Professionelle Zusammenarbeit üben

Anne Barzel, Änne-Dörte Jahncke-Latteck, Silke Roschlaub, Gesche Ketels
in Kooperation mit der Universitären Bildungsakademie: Stefanie Dohse (Physiotherapie), Wilma Kuhls (Pflege)

Ausgangssituation

Die Bedeutung einer guten interprofessionellen Zusammenarbeit für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung wird in verschiedenen Bereichen der Medizin immer wieder betont. Jedoch stellt das Gutachten des Sachverständigenrates 2007 fest: "Inhaltlich zielt die Ausbildung sämtlicher Gesundheitsberufe nur unzureichend auf eine spätere Kooperation [...] so dass die Medizinischen Fakultäten aufgefordert sind, Verantwortung für die kooperationsfördernde und professionsübergreifende Lehre und Forschung im Bereich aller Gesundheitsberufe zu übernehmen."
2009 wurde im Rahmen eines Förderfonds Lehre der Universität Hamburg das Pilotprojekt "Interprofessionelle Zusammenarbeit üben" durchgeführt. Ziel dieses Pilotprojektes war es, ein Unterrichtskonzept zu entwickeln und zu erproben, das die zukünftigen Ärzte bereits während des Studiums für die Bedeutung der interprofessionellen Zusammenarbeit und ihre Auswirkungen auf die Patientenversorgung sensibilisiert und sie auf die Anforderungen ihrer späteren Berufstätigkeit vorbereitet. Dabei wurden bereits bewährte und mit Erfolg praktizierte Unterrichtsmethoden wie z.B. simulierte Patienten eingesetzt.
Das Konzept für dieses Pilotprojekt wurde gemeinsam mit den Kooperanden aus Pflege und Physiotherapie entwickelt. Studierende aus den Gesundheitsberufen Medizin, Pflege und Physiotherapie begegnen sich in interdisziplinären Fallkonferenzen.

Ergebnisse

Über die Zusammenarbeit der Studierenden aus Pflege, Physiotherapie und Medizin erleben sich die Berufsgruppen unmittelbar und lernen die unterschiedlichen Herangehensweisen und Perspektiven kennen. Die Teilnehmer lobten den Realitätsbezug, den Einsatz von Simulationspatienten und das Feedback. Als Ausdruck ihres positiven Erlebens der interprofessionellen Zusammenarbeit tätigen die Studierenden konkrete Vorschläge sowohl für eine Konzepterweiterung als auch eine Übertragung von Fallkonferenzen in die curriculare Ausbildung.
Die interprofessionelle Arbeitsgruppe zog aus dem Pilotprojekt das folgende Fazit: es gibt einen Auftrag, interprofessionelle Zusammenarbeit zu üben/verbessern (Gutachten des SVR) und es gibt einen Bedarf, den die Teilnehmer des Projektes klar und konkret benennen. Die Arbeitsgruppe sieht ihre Aufgabe darin, für Nachhaltigkeit dieses angestoßenen Themas zu sorgen, in dem z.B. Kooperationserfahrungen in verschiedenen Versorgungskontexten ermöglicht, interprofessionelle Fallkonferenzen in den Handlungsfeldern der Studierenden verankert und die Kontinuität interprofessioneller Zusammenarbeit ermöglicht werden.

Fortsetzung

Das Konzept wurde im Rahmen einer interprofessionellen Fortbildungsveranstaltung der Bundesärztekammer im April 2010 in Berlin erfolgreich eingesetzt. Auch die in den verschiedenen Berufen bereits Tätigen bekunden einen Bedarf an multiprofessionellem Austausch und lobten -wie die Studierenden- den Realitätsbezug der Fallkonferenzen.
Im Herbst 2010 wird das Seminar erneut mit Studierenden aus Medizin, Pflege und Physiotherapie durchgeführt.

Förderer: gefördert vom Förderfonds Lehre 2009 und Eigenmittel

Laufzeit: seit 2009

Kontakt: Anne Barzel