Forschungsschwerpunkte der Sektion

Die Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin ist vordringlich für die klinische Akutversorgung von Frühgeborenen und schwerkranken Kindern zuständig. Gleichwohl sind wir als Universitäre Abteilung auch der wissenschaftlichen Arbeitsweise verpflichtet, wobei sich eine Reihe von Schwerpunkten herausgebildet haben.

  • (Internationale) Multicenterstudien

    Als universitätsklinische Abteilung sind wir ständig an (internationalen) Multicenterstudien beteiligt, in denen neueTherapieansätze auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit geprüft werden.

    Im Bereich der Neonatologie haben wir in den vergangenen Jahren beispielsweise an der NEUROSIS-Studie (inhalative Glucocorticoide bei Frühgebornene) und an der ETTNO-Stuide (Transfusionsgrenzen bei Frühgeborenen) teilgenommen. Außerdem waren wir an einer "first in human"-Studie über ein neues vollsynthetisches Surfactantpräparat zur Behandlung des neonatalen Atemnotsyndroms bei sehr kleinen Frühgeborenen beteiligt. Gegenwärtig planen wir die Teilnahme an einer Studie zur automatischen Regulation der Sauerstoffzufuhr bei beatmeten Frühgeborenen anhand der Sättigungswerte.

    Im Bereich der Pädiatrischen Intensivmedizin sind wir an der EUCLIDS-Studie (genetische Prädisposition zu septischen Infektionsverläufen) beteiligt. Außerdem findet auf unserer Kinderintensivstation die Applikation eines neuen Enzympräparates zur Behandlung der Neuronalen Ceroidlipofuszinose (NCL, sog. Kinderdemenz) im Rahmen einer internationalen "first in human"-Studie statt.

  • Teilnahme an UKE-internen Forschungsverbünden

    Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeichnet sich durch eine enge Vernetzung zwischen theoretischen und klinischen Abteilungen aus. Im Rahmen solcher Forschungsverbünde sind wir klinischer Partner in einigen federführend von anderen Abteilungen geleiteten Untersuchungen.

    Hier ist besonders die Zusammenarbeit mit der Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin zu nennen, für die wir in unserer Nachsorgesprechstunde für ehemalige Frühgeborene und schwerkranke Neugeborene die follow up - Untersuchungen für einige internationale pränatalmedizinisch-geburtshilfliche Studien (TRUFFLE, EVERREST) anbieten. Außerdem arbeiten wir in der von Frau Prof. Arck geleiteten klinischen Forschergruppe zum Thema "feto-maternal immune cross-talk"´mit.

    Auf der Kinderintensivstation führen Mitarbeiterinnen der Kliniksapotheke eine Studie zur Kinetik von Analgosedierungsmedikamenten bei Kindern durch.

  • Neonatale Thermoregulation

    Einen Schwerpunkt eigener klinischer Forschung bilden Thermoregulation und Stoffwechsel bei Frühgeborenen.

    In einem großen Survey in der deutschsprachigen Neonatologie haben wir uns für das Thermomanagement bei sehr kleinen Frühgeborenen interessiert mit dem Ziel, die bisher wenig beachtete Frage der optimalen Körpertemperatur von Frühgeborenen zur Diskussion zu stellen.

    In eigenen Untersuchungen versuchen wir, die Stoffwechselrate von Frühgeborenen im Inkubator zu erfassen. In diesem Zusammenhang gibt es neuerdings ein Kooperation mit der Fa. DRÄGER zum "Inkubator der Zukunft".

  • Neonatale Hypoxietoleranz

    Seit langem ist bekannt, dass Neugeborene eine hohe Toleranz gegenüber Sauerstoffmangel (Hypoxie) verfügen. Auch wenn es sich dabei um eine biologisch sinnvolle Anpassung an die Risiken der Geburt handelt, werden die zugrundeliegenden Mechanismen doch bislang nur teilweise verstanden.

    In mikrokalorimetrischen und mikrorespirometrischen Untersuchungen (Messung kleinster Wärmeproduktions- und Sauerstoffverbrauchsraten) hatten wir tierexperimentell zeigen können, dass ein Teil dieser Hypoxietoleranz auf der Fähigkeit beruht, den Energieverbrauch als Reaktion auf eine Mangelversorgung drosseln zu können. Jüngere Untersuchungen haben eine vergleichbare Fähigkeit auch in der Plazenta wahrscheinlich machen können, womit ein Anpassungsmechanismus, der bislang nur bei bestimmten Tieren möglich erschien, auch beim Menschen nachgewiesen wäre.

    Die Möglichkeiten einer Stoffwechseldrosselung beim Menschen hat auch das Interesse der Europäischen Raumfahrtagentur (European Space Agency, ESA) im Hinblick auf künftige interplanetare Raumflüge geweckt; hier besteht eine Kooperation im Rahmen einer internationalen Expertenkommission.

  • Nicht-invasives Kreislaufmonitoring

    Die Möglichkeiten der Herz-Kreislauf-Überwachung bei intensivtherapiebedürftigen Säuglingen und Kleinkindern sind limitiert: Kontinuierliche Monitoringverfahren, wie sie aus der Erwachsenen-Intensivmedizin bekannt sind, verbieten sich wegen ihrer Invasivität (d.h. wären mit der Anlage von Kathetern verbunden, die sich in die dünnen Blutgefäße nicht einführen lassen); nicht-invasive Messverfahren (Echokardiographie, Manschettenblutdruck) erfassen die Herz-Kreislauf-Funktion nur punktuell oder indirekt.

    Die Arbeitsgruppe von Herrn Dr. Blohm beschäftigt sich mit der Validierung neuer sowohl nicht-invasiver als auch kontinuierlicher Monitoringverfahren wie der Infrarotspektroskopie oder der Impedanzkardiographie zum Kreislaufmonitoring in der Kinderintensivmedizin.

  • Schmerzmonitoring und -therapie

    Die Steuerung der Schmerztherapie im Kindesalter ist schwierig, weil Schmerzen nur eingeschränkt (ggf. anhand von Skalen) erschlossen werden können. Dies kann entweder dazu führen, dass Schmerzen unterschätzt werden und Kinder eine zu niedrig dosierte Schmerztherapie erhalten; oder die Schmerzen werden vom Behandlungsteam überschätzt und die Kinder erhalten so viele Schmerzmedikamente, dass nach Ende der Behandlung langdauernde Entzugserscheinungen auftreten.

    Im Bemühen, die Schmerzerfassung zu objektivieren und die Schmerzmedikamente bedarfsangepasster zu dosieren, untersucht die Arbeitsgruppe von Herrn Dr. Deindl neue neurophysiologische Messverfahren (Bispektralindex etc.) auf ihre Aussgakraft in der Pädiatrischen Intensivbehandlung.

  • Neben den vorgenannten Schwerpunkten gibt es noch einzelne kleinere Forschungsprojekte, meist im Rahmen von Doktorarbeiten.

    So konnte in einer Serie von Doktorarbeiten gezeigt werden, dass sich über eine Messung der Wärmeproduktionsraten von entfernten Zentralvenenkathetern die bakterielle Besiedelung nicht nur ähnlich schnell detektieren ließ wie mit wesentlich teureren Methoden, sondern dass sich auch eine schnelle Aussage über die verantwortlichen Keimspezies treffen ließ.

    Weitere Untersuchungen widmeten sich beispielsweise der Früherkennung der Frühgeborenensepsis mittels einer Computersoftware und der Zuverlässigkeit der Hautbilirubinmessung bei der Neugeborenengelbsucht.