Forschung - Biomechanik und Osteosynthese

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt unserer Klinik ist der Bereich der Biomechanik und Osteosynthese, der sowohl in der Versorgung von Knochenbrüchen als auch in der Wiederherstellungschirurgie bei notwendiger Rekonstruktion knöcherner Defekte im Gesichtsbereich eine wichtige Rolle spielt. Dabei kommen heutzutage in der Regel Osteosynthesesysteme mit Schrauben und Platten aus Titan zum Einsatz. Damit ist eine ausreichende Stabilisierung auch in Bereichen mit sehr hoher Belastung, wie z.B. im Unterkiefer möglich. Nachteil an einer Versorgung mit Titan ist jedoch, dass dieses vom Körper nicht resorbiert werden kann und in einigen Fällen wieder entfernt werden muss. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Patienten ein Fremdkörpergefühl beklagen oder Wundheilungsstörungen aufgetreten sind. Zudem kann das eingebrachte titanhaltige Osteosynthesematerial bildgebende Verfahren wie CT oder MRT stören, sodass die Diagnostik bei Folgeuntersuchungen eingeschränkt sein kann.

Daher sind biodegradierbare Plattensysteme, die sich nach einiger Zeit im Körper auflösen und somit ein Entfernen unnötig machen, seit einigen Jahren Gegenstand intensiver Forschung. In mehreren Forschungsprojekten beschäftigen wir uns daher mit der Erprobung alternativer Osteosynthesematerialien, die zukünftig Titan als Standard ablösen könnten.

Neben der experimentellen Untersuchung resorbierbarer Materialien liegt ein Schwerpunkt unserer Forschung in der Überprüfung der mechanischen Eigenschaften resorbierbarer und nicht resorbierbarer Osteosynthesematerialien. In einer Kooperation mit dem Institut für Biomechanik (BIM) der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) werden Dauerbelastungsversuche an verschiedenen Konzepten, die in der rekonstruktiven Chirurgie zum Einsatz kommen oder in Zukunft kommen könnten, durchgeführt. Die Erprobung von Osteosynthesematerialien im Labor ist dabei vor einem möglichen Einsatz solcher Materialien am Menschen essentiell.

Eine weitere Säule dieses Forschungszweigs besteht in der Untersuchung biomechanischer Veränderungen, die beispielsweise durch die Entnahme von körpereigenen Transplantaten zur Rekonstruktion von Gesichtsdefekten auftreten können. Dabei kooperieren wir unter anderem mit dem Institut für Osteologie und Biomechanik des UKE. Forschungsergebnisse dieses Projektes wurden in den vergangenen Jahren in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Aktuell erarbeiten wir neuartige operative und perioperative Konzepte, um die Anatomie nach Transplantatentnahme an der Entnahmestelle möglichst originalgetreu und funktionsgerecht wiederherzustellen und unsere Patienten so zukünftig noch besser versorgen zu können.