22.04.2022

Tierversuche verstehen: Zwischen Tierschutz und wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn

In der tierexperimentellen Forschung gilt es, höchste wissenschaftliche Qualität und hohe Tierschutzstandards gleichermaßen sicherzustellen. Zum Tag des Versuchstiers erklären Forschungsdekanin Prof. Dr. Petra Arck und Dr. Dr. Angelique Hölzemer, I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, wie das gelingen kann.

Das UKE hat in den vergangenen Jahren verstärkt Methoden zur Reduzierung und Vermeidung von Tierversuchen entwickelt. Ist der Tierversuch bald überflüssig?

Prof. Dr. Arck: Tierexperimentelle Studien sind in der medizinischen Grundlagenforschung und in der translationalen Forschung nach wie vor unverzichtbar. Im Tierversuch können Abläufe und Mechanismen von Krankheiten untersucht werden, von denen wir bisher keine Kenntnis haben, die wir erst einmal entdecken müssen und deren Zusammenhänge wir innerhalb des Organismus erforschen. Durch Tierversuche werden wissenschaftliche Fragestellungen oder Therapieverfahren überprüft, die in anderen verfügbaren Systemen, wie In-Vitro-Modellen, nicht verifizierbar sind. Um ein aktuelles Beispiel zu nennen: Für die Entwicklung und Überprüfung der neuen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 waren Tierversuche notwendig, um nachzuweisen, dass der Impfstoff eine Immunantwort in Form schützender Antikörper auslöst, aber keine schädliche Wirkung hat.

Können durch die Organoide Tierversuche in Teilen ersetzt werden?

Dr. Dr. Hölzemer: Gemeinsam arbeiten wir daran, die zerebralen Organoide dafür zu nutzen, die Anzahl der Tierversuche in der Multiplen Sklerose-Forschung zu reduzieren. Ein konkreter Ansatz ist beispielsweise, dass wir bestimmte Gene, von denen wir annehmen, dass sie Nervenzellen vor dem entzündlichen Einfluss der Immunzellen im Gehirn schützen können, zuerst in unseren zerebralen Organoiden untersuchen. So können wir testen, ob diese Gene die Kommunikation zwischen menschlichen Nervenzellen und den Immunzellen des Gehirns verändern und den Untergang der Nervenzellen beeinflussen. Nach diesem ersten Schritt können dann die vielversprechendsten Kandidaten ausgewählt und nur noch sehr selektiv in Tiermodellen untersucht werden.

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01.07.2021

UKE tritt Informationsinitiative „Tierversuche verstehen“ bei

Die größtmögliche Wirksamkeit bei der Entwicklung von Therapien mit einem Maximum an Tierschutz zu verbinden, ist seit langem ein wichtiges Anliegen des UKE. Um dieses Ziel auch der Öffentlichkeit näherzubringen, unterstützt das UKE seit dem 1. Juli die Initiative „Transparente Tierversuche“, eine Aktion der ständigen Senatskommission für tierexperimentelle Forschung der DFG und der Informationsinitiative „Tierversuche verstehen“. Darüber sprachen wir mit der Dekanin der Medizinischen Fakultät Prof. Dr. Blanche Schwappach-Pignataro und der Forschungsdekanin Prof. Dr. Petra Arck des UKE.

Warum unterstützen Sie die Initiative „Transparente Tierversuche“?

Prof. Schwappach-Pignataro: Tierversuche stellen einen wichtigen Teil in der medizinischen Grundlagenforschung dar und sind bisher noch nicht vollständig durch alternative Methoden ersetzbar. Wir Wissenschaftler:innen tragen daher eine große Verantwortung für die Experimente und die wollen wir auch nach außen sichtbar machen. Vor jedem Tierversuch wird sorgfältig und von unabhängiger Seite geprüft und abgewogen, ob der zu erwartende Erkenntnisgewinn eines Experiments eine Beeinträchtigung des Versuchstiers rechtfertigt. Für uns ist es wichtig, darüber zu informieren, warum und in welcher Form wir Tierversuche machen. Daher unterstützen wir die Initiative „Transparente Tierversuche“.

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11.02.2020

Im Dialog: UKE-Mitarbeiter informieren bei Mahnwache über Tierversuche

Steigt die Anzahl an Tierversuchen am UKE mit dem Neubau der Forschungstierhaltung? Warum Tierversuche, wenn die Ergebnisse vielleicht nicht auf den Menschen übertragbar sind? Werden Tierversuche nur durchgeführt, um die wissenschaftliche Neugier zu befriedigen?

Mit diesen und weiteren Fragestellungen kamen am Freitag, 7. Februar, rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der bundesweiten Mahnwache vor dem UKE zusammen. Mit Kerzen, Kreuzen und Schildern verliehen sie ihrer Forderung „Tierversuche abzuschaffen“ bei einer Mahnwache Ausdruck. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Forschungstierhaltung und drei Wissenschaftler gingen auf die Tierversuchsgegner zu und boten ihnen Gespräche, Tee und einen Infoflyer an.

Viele der Mahnwacheteilnehmer waren sehr aufgeschlossen und gingen mit ihnen in einen wertschätzenden, offenen Austausch. Besonders interessiert waren die Tierversuchsgegner an den Forschungsfelder, die Tierversuche für ihre wissenschaftliche Fragestellungen nutzen, an Haltungsbedienungen und Umgang mit den Tieren, sowie an der Entwicklung von Alternativmethoden.