Seit seinem Bestehen bearbeitet das ZfAM mit wissenschaftlichen Methoden aktuelle Arbeits- und Gesundheitsschutzthemen.

Ziel der Forschung ist es arbeitsbedingte Gesundheitsstörungen zu erfassen und deren Ursache zu erforschen. Die gewonnen Erkenntnisse sollen dann in der Praxis, also am Arbeitsplatz, wenn möglich zur Beseitigung der Gesundheitsbeeinträchtigung umgesetzt werden.

Viele Forschungsprojekte des Institutes werden durch eingeworbene Drittmittel z.B. von der EU Kom-mission, der Deutschen Unfallversicherung, den Berufsgenossenschaften oder dem Bundes-ministerium für Gesundheit finanziert. Diese Projekte finden Sie unter „Drittmittel“.

Aktuelle Studien

  • Betreuung und Untersuchung (mit Spirometrie, FeNO, Bestimmung spez. IgE und weiteres sowie Beratung der Betroffenen) von ca. 100 Bäckern aus Norddeutschland, die mit ihrer Asthma-Erkrankung im Beruf verbleiben möchten. Auswertung der bisher erhobenen Daten zum Asthma-Erkrankungsverlauf, zur Lebensqualität sowie zur allergischen Sensibilisierung gegen die Mehle und Arbeitsstoffe; letztere auch im Längsschnittverlauf aus zurückliegenden Jahren

  • Die restriktiven Lungenerkrankungen durch asbestbedingte Lungen- und Pleuraerkrankungen zeigen neben der Minderung der Lungenvolumina eine, die Lebensqualität der Betroffenen besonders beeinträchtigende, Minderung der Sauerstoffdiffusion zwischen Alveolen und Lungenkapillaren. Für die Verifizie-rung des Gasaustausches in der Lunge können die Diffusionskapazität für CO und NO, die Blutgasanalyse sowie die alveoloarterielle Differenz des Sauerstoffpartialdruckes in Ruhe und unter Belastung bestimmt werden. Die Bestimmung der Lungencompliance gibt außerdem Hinweise auf eine mögliche Fibrosierung des Lungengerüstes.

    Laufende Datensammlung zum 2.Teil des Projektes mit Vergleich der Diffusionsparameter und den Veränderungen in der Thorax-Computer­tomographie,

  • Im Zuge der Digitalisierung verändern sich für viele Beschäftigte die Arbeitsbedingungen, es entsteht die sogenannte Arbeitswelt 4.0. Diese Veränderungen stellen beispielsweise durch größere Flexibilität sowohl Chancen als auch Risiken für die Gesundheit der Beschäftigten dar. Das Projekt zur Analyse der Arbeitsbedingungen in der Arbeitswelt 4.0 geht in qualitativen und quantitativen Studien den Fragen nach, welche Belastungsfaktoren und Ressourcen Beschäftigte und Führungskräfte wahrnehmen, wie sie Herausforderungen bewältigen und welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die (Zusammen-)Arbeit und Gesundheit der Beschäftigten hat. Zudem werden in einem weiteren Studienschwerpunkt die gesundheitsförderlichen Potentiale digitaler Führung in virtueller Teamarbeit multimethodisch analysiert. Ziel ist es, ergebnisbasierte Handlungsempfehlungen abzuleiten, wie digitale (Zusammen-)Arbeit und Führung gesundheitsförderlich gestaltet werden kann.

  • Im Labor werden laufend neue analytische Human-Biomonitoring-Methoden etabliert, um auch künftig objektive Expositionsabschätzungen treffen zu können, egal ob bei sich ändernden Belastungssituationen während der Arbeit oder in der Umwelt.

  • Im Hinblick auf eine mögliche teratogene Wirkung des Inhalationsanästhetikums Sevofluran sollen moderne Mutterschutzkonzepte für Schwangere in Operationsbereichen etabliert werden. Basis hierfür sind Messungen des spezifischen Expositonsmarkers Hexafluorisopropanol (HFIP) in Abhängigkeit von Einsatzbereichen und Tätigkeitsprofilen.

  • Das Forschungsprojekt AKSE befasst sich mit den möglichen Effekten von Exoskeletten auf den Oberkörper, die Schultern und Arme auf der Basis von biomechanischen Messungen und Nutzerangaben zu muskuloskelettalen Belastungen und Beanspruchungen bei industriellen Überkopf-Tätigkeiten. Ziel ist es, präventive Maßnahmen sowie Empfehlungen zur Arbeitssicherheit abzuleiten.

  • Für die Sekundärprävention (Früherkennung) nicht nur beruflichbedingter Krebserkrankungen ergibt sich nach wie vor die Herausforderung, neue diagnostische Verfahren zu finden, die sowohl eine frühzeitige Entdeckung der Erkrankung als auch eine hohe Akzeptanz der Untersuchungsmethode durch eine minimale Invasivität und Belastung ermöglichen.

    Weitere Beteiligung an Multicenter-Studien und Publikationen, dazu Prüfung des Aufbaus eines klinischen Netzwerkes/Biobank zur qualitäts-gesicherten Diagnostik in Kooperation mit dem UKE.

  • Entgegen der Vorgaben des Arbeitsschutzgesetztes werden arbeitsbezogene psychische Belastungsfaktoren oftmals von Unternehmen nicht bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt. Ein Grund liegt in der Schwierigkeit der Ermittlung und Bewertung dieser komplexen Gefährdungen und hierbei in der Auswahl geeigneter Erhebungsinstrumente. Das Ziel des Projekts ist, ein Online-Tool zu entwickeln, dass Verantwortliche aus Unternehmen bei der Auswahl geeigneter Instrumente zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung unterstützt. Im Rahmen des Projekts wird im ersten Schritt eine umfassende Recherche nach Instrumenten durchgeführt. Im zweiten Schritt werden Kriterien zur Prüfung der Eignung von Instrumenten entwickelt. Im dritten Schritt werden alle identifizierten Instrumente anhand der entwickelten Kriterien geprüft. Eingeschlossene Instrumente werden in einem Online-Tool anhand von Steckbriefen dargestellt und Unternehmen zugänglich gemacht.

Beendete Studien

  • Die Studie „Lipids and Glucose Prospective Survey (LUPS)” zur Früherkennung von Stoffwechselerkrankungen wurde im November 2008 in der Belegschaft einer Luftwerft gestartet. Im Fokus der Studie stehen die Früherkennung des Metabolischen Syndroms und des Diabetes mellitus sowie die potentiellen Risikofaktoren. Zur Teilnahme an der prospektiven Arbeitnehmer-Kohortenstudie waren insgesamt 1962 Mitarbeiterinnen (n=637) und Mitarbeiter (n=1325) eingeladen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten in einem umfangreichen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten, zu Bewegung und Sport sowie Angaben zu psychologischen Faktoren. Zu einem weiteren Follow-up wurden die Mitarbeiter gebeten.

  • Teilprojekt: Psychische Belastungen im Beruf während der Schwangerschaft Befragung von Schwangeren und ihren Lebenspartnern zu Erfahrungen am Arbeitsplatz

  • Evaluation einer Intervention im Rahmen der Organisationsentwicklung eines Bankunternehmens.

  • In dieser Studie wird die Belastungs- und Beanspruchungssituation von Seeleuten an Bord erhoben, wobei insbesondere die spezifischen, schifffahrtsbedingten Belastungssituationen, schwere seelische Belastungen, die Erholungs- und Entspannungsmöglichkeiten sowie die Kommunikation und die sozialen Einrichtungen / Institutionen (Welfare) für Schiffsbesatzungen im Fokus stehen. Ausgehend von den erfassten Daten erfolgt die Entwicklung konkreter Strategien zur Reduktion von Belastung und Beanspruchung an Bord.

  • Die körperlich anspruchsvolle Arbeit auf Offshore-Windenergieanlagen ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Forschungsarbeit. Die Erfahrungen aus den Eignungsuntersuchungen für Arbeitnehmer im Offshore-Bereich fließen in die Konzepte und die Überarbeitung der entsprechenden Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF-Register-Nr.: 002/043) ein. Die Koordination dieser Leitlinie liegt bei der AG Klinische Arbeitsmedizin. Die Überarbeitung konnte zum Jahresende 2020 abgeschlossen und mit Zustimmung der Fachgesellschaft bei der AWMF eingereicht werden.

  • Insbesondere während der Seereisen in tropischen Regionen besteht für Seeleute eine hohe UV-Belastung im Sinne einer berufsbedingten schädigenden Einwirkung. Das Risiko von Seefahrern zur Ausprägung von Hautveränderungen wurde nach dermatologischer Erhebung des Hautstatus von 514 Seeleuten abgeschätzt. Insgesamt wurde bei 18% der untersuchten Seeleute eine aktinische Keratose klinisch diagnostiziert. In der multivariaten Regressionsanalyse für Ein-flussfaktoren zur Ausbildung von aktinischen Keratosen fand sich erwar-tungsgemäß eine Assoziation mit dem Hauttyp nach Fitzpatrick und mit dem Alter, aber auch mit der Dauer der Berufstätigkeit als Seemann. Außerdem stellten sich Unterschiede in der Einstellung zur Sonnenexposition in Abhängigkeit von der Herkunft der Seeleute (Kaukasier vs. nicht-Kaukasier) heraus. Nur etwa die Hälfte der befragten Seeleute war sich ihrer berufsbedingt erhöhten Gefährdung zur Ausbildung einer UV-induzierten Hautveränderung bewusst.

  • Seeleute verbringen in der Regel mehrere Monate in Folge an Bord, ohne dass sie während der Seereisen oftmals nennenswert Einfluss auf ihre Ver-pflegung nehmen können. Daher ist eine bedarfsangepasste und ausgewo-gene Bordverpflegung essentiell, wobei auch Besonderheiten von Ernäh-rungsgewohnheiten in den multikulturellen Besatzungen zu berücksichtigen sind. Erfahrungsgemäß ist die Bordverpflegung heutzutage oftmals sehr fetthaltig.

    Es soll im Rahmen einer medizinischen Promotionsarbeit die Verpflegungs- und Ernährungssituation von Seeleuten erfasst werden. Im Fokus dieser Untersuchung standen kiribatische Seefahrer, die in der Vergangenheit auf-grund eines ungesunden Essverhaltens auffällig geworden sind.
    Es erfolgten Borduntersuchung auf 4 Containerschiffen im transatlantischen Seeverkehr (über 100 Seetage) mit Erfassung von über 80 Seeleuten. Erstellen erster Zwischenanalysen; Kiribati hatten im Vergleich zu anderen Besatzungsgruppen an Bord ein höheres kardiovaskuläres Risiko (u.a. höhere Kalorienaufnahme mit konsekutiv signifi-kant höherem Body-Mass Index). Weiterhin gaben diese an, einen hohen Aufklärungsbedarf hinsichtlich „gesunder Ernährung“ zu haben.

  • Bis dato liegen nur unzureichend Kenntnisse über Prävalenzen von Krankheiten unter deutschen Seeleuten vor. Derartige Daten sind jedoch notwendig, um erfahrungsbasiert Prävention betreiben zu können.

    Es wurden die Krankenhausentlassungsdiagnosen von Seeleuten in dem Zeitraum von Januar 1997 bis Dezember 2007 ausgewertet (257.800 Seefahrerjahre).

    Im Vergleich zur bundesdeutschen Allgemeinbevölkerung wiesen deutsche Seemänner ein signifikant höheres Hospitalisationsrisiko u.a. für Lungen- und Atemwegskarzinome, non Hodgkin Lymphome und für Leukämien auf. Unter den nichttumorösen Erkrankungen, die zu einer Krankenhausaufnahme führten, dominierten unter Seefahrern Herzkreislauferkrankungen sowie Erkrankungen des Verdauungs- und Muskuloskeletal-Systems. Unter Fischerleuten traten u.a. vermehrt arbeitsbedingte Verletzungen auf.

  • Technisch hergestelltes Dinitrotoluol (DNT) ist ein Gemisch von 2,4- und 2,6-DNTIsomeren und wird u. a. in Explosiv-, Treib- und Farbstoffen ver-wendet. Die MAK-Kommission stufte DNT aufgrund toxikologischer Studien im Jahre 1985 in die Kanzerogenitätsklasse 2 ein. Das Ziel dieser Studie ist es, das Krebsrisiko von ehemals DNT-Exponierten in der Kohorte des Kupferschieferbergbaus in Mansfeld (N=16.441), insbesondere für das Nierenzell- und Urothelkarzinom, zu bewerten.

    Es erfolgen Publikationen zu Krebserkrankungen und zur Biostatistik.

  • DGAUM-Task force

  • Datenerhebung; Entwicklung weiterer Forschungsfragen im Einverständnis mit der BGN. Mit der Methodik des Phage display werden Seren symptomatischer Arbeitnehmer (Kaffeearbeiter, Bäcker, Botaniker) aus eigens hergestellten ctDNA-Banken Einzel­allergene aus Kaffee, Weizen und Mais identifiziert, rekombinant hergestellt und an Kollektiven exponierter Berufsgruppen hinsichtlich ihrer Allergenität charakterisiert.

  • Strukturuntersuchungen der Konjugate von industriell verwendeten aromatischen Diisocyanaten zur Verbesserung der Diagnostik der Isocyanat-Asthmas und zur Einführung eines neuen Biomonitorings in der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung.