Aktuelle News & Presseberichte 2022

  • 04.05.2022

    Verleihung des ältesten Medizinpreises Deutschlands

    Vier Nachwuchsforschende erhalten Dr. Martini-Preis 2022

    Der älteste Medizinpreis Deutschlands, der Dr. Martini-Preis, ist heute von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank an vier junge Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) verliehen worden.

    Den mit 4000 Euro dotierten ersten Preis hat Dr. Max Kaufmann aus dem Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose für die Identifizierung spezifischer Immunzellen erhalten, die sich im Krankheitsverlauf der Multiple Sklerose im Gehirn ansiedeln. Der zweite Preis in Höhe von je 3000 Euro wurde gleich zweimal vergeben. Er ging zum einen an Dr. Gustav Buescher und Dr. Marcial Sebode aus der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik für ihre Arbeiten zu COVID-19 bei Patient:innen mit autoimmunen Lebererkrankungen. Zum anderen ging er an Dr. Filip Berisha aus der Klinik und Poliklinik für Kardiologie, der durch neu entwickelte hochsensitive Biomarker molekulare Veränderungen bei einer chronischen Herzschwäche sichtbar machen konnte.

    Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf leistet medizinische Spitzenforschung, und das stellen die diesjährigen Dr. Martini-Preise wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis. Die Preisträger haben wichtige Beiträge zum Verständnis von komplexen Krankheitsbildern wie Multipler Sklerose, chronischer Herzschwäche und autoimmunen Lebererkrankungen in Zusammenhang mit COVID-19 geleistet. Das ist exzellente Grundlagenforschung nah am Menschen. Ich bedanke mich herzlich für den Einsatz und gratuliere den Forschern zu der verdienten Auszeichnung, sagt Katharina Fegebank, Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg.

    Mit dem Dr. Martini-Preis werden exzellente wissenschaftliche Arbeiten gewürdigt, die eine besondere klinische Relevanz haben, da sie neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krankheiten liefern. Auch in diesem Jahr haben sich herausragende Wissenschaftler:innen für den mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung beworben. Dank der großzügigen Unterstützung der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve können wir die Nachwuchswissenschaftler entsprechend würdigen. Dafür danken wir der Spenderin Eva-Maria Greve herzlich, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE.

    Zweiter Preis für Sichtbarmachung molekularer Veränderungen bei chronischer Herzschwäche
    Bei der chronischen Herzschwäche spielen molekulare Veränderungen, die zu strukturellen Veränderungen der Herzmuskelzelle führen, eine wichtige Rolle. Der Preisträger Dr. Filip Berisha hat durch neu entwickelte hochsensitive Biosensoren molekulare Veränderungen sichtbar gemacht, die der Grund für ein Herzversagen sein könnten. Konkret konnten die Forschenden den cAMP-Spiegel visualisieren. cAMP ist ein wichtiger sogenannter second messenger, der eine zentrale Rolle in der Signaltransduktion innerhalb der Zelle spielt und durch verschiedene Mechanismen stark reguliert ist. Im Verlauf der Herzschwäche gehen diese strengen Regulationsmechanismen verloren, was zu einer „Überaktivierung“ der Zelle und „Überphosphorylierung“ von Calcium-regulierenden Proteinen führt. Dies wiederum kann lebensgefährliche Rhythmusstörungen verursachen.

    Literatur: Circulation Research, https://doi.org/10.1161/CIRCRESAHA.120.318234


    Foto: Die vier UKE-Nachwuchsforscher: (v.l.) Fabian Heinrich, Dr. Filip Berisha, Dr. Max Kaufmann, Dr. Marcial Sebode, Dr. Gustav Buescher erhalten den Dr. Martini-Preis 2022 von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE (Mitte).

  • 27.04.2022 | Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

    Risikofaktoren für die postinterventionelle Aufnahme auf Intensivstation nach Katheterablation ventrikulärer Arrhythmien


    Dr. Ruben Schleberger und PD Dr. Andreas Rillig
    (Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg)

    Die Katheterablation ist ein fester Bestandteil der Behandlung ventrikulärer Arrhythmien und wird häufig bei Patient:innen mit mehreren, und zum Teil schweren kardiovaskulären Begleiterkrankun-gen durchgeführt. Eine postinterventionelle Behandlung auf einer Intensiv- oder Intermediate Care Station (ITS/IMC) wird demnach im klinischen Alltag bei diesen Patient:innen immer wieder notwendig. Genaue Daten zur Häufigkeit der Notwendigkeit einer solchen Behandlung und zu den Risikofaktoren sind bislang jedoch nicht bekannt. Kenntnisse hierüber erlangen jedoch insbesondere in Zeiten limitierter Kapazitäten auf Intensivstation aufgrund der Covid-Pandemie zunehmend Bedeutung. Zielsetzung der vorliegenden Arbeit war eine Analyse von Risikofaktoren und Begleitumständen, welche zur periinterventionellen Aufnahme auf eine ITS/IMC führen.

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    27.04.2022 | Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

    TAVI in patients with reduced left ventricular ejection fraction and severe ornon-severe aortic stenosis: Results from the international ATLAS TAVI Registry


    Dr. Sebastian Ludwig und PD Dr. med. Niklas Schofer
    (Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg)

    Der Einsatz von TAVI ist kontrovers
    Der Stellenwert der Kathetergestützten Aortenklappenimplantation (engl. transcatheter aortic valve implantation, TAVI) hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, sodass diese Therapie ge-mäß der aktuellen europäischen und amerikanischen Leitlinien bereits heute der Mehrzahl an erkrankten Patient*innen als primäre Behandlungsmodalität angeboten wird. Ein besonderes Patientenkollektiv stellen dabei solche Patient:innen dar, die neben einer Aortenklappenstenose auch eine reduzierte linksventrikulärer Ejektionsfraktion, d.h. eine systolische Herzinsuffizienz, aufweisen. Diese Kombination geht unbehandelt mit einer stark eingeschränkten Prognose einher. Mehrere retrospektive Studien legten zuletzt zudem nahe, dass bereits eine mittelgradige Aortenklappenste-nose zu einer erhöhten Mortalität bei Patientinnen und Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz führt. Andererseits ist für Patient:innen mit systolischer Herzinsuffizienz und hochgradiger Aorten-klappenstenose die Sterblichkeit nach TAVI deutlich höher als für solche mit erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion, insbesondere dann, wenn vor der Behandlung eine Aortenklappenstenose mit niedrigem Gradienten, eine sog. „Low-gradient“ Aortenklappenstenose, vorlag. Der Einsatz von TAVI bei Patient*innen mit Aortenklappenstenose und systolischer Herzinsuffizienz ist demnach zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin kontrovers und eine gezielte Untersuchung des klinischen Nut-zens dieses Verfahrens für herzinsuffiziente Patient:innen sowohl mit hoch- als auch mittelgradiger Aortenklappenstenose vonnöten.

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    27.04.2022 | Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

    Signals for reduced cognitive function are associated with subtle signs of atrial cardiomyopathy and left ventricular diastolic dysfunction – insights from the Hamburg City Health Study


    Dr. Stephan Camen und Prof. Dr. Renate Schnabel
    (Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Hamburg)

    Hintergrund und Ziel
    Vaskuläre kognitive Beeinträchtigungen und Demenz werden durch eine Vielzahl von Mechanismen verursacht, von denen Schlaganfälle und Erkrankungen der kleinen Hirngefäße die wichtigsten sind. In den letzten Jahren wurde postuliert, dass ein thrombogenes Vorhofmilieu aufgrund verschiedener Veränderungen der Morphologie und Funktion des (linken) Vorhofs, die sogenannten atriale Kardiomyopathie, auch ohne (klinisch apparentes) Vorhofflimmern ein Risiko für Schlaganfall und kognitiven Verfall darstellen könnte. Daher war unser Ziel den Zusammenhang zwischen echokardiografischen Parametern der (links-) atrialen Kardiomyopathie und der linksventrikulären diastolischen Dysfunktion und der kognitiven Funktion bei Personen ohne bekanntes Vorhofflimmern oder vorherigen Schlaganfall zu bestimmen.

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  • Lupe zum Vergrößern des Bildes
    In luftiger Höhe schwebt der Richtkranz über dem Neubau
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    Beim Richtspruch
    Polier T. Memmel, KFE-Leiter F. Bircan & Polier J. Schrenker

    21.01.2022

    Erste Phase des Zukunftsplans 2050 des UKE

    Hier schlägt das Herz der Zukunft: Rohbau des Universitären Herz- und Gefäßzentrums ist fertig

    Mit dem Aufziehen der Richtkrone sind am Freitag die Rohbauarbeiten für das neue Universitäre Herz- und Gefäßzentrum abgeschlossen worden. Mehr als 10.000 stationäre und 18.000 ambulante Patient:innen pro Jahr machen das Herz- und Gefäßzentrum zu einem der größten Diagnostik- und Therapiezentren seiner Art in Deutschland. Aufgrund des steigenden Bedarfs entsteht ein sechsge-schossiger Klinikbau mit bis zu 388 Betten, neun Operationssälen und neun Herzkatheterlaboren auf einer Fläche von 72.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.

    Mit der Fertigstellung des Rohbaus ist ein weiterer Meilenstein erreicht, um die universitäre Spit-zenmedizin in Hamburg weiter zu stärken. Das neue Herz- und Gefäßzentrum am UKE bietet exzellente Rahmenbedingungen auch für die Behandlung hochkomplexer und seltener Herz- und Gefäßerkrankungen. Hierfür genießt unser Universitätsklinikum bereits heute einen national wie international erstklassigen Ruf. Darüber hinaus ermöglicht der Neubau, durch die Integration des gesamten Kinderherzbereichs, eine ganzheitliche Betreuung von Herzkrankheiten und schafft Synergien, von denen alle profitieren, sagt Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank.

    Rund 900 hochqualifizierte medizinische und wissenschaftliche Mitarbeitende leisten täglich Gro-ßes im Universitären Herz- und Gefäßzentrum. Mit dem Neubau schaffen wir herausragende Rahmenbedingungen, in denen die uns anvertrauten Patient:innen bestmöglich behandelt werden können. Unser Ziel ist es, die Lebensqualität der oft schwerkranken Menschen bis ins hohe Alter zu verbessern, sagt Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE.

    Für die Herzmedizin von morgen
    Der Neubau ist dringend notwendig geworden: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste To-desursache in Deutschland und verursachen insgesamt etwa 40 Prozent aller Sterbefälle. Der größte Teil der Betroffenen ist über 65 Jahre alt. Darüber hinaus sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig mit erheblichen Folgeerkrankungen verbunden. Die Mediziner:innen und Pflegenden versor-gen also immer ältere Patient:innen mit komplexen Erkrankungen. Dieser Entwicklung trägt das neue Herz- und Gefäßzentrum mit seiner hochmodernen Ausstattung und den erweiterten diagnostischen Möglichkeiten Rechnung: Um den Menschen eine personalisierte Herzmedizin auf dem neuesten Stand der Wissenschaft anzubieten, bündeln wir unser Wissen aus allen Forschungsbereichenund schaffen somit eine differenzierte Basis für die optimal auf den Patienten zugeschnitteneTherapie. Unser neues Herzzentrum verbindet menschlich zugewandte Medizin mit höchster Innovation, so Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums.

    Mit dem Neubau werden künftig alle wichtigen Klinikbereiche unter einem Dach konzentriert. Als Maximalversorger gewährleisten wir so eine hochspezialisierte Medizin für alle Altersgruppen vom Neugeborenen bis zum alten Menschen, von der Behandlung leichter Herz-und Gefäßerkrankungenbis zu komplexen Transplantationen von Herz und Lunge sowie dem Einsatz von Herzunterstützungssystemen, erklärt Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner, Stellvertretender Ärztlicher Leiterdes Universitären Herz- und Gefäßzentrums.

    Dazu trägt auch das künftige „Cardiovascular Imaging Center“ für hochspezialisierte Bildgebung bei: Herzultraschall, Herz-CT und Herz-MRT ermöglichen sowohl die Diagnostik von Herzerkrankungenin sehr frühen Stadien als auch bildgesteuerte minimal-invasive Therapien. Das Zusammenwirken von Herz- und Gefäßmedizin sowie bildgebender radiologischer Diagnostik führt zu schnellen diagnostischen Ergebnissen und optimierten Behandlungen der Patient:innen.

    Stand der Bauarbeiten
    Der sechsgeschossige Neubau entstand nach Plänen der Architekten Nickl & Partner (München). Die Klinik Facility Management Eppendorf (KFE) des UKE ist für die vollständige Bauplanung und die Koordinierung der rund 100 am Bau beteiligten Unternehmen verantwortlich. Der Neubau ist das Herzstück der ersten Phase des Zukunftsplans 2050 des UKE und soll 2023 bezugsfertig sein. Kurze Wege und klare Strukturen, vereint in einem Raum- und Funktionsprogramm, das Behandlungsprozesse aus einem Guss ermöglicht, ist das Ziel der neuen Architektur. Dafür haben die beteiligten Mitarbeitenden ihre Erfahrungen aus dem praktischen Alltag eingebracht.

    Jetzt wurde mit den Ausbauarbeiten des Gebäudes begonnen, dazu zählen die Trockenbauarbeiten, die Fassadenarbeiten sowie die Installationen der technischen Ausstattungen. Der Neubau wird andas unterirdische automatische Warentransportsystem – mit selbstfahrenden Robotern – angeschlossen. Die Gesamtbaukosten des Neubaus belaufen sich auf rund 200 Millionen Euro. Die Finanzierung wird über das Mieter-Vermieter-Modell realisiert. Die besonderen Herausforderungen der derzeitigen Personal- und Materialengpässe konnten bislang durch eine aktive Projektsteuerung gelöst werden.

     

    06.01.2022

    UKE-Gesundheitsstudie liefert neue Erkenntnisse zu mittelfristigen COVID-19-Folgen

    Hamburg City Health Study: Selbst milder COVID-19-Verlauf hinterlässt Spuren an Organen

    Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) konnten nachweisen, dass auch milde bis moderate Krankheitsverläufe mit COVID-19 die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren mittelfristig beeinträchtigen und mit gehäuften Zeichen einer Beinvenenthrombose einhergehen. In der Hamburg City Health Study (HCHS) wurden 443 Personen nach einer SARS-CoV-2 Infektion mit nur leichteren Symptomen umfassend untersucht. Ihre Daten wurden mit denen von nicht an COVID-19 erkrankten Teilnehmenden der HCH-Studie verglichen. Die Studienergebnisse wurden heute als sogenannte Fast-Track-Publikation im renommierten European Heart Journal veröffentlicht.

    Seit Mitte 2020 wurden im Rahmen der Hamburg City Health Studie 443 Teilnehmer:innen zwischen 45 und 74 Jahren nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion im Epidemiologischen Studienzentrum des UKE eingehend untersucht. Die umfassenden Datensätze inklusive der Magnetresonanz-Tomographie des Herzens und des Gehirns sowohl bei SARS-CoV-2-Betroffenen wie auch in der Kontrollgruppe erlaubte eine organübergreifende Analyse. Die Erkenntnis, dass selbst ein milder Krankheitsverlauf mittelfristig zur Schädigung diverser Organe führen kann, hat höchste Bedeutsamkeit gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Omikron-Variante, die mehrheitlich mit milderen Symptomen einherzugehen scheint, so Prof. Dr. Raphael Twerenbold, Wissenschaftlicher Studienzentrumsleiter und Kardiologe im Universitären Herz- und Gefäßzentrum des UKE, und Erstautorin Elina Petersen, Epidemiologin im Epidemiologischen Studienzentrum des UKE.

    Die Studie wurde mit Unterstützung der Freien und Hansestadt Hamburg unter Beteiligung von mehr als zehn Kliniken und Instituten des UKE durchgeführt.

    Mit der HCHS setzen Hamburgs Wissenschaftler:innen Standards. Dass nun die ersten Ergebnisse der weltweit größten Gesundheitsstudie zu den gesundheitlichen Folgen von COVID-19 da sind, ist ein großer Erfolg und wichtiges Signal in der Pandemie. Die HCH-Studie liefert mit ihren vielfältigen epidemiologischen und klinischen Daten wichtige Erkenntnisse über die aktuelle Pandemie und den Umgang mit zukünftigen größeren Infektionsgeschehen. Ich danke dem gesamten Forscherteam für den großen Einsatz sowie allen Mitarbeitenden für ihre herausragenden Verdienste für die Wissenschaft, die Gesundheit und die Pflege in unserer Stadt in diesen fordernden Zeiten, sagt Senatorin Katharina Fegebank, Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke.

    Wir haben uns im UKE früh entschieden, die verschiedenen Dimensionen der für die Pandemierelevanten Forschung koordiniert zu begleiten, und sind erfreut von der Möglichkeit, mit diesem breit angelegten und interdisziplinären Studienprojekt die Aktivitäten der Stadt Hamburg in der Erforschung der Pandemiefolgen sichtbar zu machen, sagt Prof. Dr. Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des UKE.

    Die Ergebnisse ermöglichen es uns, frühzeitig mögliche organische Folgeerkrankungen zuerkennen und die entsprechenden therapeutischen Maßnahmen einzuleiten, sagt Prof. Dr. Stefan Blankenberg, HCH-Studienleiter und Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des UKE.

    COVID-19: Gesundheitliche Folgen nach mildem bis mittelschwerem Verlauf
    Die Studienteilnehmenden gaben keine, milde oder höchstens mäßiggradige Symptome zum Zeitpunkt der SARS-CoV-2-Infektion an. Die überwiegende Mehrheit von ihnen (93 Prozent) wurdedaher rein ambulant behandelt, keine:r von ihnen benötigte eine intensivmedizinische stationäre Behandlung.

    In der Studie wurden das Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem, die Lunge, die Nieren und das Gehirnauf Funktion, Struktur und mögliche Folgeschädigungen im Mittel zehn Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion untersucht. Anhand von Fragebögen wurde die Lebensqualität erfasst. Zum Vergleich wurden 1328 Teilnehmer:innen ähnlichen Alters, Geschlechts und Bildungsstatus aus dem HCHS Datensatz vor Ausbruch der Pandemie ausgewählt.

    Im Direktvergleich zur Normalbevölkerung fanden sich bei den Proband:innen nach überstandener SARS-CoV-2-Infektion Anzeichen von mittelfristigen Organschädigungen. In der Lungenfunktionstestung konnte bei den Teilnehmenden ein um etwa drei Prozent reduziertes Lungenvolumen sowie ein leicht erhöhter Atemwegswiderstand dokumentiert werden. Die Herzuntersuchungen ergaben eine durchschnittliche Abnahme der Pumpkraft um ein bis zwei Prozent sowie eine 41-prozentige Erhöhung eines Markerproteins im Blut, welches Auskunft über die Belastung des Herzens gibt. Ein zentrales Ergebnis der Analyse: Durch die Ultraschalluntersuchung der Beine konnten zwei- bis dreifach häufiger Zeichen einer zurückliegenden Beinvenenthrombose nachgewiesen werden. Ebenso wurde bei den Proband:innen nach SARS-CoV-2-Infektion eine Abnahme der Nierenfunktion um etwa zwei Prozent festgestellt. Die Untersuchung von Struktur und Leistungsfähigkeit des Gehirns nach einer SARS-CoV-2-Infektion ergab ebenso wie die erfragte Lebensqualität keine Verschlechterung im Vergleich mit der Kontrollgruppe. Zur frühzeitigen Erfassung und gezielten Behandlung dieser möglicherweise unbemerkt beeinträchtigten Organfunktionen empfehlen die Autor:innen routinemäßig einen simplen Abklärungspfad.

Aktuelle News & Presseberichte 2021

    15.12.2022

    Hamburger Ärzteblatt 12/2021
    10. Dezember | 75. Jahrgang

    Titelthema: Therapieoptionen bei Aortenklappeninsuffizienz
    Sehr gute Behandlungsmöglichkeiten für junge Erwachsene sind die Aortenklappenrekonstruktion und alternativ die Ross-Operation. Beide weisen gute Langzeitergebnisse auf und machen eine lebenslange Antikoagulation unnötig.

    Den gesamten Fachartikel können Sie hier lesen.

    Autoren:
    Dr. Johannes Petersen, MHBA
    Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner

     

    14.12.2021

    DFG-Förderung für Forschungsvorhaben zu Biomarkern bei Aortenerkrankungen

    Der Einriss der Hauptschlagader (Aortendissektion) gehört zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrienationen. Allein in Deutschland sind Aortendissektionen ursächlich für etwa 10.000 bis 20.000 Todesfälle im Jahr. Bevor eine Aortendissektion auftritt, zeigt die Hauptschlagader in der Regel eine Aussackung der Gefäßwand (Aneurysma).

    Viele Todesfälle durch Dissektionen können durch eine Identifizierung von Risikopatient:innen, eine regelmäßige Bildgebung der Hauptschlagader (Aorta) zur Verlaufsbeurteilung der Aneurysmagröße und ggfs. durch einen frühzeitigen prophylaktischen operativen Aortenersatz verhindert werden. Jedoch ist bislang unklar, welche Aneurysmapatient:innen von einer prophylaktischen chirurgischen Therapie profitieren und bei welchen Patient:innen das Risiko für eine Dissektion gering ist.

    Dr. Till Joscha Demal aus der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums UKE Hamburg (UHZ) hat nun ein Forschungsvorhaben zur Identifizierung von im Blut zirkulierenden Biomarkern bei thorakalen Aortenerkrankungen initiiert. Im Rahmen des bereits etablierten interdisziplinären Aortenregisters AortOmics werden von allen Patient:innen, die im UHZ einen chirurgischen Eingriff an der Aorta erhalten, Blut und Aortengewebe gewonnen. Die Schwere der Erkrankung wird dann mit potenziellen Biomarkern korreliert. Die Forscher:innen erhoffen sich einen oder mehrere Biomarker zu identifizieren, die in Zukunft zur Früherkennung und Risikobeurteilung bei Aortenpatient:innen eingesetzt werden können.

    Das Projekt erfolgt in interdisziplinärer Kooperation mit PD Dr. Georg Rosenberger vom Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Hartmut Schlüter von der Core Facility Massenspektrometrische Proteomik (UKE).

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat nun eine Anschubfinanzierung von 96.000 Euro für das Vorhaben bewilligt.

    19.11.2021

    Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner und Ehemann John Neumeier ausgezeichnet

    Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, ist mit dem Dr. Günther Buch-Preis für Medizin 2020 ausgezeichnet worden. Den Dr. Günther Buch-Preis für Geisteswissenschaften 2021 erhielt zeitgleich sein Ehemann Ballet-Intendant John Neumeier. Der Preis ist mit jeweils 20.000 Euro dotiert und wurde im Rahmen einer Festveranstaltung der Johanna und Fritz Buch-Gedächtnis-Stiftung im Ernst-Deutsch-Theater verliehen.

    Foto: Hinrich Franck

  • 10.06.2021

    Dem Vorhofflimmern auf der Spur | weltweite AFNET-Studie

    Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen aus Kliniken und Praxen deutschland- und weltweit zusammenarbeiten.

    Ziel ist es, die Behandlung und Versorgung von Patient:innen mit Vorhofflimmern in Deutschland und weltweit durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu führt das AFNET wissenschaftsinitiierte klinische Studien, Register und weitere Projekte auf nationaler und internationaler Ebene durch.

    Die British Heart Foundation hat anlässlich ihres 60. Geburtstags einen Artikel veröffentlicht, in dem die Studie unter der Leitung von Professor Paulus Kirchhof vorgestellt wird. Der Artikel Treating atrial fibrillation to prevent strokes ist über diesen Link abrufbar.

     

    Mit kurzen Stromstößen gegen falsche Rhythmusgeber des Herzens

    Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung, allein in Deutschland sind davon rund zwei Millionen Menschen betroffen. Um schwere Komplikationen wie beispielsweise einen Schlaganfall zu verhindern, ist eine effektive und frühzeitige Behandlung notwendig. Im Universitären Herz- und Gefäßzentrum UKE Hamburg wird seit kurzem eine innovative Methode der katheterbasierten Ablation von Vorhofflimmern, die sogenannte Elektroporation, angewendet.

    Bislang wurden meist thermische Verfahren wie Wärme (Hochfrequenzstromablation) oder Kälte (Kryoabalation) eingesetzt, um die störenden elektrischen Impulse, die sich in den sogenannten Lungenvenen bilden, durch eine elektrische Isolation der Lungenvenen auszuschalten. Bei der neuen Methode wird mit kurzen, pulsierenden Stromstößen selektiv nur das Herzmuskelgewebe behandelt, das für die Störimpulse verantwortlich ist. Die hochenergetischen Impulse verursachen so gezielt eine Perforation der Zellmembran der Herzmuskelzellen mit dem Vorteil, dass die umliegenden Gefäß- oder Nervenzellen im Herzen bzw. im Brustkorb oder aber die Speiseröhre nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieses neue Verfahren ist somit sicherer und gleichzeitig hocheffektiv. „Wir haben als erste Universitätsklinik in Deutschland diese innovative Kathetertechnologie erfolgreich bei 12 Patient:innen eingesetzt. Künftig können wir mit dieser Methode eine noch effektivere und sicherere Behandlung der stetig wachsenden Zahl an Patient:innen mit Vorhofflimmern ermöglichen“, sagt Priv.-Doz. Dr. Andreas Metzner, Leiter der Sektion interventionelle Elektrophysiologie der Klinik und Poliklinik für Kardiologie.

    Die Elektroporation wird künftig zusätzlich zu den bereits etablierten Ablationsverfahren am Universitären Herz- und Gefäßzentrum eingesetzt und wissenschaftlich von den Kardiolog:innen begleitet und evaluiert. „Mit diesem neuen Verfahren können wir die hohe Qualität der Ablationsbehandlungen am UKE weiter steigern. So verbessern wir die Umsetzung einer frühen rhythmuserhaltenden Therapie für alle in Hamburg“, so Prof. Dr. Paulus Kirchhof, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie.

  • Aufstieg auf den Turm des Michel
    Auf dem Hamburger Michel
    Ch. Oelschner, M. Kritzky und A. Röder

    30.04.2021 | Hamburger Abendblatt
    Autorin: Insa Gall

    Aufstieg auf den Turm des Michel – mit einem neuen Herz

    2019 musste Marc Kritzky mehrfach reanimiert werden. Nach langer Leidenszeit erhielt er ein Spenderorgan. Und schloss eine Art Handel mit sich selbst.

    Als Marc Kritzky die 452 Stufen des Michel-Turms erklommen hat, liegt die Stadt in der Sonne unterihm. Der 55-Jährige ist erst einmal etwasaußer Atem. Das würde wohl jedem sogehen, aber für Kritzky ist dieser Aufstieg etwas ganz Besonderes. Der Hamburger hat eine Herz-Transplantation hinter sich. Vor eineinhalb Jahren war erfast schon tot. Beim langen Warten auf ein Spenderherz im Krankenhaus hat er eine Art Handel mit sich selbst gemacht: Wenn alles gut wird, wenn er das übersteht und sich wieder fit fühlt, dann willer die Aussichtsplattform der Hauptkirche St. Michaelis, 106 Meter über der Elbe,erklimmen. Und nun steht er hier,wirkt trainiert wie ein deutlich jüngerer Mann, und ist voller Dankbarkeit. Nicht nur dafür, dass Michel-Hauptpastor Alexander Röder ihm den Zugang zum ansonsten wegen Corona für die Öffentlichkeit geschlossenen Turm ermöglicht hat. Sondern vor allem für die zweite Chance, die er bekommen hat.

    Es war ein ganz normaler Tag im Herbst 2019, als sein Leben beinahe geendet hätte. Kritzky war schon lange herzkrank. Im August 2019 hatten die Ärzte festgestellt, dass seine Mitralklappe nicht mehr richtig schloss, im September wurde sie rekonstruiert. Der Diplom-Ingenieur erholte sich zunächst nur langsam, absolvierte eine Reha und hatte gerade wieder begonnen zu arbeiten. An diesem sonnigen Tag ging er nun mit seiner Frau Katrin Mehrens erst einkaufen und dann spazieren. Und es ging ihm gut. Zum ersten Mal habe er wieder das Gefühl, es gehe aufwärts, sagte er seiner Frau, als sie später zusammen zu Hause auf dem Sofa saßen. Sie ging in die Küche, um etwas zu trinken zu holen,und als sie zurückkam, war er auf dem Polster zusammengesunken und zuckte immer wieder. Das war der eingebaute Defibrillator, der unablässig Stromimpulse gab, um sein Herz wieder zum Schlagen zu bringen.

    Panisch rief Katrin Mehrens den Rettungsdienst. Die Stimme am anderen Ende gab ihr Anweisungen: sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, jede Minute zählt. Mehrens wusste nicht, wie das geht, der letzte Erste-Hilfe-Kurs war eine Ewigkeit her. Macht nichts, sagte der Notrufmitarbeiter: Ich leite Sie dadurch. Nach dem Takt von „Stayin’ alive“ presste sie rhythmisch auf die Brust ihres Mannes, bis die Retter an der Tür klingelten. Ich war wie in Trance, sagt die 54-Jährige. 45 Minuten lang wurde ihr Mann noch zu Hause reanimiert, bis sich die Retter mit ihm auf den Weg ins Heidberg-Krankenhaus machten. Unterwegs musste Kritzky abermals reanimiert werden. Es dauerte, bis Mehrens aus der Klinik die erlösende Nachricht bekam: Ihr Mann war erst mal stabil. Allerdings hatte eine Computertomografie in seinem Kopf Auffälligkeiten gezeigt, die auf eine Schädigung des Hirns infolge von Sauerstoffmangel hindeuten könnten. Man hat mir gesagt, es sei nicht abzusehen, wie er sein werde, wenn er aufwache, erzählt sie. Kritzky wurde ins künstliche Koma versetzt, sein Körper heruntergekühlt, um die Organe zu schonen. Vier Tage lang saß sie bei ihm am Bett und hielt seine Hand, bis sie plötzlich merkte, dass die sich in ihrer bewegt.

    Nach dem Aufwachen erkannte Kritzky seine Frau zuerst nicht, konnte auch kaum verständlich sprechen. Eine harte Zeit. Doch ein weiterer Scan des Kopfes ergab, dass sich die Auffälligkeitenin seinem Gehirn zurückgebildet hatten, er wurde wieder klarer. Auch wenn er weiterhin selbst keinerlei Erinnerungen mehr an seinen Zusammenbruch hat. Oder an die Stunden davor. An den Film, den er am Vorabend gesehen hat. Da war ein Faden gerissen ,sagt er. Immer wieder fragte er nach, ließ sich seine eigene Geschichte erzählen und irgendwann schaltete sich mein Hirn wieder ein.

    Dann die Frage: Wie geht es weiter? Kann ich ein neues Herz bekommen? Will ich das? Er wurde ins Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verlegt. Sein Körper war so ausgebrannt,dass er nicht nur zur Transplantation angemeldet wurde, sondern auch zügig auf eine Hochdringlichkeitsliste kam. Hier begegnete er auch Christine Oelschner, der Transplantationskoordinatorin für Herz und Lunge im Universitären Herz- und Gefäßzentrum des UKE. Fast vier Monate lang musste er warten, bis es so weit war. In der Klinik, zu Hause wäre die Gefahr zu groß gewesen. Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Am 21. Februar 2020 – den Tag kann er wie aus der Pistole geschossen nennen – wurde er informiert, dass möglicherweise ein passendes Herz für ihn gefunden war. In dem Moment schaltetes ich bei mir das Gehirn aus, ich war nicht mehr in der Lage, meine Sachen zusammenzupacken, erzählt er. Parallel dazu fuhr ein Team zu dem Spender, um zu prüfen, ob dessen Herz infrage kam. Abends gegen 20 Uhr wurde Kritzky auf die Operation vorbereitet. Morgens um 5 Uhr erhielt seine Frau den Anruf: Die Transplantation ist geglückt.

    Kritzky betrachtet sich selbst als nicht religiös. Aber in den Monaten in der Klinik, in seinem Zimmer, hatte er viel Zeit zum Nachdenken. Darüber, wieviel Glück er hatte, wie dankbar er ist –seinen Ärzten, dem Team des UKE und natürlich dem Spender, der den Vorschriften entsprechend anonym bleibt, aber dem er so viel zu verdanken hat. Und ich kam zu dem Schluss, dass da vielleicht doch jemand dahintersteckt, der lenkend in mein Leben eingreift. Also besucht Kritzky nun Orte, um sich zu bedanken. Orte wie den Michelturm.

    2020 wurden am UKE 28 Herzen transplantiert
    Anfang April 2020 konnte er wieder nach Hause. Vor allem in der ersten Zeit begleitete ihn stets die Angst: Sein Körper kann das neue Herz jederzeit abstoßen.Täglich muss er 25 Tabletten einnehmen. Sie unterdrücken die Immunreaktion, machen aber auch beispielsweise Infektionen besonders gefährlich. Jedes Mal, wenn sein Blutdruck absackt, ist sofort die Panik da, es könnte etwas Schwerwiegendes sein. Doch die UKE Transplantationskoordinatorin ChristineOelschner begleitet die Patienten eng. Kritzky und seine Frau sind längst per Du mit ihr. Sie können sie jederzeit anrufen. Etwa wenn er versehentlich einen Schokoriegel gegessen hat, der Nüsse enthält, sie eigentlich verboten sind. Oder das Blutbild Auffälligkeiten zeigt. Frau Oelschner ist immer da, das ist eine Riesenerleichterung, so Kritzky. Mit ihr haben er und seine Frau in den eineinhalb Jahren mehr Zeit verbracht als mit manchen Familienmitgliedern.

    Am Herzzentrum des UKE wurden im vergangenen Jahr 28 Herzen transplantiert, deutschlandweit waren es 339. Aber 700 Menschen warteten 2020 auf ein neues Herz, 77 von ihnen standen in dieser Woche auf der Hochdringlichkeitsliste der Stiftung Eurotransplant, die Organe an geeignete Empfänger vermittelt. Aber auch dringend transplantationsbedürftige Patienten warten meist drei bis sechs Monate auf ein neues Herz. Derzeit sind es am UKE acht Menschen, darunter zwei Kinder. Jeden Tag, sagt Oelschner, sterben in Deutschland drei Menschen, weil sie kein passendes Organ bekämen. Sie hätte sich ebenso wie die allermeisten Transplantationsmediziner eine Widerspruchslösung gewünscht, als das Organspendegesetz 2019 vom Bundestag novelliert wurde.

    Oelschner wünscht sich, dass sich jeder zu Lebzeiten einmal mit dem Thema Organspende auseinandersetzt und seine persönliche Entscheidung dazu in einem Organspendeausweis einträgt. Man könne eine Spende auch ablehnen, aber mit einer Entscheidung, die man zu Lebzeiten trifft, würden die Angehörigen entlastet, die im Ernstfall eine Entscheidung treffen müssen. Komme es dazu und Angehörige müssten entscheiden, lehnten leider 60 Prozent eine Organspende ab.

    Kritzkys neues Leben ist nicht ohne Einschränkungen. Er weiß, dass man mit einem transplantierten Herz durchschnittlich zehn bis 20 Jahre leben kann, manche schaffen aber auch 35 Jahre. Der Diplom-Ingenieur arbeitet wieder, 5,5 Stunden am Tag, auch wenn er eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit beziehen könnte. Doch das ist ihm wichtig. Er will sein altes Leben zurück, will wieder reisen mit seiner Frau, wenn die Corona-Pandemie hinter uns liegt. Das Herz zu spenden, sagt Kritzky, bevor er sich anden Abstieg vom Michelturm macht, das ist ein wahres Zeichen der Nächstenliebe. Und das meint er auch im christlichen Sinn. Der 55-Jährige weiß nicht, wessen Herz da nun in seiner Brust schlägt, da ist der Datenschutz außerordentlich streng. Nur so viel: Das Herz gehörte einem jungen Menschen. Kritzky hat dessen Familie einen Brief geschrieben, der über die Transplantationskoordinatorin weitergegeben wurde. Sehr lange hat er überlegt, was er schreiben soll, und sich am Ende bedankt für dieses unglaubliche Geschenk, das ihm neues Leben ermöglicht. Die Familie, soweit ist bekannt, hat seinen Brief erhalten. Nur ein Wunsch ist nun noch offen: Es wäre das Größte, wenn sie mir zurückschreiben würde, sagt Kritzky.

     

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    Kompetenz, die sich ergänzt:
    Staatsopern-Intendant G. Delnon mit H. Reichenspurner & H. Klose

    29.04.2021 | Hamburger Abendblatt
    Autor: Joachim Mischke

    Singen gegen Corona-Spätfolgen

    Die Staatsoper organisiert für Covid-Langzeitgeschädigte mit dem UKE Reha-Maßnahmen für die Atemmuskulatur

    Blubbern Ihre Wangenmit?, fragt die Mezzosopranistin Kristina Stanek ins iPad hinein, nach einerAtemübung mit Strohhalm und Wasserflasche. Ihr Gegenüber ist ein Hamburger Long-Covid-Patient, man hört ihn leise blubbern und pusten. Die Umstände – konzentrierte Atemübungen übers Tablet im leeren Foyer der Staatsoper, beobachtet von einigen Journalisten und Kameras – wären unter normalen Umständen schon reichlich skurril. Doch normalerweise wäre Stanek in diesen Tagen einige Meter weiter vielleicht anders aktiv, auf der Bühne, als Orlofsky in dern euen „Fledermaus“. Stattdessen ist sie Teil eines Projekts, mit dem die Staatsoper und das UKE Covid-Folgen bei Betroffenen mildern wollen.

    Über die massiven, unvorhersehbaren Langzeitfolgen weiß man nach über einem Jahr Pandemie noch längst nicht alles. Viele kommen glimpflich davon.Viele sterben. Und viele leiden weiter, unter anderem unter quälender, chronischer Luftnot, weil die geschwächte Atemmuskulatur nicht zu ihrer alten Form zurückfindet. Es hat schon etwas leicht Ironisches, dass nun ausgerechnet eine Instanz wie die Hamburger Staatsoper, an der das professionelle Singen vor Publikum seit Monaten höchstbehördlich verunmöglicht ist, einer Instanz wie dem UKE hilft, durch eben diese gesangstechnischen Atemübungen therapeutische Fortschritte bei Long-Covid-Patienten zu erzielen. Vor allem aber istes ein großer Trost, eine große Hilfe, eine zutiefst menschliche Geste der Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls. Ein Geben und Nehmen. Was sich hier und jetzt als sinnvoll erweist, wird den zukünftigen Umgang mit weiteren Patienten erleichtern.

    Staatsopern-Intendant Georges Delnon sagte zu diesem Projekt, es sei sofort Begeisterung im Haus aufgekommen, als die Idee, einem Vorbild aus Großbritannien folgend, Form annahm. Der Bedarf an Hilfe ist groß. Die Effekte von regelmäßigen Gesangs - und Atemübungen auf die Lunge, den Körper und die Seele sind nicht zu unterschätzen, betonte auch Dr. Hans Klose, Leitender UKE Pneumologe. Er nannte die Atem-Lektionenein Leuchtturmprojekt in ganz, ganz grauen Zeiten. Bislang konnte manl ediglich Symptome auflisten, aber keine konkrete Therapie anbieten. Seit April treffen sich nun Ensemblemitglieder zweimal wöchentlich virtuell mit Patientinnen und Patienten, um in 30-minütigen digitalen Einzel-Coachings zu zeigen, wie sie langfristig ihre Atemfunktionen verbessern können. Aus vier Freiwilligen wurden zehn. An Interessenten für die Übungen wird leider kein Mangel herrschen. Konservative Schätzungen, so der Pneumologe, gehen von drei bis fünf Prozent Long-Covid-Fällen bei allen Erkrankten aus. Klose begleitet das Projekt wissenschaftlich. Es sei ein Highlight der letzten Monate, weil man den Patiente nendlich etwas anbieten kann.Alles hilft besser als das bisherige Verwalten von Leiden. Wir trainieren Körper und Seele, beide sind betroffen.

    15 Patientinnen und Patienten nehmen teil, sie wurden in Abstimmung mit niedergelassenen Hamburger Pneumologen ausgewählt. Zu Beginn und am Ende des sechswöchigen Unterrichts werden Lungenfunktion und Atemmuskelkraft gemessen. Außerdem wird die Lebensqualität durch Fragebögen erfasst. Wir wissen, dass Singen bei Menschenmit chronischen respiratorischen Erkrankungen Lungenfunktion und Lebensqualität verbessert, erklärt Klose, wer könnte die Post-Covid-Patientinnen und -Patienten besser unterstützen als die Gesangsprofis der Staatsoper.

    In das Training fließen Übungen zu Körperhaltung und Atemkontrolle ein. Tief durchatmen, ansonsten eine Selbstverständlichkeit unterhalb der alltäglichen Wahrnehmungsgrenze – hier ist es das ersehnte Ziel. Kunst heilt, das sagt sich leicht. In dieser Ansicht steckt viel Wahres. Doch Atmen, richtiges, effektives Atmen? Viel schwerer, als man denkt. In dieser schwierigen Zeit die Staatsoper Hamburg an unserer Seite zu wissen, um unseren Patientinnen und Patienten bei der Bewältigung ihrer Beschwerden infolge einer Covid-19-Erkrankung zu unterstützen, erfreut uns sehr, hatte Hermann Reichenspurner erklärt, stellvertretender Ärztlicher Leiter des UKE-Herz- und Gefäßzentrums. Er dankte den Sängerinnen und Sängern „außerordentlich“.

    Kristina Staneks Unterrichtswerkzeuge sind Geduld und klare Ansagen: Schnell rein, schnell raus soll die Luft in einer Übung, es geht um Kontrolle und Stärkung, auch des Selbstvertrauens. Ihrem Patienten der letzten Wochen wurde kürzlich bei einem Lungencheck eine Steigerung von 40 auf 60 Prozent attestiert. Es wirkt also, auch bei Stanek: Man hat sich wieder nützlich und sinnvoll gefühlt.

    FOTO: BRINKHOFF-MOEGENBURG

     

    3sat | nano vom 14. April 2021

    Corona bei Organtransplantierten

    Organtransplantierte leiden besonders. Sie haben das Virus länger im Körper, weil ihr Immunsystem mit Medikamenten heruntergefahren wird. Auch Impfungen schlagen deshalb weniger gut an.

    Corona mit transplantiertem Herz
    Sarah, die im Juni 2008 herztransplantiert wurde, ist seit drei Monaten mit dem Corona-Virus infiziert. Ihr geht es aber auch mit dem transplantierten Herzen nicht gut, sie leidet schon länger unter Herzrhythmusstörungen. Solange sie aber das Virus in sich trägt, kann sie nicht den kardiologischen Eingriff erhalten, den sie braucht, um die Herzrhythmusstörungen zu behandeln.

    Zum Beitrag in der Mediathek (verfügbar bis zum bis 14.10.2021).

    Im Beitrag: Dr. Dorit Knappe, Klinik und Poliklinik für Kardiologie (ab Min. 0:48); Prof. Dr. Hermann Reichenspurner, Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie (ab Min. 6:45).

  • 15.02.2021
    Digitale Verleihung des ältesten Medizinpreises Deutschlands

    Dr. Martini-Preis 2021 an fünf Nachwuchsforschende
    des UKE verliehen

    Fünf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sind heute im Beisein von Staatsrätin Dr. Eva Gümbel, Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke, mit dem Dr. Martini-Preis 2021 ausgezeichnet worden.

    Dr. Fabian J. Brunner und Priv.-Doz. Dr. Christoph Waldeyer, Klinik für Kardiologie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums Hamburg, haben die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Modell, das das cholesterinabhängige Langzeitrisiko für einen Herzinfarkt berechnet, erhalten. Die beiden zweiten Preise über jeweils 3.000 Euro gingen an Dr. Luzia Veletzky, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, sowie Dr. Jan Kempski, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, und Dr. Anastasios Giannou, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie.

    Dr. Eva Gümbel, Staatsrätin in der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Be-zirke: Die Corona-Pandemie führt uns aktuell vor Augen, wie wichtig die Innovationskraft der Wis-senschaft ist. Ein herausragendes Beispiel hierfür stellen die mit dem Dr. Martini-Preis ausgezeichneten Forschungsarbeiten darvon neuen Präventions- und Therapieverfahren bis zur Erforschung bislang vernachlässigter Krankheiten. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag, um die medizinische Versorgung weit über Hamburgs Grenzen hinaus nachhaltig zu stärken. Ich danke der Preisträgerin und den Preisträgern für ihre wichtige Arbeit und gratuliere herzlich zu der verdienten Auszeichnung!

    Der älteste Medizinpreis Deutschlands honoriert herausragende klinische Forschungsarbeiten, deren Erkenntnisse nicht nur zum Verständnis der Entstehung von Krankheiten beitragen, sondern neue Therapieoptionen eröffnen. Dank der großzügigen Unterstützung der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve können wir auch in diesem Jahr die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entsprechend würdigen. Dafür danken wir der Spenderin Eva-Maria Greve herzlich, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE.

    Erster Preis geht an internationale Studie zur Berechnung des Langzeitrisikos für Herzinfarkt
    Die Preisträger Dr. Brunner und Priv.-Doz. Dr. Waldeyer haben ein Modell entwickelt, mit dem sich das cholesterinabhängige Risiko für einen Herzinfarkt bis zum Alter von 75 Jahren berechnen lässt. Ihre internationalen Studienergebnisse, beruhend auf Daten von rund 400.000 Menschen der europäischen, nordamerikanischen und australischen Allgemeinbevölkerung, wurden 2019 in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht. Ihre Analysen zeigen, dass bereits bei jungen Menschen das Risiko, im Laufe des Lebens einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, stark von den Blutspiegeln des non-HDL-Cholesterins abhängt. Auf dieser Basis entwickelten sie einen Risikorechner, der das individuelle Langzeitrisiko für das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse abschätztund zugleich den potenziellen Nutzen einer cholesterinsenkenden Therapie simuliert. Der Risikorechner ist unter www.nonhdlrisk.com frei verfügbar.

    LiteraturLancet, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31810609/

     

    Prof. Dr. Michael Hübler

    Neu im UHZ: Prof. Michael Hübler

    09.02.2021
    UKE beruft Prof. Dr. Michael Hübler als Klinikdirektor für die Kinderherzmedizin

    Neue Doppelspitze stärkt die Kinderherzmedizin des Universitären Herz- und Gefäßzentrums

    In der Kinderherzmedizin am Universitären Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gibt es eine neue Doppelspitze: Prof. Dr. Michael Hübler hat zum 1. Februar 2021 seine Tätigkeit als W3-Professor für Kinderherzchirurgie und Chirurgie angeborener Herzfehler aufgenommen. Gemeinsam mit dem Kinderkardiologen Prof. Dr. Rainer Kozlik-Feldmann leitet er die neu strukturierte Klinik und Poliklinik für Kinderherzmedizin und Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern.

    Mit der zukünftigen Doppelspitze wird die umfassende universitäre Versorgung von Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern langfristig mit höchster Versorgungsqualität fortgesetzt.

    Wir freuen uns, mit Herrn Prof. Hübler einen international anerkannten Herzspezialisten gewonnen zu haben. Mit seinen herausragenden chirurgischen Fertigkeiten wird er zur konsequenten Weiterentwicklung einer schonenden und exzellenten Kinderherzchirurgie beitragen, die unseren Weg zum Neubau des Universitären Herz- und Gefäßzentrums nachdrücklich unterstützen werden, sagen Prof. Dr. Stefan Blankenberg und Prof. Dr. Dr. Hermann Reichenspurner, Ärztliche Leitung des Universitären Herz- und Gefäßzentrums.

    Prof. Hübler war zuletzt Chefarzt der Abteilung für Herzchirurgie des Universitäts-Kinderspitals Zürich und außerordentlicher Professor für Kinderherzchirurgie an der Universität Zürich. Er verfügt über langjährige Expertise im Bereich der komplexen rekonstruktiven Kinderherzchirurgie sowie der Kinderherztransplantation und der mechanischen Kreislaufunterstützungssysteme bei Säuglingen und Kindern.

    Nach seinem Medizinstudium an der Universität Duisburg-Essen arbeitete Prof. Hübler von 1989 bis 2012 am Deutschen Herzzentrum Berlin, wo er die Abteilung für Chirurgie angeborener Herzfehler leitete und ab 2009 als stellvertretender Klinikdirektor wirkte. Im Jahr 2012 erfolgte die Ernennung zum Professor für Kinderherzchirurgie an der Universität Zürich.

  • NDR Visite vom 05.01.2021

    Thrombose: Warnzeichen rechtzeitig erkennen

    Jedes Jahr erkrankt einer von 1.000 Menschen an einer Thrombose, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Wird eine Thrombose nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, drohen langwierige Probleme mit den Beinvenen (Postthrombotisches Syndrom) und es kann in seltenen Fällen, vor allem bei Thrombosen im Oberschenkel, sogar zu lebensgefährlichen Komplikationen wie einer Lungenembolie kommen.

    Schweregefühl, Kribbeln, Ziehen im Unterschenkel, eine Schwellung am Bein, ein Druck- oder Hitzegefühl - das können Hinweise auf eine Thrombose sein. Im Beitrag: Prof. Dr. Sebastian Debus, Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin.

    Hier gelangen Sie zum Beitrag auf ndr.de

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