Forschung - Tumorforschung

Das Plattenepithelkarzinom des Mund- und Rachenraumes ist der häufigste bösartige Tumor im Kopf-Halsbereich und steht daher auch im Fokus der onkologischen Forschung der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Biobank und Biomarker

Aussagekräftige Biomarker könnten zur individuellen tumorspezifischen Entscheidung von Therapien beitragen und eine Kontrolle des Therapieerfolges ermöglichen. Die wichtigste Voraussetzung für die Biomarkerforschung ist eine sogenannte Biobank. Darunter versteht man ein Archiv mit Tumorgewebe, Blut, Speichel und anderen Gewebeproben, die mit umfangreichen klinischen Daten verbunden sind. Basierend auf einer solchen Biobank, konnte in einer Studie bereits eine signifikante Korrelation von zirkulierenden Tumorzellen mit diversen klinischen Parametern gezeigt werden. Laufende Studien untersuchen weitere Biomarker. Vor allem genetische Veränderungen werden im Zusammenhang mit klinischen Verläufen und durchgeführten Therapien betrachtet.Eine besonders wertvolle Ressource unserer KIinik ist ein Tissue-microarray (TMA) aus aktuell über 200 Proben von oralen Plattenepithelkarzinomen, die mit umfassenden klinischen Daten, u.a. zu Tumoreigenschaften und Gesamtüberleben der Patienten über einen Zeitraum von über 10 Jahren hinterlegt sind. Dieser TMA wird kontinuierlich erweitert. Der Vorteil eines solchen Arrays ist es, bestimmte genetische Veränderungen mit einer Untersuchung in allen diesen Tumorproben erfassen zu können. Mit Hilfe dieser Untersuchungsmethode konnten wir Gene und Genregionen identifizieren, die in unserem Gesamtkollektiv häufig Änderungen zeigten. Solche Änderungen können als Biomarker zum Verständnis der Krankheitsentstehung beitragen und wichtige Information für die Therapie liefern.

Optimierung der Behandlung

Unsere umfangreichen und gut dokumentierten klinischen Daten ermöglichen retrospektive Auswertungsstudien, die wertvolle Information zur Verbesserung der Behandlung der Tumorpatienten liefern. Beispielweise konnte eine unserer neuesten Studien zeigen, dass die sofortige Kieferrekonstruktion in der gleichen Sitzung mit der Tumorentfernung das Risiko eines lokalen Tumorrezidivs nicht erhöht. Konventionell wird nach einer Tumoroperation die Wunde zuerst geschlossen und die Rekonstruktion des Kiefers erfolgt erst später in einer zweiten Operation. Das bringt aber eine deutlich höhere Belastung für den Patienten mit sich und ist darüber hinaus mit höheren Kosten verbunden. Ergebnisse unserer Studie eröffnen eine neue Perspektive für eine verbesserte Behandlung.

Methode zur Medikamententestung

Tumormedikamente (Zytostatika) wirken auch auf gesunde Zellen toxisch. Daher ist die Wirkung eines Medikamentes auf gesunde Zellen auch ein wichtiger Aspekt, der untersucht werden soll. Eine Labortestung wäre wünschenswert, um im Vorfeld abschätzen zu können, welche Medikamentendosis für den jeweiligen Patienten die effektivste für die Behandlung unter gleichzeitiger Schonung der gesunden Zellen ist. Dafür entwickeln wir eine innovative Methode, um Tumorzellen und gesunde Zellen gleichzeitig und spezifisch in einer Probe zu quantifizieren. Die Basis hierfür stellt eine quantitative Bestimmung von genetischen Veränderungen dar, die Tumoren verursachen und folglich auch nur in den Tumorzellen vorhanden sind. Unsere Prozedur soll dazu dienen, bei der Entwicklung eines Tumormedikamentes nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch dessen Spezifität im Labor testen zu können. Des Weiteren soll diese Methode eine Medikamententestung an Primärkulturen ermöglichen, die sowohl Tumorzellen als auch gesunde Zellen enthalten. Durch eine individuelle Medikamententestung könnte sich eine neue Perspektive in der personalisierten Behandlung eröffnen. Eine Pilotstudie zeigte bereits die Machbarkeit dieses Verfahrens.