Alles rund um Adipositas

In diesem Bereich erfahren Sie interessante Aspekte zum Thema Adipositas.

Was ist Adipositas?

Adipositas (= Fettleibigkeit) beschreibt den Zustand des Übergewichtes. Es handelt sich dabei um ein bislang in Europa und Nordamerika weit verbreitetes Problem, welches im Rahmen der Globalisierung nun auch zunehmend Menschen auf den übrigen Kontinenten betrifft. Erstmals in der Menschheitsgeschichte leiden gleich viele Menschen an Übergewicht wie an Unterernährung. Gemäß der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt die Adipositas das am schnellsten zunehmende Gesundheitsrisiko dar. Die betroffenen Menschen werden mit verschiedenen gesundheitlichen, potentiell lebensbedrohlichen, aber auch psychischen und gesellschaftlichen Problemen konfrontiert. Derzeit hat jeder zweite erwachsene Deutsche ein zu hohes Gewicht, jeder fünfte leidet sogar an krankhafter Fettsucht (Adipositas).

Die Einteilung in Normgewicht, Übergewicht und in die Adipositasstufen wird mit Hilfe des Body-Mass-Index definiert.

  • Zur Objektivierung des Ernährungszustandes eines Menschen ist der Body-Mass Index (BMI) die gebräuchlichste Methode. Dabei wird das Körpergewicht in Kilogramm (kg) durch das Quadrat der Körpergröße in Metern (m) geteilt.

    BMI = Körpergewicht in kg / (Körpergröße in m)²

    Beispiel: Größe 1,70 m; Gewicht 130 kg Beispielrechnung:
    Größe zum Quadrat 1,70 m x 1,70 m = 2,89
    Gewicht durch Größe² 130kg : 2,89m² = BMI 44,9kg/m²

    Wie ist der Body-Mass-Index bei Normalgewicht?

    Bei Normgewicht liegt der BMI zwischen 20 und 25kg/m². Ein BMI zwischen 25 und 30 kg/m² ist als Übergewicht definiert. Ein BMI über 30 kg/m² wird als adipös bzw. Adipositas bezeichnet. Ab diesem BMI steigt das Risiko an Folgeerkrankungen durch die Fettleibigkeit zu erkranken deutlich! Die Adipositas wird in den Schritten ab 30kg/m², ab 35kg/m² und ab 40kg/m² in die Adipositas Grad 1 (adipös), Adipositas Grad 2 (schwer adipös) und Adipositas Grad 3 eingeteilt.

    Ab einem BMI von über 40kg/m² steigt die Sterblichkeit gegenüber einem normalgewichtigem Menschen (BMI 20-25 kg/m²) BMI drastisch an. Daher wird der Adipositas Grad 3 auch als morbide (krankhafte) oder maligne (bösartige) Adipositas bezeichnet. Nach dem Tabakkonsum gilt die Adipositas als zweitwichtigste vermeidbare Todesursache.

    BMI von 20-25 kg/m²: Normalgewichtig
    BMI von >25-30 kg/m²: Übergewichtig (Präadipositas)
    BMI von >30-35 kg/m²: Adipositas Grad I
    BMI von >35-40 kg/m²: Adipositas Grad II (mit Gesundheitsgefährdung)
    BMI von >40 kg/m²: Adipositas Grad III (morbide / maligne / mit ernsthafter Gesundheitsgefährdung)

  • Entstehung von Adipositas

    Die Adipositas entsteht in der Regel über einen längeren Zeitraum. Die Ursachen sind eine zu kalorienreiche Ernährung, eine falsche Nahrungszusammensetzung (zum Beispiel zu hohe Fettanteile), zu große odrt zu viele Mahlzeiten, Bewegungsmangel, geringer Kalorienverbrauch und genetische Veranlagung. Meist handelt es sich um eine Kombination aus diesen Ursachen. Letztendlich führt ein langfristiger Überschuss der Energiebilanz, das heißt es besteht ein Ungleichgewicht zwischen der Energiezufuhr und dem gesamten Energieverbrauch (Grundumsatz plus variablen Energieverbrauch wie Sport, Arbeit etc.) (Energiezufuhr > Energieverbrauch) des Körpers, zum Übergewicht. Wenn man am Übergewicht etwas ändern möchte, müssen diese beiden Variablen verändert werden, das heißt mehr Energie verbrauchen (z.B. Sport treiben) und weniger Kalorien zu sich nehmen. Für einen langfristigen Erfolg muss ein langfristiges Gleichgewicht erhalten bleiben.

    Übergewicht (Adipositas) = Energiezufuhr > Energieverbrauch

    Vererbung

    Bei manchen Menschen mit schwerem Übergewicht spielen auch erbliche Faktoren eine Rolle. Es gibt zahlreiche Forschungen, die sich mit genetischen Faktoren befassen, die bei schwerem Übergewicht eine Rolle spielen könnten. Der kanadische Wissenschaftler Professor Bouchard kam 1990 mit einer Studie zu einem interessanten Ergebnis. Er ließ 12 eineiige Zwillingspaare drei Wochen lang jeden Tag 1000 kcal zusätzlich aufnehmen.

    Alle nahmen zu, aber zwischen den verschiedenen Zwillingspaaren gab es enorme Unterschiede. Die jeweiligen Zwillingspaare reagierten dagegen identisch. Forscher waren begeistert, als 1994 das für Adipositas (Übergewicht) verantwortliche Gen bei Mäusen entdeckt wurde. Dieses Gen bildet das Protein Leptin, das zum Sättigungsgefühl beiträgt. Es zeigte sich, daß Mäuse mit einem defekten Gen enorme Futtermengen verzehren. Die Freude der Wissenschaftler war allerdings nur von kurzer Dauer, denn schnell war klar: Der Mensch reagiert anders. Bei stark übergewichtigen Menschen gibt es bisher keinen Nachweis, dass eine Anomalie dieses Gens vorliegt.

    Schweres Übergewicht lässt sich damit also nicht erklären. Dennoch haben diese Forschungen zu neuen Einsichten in eine Vielzahl von Mechanismen geführt: Bei schwer Übergewichtigen funktionieren Fettverbrennung, Stoffwechsel, Hunger- und Sättigungsgefühl nicht mehr normal.

    Die sozialen Gewohnheiten

    Die Hauptursache für das zunehmende Übergewicht ist der zunehmende Wohlstand. Er hat wesentlichen Einfluss auf unsere Eßgewohnheiten. Eine unausgewogene Ernährung, fettreiche Fast-food-Snacks, zu üppige Portionen sowie stark gesüßte Erfrischungsgetränke wirken sich negativ auf unseren Energiehaushalt aus. Es werden deutlich mehr Kalorien zugeführt als für den Alltag notwendig sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die körperliche Bewegung in den Berufen und im privaten Bereich auch deutlich weniger wird.

    Somit steht eine viel zu energiereiche Ernährung einem durch mangelnde Bewegung reduziertem Energiebedarf gegenüber. Die somit ungenutzte Energie legt der Körper als Energiereserven in Fett an.

  • Folgeerkrankungen & Risiken

    Sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch das Bundessozialgericht haben die Adipositas als Krankheit anerkannt. Um Folgeerkankungen durch starkes Übergewicht zu vermeiden, werden die Kosten für chirurgische Behandlungen von den Krankenkassen im Einzelfall übernommen.

    Die Adipositas erhöht das Risiko vielfältiger Folgeerkrankungen wie zum Beispiel: Typ II Diabetes, Bluthochdruck, Angina pectoris, Herzinfarkt, Schlaganfall, Darmkrebs, Arthrose, Schlafapnoe, Sterilität und Fehlgeburten. Über die Folgen der Folgeerkrankungen führt die Adipositas zu Verkürzung des Lebens und zum vorzeitigen Tod. Nach dem Tabakkonsum gilt die Adipositas als zweitwichtigste vermeidbare Todesursache. Wer dagegen sein Gewicht drastisch reduziert, kann sein persönliches Risiko erheblich senken. Ein Typ II Diabetes lässt sich häufig durch die Gewichtsabnahme von allein regulieren. Extremes Übergewicht führt auch zu einem erhöhten Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken.

    Es können Bronchialbeschwerden auftreten und eine koronare Herzkrankheit. Je größer die Gewichtszunahme, desto höher das Risiko für gesundheitliche Probleme. Die Lebenserwartung reduziert sich entscheidend. Starkes Übergewicht verringert die Mobilität und das, obwohl mehr Bewegung gerade das Richtige wäre. Bereits bestehende Krankheiten verstärken sich durch starkes Übergewicht. Schweres Übergewicht verringert die Fruchtbarkeit und damit die Chance auf eine Schwangerschaft. Kommt es dennoch dazu, sind Schwangerschaft und Geburt risikobehafteter.

    Hier eine Auflistung häufiger Folgeerkrankung der Adipositas:

    • erworbene Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ II) (1)
    • Gefäßverengungen und -verkalkungen (Arteriosklerose) (2)
    • Schlaganfall (3)
    • Durchblutungsstörungen des Herzens (koronare Herzkrankheit) (4)
    • Herzinfarkt (5)
    • überhöhten Blutdruck (arterielle Hypertonie) (6)
    • Fettstoffwechselstörungen (7)
    • Gallensteine (Cholezystolithiasis, Choledocholithiasis) (8)
    • Krebsentwicklung (z.B. Brustkrebs, Dickdarmkrebs) (9)
    • Luftnot (Dypnoe) (10)
    • Schlafapnoe (nachts entstehen Pausen in der Atmung, so dass man leicht aufwacht wegen Luftnot und dann wieder einschläft ohne die Luftnot mitbekommen zu haben, so ist der Schlaf kaum erholsam) (11)
    • Gelenkerkrankungen (Rücken, Bandscheibenvorfälle, Arthrose in Hüfte, Knie, Sprunggelenke, Plattfüße) (12)
    • Hauterkrankungen (13).
    • Psychosoziale Folgen (14)

    Extrem übergewichtige Menschen haben oft ein negatives Selbstbild, das durch ihr Umfeld in vielen Fällen noch verstärkt wird. Für übergewichtige Kinder ist es besonders schwer. Sie werden in der Schule gehänselt und haben Schwierigkeiten Freundschaften aufzubauen.

    Attraktive Kleidung ist kaum zu finden, und viele Einrichtungen berücksichtigen die Probleme von Übergewichtigen nicht. Sitze in öffentlichen Verkehrsmitteln sind zu schmal, Telefonzellen und Autos oft zu eng. Sportliche Aktivitäten entfallen nahezu komplett. Menschen mit schwerem Übergewicht sind immer dann von Aktivitäten ausgeschlossen, wenn ein gewisses Maß an Beweglichkeit Voraussetzung ist.

    Viele stark Übergewichtige geraten so unaufhaltsam in die soziale Isolation. Selbst alltägliche Aktivitäten sind beschwerlich, weil Übergewichtige rasch ermüden oder unter Atembeschwerden leiden. Die Beweglichkeit kann so stark eingeschränkt sein, daß selbst die persönliche Hygiene darunter leidet.

  • Verdauungslehre - Grundlagen der Ernährungsphysiologie

    Die Hilfestellungen zur Gewichtsreduktion, wie endoksopische oder operative Verfahren (Adipositaschirurgie), wirken über Veränderungen am menschlichen Verdauungstrakt, die zu einer Gewichtsreduktion führen soll. Um diese Mechanismen verstehen zu können, setzt die Kenntnis der normalen Verdauung der Nahrung voraus. Diese wird hier nun kurz zusammengefasst.

    Mund

    Das Kauen der Nahrung im Mund dient der mechanischen Zerkleinerung der Nahrung, gleichzeitig wird der Nahrungsbrei mit dem Speichel der Ohr-, Zungengrund- und Mundbodenspeicheldrüse durchmischt. Der Speichel macht den Speisebrei zum einen flüssiger, zum anderen enthält er die Amylase, welche bestimmte Verbindungen der Kohlenhydrate zerteilen kann. Bei Erreichen einer entsprechenden Konsistenz der Nahrung folgt der Schluckakt und die Nahrung erreicht durch die Speiseröhre den Magen.

    Magen

    In dem sauren Milleu des Magens wird die Amylase inaktiviert. Hier wird die Nahrung weiter verflüssigt. Außerdem ist im Magensaft Pepsin enthalten, welches in etwa 10-15% des Nahrungseinweißes bereits aufschlüsselt. Nach Öffnung des Magenpförtners wird der Speisebrei in den Zwölffingerdarm entlassen.

    Dünndarm, Bauchspeicheldrüse und Leber

    Im Zwölffingerdarm münden gemeinsam der Gallen- und der Bauchspeicheldrüsengang.
    Die in der Leber produzierte Galle ist für die Verdauung der Fette unverzichtbar, sie macht die Nahrungsfette in dem auf Wasser basierenden Speisebrei löslich und bildet somit eine Emulsion und bildet sogenannte Mizellen mit den bereits zerkleinerten Nahrungsfetten.

    Der Bauchspeicheldrüsensaft ist basisch, so dass die Magensäure im Dünndarm neutralisiert wird, außerdem enthält es wichtige Enzyme die zur weiteren Aufspaltung der Nahrungsproteine (Trypsin, Endopeptidasen, Exopeptidasen, Chymotrypsin, Elastasen und Carboxypeptidasen), der Nahrungskohlenhydrate (Amylase) und der Nahrungsfette (Lipase, Phospholipase A und Cholisterinase). Am Ende der enzymatischen Aufspaltungen liegen die Bausteine der Nahrung vor, welche während der nun folgenden Dünndarmpassage über die Dünndarmschleimhaut aufgenommen werden können.

    Für eine maximale Ausbeute sorgt die Darmperistaltik, die nicht nur die Nahrung weiterbewegt, sondern auch durchmischt und mit der Dünndarmschleimhaut in Kontakt bringt.

    Nach der Dünndarmpassage folgt der Dickdarm, wo der nun seinen wertvollen Bestandteilen entzogene Stuhl noch eingedickt wird. An der Resorption von energietragenden Nahrungsbestandteilen ist er nicht beteiligt.

Behandlung der Adipositas

Gewichtsreduktion

An dem Bedarf einer Therapie dieser Erkrankung besteht in Anbetracht der oben angeführten zahlreichen und schwerwiegenden Folgeerkrankungen kein Zweifel. Die Betroffenen erreichen durch wiederholte Diäten und Kuren in den allermeisten Fällen nur eine kurzfristige Gewichtsreduktion auf die meist ein deutlicher Gewichtsanstieg, häufig über das Ausgangsgewicht hinaus, folgt (Jojo-Effekt). Die Ursache dafür liegt darin, dass die Energiebilanz langfristig ausgeglichen sein muss, um langfristig eine erfolgreiche Gewichtsreduktion zu erreichen und zu halten, und nicht wieder an Gewicht zuzunehmen.

Beim Versagen der konservativen (nicht operativen) Therapieoptionen bleiben für bestimmte Patienten als letzte Möglichkeit (ultima ratio) chirurgische Massnahmen zur Behandlung der Adipositias. Zahlreiche neue Studien belegen aber auch, dass bei bestimmten Befundkonstellationen eine operative Maßnahme die einzig wirksame Behandlungsform darstellt und nicht als ultima ratio gesehen werden muss. Die im Einzelfall optimale Therapie kann nur nach einer umfassenden Evaluation empfohlen werden.

Unser Interdisziplinäres Adipositasteam steht Ihnen gerne zur Verfügung, um für Sie ein individuelles, maßgeschneidertes Therapiekonzept zu erarbeiten.

  • Welches Präparat für welchen Patienten?

    Eine medikamentöse Therapie der Adipositas kommt für Patienten mit einem BMI von mindestens 27 kg/m² bei gleichzeitigem Vorhandensein von Folgeerkrankungen der Adipositas (z.B. Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdruck) oder ab einem BMI von 30 kg/m² ohne Folgeerkrankungen in Frage. Generell sollten zuvor diätetische und bewegungstherapeutische Ansätze unternommen worden sein. Nur wenn diese nicht erfolgreich sind, kommt eine medikamentöse Unterstützung in Frage. Jedoch mehren sich in letzter Zeit die Stimmen derjenigen, die schon frühzeitig eine medikamentöse Unterstützung der Bemühungen um eine Reduktion des Körpergewichtes fordern. Grund hierfür ist eine initial schnellere Gewichtsreduktion, welche die Motivation des betroffenen Patienten erhöht.

    Prinzipiell sollten nur solche Medikamente zu Einsatz kommen, deren Wirkung (und Nebenwirkungen) in großen Studien geprüft wurden. Denn nur hierdurch kann die Effektivität eines Medikamentes ausreichend belegt werden. Präparate, die ohne ärztliches Rezept frei verfügbar in der Apotheke erhältlich sind, genügen diesen Ansprüchen nicht. Die Wirkung solcher Medikamente ist demnach generell anzuzweifeln.

    In unserer interdisziplinären Adipositassprechstunde wenden wir die medikamentöse Adipositastherapie an

    • Zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion bei ausbleibendem Erfolg diätetischer Maßnahmen.
    • Bei Patienten mit bereits bestehenden Folgeerkrankungen der Adipositas zur Initiierung einer möglichst raschen Gewichtsreduktion.
    • Bei Patienten, die sich auf operative Maßnahmen vorbereiten. Dies umfasst auch Adipositas-chirurgische Eingriffe.
    • Bei Patienten, die nach operativen Maßnahmen einen Stillstand der Gewichtsreduktion bemerken oder bei denen eine Wiederzunahme auftritt erfahren.

    Derzeit sind in Deutschland 2 Substanzen erhältlich, die sinnvoll zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion eingesetzt werden können.

    Orlistat (Xenical®) hemmt die Aufnahme von konsumierten Nahrungsfetten aus dem Dünndarm. Etwa 30% dieser Fette werden unverdaut ausgeschieden. Dies führt zwar zu einer Verminderung des Körpergewichtes von etwa 10,3 kg nach 1 Jahr. Allerdings kommt es bei mindestens der Hälfte aller mit Orlistat behandelten Patienten zur Ausscheidung von fettigem Stuhlgang, was oftmals zu einem Absetzen der Medikation führt. Da Orlistat jedoch praktisch nicht in die Blutzirkulation aufgenommen wird, sind andere Nebenwirkungen nicht zu erwarten.

    Liraglutid (Saxenda®) führt zu einer Reduktion des Hungergefühls und dadurch bedingt zu einer reduzierten Nahrungsaufnahme. Liraglutid ist in niedrigerer Dosis (Victoza ®) seit 2007 zur Behandlung des Typ 2 Diabetes mellitus zugelassen. Es besteht also eine langjährige Erfahrung im Umgang mit dieser Substanz. In der Verwendung zur reinen Gewichtsreduktion kommt es zu einer duchschnittlichen Reduktion von ca. 10 kg Körpergewicht. Die Gewichtsabnahme erfolgt in einem Zeitraum von in der Regel 6 Monaten. Nebenwirkungen sind selten. Bei einigen Patienten tritt anfänglich eine leichte Übelkeit auf.

    Allen o.g. Medikamenten gemein ist die Tatsache, dass sich mit einer Reduktion des Körpergewichtes Herz-Kreislauf Risikofaktoren (z.B. HDL-Cholesterin, Triglyceride, Blutzucker, Blutdruck) positiv entwickeln.

    Im Falle eines schon bestehenden Typ 2 Diabetes mellitus können GLP-1 Rezeptor Agonisten (Liraglutid, Exenatid, Dulaglutid) oder SGLT-2 Hemmer (Dapagliflozin, Empagliflozin) verwendet werden. Beide Substanzklassen führen einer Verbesserung der Blutzuckerwerte und mit einer Reduktion des Körpergewichts. Die Behandlungskosten werden von den Krankenversicherungen erstattet.

    Referenzen

    (1) Leitlinien der Deutschen Adipositas Gesellschaft. www.adipositas-gesellschaft.de

    (2) Hechler M et al. Gewichtsreduktion und Beeinflussung von Risikofaktoren adipöser Patienten unter Amfepramon. Journal Pharmakol. u. Ther. 2/2003.

    (3) Sjöström L et al. Randomized placebo-controlled trial of orlistat for weight loss and prevention of weight regain for obese patients. Lancet 1998; 352: 167-173.

    (4) Astrup A et al. Effects of liraglutide in the treatment of obesity: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Lancet. 2009 Nov 7;374(9701):1606-16. Epub 2009 Oct 23.

  • Magenballon

    Der Magenballon wird leer über eine Magenspiegelung in den Magen eingebracht und dort in der Regel mit Flüssigkeit aufgefüllt. Durch die Platzverdrängung und den Druck auf den Magen kann sich die Nahrungsmenge reduzieren und zu einem Gewichtsreduktion führen. Eine Nebenwirkung stellt besonders direkt nach der Implantation Übelkeit und Erbrechen dar. Der Magenballon muß nach 6 Monaten spätestens wieder entfernt werden, dies geschieht ebenfalls endoskopisch.

    Da der Magenballon nur temporär implantiert wird, ist die Wirkung des Magenballons auf den Zeitraum der implantierten Zeit begrenzt. Der Magenballon hat seinen Stellenwert dementsprechend nur in speziellen Situationen in einem individuellen Therapiekonzept zu sehen.

    EndoBarrier®

    Der Endobarrier® besteht aus einem 60cm langen Teflonschlauch, der durch eine Magenspiegelung in Vollnarkose in den Zwölffingerdarm eingebracht wird. Dort wird dann der 60 cm lange Teflonschlauch ausgerollt und kleidet den Zwölffingerdarm (Duodenum) und den oberen Dünndarm (Jejunum) innen aus. Zum einen wird die Nahrung durch den Schlauch geleitet und nimmt in diesem Darmabschnitt somit keinen Kontakt zur Darmschleimhaut auf, zum anderen fließen die Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse und der Leber getrennt von der Nahrung zwischen Schlauch und Schleimhaut. Dies simuliert teilweise die Situation nach einem Roux-Y-Magenbypass und soll die positiven Effekte des Magenbypass auf den Typ 2 Diabetes und das Gewicht bewirken. Die Wirksamkeit ist nachgewiesen, liegt aber unter der des Magenbypass. Die Einlagezeit des Endobarriers ist auf maximal 12 Monate limitiert und wird ebenfalls durch eine Magenspiegelung wieder entfernt. Somit ist auch die Wirkzeit auf diesen Zeitraum begrenzt.

  • Bei Adipositas-Operationen wird die Anatomie der Verdauungsorgane so verändert, dass es dem jeweiligen Patienten deutlich leichter gemacht wird langfristig deutlich an Gewicht zu reduzieren. In den 1950iger Jahren wurden erstmals Operationen mit dem Ziel einer Gewichtsreduktion bei adipösen Patienten durchgeführt. In der vergangenen Zeit wurden unterschiedliche Operationsverfahren angewendet und die meisten aufgegeben aufgrund von unzufriedenenstellenden Ergebnissen wegen unzureichenden Gewichtsverlusten oder anderen Nebenwirkungen der Operation. Auf dem Boden der jahrezehntelangen Erfahrungen ergeben sich die Standartoperation gemäß der Leitlinien. Die Operationen basieren im wesentlichen zwei Prinzipien:

    1. Eine Veränderung am Magen die eine Verkleinerung der Nahrungsportionen (Restriktion) bewirkt.

    2. Die Umleitung von Nahrung und Verdauungssäften, so dass die effektive Strecke für die Nahrungsaufnahme verkürzt und somit die Nahrungsaufnahme ins Blut reduziert wird (Malabsorption).

    Als 3. wirkweise von Adipositas-Operationen werden veränderte Freisetzung von Hormonen des Magendarmtraktes verstanden, die zu einer Verbesserung des Diabetes mellitus Typ 2, zur Veränderungen von Appetit und Hunger führen. Der Stellenwert dieser hormonellen Veränderungen ist nicht endgültig geklärt.

    Die Indikation zur operativen Therapie sollte individuell für jeden Patienten im Dialog mit dem spezialisierten Adipositasteam (Chirurgen, Internisten/Endokrinologen, Ernährungsberater, Psychologen) geprüft werden. Dabei wird individuell die geeignete Therapieoption empfohlen. Dabei stellt die Adipositaschirurgie keinesfalls für alle Patienten das Therapieverfahren der letzten Wahl dar. In Abhängigkeit vom Körpergewicht, des Gewichtsverlaufes und den Nebendiagnosen ergibt sich ein individuelles Risikoprofil. Anhand dessen kann dann eine maßgeschneiderte Therapieform empfohlen werden.

    Alle operativen Eingriffe werden in der Regel minimal-invasiv, d.h. in der Schlüssellochtechnik (laparoskopisch) durchgeführt. Bei geeigneten Patienten kann über eine Durchführung in Single-Port-Technik (SILS, nur ein Trokar) oder über natürliche Körperöffnungen (NOS, NOTES) nachgedacht werden. Diese innovativen Verfahren ermöglichen eine weitere Reduktion postoperativer Schmerzen und bieten ein besseres kosmetisches Ergebnis - sie sind teilweise unsichtbar.

    Operationsrisiken

    Allgemein gesprochen ist jede Operation mit entsprechenden Risiken verbunden. Eine Person mit massivem Übergewicht gehört zur Patientengruppe mit höhergradigem Risikoprofil. Mögliche Komplikationen sind beispielsweise -neben speziellen mit dem jeweiligen Operationsverfahren verbundenen Risiken- eine Wundheilungsstörung, Thrombose mit möglicher nachfolgender Lungenembolie, Herzinfarkt sowie einer Entzündung im Bauchraum (Bauchfellentzündung).

    An Internationalen Zentren ermitteltes Sterblichkeitsrisiko für die aufgeführten Operationen (nach Buchwald 2004)
    Magenband-OP: 0,1%
    Magenbypass-OP: 0,5%
    Duodenal-Switch-OP: 1,0%

    Bei einer adipositas-chirurgischen Operation handelt es sich um einen Wahleingriff und nicht um einen Notfalleingriff. Der/die Patient/in muss dazu beitragen, dass die Operation mit dem geringst möglichen Risiko durchgeführt werden kann. Hierzu sind bestimmte Voruntersuchungen notwendig, um das Risiko einschätzen zu können.

    Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Operationsverfahren finden Sie unter dem entsprechenden Abschnitt auf dieser Seite.

  • Super-Super-Obese Patienten

    Die Behandlung von Patienten mit extremem Übergewicht (Body Mass Index > 60 kg/m2) stellt eine besondere Herausforderung dar. Aufgrund des erhöhten Risikoprofils werden nicht nur besondere Maßnahmen im Rahmen der perioperativen Vorbereitung nötig, diese Eingriffe erfordern auch Spezialisten für die sichere Durchführung der Narkose und der Operation selbst - insbesondere da auch diese Eingriffe in der Regel in minimal-invasiver Technik geplant werden können. Durch langjährige Erfahrung in Bereich der minimal-invasiven Chirurgie bei Patienten mit einem Körpergewicht > 200 kg haben wir keine Gewichtsbeschränkung nach oben. Wir können Ihnen immer eine Lösung anbieten.

    Liegt bei Ihnen eine extreme Form der Adipositas mit einem BMI > 60 kg/m2 vor, kommen in der Regel Bypass Verfahren in Frage. Welches Verfahren für Sie individuell am geeignetsten ist, prüfen wir in einer persönlichen Beratung.

  • Übergewichtige Patienten haben sehr häufig bekannte und/oder unbekannte Nebenerkrankungen die das perioperative Risiko deutlich erhöhen.

    Speziell auf diese Patienten haben wir uns eingerichtet. Es stehen Spezialisten aus allen Fachbereichen rund um die Uhr zur Verfügung - nicht nur um eine optimale OP-Vorbereitung zu gewährleisten, sondern um auch im Notfall IMMER bereit zu stehen (u.a. Labormedizin, Innere Medizin, Endokrinologie, Kardiologie, Radiologie, Endoskopie, Pulmonologie).

    Weiterhin haben wir eine eigene Abteilung, welche sich mit Gerinnungsstörungen beschäftigt. Diese sorgen für eine bestmögliche Betreuung bei allen Patienten, bei welchen Gerinnungsstörungen vorliegen (auch z.B. Marcumar-, oder Plavixpatienten).
    Die überwiegende Mehrzahl der Patienten wird nach der Operation wieder auf Normalstation verlegt. Sollte doch eine postoperative Überwachung auf einer Intermediate Care oder Intensivstation notwendig werden, hält das UKE in der Klinik für Intensivmedizin eine Intensiveinheit mit über 120 Betten vor. Auch dort sind Ärzte tätig, welche in der Behandlung übergewichtiger Patienten spezialisiert sind.

    Selbstverständlich stehen alle erforderlichen Spezialisten und Einrichtungen das ganze Jahr rund um die Uhr für Sie bereit!

  • Die Indikationsprüfung wird im Konsens mit dem spezialisierten Adipositasteam durchgeführt. Dabei sollte auch nach Indikationsstellung mit dem Patienten über das geeignete Operationsverfahren gesprochen werden.

    Als Auswahlkriterien für eine operative Behandlung der Adipositas werden von der Deutschen Gesellschaft für Adipositas und der International Federation of Surgery of Obesity (I.F.S.O.) gefordert:

    • Body-mass index > 40kg/m²
    • Body-mass index > 35kg/m² mit ernsthaften Begleiterkrankungen
    • Adipositas länger als 5 Jahre bestehend
    • Ausschluss von Stoffwechselerkrankungen
    • Ausschluss einer bestehenden Instabile psychiatrische Erkrankungen, Alkoholabusus, Drogenkonsum
    • Kooperationsfähigkeit des Patienten
    • Vertretbares Operationsrisiko
    Dabei stellt eine chirurgische Therapie keinesfalls für alle Patienten die letzte Behandlungsoption dar. Im Einzelfall - z.B. bei schweren Nebenerkrankungen- kann es auch sein, dass die Operation die Therapie der ersten Wahl darstellt.

  • Dauer des stationären Aufenthaltes

    Die Dauer des stationären Krankenhausaufenthaltes hängt natürlich nicht nur von der Art des Eingriffes, sondern auch von dem individuellen Risikoprofil ab. Die Entlassung erfolgt nach erfolgreicher Operation selbstverständlich erst wenn "alles gut ist". Als ungefährere Richtwerte bei den einzelnen Verfahren sind z.Z.:

    Magenband: 2 Tage

    Schlauchmagen: 4 Tage

    Roux-Y-Bypass: 4-5 Tage

    BPD / Duodenal Switch: 7-10 Tage

  • Nachsorgeprogramm

    Die langfristig erfolgreiche Therapie hängt wesentlich von einem kontinuierlichen Nachsorgeprogramm ab. Hierbei ist es wichtig, dass in enger Zusammenarbeit aller behandelnder Ärzte und Ernährungsberater der Verlauf der Erkrankung, Ihr Ernährungsstatus, sowie alle Begleiterkrankungen engmaschig überwacht werden.

    Entsprechend der interdisziplinären europäischen Leitlienien (Fried et al., Obesity Surgery 17: 260-270, 2007) finden Sie hier zu den einzelnen Operationsverfahren die Mindestanforderungen an routinemäßigen Nachuntersuchungen.

    Im ersten Jahr nach der Operation finden die routinemäßigen Follow up-Untersuchungen nach 2 , dann in 3-monatigen Abständen statt. Nach einem erfolgreichen ersten Jahr haben sich 6-monatige Untersuchungsabstände bewährt. Diese werden in enger Zusammenarbeit mit Ihrem Hausarzt koordiniert. Dabei erhalten Sie schon bei Entlassung aus dem Krankenhaus Ihren nächsten Nachsorgetermin.

    Neben dem standardisierten Follow up Programm kann bei Bedarf auf das gesamte medizinische Spektrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zurück gegriffen werden.

Die verschiedenen Operationstechniken

  • Magenband
    Magenband

    Das anpaßbare Magenband - oder adjustable Gastric-Banding - wird in der Schlüssellochchirurgie kurz hinter dem Übergang Speiseröhre zu Magen um den Magen geschlungen. Dadurch wird der Magen in einen kleinen Vormagen an der Speiseröhre und in einen Restmagen unterteilt. Der Durchgang von dem kleinen Vormagen in den großen Restmagen wird dabei auf zirka acht bis zehn mm eingeengt, so dass der Speisebrei sich nach dem Schluckakt zunächst im Vormagen sammelt. Durch das Ansprechen von hier gelegenen Dehnungsrezeptoren soll ein Sättigungsgefühl vermittelt werden. Die Nahrung passiert dann verzögert die Engstelle und dann den üblichen Verdauungsweg. Im Inneren des Magenbandes ist ein Ballon eingebracht welcher sich über ein unter der Haut endendes Portsystem füllen lässt. Durch die jeweilige Füllmenge kann die Durchgangsweite reguliert (= Blocken/Entblocken) werden.

    Das Magenband, als rein restriktives Verfahren, ist ein Hilfsmittel, welches das Abnehmen durch eine Reduktion und Umstellung der Ernährung erleichtern kann. Im Vergleich zu den anderen operativen Verfahren stellt es die geringste Unterstützung dar und erfordert die größte Eigeninitiative des Patienten für ein erfolgreiches und dauerhaftes Abnehmen. So ist eine dauerhafte Ernährungsumstellung und gleichzeitig sportliche Betätigung (Schwimmen, Fahrradfahren, Walking, Fitnessstudio etc.) eine Grundbedingung. Eine Fehlernährung durch kalorienreiche Flüssigkeiten (Cola, Limonade u.a.) und schmelzende Nahrungsmittel (Schokolade, Speiseeis u.a.) lässt sich durch das Magenband nicht beeinflussen, da diese die Engstelle widerstandslos passieren können.

    Gemäß den gelten Leitlinien gehört das anpassbare Magenband zu den operativen Standardverfahren in der Adipositastherapie, allerdings wird diese Operation immer seltener durchgeführt.

  • Sleeve Gastrektomie (Magenschlauchbildung)

    Bei der Schlauchmagenbildung oder Magenschlauchbildung (Sleeve-Gastrektomie) wird das tatsächliche Volumen des Magens auf einen Bruchteil verkleinert. Bei der Schlauchmagenbildung wird vom sackförmigen Magen soviel entfern, dass letztlich nur noch ein dünner Schlauch verbleibt, der die Speiseröhre und den nachfolgenden Zwölffingerdarm verbindet. So verliert der Magen einen großen Anteil seiner Speicherkapazität und es können nur noch kleine Portionen eingenommen werden. In dem dabei entfernten Magenabschnitt befindet sich der Hauptproduktionsort eines Hormones, welchem eine Rolle im Hunger- und Apetitverhalten zugesprochen wird und welcher einen weiteren positiven Effekt zur Gewichtsreduktion haben soll.

    Die Anwendung dieser Operation hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und stellt mit dem Roux-Y-Magenbypass die häufigste Operation dar. Bei Patienten mit beispielsweise einem sehr hohen Übergewicht wird der Schlauchmagen häufig im Rahmen eines sogenannten Stufenkonzeptes durchgeführt. Nach Gewichtsreduktion aber noch weiterhin hohem Gewicht kann im Rahmen einer weiteren Operation eine malabsorptive Komponente hinzugefügt werden und eine weiterer Gewichtsverlust initiiert werden. So kann der Schlauchmagen beispielsweise in einen Magenbypass, in eine Biliopankreatische Diversion mit Duodenal Switch oder in einen S.A.D.I. umgewandelt werden.

    Bandverstäkte Schlauchmagenbildung = Banded Sleeve-Gastrektomie:

    Eine neue experimentelle Variante der Schlauchmagens, bei der ein Band um den oberen Abschnitt des Schlauchmagens entweder unmittelbar bei Schlauchmagenbildung oder im Verlauf gelegt wird. Es handelt sich hierbei um kein Standardverfahren der aktuellen Leitlinien.

    Video Schlauchmagenbildung

    Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die im Film gezeigten Szenen die Operationsmethoden realistisch abbilden und für medizinische Laien teils drastische Darstellungen enthalten könnten.

    Bitte wägen Sie daher selbst ab, ob Sie sich die sensiblen Inhalte einer Operation anschauen möchten!

    Schlauchmagenbildung

    Die Magenschlauch-Operation ist die meist angewandte OP-Methode bei stark adipösen Patienten. Das Volumen des Magens wird deutlich reduziert, indem der vorher sackartige Magen auf einen dünnen Schlauch reduziert wird.

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    Magenbypass (Gastric bypass)

    Beim Magenbypass (gastric-bypass) wird der Magen vollständig durchtrennt, so dass ein kleiner Anteil an der Speiseröhre verbleibt. Außerdem wird der Dünndarm 50 bis 75 cm hinter dem Übergang Zwölffingerdarm zu Jejunum (Ligamentum Traitz oder Flexura duodenojejunalis) durchtrennt. Das Dünndarmende zum Anus hin wird mit dem oberen kleinen Magenanteil (sogenannter Magenpouch) verbunden. Das orale Ende des Dünndarms wir 150 cm hinter der Verbindung zwischen Magen und Dünndarm an den Dünndarm angeschlossen (Roux’sche Fußpunktanastomose). Somit entsteht eine verkleinerter Magen in der Magendarmpassage (Restriktion), eine Umgehnung des Magens, des Zwölffingerdarms und der ersten 50-70 cm Jejunums für die Nahrungspassage. Zusätzlich beginnt die Verdauung von Einweißen und Fetten erst 150 cm hinter dem Magen durch das Zusammenfließen der Verdauungssäfte zur Nahrungspassage an der Roux’schen Fußpunktanastomose (Malabsorption). Durch den veränderten Nahrungsweg wurde eine durch eine veränderte Sekretion von Darmhormonen hervorgerufene Verbesserung des Typ-2-Diabetes bewiesen.

    Diese Operation wurde erstmals 1966 von Mason und Ito beschrieben und wird heute in den Prinzipien weiterhin durchgeführt. Der Magenbypass und der Schlauchmagen werden weltweit als häufigste Operationen gegen die Adipositas und den Diabetes durchgeführt. Im Falle von vor der Operation bestehendem Sodbrennen wird sich dieser nach einer Magenbypassanlage deutlich verbessern und wahrscheinlich vollständig legen. Der Magenbypass wird üblicherweise in der Schlüssellochchirurgie durchgeführt.

    Aufgrund der verminderten Portionsgrößen und Verkürzung des Resorptionsweges muss von einer lebenslangen postoperativen Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen ausgegangenen werden und eine langfristige Nachsorge durchgeführt werden.

    Distaler Magenbypass: Durch eine Veränderung der Platzierung der Roux’schen Fußpunkt Anastomose deutlich tiefer als 150 cm wird der malabsorptive Effekt gesteigert. Diese Operation wird insgesamt auch aufgrund damit verbundener häufiger auftretender Mangelerscheinungen seltener durchgeführt.

    Bandverstärkter Magenbypass (Banded gastric bypass): Beim bandverstärkten Magenbypass handelt es sich um einen Magenbypass, wobei hier um den Magenpouch ein Magenband gelegt wird. Diese Operationen gehört nicht zu den Standardverfahren gemäß der gültigen Leitlinien.

    Omega-Loop-Magenbypass, Mini-Bypass: Bei dieser Form des Magenbypass wird der Dünndarm nicht durchtrennt, sondern zirka 200 cm hinter dem Übergang Zwölffingerdarm zu Jejunum direkt eine Verbindung zwischen Magenpouch geschaffen. Bei dieser Operationstechnik ist das Erstellen einer neuen Verbindung nicht notwendig. Die bislang veröffentlichten Daten zeigen gute Ergebnisse in der Reduktion des Gewichtes und in der Rückbildung von adipositas-assoziierten Folgeerkrankungen. Ein strukturelles Problem dieser OP-Technik stellt der Gallefluss in den Magenpouch dar, der zur Entwicklung eines Tumors an der Verbindung zwischen Magen und Darm führen kann. Daher konnte sich diese Technik bislang nicht als Standardverfahren durchsetzen.

    Video Magenbypass

    Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die im Film gezeigten Szenen die Operationsmethoden realistisch abbilden und für medizinische Laien teils drastische Darstellungen enthalten könnten.

    Bitte wägen Sie daher selbst ab, ob Sie sich die sensiblen Inhalte einer Operation anschauen möchten!

    Magenbypass

    Die Magenbypass-Operation zählt zu einer der meist angewandten OP-Methoden bei stark adipösen Patienten. Der Magen wird bei dieser Methode in seinem Volumen verkleinert und der Zwölffingerdarm sowie Teile der Nahrungspassage umgangen.

  • Biliopankreatische Teilung BPD (Scopinaro)
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    Biliopankreatische Teilung BPD (Scopinaro)
    Duodenal Switch
    Duodenal Switch

    Bei der Biliopankreatischen Diversion handelt es sich um Bypass-Operationen ähnlich dem Magenbypass, mit dem Unterschied, dass die effektiv in der Nahrungspassage verbleibenden Darmabschnitte nur sehr kurz sind. Es liegt somit eine starke Malabsorption vor, die zu der effektivsten Adipositasoperation zur Gewichtsreduktion und Rückbildung adipositas-assoziierter Erkrankungen führt. Leider können sich auch entsprechend schwere Mangelerscheinungen entwickeln und es besteht der Bedarf einer entsprechenden Substitution mit Vitaminen und anderen Substanzen. Eine regelmäßige und gut strukturierte Nachsorge ist nach der Biliopankreatischen Diversion unabdingbar. Aus diesen Gründen ist die Indikation für diese Operationen besonders streng zu stellen. Für entsprechende Fälle wird die Biliopankreatische Diversion auch in den gültigen Leitlinien als Standardverfahren geführt. Diese Operation wird nur in wenigen Adipositas-Zentren durchgeführt.

    • Biliopankreatische Diversion (BPD) nach Scopinaro
    Die Biliopankreatische Diversion nach Scopinaro wurde 1977 von Nicola Scopinaro erstmals publiziert.
    Bei der Operation wird der Magen auf ein Volumen von 200-300 ml verkleinert, der Restmagen kann belassen oder entfernt werden. Der größte Teil des Dünndarms wird als lange biliopankreatische Schlinge (leitet nur die Verdauungssäfte) ausgeschaltet, für die Verdauung sind bei dieser Operation insgesamt nur 50 cm Dünndarm vorgesehen. Das Ausscheiden unverdauter Nahrung geht in der Regel mit Blähungen und übelriechender, in der Frequenz erhöhter Stuhlgänge einher. Eine lebenslang Supplementation (Vitamine, Spurenelemente, Calcium, Protein etc.) ist absolut lebensnotwendig!

    • Biliopankreatische Diversion (BPD) nach Larrad
    Die BPD nach Larrad unterscheidet sich von der biliopankreatischen Teilung nach Scopinaro dadurch, dass der biliopankreatische Schenkel mit 50 cm vergleichsweise kurz gewählt wird und somit deutlich mehr Dünndarm zur Verdauungssaft unabhängigen Verdauung vor dem gemeinsamen 50 cm „common channel“ zur Verfügung stehen.

    • Biliopankreatische Diversion mit Duodenal Switch (BPD-DS)
    Die Biliopankreatische Diversion mit Duodenal Switch ist die Weiterentwicklung der BPD nach Scopinaro als zweistufiges Verfahren zur laparoskopischen Durchführung. Bei sehr stark adipösen Patienten wird so in einer ersten Operation eine Schlauchmagen-OP durchgeführt. Bei Stagnation des Gewichtes nach Gewichtsverlust kann dann bei günstigeren Bedingungen eine stark malabsortive Komponenete hinzugefügt werden. Hierzu wird der Zwölffingerdarm hinter dem Magenpförtner durchtrennt und entsprechend des BPD nach Scopinaro die Darmenden mit einem common channel von 75-100 cm verbunden.

  • Bei dieser Operation wird analog zur BPD mit Duodenal Switch nach Schlauchmagenbildung das Duodenum hinter dem Magenpförtner durchtrennt und 250 cm vor dem Übergang von Dünn- zu Dickdarm Dünndarm an den Schlauchmagen angeschossen. Hierbei wird wie beim Omega-Loop-Bypass eine Verbindung eingespart.

    Für diese Operation gelten ebenfalls strenge Supplementations- und Nachsorge-Regeln wie bei den BPD-Verfahren.

  • Nach erfolgter Adipositas-Operation kann im Einzelfall eine Korrektur-Operation notwendig sein oder eine Umwandlung zu einem anderen Adipositas-Verfahren. Das Universitäre Adipositas-Centrum Hamburg bietet alle diese Operationen vorzugsweise in minimalinvasiver Technik (Schlüssellochtechnik) an.

  • Noch während des stationären Aufenthaltes bekommen Sie eine Ernährungsberatung, welche persönlich auf Sie und Ihre Operation abgestimmt ist, um Sie mit Ihrem veränderten Lebensstill und Essgewohnheiten vertraut zu machen. Von der dauerhaften Beachtung dieser Hinweise ist der langfristige Erfolg abhängig. Zudem bieten wir Ihnen im Rahmen der Nachsorge-Termine eine kostenlose Ernährungsberatung an. Diese können Sie flexibel in Kombination mit Ihrem Nachsorge-Termin oder nach Terminvereinbarung in Anspruch nehmen.

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