Video: Die Klinik für Stammzelltransplantation

Prof. Dr. med. Nicolaus Kröger, unser Direktor in der Klinik für Stammzelltransplantation, stellt Ihnen in diesem Video unsere Klinik vor und erklärt Ihnen Details zum Ablauf einer Stammzelltransplantation.

Unsere Behandlungsschwerpunkte

In unserem Transplantationszentrum wird eines der umfangreichsten Programme in Europa für autologe und allogene hämatopoetische Stammzelltransplantationen bei Kindern und Erwachsenen durchgeführt.

Es werden alle Formen der hämatopoetischen Stammzelltransplantation durchgeführt, wie

  • Stammzelltransplantation von verwandten und unverwandten Spendern
  • Knochenmarktransplantation (Verwendung der Stammzellen aus dem Knochenmark)
  • Haploidentische Transplantation (Verwendung von nicht gewebepassenden (HLA) Familienangehörigen als Spender)
  • Mismatch Fremdspendertransplantation (Verwendung nicht völlig gewebeidentischer (HLA-kompatibler) unverwandter Spender
  • Nabelschnurblut (falls kein Familien- oder Fremdspender gefunden wurde, kann eingefrorenes Nabelschnurblut als Stammzellquelle verwendet werden)

Zur Zeit existieren Therapieprotokolle für die Behandlung von Leukämien, myelodysplastischen Syndromen, Myelofibrosen, malignen Lymphomen, Morbus Hodgkin, Multiplem Myelom. Dazu gehören auch nicht maligne hämatologische Erkrankungen sowie Systemerkrankungen, wie aplastische Anämie, Multiple Sklerose oder Speicherkrankheiten bei Kindern.

Das gesamte Behandlungsprogramm konzentriert sich auf die Entwicklung noch effektiverer Strategien in der Bekämpfung dieser Krankheiten. Dabei kommen neueste zelltherapeutische, immuntherapeutische und gentherapeutische Ansätze zur Anwendung.

In einer Gesellschaft, deren Mitglieder immer höhere Lebensalter erreichen, stellen wir uns der besonderen Herausforderung, die die Patientin und der Patient höheren Alters an das behandelnde Team stellt. Unser Zentrum ist führend in der Entwicklung von besonders verträglichen Therapien für ältere Patientinnen und Patienten.

Klinische Schwerpunkte

Unsere besonderen Schwerpunkte in der Patientenversorgung sind

  • Allogene Stammzelltransplantation vom peripheren Blut oder Knochenmark für bösartige hämatologische Erkrankungen entweder vom Familienspender oder vom Fremdspender mit besonderem Schwerpunkt in der Behandlung von Leukämien, Multiplen Myelomen, Lymphomen, Myelodysplasien und Myelofibrose
  • Allogene Blut- oder Knochenmarkstammzellprotokolle für nichtmaligne Erkrankungen wie Aplastische Anämie oder angeborene Stoffwechselerkrankungen
  • Verhinderung von schweren Spender-gegen-Wirt-Reaktionen durch den Gebrauch von Antiseren bzw. Gentherapieprotokolle
  • Dosisreduzierte Konditionierungsprotokolle für Patienten mit Multiplem Myelom, Lymphom, Leukämie, Myelodysplasie oder Myelofibrose
  • Spenderlymphozytenprotokolle (adoptive Immuntherapie) zur Behandlung oder zur Verhinderung von Krankheitsrückfällen, Impfstrategien nach Transplantation zur Behandlung minimaler Resterkrankung
  • Autologe Blutstammzelltransplantationen für alle hämatologischen Neoplasien und in Kooperation mit der Neurologischen Klinik für Patienten mit Multipler Sklerose
  • Patientenseminarprogramme und psychologische Unterstützung für Patienten und ihre Familien

Die Leistungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Auf unsere Mitarbeiter können Sie sich verlassen!

  • 24 Stunden Betreuung durch erfahrenes ärztliches Personal, Fachärzte für Innere Medizin mit Fachgebietsbezeichnung Hämatologie und Onkologie mit breiter Erfahrung in der Behandlung von Patienten, die sich einer autologen oder allogenen Blutstammzelltransplantation unterziehen müssen.
  • Gut ausgebildetes Pflegepersonal mit großer Erfahrung in der medizinischen Überwachung und der Pflege von Patienten nach autologer und allogener Blutstammzelltransplantation.
  • Zwei Transplantationskoordinatorinnen, die die medizinischen und sozialen Belange koordinieren, Familien und Freunde der Patienten unterstützen, alle notwendigen Testverfahren vor der Transplantation organisieren und auch in der Posttransplantationsphase mit den behandelnden Hausärzten und Versicherungsträgern korrespondieren.
  • Psychotherapeuten, Musik-, Kunsttherapeuten und Sozialarbeiterinnen unterstützen nicht nur die Patienten sondern auch ihre Familien emotional und sozial und begleiten sie durch die kritische Transplantationsphase. Physikalische Therapeuten unterstützen die Patienten mit atemgymnastischen und Mobilisierungsübungen.
  • Ausgewiesene und qualifizierte ärztliche Assistenten sorgen für eine fachgerechte, sichere Behandlung in der Ambulanz.

Unsere Schwerpunkte im Detail

Fremdspender-Transplantation und haploidentische Transplantation

Seit 1992 werden in unserem Zentrum regelmäßig auch Knochenmarktransplantationen von einem nicht-verwandten Spender durchgeführt. Durch zunehmende Verfügbarkeit von inzwischen knapp neun Millionen Spendern weltweit gelingt es in fast 80 % der Fälle, weltweit einen passenden Spender für unsere Patienten ausfindig zu machen.

Da die transplantationsbedingten Komplikationen, insbesondere Spender-gegen-Wirt-Reaktionen und Abstoßungsreaktionen, bei der Fremdspender-Transplantation in der Regel höher sind, haben wir uns sehr früh mit Strategien beschäftigt, die das Spender-gegen-Wirt-Risiko und das Abstoßungsrisiko minimieren, ohne daß es gleichzeitig zu einer höheren Zahl an Rückfällen kommt.

Inzwischen haben wir in zahlreichen präklinischen und klinischen Studien zeigen können, daß durch die Inkorporation des Anti-Thymozyten-Globulins in die Konditionierungstherapie das Auftreten von schweren GvHD's und Abstoßungsreaktionen minimiert werden können. So liegt der Anteil der Fremdspender-Transplantation inzwischen > 70 % aller in unserer Abteilung durchgeführten Transplantationsverfahren.

Falls kein Fremdspender identifiziert werden kann, bietet die Transplantation von einem haploidenten Familienspender eine sinnvolle Alternative, da fast jeder Patient einen haploidenten Familienspender aufweist (Eltern, Geschwister, Kinder).

Eine weitere Verbesserung der Ergebnisse ist durch die weiter unten beschriebenen gentherapeutischen Therapiestrategien zu erwarten.

Dosisreduzierte Konditionierung

Ein weiterer klinischer Schwerpunkt ist die Entwicklung von weniger toxischen Konditionierungsschemata, so daß die Transplantation auch bei älteren Patienten oder bei Patienten mit Kontraindikationen für eine konventionelle Transplantation durchgeführt werden kann. Hierfür beteiligen wir uns an nationalen Protokollen bei Patienten mit

  • Chronisch Myeloischer Leukämie,
  • Chronisch lymphatischer Leukämie,
  • Akuter Myeloischer Leukämie,
  • Myelodysplastischem Syndrom.

Außerdem haben wir eigene Therapieprotokolle, die auch multizentrisch durchgeführt werden, für Patienten mit

  • Non-Hodgkin-Lymphom (niedrigmaligne und hochmaligne),
  • Mantelzell-Lymphom,
  • Multiplem Myelom (Plasmozytom)
  • Myelodysplastischem Syndrom
  • Myelofibrose

Myelofibrose

Die Transplantation von Patienten mit Myelofibrose stellt einen unserer klinischen Schwerpunkte dar. Diese relativ neue Transplantationsindikation wurde durch dosisreduzierte Konditionierung maßgeblich in unserem Zentrum entwickelt. Durch die reduzierte Konditionierung kann eine rasche Rückbildung der Fibrose erreicht werden. Die Heilungsaussichten liegen je nach Krankheitsstadium bis über 60%.

Myelodysplastisches Syndrom (MDS)

Das Myelodysplastische Syndrom kann nur durch eine allogene Stammzelltransplantation geheilt werden. Es ist in der Regel eine Erkrankung älterer Menschen. Durch eine schonendere Vorbereitung kann die Transplantation jetzt auch bei älteren Patienten durchgeführt werden. Unsere Klinik führt hierzu bundesweite Therapiestudien durch.

Akute myeloische Leukämie

Einen weiteren klinischen Schwerpunkt bildet die allogene Transplantation bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie. Insbesondere bei Patienten mit nicht voll HLA-passendem Spender bieten die haploidente Transplantation und die Mismatch Fremdspendertransplantation eine mögliche Alternative. Besonders für Patienten mit gegen Chemotherapie refraktärer Erkrankung und für Patienten in höherem Lebensalter liegen in unserem Zentrum Therapieprotokolle vor.

Multiples Myelom

Die Behandlung bzw. die Fortentwicklung von Behandlungsstrategien bei Patienten mit Multiplen Myelom stellen einen weiteren Schwerpunkt unseres Zentrums dar. Die allogene Transplantation wird im Rahmen eines multizentrischen Therapieprotokolls federführend von Hamburg aus geleitet. Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen, daß mit einer allogenen Transplantation die Heilungsaussichten verbessert werden können und daß die therapiebedingte Mortalität im internationalen Vergleich durch von uns entwickelte Strategien zur Verhinderung einer Spender-gegen-Wirt-Reaktion deutlich gesenkt werden kann.

Um die allogene Transplantation auch älteren Patienten oder Patienten, die auf Grund von Risikofaktoren für eine Hochdosistherapie nicht in Frage kommen, zugänglich zu machen, haben wir ein Therapieprotokoll entwickelt, an dem sich auch mehrere andere deutsche Kliniken beteiligen. Hierbei wird nach einer autologen Hochdosistherapie eine sogenannte dosisreduzierte Konditionierung, gefolgt von allogener Blutstammzelltransplantation, (sogenannte Mini-Transplantation) durchgeführt. Hierdurch erhoffen wir uns eine deutliche Senkung der therapiebedingten Morbidität und Mortalität bei gleichbleibenden Heilungsaussichten. Die bisher noch vorläufigen Ergebnisse sind ermutigend und wurden in internationalen Fachzeitschriften publiziert.

Wir haben ein Verfahren zum Nachweis von minimaler Resterkrankung mit sogenannten patientenspezifischen Sonden entwickelt, die für jeden Plasmozytom-Patienten eigens generiert werden müssen, um als Nachweis von Resterkrankung nach Transplantation zu dienen. Im Falle von minimaler Resterkrankung steht mit einer sogenannten Spenderlymphozytengabe ein wirksames therapeutisches Verfahren zur Verfügung, um diese Resterkrankung zu beseitigen und die Heilungsaussichten zu erhöhen.

Gentherapie

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Abteilung liegt auf der Weiterentwicklung von gentherapeutischen Behandlungsstrategien. Hier wurden in jahrelanger Vorarbeit in Kooperation mit dem Heinrich-Pette-Institut, Hamburg, grundlegende basiswissenschaftliche Voraussetzungen geschaffen, um die Erkenntnisse in klinischen Therapieprotokollen zum Wohle des Patienten einzusetzen.

Hier steht an erster Stelle ein Therapieprotokoll, bei dem die T-Lymphozyten vor Transplantation in Patienten mit HIV-Infektion so behandelt werden, daß sie gegenüber dem HI-Virus immun werden.

Psychosoziale Unterstützung

Hochdosistherapie und Knochenmarktransplantation sind für und ihre Angehörigen, aber auch für die Behandlungsteams mit extremen Belastungen und Herausforderungen verbunden. Wir haben deshalb am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein integratives psychosoziales Unterstützungskonzept entwickelt, das modellhaften Charakter hat. Die wichtigsten Merkmale dieses Modells sind:

1. Interdisziplinarität:

Enge Kooperation zwischen psychotherapeutischen, künstlerisch-therapeutischen, sozialarbeiterischen und physiotherapeutischen Angeboten und medizinisch-pflegerischen Maßnahmen. Psychosoziale Begleitung ist ein fester Bestandteil der Behandlung, der jeder Patientin und jedem Patienten regelhaft angeboten wird.

2. Langfristige, kontinuierliche Begleitung:

Frühzeitige Kontaktaufnahme durch feste Bezugspersonen und Begleitung durch alle Erkrankungs-, Behandlungs- und Rehabilitationsphasen.

Besonders die frühzeitige Vorbereitung auf die sehr eingreifende Behandlung hat sich als effektiv in der Verminderung von Streß und Angst erwiesen. Dazu dienen vor allem das Patientenseminar, das alle aufzunehmenden Patienten besuchen, und unser Informationshandbuch "Ihr Weg durch die KMT".

3. Förderung von Selbsthilfe:

Einbezug von Patientenressourcen, frühzeitiges Bereitstellen von Entscheidungs- und Informationshilfen, Förderung von Patienteninitiativen.

Die Aktionsgruppe "Sherpa" besteht aus ehemaligen KMT-Patienten und Mitarbeitern des KMT-Zentrums und bietet jetzigen und künftigen Patienten Unterstützung einschließlich eines Beratungstelefons an. Unser monatliches Patienten-Café dient dem Austausch ehemaliger Patienten.

4. Netzwerkstärkung:

Beachtung und Ausbau sozialer Unterstützungsmöglichkeiten und von professionellen und nicht-professionellen Vernetzungen. Wir verstehen die Behandlung nicht als Aufgabe eines Einzelnen, sie vollzieht sich vielmehr im sozialen Kontext, vor allem dem der Familie. Diese Ressourcen können genutzt werden. Wir kooperieren zudem eng mit der "Beratungsstelle für Kinder körperlich kranker Eltern" und der Abteilung "Medizinische Psychologie" des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

5. Innovation:

Etablierung innovativer Hilfsmöglichkeiten (wie musiktherapeutischer und kunsttherapeutischer Angebote, hypnotherapeutischer Interventionen, spezifischer physiotherapeutischer Maßnahmen).

Die Verbesserung der Schmerz- und Übelkeitssymptomatik in der Akutbehandlung wurde an unserem Zentrum in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Interventionsstudie geprüft.

6. Evaluation:

Dokumentation und Entwicklung von Behandlungsleitlinien, qualitative und quantitativ-empirische Forschung in Kooperation mit psychosozialen universitären Fächern. Zur Zeit bereiten wir Studien zu psychischen und neuropsychologischen Spätfolgen nach Hochdosistherapie und Knochenmarktransplantation vor.

Unser Ziel ist es, den Patienten und ihren Angehörigen ein Angebot zu machen, das es ihnen auf ihrem Weg durch Krankheit und Behandlung erleichtert, eigene Ressourcen zu entdecken bzw. zu stärken, aber sich auch auf persönliche, professionelle Gegenüber stützen zu können.

Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige können sich jederzeit an Herrn Dr. Henry Buhk (Psychologe) unter Telefon +49 (0) 40 7410 - 57617 oder an Frau Ute Hennings (Musiktherapie) unter Telefon +49 (0) 40 7410 - 54246 wenden.

Aus dem Sozialdienst arbeitet in unserem Team Frau Jasmin Holst mit. Sie ist unter Telefon +49 (0) 40 7410 - 52654 erreichbar.