Die Anatomische Sammlung
UKE startet systematische Aufarbeitung der anatomischen Sammlung
Für anatomische Sammlungen an Institutionen mit einem Gründungsdatum vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland ist die Frage nach der Provenienz der Präparate und einem möglichen Unrechtskontext einzelner Sammlungspräparate von zentraler Bedeutung. Die Medizinische Fakultät am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat im Juli 2025 eine umfassende Inventarisierung und historisch-wissenschaftliche Analyse der 1919 am UKE begonnenen anatomischen Sammlung im Hinblick auf mögliche Bezüge zur Zeit des Nationalsozialismus eingeleitet. Die Sammlung umfasst einen Bestand historischer humaner Exponate, deren genaue Herkunft teilweise nicht bekannt ist. Ziel des Projekts ist eine transparente, historisch fundierte und verantwortungsvolle Aufarbeitung.
Um dies zu ermöglichen, werden durch die Medizinische Fakultät finanzielle Mittel zur Beschäftigung eines Teams bereitgestellt. Zwei ausgewiesene Expertinnen aus der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Dr. Marion Hulverscheidt, und der Provenienzforschung, MA Linda J. Knop, konnten für die Arbeit an der Sammlung gewonnen werden. Zur weiteren Unterstützung beschäftigen die beiden anatomischen Institute Medizin-Studierende, die an der Erforschung der Sammlung mitarbeiten. Für das Team steht zunächst die systematische Erfassung, Kontextualisierung und Bewertung der vielen Tausend anatomischer Präparate im Vordergrund. Aufgrund der Arbeiten bleibt die Sammlung geschlossen.
Bisher konnten mehr als 500 Präparate detailliert inventarisiert und dokumentiert werden. Die Erhebung erfolgt nach modernen wissenschaftlichen Standards und berücksichtigt sowohl externe historische Quellen als auch sammlungsinterne Dokumentationen.
Das Projekt wird von einer Kommission begleitet, die in regelmäßigen Treffen über die Arbeit informiert wird und diese beratend unterstützt. Neben UKE-internen Vertreter:innen einschließlich Studierenden nehmen als Expert:innen nationale und international renommierte Medizinhistoriker:innen an den Kommissionssitzungen teil. Konkret sind folgende Personen beteiligt: ·
- Prof. Barbara Braunger, Institut für Neuroanatomie, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Priv.-Doz. Anna Duprée, Oberärztin Chirurgie, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Sarah Furchert, Studierende, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Dr. Sabine Hildebrandt, Boston Children's Hospital, Harvard Medical School, Boston, USA
- Prof. Philipp Osten, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Hagen Pöhlmann, Studierender, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Prof. Maike Rotzoll, Institut für Geschichte der Pharmazie und Medizin,
Universität Marburg · - Jenna-Sophie Schöllhorn, Studierende, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Prof. Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Prof. Volker Spindler, Institut für Anatomie, Medizinische Fakultät, UKE ·
- Prof. Florian Steger, Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Universität Ulm ·