ALLES außer gewöhnlich

Unsere Kinderreporterin Olivia besucht die neue Mädchensprechstunde und klärt mit Julia Schweitzer, Assistenzärztin der Klinik für Kinder- und Jugend­psychiatrie, warum Erwachsenwerden so schwierig ist.

Olivia Namslau und Dr. Julis Schweiter im Gespräch. Blick auf Olivia
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Kinderreporterin Olivia Namslau
besucht die 7. Klasse der Stadteilschule Eppendorf


Olivia: Was kann man sich unter einer Mädchensprechstunde vorstellen?

Julia Schweitzer: Die Mädchensprechstunde ist eine Vorsorgesprechstunde für alle Mädchen in Hamburg. Wir wissen, dass die Pubertät eine besondere und herausfordernde Zeit ist, speziell für Mädchen. Mädchen haben im Rahmen der Pubertät ein vielfach erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken. In der Mädchensprechstunde geht es daher um Gefühle und Gedanken. Die Mädchen können zu uns alleine kommen, Geschwister mitbringen oder Freunde oder Eltern.

Gibt es auch eine Jungensprechstunde?
Wir Kinder- und Jugendpsychiater behandeln und begleiten Kinder und Jugendliche unabhängig vom Geschlecht. Aber diese ganz bestimmte knifflige Zeit braucht etwas Maßgeschneidertes und deshalb gibt es die Mädchensprechstunde.

Mit welchen Problemen kommen die Mädchen zu Ihnen?
Die Mädchen kommen zu mir und ich höre erst einmal zu und wir machen uns gemeinsam ein Bild davon, worum es geht und was mein Auftrag sein soll. Dann machen wir weitere Termine – meistens drei bis vier, aber manchmal ist es auch mit einem Termin schon geregelt. Häufig sind es Dinge wie Traurigkeit, das Mit­einander mit Freundinnen, körperliche Veränderungen, Gefühlsschwankungen, Ohnmachtsgefühle, belastende Ängste. Und manchmal können die Mädchen gar nicht aussprechen, was es ist.

Und wie läuft die Sprech­­stunde in Corona-Zeiten ab?
Corona ist eine belastende Zeit für alle. In der Pubertät sind viele Themen peinlich und unangenehm. Deswegen bieten wir unsere Sprechstunde auch als Videosprechstunde an. Die Mädchen können sich bei mir melden und ich schicke dann einen Link.

Wieso hat man Stimmungsschwankungen?
Das ist eine total wichtige Frage. Früher hat man gedacht, Stimmungsschwankungen kommen bei Mädchen und Frauen nur im Zusammenhang mit den Tagen und den Hormonen vor. Das stimmt aber nicht. In der Pubertät entwickeln sich die unterschiedlichen Areale im Gehirn unterschiedlich schnell und dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass ein Gefühls-Ping-Pong oder auch pubertäre Verhaltensweisen auftauchen.

Warum kann man die Brüste nicht wegzaubern?
Brüste sind Zeichen der Entwicklung. Pubertät kann schön, aber manchmal auch schmerzhaft sein. Die meisten Mädchen sind später froh, wenn sie Periode, Brüste und Schamhaare haben.

Wann ist eigentlich das beste Alter für den ersten Freund?
Dafür gibt es keinen Gradmesser. Prinzipiell dann, wenn man es will! Einen Freund zu haben, ist toll. Wie man diese Beziehung gestaltet, ob man am liebsten stundenlang redet, Unternehmungen macht oder sich körperlich näher kommt, sollte jedes Mädchen so für sich entscheiden können, dass es gut für einen selbst ist! Dafür braucht man die Fähigkeit, ein wenig in sich reinhören zu können und das für sich und gegenüber anderen benennen zu können.

Welchen Rat möchten Sie pubertierenden Mädchen mitgeben?
Meinen Patientinnen sage ich gelegentlich: „Es ist wichtig, auf die innere Stimme vertrauen zu können. Wenn Du unsicher bist und diese nicht gut hören kannst, dann finden wir sie zusammen.“ Das ist eigentlich ein ganz guter Kompass.

Warum gibt es eigentlich keinen Pubertätstag, an dem alle Teenager geehrt werden, dass sie so lange mit ihren körperlichen Veränderungen durchhalten?
Ich wäre sehr dafür, einen Pubertätstag einzuführen! Die Pubertät ist eine total herausfordernde Zeit. Alle, die eine Pubertät durchmachen, hätten das mehr als verdient.

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Fotos: Axel Kirchhof, Illustrationen: Alexandra Langenbeck