Aktuelle News & Presseberichte 2020

  • 16.01.2020

    SAT.1 Regional

    Organspende: Bundestag stimmt gegen Widerspruchslösung und für Einverständnislösung

    Das Organspendegesetz war am Donnerstag das große Thema in Deutschland und damit auch bei uns im Norden. Die Abgeordneten des Bundestags haben mehrheitlich gegen die doppelte Widerspruchslösung entschieden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte angestrebt, dass jeder automatisch Organspender ist – es sei denn, er widerspricht ausdrücklich.

    Durchgekommen ist der Gesetzentwurf der Grünen, bei dem im Grunde alles bleibt, wie es ist. Der Gesetzentwurf zur Einverständnislösung sieht vor, dass man alle zehn Jahre im Einwohnermeldeamt bei der Beantragung eines neuen Personalausweises angesprochen wird, wie man sich im Falle einer Organspende entscheiden will. Man kann sich dort in ein Zentralregister eintragen lassen. Außerdem kann man sich alle zwei Jahre von seinem Hausarzt zum Thema beraten lassen...

    ...Hier sehen und lesen Sie den gesamten Beitrag auf SAT.1 Regional.

    Im Interview/Beitrag: Prof. Dr. Stefan Kluge, Klinik für Intensivmedizin und Prof. Dr. Hermann Reichenspurner, Klinik und Poliklinik für Herz- und Gefäßchirurgie

     

    D. Günther-Gemeinhardt vor dem Reichstag in Berlin

    16.01.2020

    Hamburger Abendblatt | Autor: Peter Wenig

    Warum ein Hamburger für Organspendergesetz kämpft

    Dennis Günther-Gemeinhardt wirbt für die Widerspruchslösung von Gesundheitsminister Jens Spahn. Dem Rahlstedter wurde vor Jahren ein Herz transplantiert.

    Der Mann hat, man darf das sagen, eine Mission. Seit Monaten wirbt Dennis Günther-Gemeinhardt für sein großes Ziel: Der Bundestag soll heute die Organspende neu regeln. Im Endspurt reiste der Rahlstedter in die Hauptstadt, um Abgeordnete zu überzeugen, für den gemeinsamen Entwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu stimmen. Beide Politiker kämpfen mit einem parteiübergreifenden Unterstützerkreis für die doppelte Widerspruchslösung. Wer zu Lebzeiten nicht einer Organspende widerspricht – ob über ein Online-Register oder in einer Erklärung gegenüber Verwandten oder Freunden – wäre dann Spender. Günther-Gemeinhardt traf Befürworter wie den Hamburger CDU-Abgeordneten Christoph Ploß und Gegner wie die Grünen Co-Chefin Annalena Baerbock, die für eine Reform der jetzigen Entscheidungsregelung wirbt.

    Wir brauchen die Widerspruchslösung, sagt Günther-Gemeinhardt. Nur so könne die Zahl der Transplantationen steigen. Der 40-Jährige spricht aus eigener leidvoller Erfahrung. Bereits mit 20 hatte er mehrere Herzinfarkte, die sein Herz so schädigten, dass auch Bypass- Operationen nicht mehr halfen. Er kämpfte um sein Leben, musste reanimiert werden, lag über drei Monate auf der Intensivstation: Meine Herzleistung lag nur noch bei fünf Prozent. Ich war so schwach, dass ich kaum noch die Zahnbürste heben konnte. Im Januar 2008 setzte ihm UKE-Herzchirurg Prof. Hermann Reichenspurner ein Spenderherz ein.

    Seitdem fühle ich mich wie neugeboren, sagt Günther-Gemeinhardt. Mit anderen Transplantierten startete er die Online-Petition „Leben retten: Einführung der Widerspruchslösung“ über die Plattform change.org. Inzwischen haben sich über 151.000 Menschen dieser Petition angeschlossen. Die Widerspruchslösung ist mir buchstäblich eine Herzensangelegenheit, sagt Günther-Gemeinhardt. Er habe Verständnis für jeden, der eine Organspende für sich ablehne, aber es sei zumutbar, dieses dann auch zu bekunden. Zu oft komme es vor, dass ein Spenderausweis nicht ausgefüllt werde oder im Fall der Fälle nicht auffindbar sei. Auf Dauer werden es andere Länder, in denen die Widerspruchslösung längst gilt, nicht hinnehmen, dass wir viel zu wenig Organe spenden.

    Günther-Gemeinhardt kämpft auch aus eigenem Interesse für eine Neuregelung. Denn irgendwann wird auch er wieder ein Herz brauchen. Ein Spenderorgan altert schon durch die Medikamente, die ein Transplantierter nehmen muss, deutlich schneller: Der Rahlstedter schluckt jeden Tag 14 Tabletten – auch gegen Abstoßungsreaktionen. Dennoch ist er so fit, dass er Mega-Partys am Hühnerposten veranstalten kann: Ich treibe viel Sport, mir geht es blendend.

     

    09.01.2020

    UKE-Herzforscherinnen und -Forscher leiten neue, weltweite Studie zur Früherkennung

    Vorhofflimmern – die unterschätzte Gefahr

    Lange vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt bei vielen Betroffenen das Herz unmerklich aus dem Takt: Vorhofflimmern verursacht häufig keine Beschwerden, ist aber ein Vorläufer lebensbe-drohlicher Durchblutungsstörungen. Ein von der EU finanziertes internationales Forschungsprojekt, das von Prof. Dr. Renate Schnabel aus dem Universitären Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) geleitet wird, soll jetzt die Früherkennung von Vorhofflimmern deutlich verbessern.

    Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen in der Allgemeinbevölkerung. Insbesondere in alternden Gesellschaften wie in Deutschland ist das ein zunehmendes Problem", sagt UKE-Herzforscherin Prof. Schnabel. Herzrhythmusstörungen seien an sich nicht lebensbedrohlich, sie würden aber einhergehen mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder auch Demenz. Eine eingeschränkte Lebensqualität und eine erhöhte Sterblichkeit seien die Folgen. Besonders problematisch dabei ist, dass Vorhofflimmern oft symptomlos verläuft und die Betroffene daher gar nicht wissen, dass ihr Herzschlag außer Takt geraten ist und auf Dauer weitere Erkrankungen verursachen kann, erläutert die Projektleiterin, die sich mit ihrem Team im Universitären Herz- und Gefäßzentrum des UKE seit Jahren intensiv mit der Erforschung von Vorhofflimmern beschäftigt.

    Gefährdete Personen identifizieren und effektiv untersuchen
    Gemeinsam mit den internationalen Projektpartner sollen nun Strategien entwickelt werden, um gefährdete Personen zu identifizieren und effizient auf Vorhofflimmern zu untersuchen. Die ent-scheidenden Fragen lauten: Wer genau muss untersucht werden und welche Methoden sind dafür die am besten geeigneten?, erklärt die Herzforscherin. Standard zur Untersuchung von Herzrhyth-musstörungen sei ein Zwölf-Kanal-EKG, bei dem mehrere Elektroden auf den Oberkörper der Pati-enten geklebt werden müssen. Das ist sehr aufwändig und nicht jeder Hausarzt hat ein solches Gerät, so Prof. Schnabel. Günstige und weit verbreitete technische Alternativen, die Hinweise auf Vorhofflimmern liefern können, seien zum Beispiel Blutdruck- oder Pulsmessgeräte, tragbare Gürtel, unter die Haut implantierbare Mini-Geräte, aber auch die Kamera des Handys oder eine Smart-Watch. Ein Screening muss möglichst einfach sein, um bei möglichst vielen Menschen angewendet werden zu können. Ob alle oder nur Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, mit Übergewicht oder ab einem bestimmten Alter untersucht werden sollten, seien weitere Fragen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beantworten wollen. Ich hoffe, dass wir bereits in zwei, drei Jahren erste Ergebnisse haben, von denen die Patientinnen und Patienten profitieren können, sagt Prof. Schnabel.

    Internationales Projekt wird mit sechs Millionen Euro von der EU gefördert
    Das zum Jahresbeginn gestartete und auf drei Jahre angelegte Forschungsvorhaben mit der Be-zeichnung „AFFECT-EU" (Titel: Digital, risk-based screening for atrial fibrillation in the European Community) wird von der EU im Rahmen des aktuellen Forschungs- und Innovationsprogramms „Horizon 2020" mit insgesamt knapp sechs Millionen Euro unterstützt. Auf das UKE als Studien-zentrale entfallen etwa 1,5 Millionen Euro Fördergelder. Beteiligt sind 26 Einrichtungen und Insti-tutionen aus 16 Ländern. Das Projekt hat weltweit ein solches Interesse geweckt, dass nicht nur Partner aus der Förderregion EU teilnehmen, sondern auch aus den USA, Kanada und Australien – letztere sogar ausschließlich mit eigenen Mitteln.