die Immunantwort auf die den Tumor regulieren. In der Vergangenheit konnten so bereits bei Lungenkarzinomen als auch bei Pankreaskarzinomen Genvariationen identifiziert werden, die sich zum Nachteil oder aber auch zum Vorteil auf die onkologische Prognose auswirken. Ziel dieser Grundlagenforschung ist die Entwicklung eines individuellen Prognoseprofils basierend auf den Keimbahnvariationen, die der jeweilige Patient aufweist. Die Identifikation von genetischen Risikovariationen stellt weiterhin einen potentiellen Angriffspunkt für neue Therapeutika dar.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Faik Uzunoglu
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Faik G. Uzunoglu
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Spezielle Viszeralchirurgie
    Yogesh Vashist
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Yogesh K. Vashist
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Facharzt für Thoraxchirurgie
  • Lokalrezidive und Fernmetastasen sind postoperativ die Haupttodesursachen bei Patienten mit Ösophaguskarzinom. Als Ursache werden heute klinisch okkulte Mikrometastasen in Form von disseminierten Tumorzellen (DTC) und zirkulierenden Tumorzellen (CTC) diskutiert.

    Diese Zellen sind bereits in frühen Krankheitsstadien nachweisbar. Sie werden als potentielle Vorläufer von Metastasen angesehen, da ihr Vorhandensein mit dem Überleben von Karzinompatienten vieler Tumorentitäten korreliert. Ziel dieser Forschungsgruppe ist es nun, diese zirkulierenden Tumorzellen in peripherem Blut von Patienten mit Ösophaguskarzinom zu detektieren und weitere molekulare Charakterisierung dieser Zellen vorzunehmen.

    Aktuell dienen der Indikationsstellung für eine neoadjuvante Therapie lediglich die Tumorausbreitung (T-Stadium) sowie die der Lymphknotenstatus (N-Stadium), welche im Rahmen des präoperativen Staging mittels Computertomographie, Endoskopie sowie endoskopischen Ultraschall erhoben werden. Diese Diagnostika besitzen jedoch limitierte Genauigkeit, so dass weitere präoperative Staging-Techniken dringend notwendig sind. In einer prospektiven, unizentrischen Studie untersuchten wir die klinische Relevanz von präoperativ detektierten zirkulierenden Tumorzellen (CTC) im peripheren Blut von Patienten mit Ösophaguskarzinom. Unabhängig vom UICC Tumorstadium und Lymphknotenstatus zeigten Patienten mit präoperativ nachgewiesen CTC ein signifikant kürzeres Gesamt- sowie Tumorrezidiv-freies Überleben. Die Studie wies auf, dass die Detektion von CTC ein vielversprechendes Diagnostikum für die Verbesserung des präoperativen Staging und Indikationsstellung für eine neoadjuvante Therapie sein könnte.

    Eine detaillierte zielgerichtete molekulare Charakterisierung der CTC ist notwendig, um die Biologie und Rolle der zirkulierenden Tumorzellen im peripheren Blut beim Prozess der Metastasierung zu verstehen und Möglichkeiten zu deren Eradikation zu postulieren. Eine weiterführende phenotypische und molekulare Charakterisierung von CTC kann helfen, neue sogenannte „targeted therapies“ zu entwickeln.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Matthias Reeh
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Matthias Reeh
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Spezielle Viszeralchirurgie
    • Spezielle Chirurgische Intensivmedizin
  • Die multidisziplinäre Arbeitsgruppe erforscht die Rolle des Mucosa associated lymphoid tissue lymphoma translocation gene 1 protein (MALT1) in verschiedenen soliden Tumoren.

    MALT1 ist ein katalytisches Enzym mit einer Paracaspaseaktivität. Es spielt eine essentielle Rolle bei der Regulation der adaptiven Immunantwort durch Einflussnahme auf die Aktivität des Nuclear Factor kappa-light-chain-enhancer of activated B cells (NF-κB). NF-κB hat vielfältige zellbiologische Funktionen: So ist eine ungeregelte NF-κB-Aktivität mit Entzündungen, Autoimmunerkrankungen, Störungen der Immunantwort und Karzinogenese assoziiert. In vielen Tumoren ist eine pathologisch erhöhte NF-κB Aktivität mit Anti-Apoptose und Proliferationssteigerung assoziiert. Der Forschungsfokus liegt auf dem Einfluss von MALT1, dessen Aktivität und seine allosterische Hemmung durch Medikamente auf die Proliferation und Anti-Apoptose in diversen soliden Tumoren in vitro und in vivo.

    Es bestehen verschiedene Kooperationen wie z.B. mit dem Institut für Anatomie, dem Institut für Rechtsmedizin, aber auch mit UKE-externen Partnern dem Laboratory for Structural Biology of Infection and Inflammation am DESY des Institutes für Biochemie und Molekularbiologie der Universität-Hamburg, dem Insitut für Organischen Chemie sowie mit der veterinärmedizinischen Hochschule Hannover.

    Kontakt, Ansprechpartner und Mitarbeiter

    Alexander El Gammal
    Dr. med.
    Alexander T. El Gammal
    Julia-Kristin Baukloh
    Dr. med.
    Julia-Kristin Baukloh
    Daniel Perez
    Priv.-Doz. Dr. med.
    Daniel Perez
    FEBS
    • Facharzt für Viszeralchirurgie
    • Facharzt für Allgemeinchirurgie
    • Spezielle Viszeralchirurgie