Transplantation bei Kindern

Manchmal sind schon bei Kindern die Organe so schwer erkrankt, dass eine Transplantation notwendig ist. Das Universitäre Transplantations Centrum kann auf eine sehr lange Erfahrung bei der Organtransplantation bei Kindern zurückblicken und hat eines der größten Kindertransplantationsprogramme in ganz Deutschland.

  • Wann kommt eine Lebertransplantation bei Kindern in Frage?

    Wenn das Leben durch ein akutes Leberversagen bedroht ist oder die Entwicklung eines chronischen Leberversagens zu befürchten ist, kann schon im Kindesalter eine Lebertransplantation notwendig sein. Auch eine krisenhaft verlaufende Stoffwechselerkrankung kann eine Indikation für eine Lebertransplantation darstellen.

    Grunderkrankungen, die zur Notwendigkeit einer Lebertransplantation im Kindesalter führen können, sind cholestatische Erkrankungen wie die Gallengangsatresie, Stoffwechselerkrankungen, Tumoren oder Autoimmunerkrankungen. Aufgrund des Verlaufs dieser Grunderkrankungen ist bei einem erheblichen Teil der Patienten die z Transplantation schon im Säuglings- bzw. Kleinkindalter erforderlich.

    Wie verläuft der Weg zur Lebertransplantation bei Kindern?

    Im Falle, dass eine Transplantation erwogen wird, treten in der Regel die behandelnden Ärzte an uns heran, im Einzelfall kann der Kontakt auch durch die Eltern der Patientin oder des Patienten erfolgen. Wir vereinbaren dann einen Vorstellungstermin und nehmen das Kind eventuell auch stationär zu Untersuchungen auf. Je nachdem, ob es sich um eine akute Erkrankung oder ein chronisches Leiden handelt, wird anhand von klinischem Bild und Laborwerten, anhand derer die Leberfunktion eingeschätzt werden kann, die Indikation für eine Listung zur Lebertransplantation bei Eurotransplant gestellt. Die Wartezeit auf ein Organ lässt sich nicht vorhersagen, sie kann Monate oder Jahre betragen.

    Bei einem Organangebot bei einem chronisch kranken Kind werden der Patient und seine Eltern kontaktiert und in der Klinik aufgenommen. Wenn es sich um ein geeignetes Organ handelt, erfolgt die Transplantation. Es kann allerdings auch vorkommen, dass das Organ nicht geeignet ist und auf ein nächstes Angebot gewartet werden muss. Im Fall einer akuten, lebensbedrohlichen Erkrankung wird der Patient mit hoher Dringlichkeit gelistet, Organangebote erfolgen dann regelhaft innerhalb von Stunden oder Tagen. Bei diesen Patienten kann es notwendig sein, dass in der Wartezeit auf das rettende Organ intensivmedizinische Verfahren bis hin zur Blutwäsche (Hämodialyse, -filtratation, Plasmapherese) angewendet werden. Hierfür ist die Kindernephrologie des Kinder-UKE rund um die Uhr verfügbar.

    Wie erfolgt die Lebertransplantation bei Kindern?

    Für Patienten im Kindesalter wird häufig das sogenannte Splitleberverfahren angewendet. Dabei wird nur ein Teil einer Erwachsenenleber transplantiert. Eine solche Transplantation kann nur an besonders hierauf spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Nach der Operation, die neben hierfür extra spezialisierten hepatobiliären Chirurgen ein enges Labor- und Ultraschallmonitoring erfordert, wird das Kind auf die Intensivstation verlegt. Diese befindet sich im Kinder-UKE nur wenige Meter vom Operationssaal entfernt.

    Häufiger als bei Erwachsenen wird für betroffene Kinder eine Lebendspende durchgeführt. Dabei spendet meist ein Elternteil oder ein naher Verwandter einen Teil seiner Leber. Der Transplantationstermin ist bei der Leber-Lebendspende (siehe auch dort) besser planbar. Allerdings besteht dabei auch ein Operationsrisiko für den Organspender, das durch ausführliche Untersuchungen vor der Spenderoperation minimiert wird.

    Wie sieht die Zeit nach einer Lebertransplantation bei Kindern aus?

    In den Tagen nach der Lebertransplantation wird das Kind auf der Intensivstation behandelt, es erfolgen häufige Untersuchungen und Blutabnahmen. Dabei achten die betreuenden Ärztinnen und Ärzte besonders darauf, dass eine gute Durchblutung des Transplantats gewährleistet ist und der Patient möglichst keine Schmerzen erleidet. Zusätzlich wird durch die durchgeführte Therapie die Akzeptanz des transplantierten Organs im Körper unterstützt: Medikamente zur Kontrolle des Immunsystems (Immunsuppressiva) verhindern Abstossungsreaktionen, das Blut wird so flüssig gehalten, dass die Gefäßverbindungen offen bleiben. Etwaige infektiöse Komplikationen werden, wenn sie nicht vermieden werden können, frühzeitig behandelt. Je nach Operationsverfahren können die Kinder nach kurzer Zeit wieder mit dem Essen beginnen. Nach ihrer Verlegung auf die Normalstation werden sie mehr und mehr mobilisiert, die Kontrollen können gestreckt werden. In der Regel werden Kinder nach einer Lebertransplantation etwa vier Wochen stationär behandelt, damit eventuell auftretende Abstoßungsreaktionen des Körpers frühzeitig bemerkt und behandelt werden können.

  • Wann kommt eine Nierentransplantation bei Kindern infrage?

    Wenn bei einem Kind aufgrund einer dauerhaften Erkrankung die Funktion der eigenen Nieren so stark eingeschränkt ist, dass eine Dialyse notwendig geworden ist, kann eine Nierentransplantation Abhilfe schaffen. Im Allgemeinen ist dies der Fall, wenn die Leistung der Nieren nur noch bei etwa zehn bis 15 Prozent der normalen Nierenleistung liegt. Im Falle einer Nierenlebendspende (siehe auch dort) kann eine Transplantation auch schon vor dem Beginn der Dialyse erfolgen, wenn absehbar ist, dass eine Dialyse notwendig werden wird.

    Wie verläuft der Weg zur Nierentransplantation bei Kindern?

    Die Evaluation zu einer Nierentransplantation beginnen mit oder auch bereits vor dem Beginn einer Nierenersatztherapie (Dialyse). Hierfür wird eine Vielzahl an Untersuchungen durchgeführt. Koordiniert wird dies durch die behandelnden Kindernephrologen des Kinder-UKE und des KfH Nierenzentrums für Kinder und Jugendliche am UKE.

    Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Nierentransplantation: Die erste Möglichkeit ist die Nierenlebendspende durch einen nahen Angehörigen, meist die Eltern oder eine andere nahe stehende Person. Hierbei wird dem Spender eine Niere entnommen und unmittelbar im Anschluss dem Patienten transplantiert. Dies ist nur möglich, wenn dem Spender hierdurch kein besonders erhöhtes gesundheitliches Risiko entsteht. Um dies zu gewährleisten, wird auch der Spender ausführlichen Untersuchungen unterzogen. Hierfür melden sich die Eltern in der Lebendspendeambulanz des UKE, von wo aus die notwendigen Untersuchungen koordiniert werden (siehe auch unter Lebendspende ).

    Die zweite Möglichkeit ist die Verstorbenenspende. Hierfür wird jedes Kind mit dem Beginn der Dialyse auf die Warteliste zur Nierentransplantation aufgenommen. Die Zuteilung erfolgt – wie bei allen Organtransplantationen in Deutschland – durch Eurotransplant, eine eigens hierfür geschaffene Stiftung, in der sich mehrere europäische Länder zusammengeschlossen haben, um die Qualität der Organtransplantation und -verteilung zu verbessern. Die Wartezeit bis zur Transplantation ist für jedes Kind unterschiedlich, da sehr genau auf eine gute Gewebeverträglichkeit geachtet werden muss, um eine Abstoßung der Niere zu vermeiden. Im Durchschnitt beträgt die Wartezeit für Kinder derzeit etwa zwei Jahre ab dem Beginn der Dialyse. Im Gegensatz zur Lebendspende kann bei der Verstorbenenspende der Zeitpunkt der Transplantation nicht geplant werden. Daher ist es notwendig, dass Patienten und Eltern während der Zeit auf der Warteliste stets erreichbar sind.

    Wie erfolgt die Nierentransplantation bei Kindern?

    Im Falle eines Organangebotes werden zunächst die Eltern informiert und gebeten, sofort mit Ihrem Kind zu uns in die Klinik zu kommen. Hier werden zunächst einige wichtige Blutuntersuchungen noch einmal wiederholt. Die Zeit vom Eintreffen in der Klinik bis zur Transplantation ist unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig, liegt aber meist im Bereich einiger Stunden. Die Niere wird im Allgemeinen wie bei Erwachsenen im rechten Unterbauch platziert. Nach der Operation wird die Patientin oder der Patient zunächst für einige Tage auf der Intensivstation überwacht. Meist nimmt die neue Niere ihre Funktion sofort nach der Operation auf, manchmal kann dies aber auch einige Tage dauern, sodass gelegentlich auch eine kurzzeitige Dialyse notwendig werden kann.

    Wenn die Niere ihre Funktion sicher aufgenommen hat, wird das Kind auf die Normalstation verlegt und muss dort meist noch etwa zwei bis drei Wochen bleiben. In dieser Zeit erholt sich das Kind von der Operation. Zudem lernen Eltern und Kinder währenddessen den Umgang mit den neuen Medikamenten. Damit die Niere nicht vom Körper abgestoßen wird, muss das Kind fortan dauerhaft Medikamente einnehmen. Diese Medikamente nennt man Immunsuppressiva, weil sie das körpereigene Abwehrsystem dämpfen. Sie müssen unbedingt und sehr regelmäßig (immer zur gleichen Uhrzeit) eingenommen werden.

    Wie sieht die Zeit nach einer Nierentransplantation bei Kindern aus?

    Nach der Entlassung aus dem Kinder UKE sollte das Kind für insgesamt zwei Monate ab Operation zu Hause bleiben, das heißt, noch nicht in die Schule oder den Kindergarten gehen, da in der ersten Zeit die körpereigene Abwehr noch stark eingeschränkt ist und die Gefahr für Infektionen damit stark erhöht ist. In dieser Zeit sollte das Kind auch größere Menschenansammlungen und Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln meiden.

    In den ersten drei Monaten nach der Operation sind sehr häufige Blutuntersuchungen notwendig, die in erster Linie dazu da sind, eine drohende Abstoßung rechtzeitig zu erkennen und die Dosis der Immunsuppressiva an den individuellen Bedarf anzupassen. Alle Nachsorgeuntersuchungen werden durch das KfH Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche am Kinder-UKE durchgeführt. Bei Fragen oder Problemen nach einer Transplantation ist 24 Stunden am Tag ein auf Kindernephrologie spezialisierter Facharzt für Kinderheilkunde aus unserem Team erreichbar.

    Nach etwa drei Monaten werden die Kontrolluntersuchungen deutlich seltener. Auch langfristig ist aber mindestens alle vier Wochen eine Kontrolle notwendig, um Abstoßungen des neuen Organs und Komplikationen vorzubeugen.

    Weitere Informationen

    Bei Bedarf senden wir Ihnen gern weitere Informationen zu. Bei weitergehenden Fragen stehen wir Ihnen gern auch persönlich zur Verfügung.

    KfH Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche am Kinder-UKE: Tel. +49 (0)40 7410-51200

    Pädiatrische Nephrologie im Kinder-UKE: Tel. +49 (0)40 7410-20400

  • Wann kommt eine Herztransplantation bei Kindern infrage?

    Eine Herztransplantation wird bei Kindern mit endgradiger Herzschwäche im Rahmen einer erworbenen oder angeborenen Herzerkrankung erwogen. Wenn das Kind noch nicht im UKE in Behandlung ist, übernimmt der betreuende Kinderkardiologe oder eine externe kinderkardiologische Spezialabteilung die Überweisung zu uns. Unser Centrum wird dann im Rahmen eines mehrtägigen stationären Aufenthaltes eine Anzahl an festgelegten Untersuchungen durchführen, um einzuschätzen, ob ein solches Verfahren notwendig und durchführbar ist.

    Wie verläuft der Weg zur Herztransplantation bei Kindern?

    Nachdem die vorbereitenden Untersuchungen erfolgt sind, prüft die Herztransplantationskonferenz – ein interdisziplinäres Team aus Kinderkardiologen, Kardiologen, Herzchirurgen, Transplantationspsychologen, Transplantationsimmunologen und einem Vertreter des UKE-Vorstands – die Befunde. Bei einer positiven Entscheidung wird das Kind auf die Herztransplantationswarteliste aufgenommen.

    In Deutschland wird die Vergabe von Organen zur Transplantation von verstorbenen Spendern durch die Organisation Eurotransplant koordiniert, eine eigens hierfür geschaffene Stiftung, in der sich mehrere europäische Länder zusammengeschlossen haben, um die Qualität der Organtransplantation und -verteilung zu verbessern. Die Wartezeit (gerechnet ab dem ersten Tag der Aufnahme auf die Warteliste) wird maßgeblich durch die Körpermaße und bestimmte immunologische Gewebemerkmale des Kindes bestimmt. Kinder bis zum 16. Lebensjahr werden im Gegensatz zu erwachsenen Patienten unabhängig von den klinischen Rahmenbedingungen als „hoch dringlich“ gelistet; einen geringen Prioritätsunterschied macht es, ob das Kind die Wartezeit im häuslichen Umfeld oder in der Klinik verbringt. Ob das Warten auf die Herztransplantation zu Hause möglich ist, entscheidet der Gesundheitszustand des Kindes. Sollte sich der kardiale Zustand des Kindes während der Wartezeit so verschlechtern, dass es nicht mehr mit konservativen Mitteln zu therapieren ist, besteht die Möglichkeit, mithilfe eines Kunstherzens Zeit zu überbrücken. Wenn ein passendes Organ für das Kind gefunden bereitsteht, muss es, falls es sich nicht in stationärer Betreuung bei uns befindet, schnellstmöglich in unsere Klinik kommen, damit die Transplantation durchgeführt werden kann.

    Wie erfolgt die Herztransplantation bei Kindern?

    Sollte das Kind zu Hause auf ein Spenderherz gewartet haben, wird es zunächst zur Vorbereitung der Transplantation stationär aufgenommen. In der Zwischenzeit fliegt ein Teil unseres herzchirurgischen Teams zur Entnahme des Organs und entscheidet vor Ort abschließend darüber, ob das Organ geeignet ist. Parallel erfolgt der Transport des Kindes in den OP. Während des Eingriffs übernimmt eine Herz-Lungen-Maschine die Versorgung des Körpers. Das neue Organ wird nun nach der Entnahme des alten an die verbliebenen Gefäßverbindungen im Körper angeschlossen und die Herz-Lungen-Maschine wie-der entfernt. Bei komplexeren Verläufen kann diese Versorgung auf der Intensivstation zunächst überbrückend fortgesetzt werden.

    Wie sieht die Zeit nach einer Herztransplantation bei Kindern aus?

    Nach der Herztransplantation ist ein mehrwöchiger Krankenhausaufenthalt des Kindes vonnöten. Initial erfolgt die medizinische Betreuung auf der Kinderherzintensivstation und nachfolgend auf der Kinderherznormalstation. Während des stationären Aufenthaltes wird das Kind gemeinsam mit seiner Familie intensiv geschult. Dies beinhaltet sowohl die korrekte Einnahme der Medikamente als auch bestimmte Verhaltensregeln, welche insbesondere die Ernährung und Hygienemaßnahmen betreffen.

    Nach der Herztransplantation ist, damit das Immunsystem des Kindes das neue Organ nicht abstößt, eine lebenslange Immunsuppression notwendig. Es ist essenziell, dass regelmäßige kinderkardiologische Kontrollen in unserer Spezialambulanz erfolgen. Diese Termine beinhalten neben der Durchführung von speziellen kinderkardiologischen Funktionsuntersuchungen Blutentnahmen einschließlich Medikamentenspiegeln. Im Zuge dessen wird nicht nur auf mögliche Abstoßungen des Organs geachtet, sondern die Dosis der Medikamente angepasst und untersucht, ob es Nebenwirkungen der Medikamente gibt und ob Infektionen auftreten, welche durch die Immunsuppression begünstigt werden können. Zudem werden Termine für konsiliarische Fachabteilungen, welche im Rahmen der Nachsorge zur Mitbeurteilung notwendig sind, koordiniert. Ger-ne kann die Betreuung in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Kinderarzt und einem niedergelassenen Kinderkardiologen erfolgen. Nachdem sich der Körper des Kindes von dem Eingriff erholt hat, sind fast alle Aktivitäten eines normalen Alltags wieder möglich. Entsprechende Beratungen sind ebenfalls fester Bestandteil in den regelmäßigen Vorstellungen.