Ausgefragt?! – Dr. Sidra Khan-Gökkaya – Internationale Woche

„Misch Dich ein“ – das ist das Motto der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2023. Die kulturelle und sprachliche Diversität unter Patient:innen, Mitarbeitenden und Studierenden am UKE wächst. Das UKE sieht diese Vielfalt als eine Bereicherung und hat sich durch die Unterzeichnung der Charta der Vielfalt dazu verpflichtet, eine wertschätzende und vorurteilsfreie Unternehmenskultur zu stärken.

Die Aufgabe der Integrationsbeauftragten ist es, das UKE bei diesem Ziel zu unterstützen und sich für ein respektvolles Zusammenleben und Zusammenarbeiten am UKE einzusetzen. Im Video erklärt Dr. Sidra Khan-Gökkaya wo Rassismus anfängt, wie sich Rassismus im Gesundheitswesen zeigt, ob wir genug über das Thema reden und was wir tun können, wenn wir Rassismus beobachten.

Ausgefragt ?! – Dr. Sidra Khan-Gökkaya – Internationale Wochen gegen Rassismus


Interview mit Frau Dr. Sidra Khan-Gökkaya

Integrations- und Anti-Rassismusbeauftragte im UKE

  • Mein Name ist Sidra Khan-Gökkaya, und ich bin Beauftragte für Migration, Integration und Anti-Rassismus im UKE.

    Was sind Ihre Aufgaben im UKE?

    Ich berate Mitarbeitende, wenn sie vielfaltssensible oder rassismuskritische Fragen haben. Aber ich arbeite auch mit anderen Schnittstellen gemeinsam daran, dass wir die Integration zugewanderter Fachkräfte in den Arbeitsmarkt und in das Gesundheitswesen nachhaltig gestalten und rassistischen Diskriminierungen entgegenwirken.

    Wo fängt Rassismus an?

    Rassismus fängt nicht erst bei einer Beleidigung oder dem körperlichen Angriff an. Es fängt schon viel früher an, wenn wir Menschen aufgrund bestimmter Merkmale Eigenschaften zuschreiben, wenn wir sie voneinander unterscheiden, wenn wir ihnen die Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft absprechen und wenn wir sie vom Zugang zu Ressourcen ausschließen.

    Wie zeigt sich Rassismus im Gesundheitswesen?

    Rassismus zeigt sich einmal auf individueller Ebene, wenn Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer vermeintlichen Herkunft, ihrer Sprache oder Religion abgewertet werden. Es zeigt sich aber auch auf struktureller und institutioneller Ebene, zum Beispiel in verschiedenen Annahmen über das Schmerzempfinden von schwarzen Menschen und People of Color. Ein weiteres Beispiel ist, dass zum Beispiel Krankheitsbilder bei unterschiedlichen Hauttönen auch anders aussehen können und in Lehrbüchern aber immer nur Patienten, die weiß und männlich sind, dargestellt werden.

    Reden wir noch zu wenig über das Thema?

    Wir reden schon viel mehr über das Thema als noch vor einigen Jahren und gleichzeitig braucht es ein viel größeres Bewusstsein unter den Fachkräften für diese Leerstellen. Rassismus hat eine lange Geschichte im Gesundheitswesen und reale Auswirkungen für negativ Betroffene. Je mehr wir darauf aufmerksam machen, je mehr wir uns damit auseinandersetzen, desto besser wird das Gesundheitswesen für alle.

    Was können wir tun, wenn wir Rassismus beobachten?

    Es gibt viele Möglichkeiten, etwas gegen Rassismus zu tun. Das Motto der diesjährigen internationalen Wochen gegen Rassismus ist „Misch Dich ein!“. Wir kennen alle die Situation: Wir sitzen am Tisch, und eine Person, vielleicht auch eine Person, die wir gerne haben, sagt oder macht etwas Rassistisches. Wir sind irritiert und zucken zusammen, weil wir von dieser Person eben nicht erwartet hätten, dass sie etwas Rassistisches sagt. Aber es sind genau diese Situationen, in denen wir uns einmischen können und in denen wir rassistischen Annahmen etwas entgegensetzen können.

    Was können Mitarbeitende tun, die Rassismus erfahren?

    Das UKE steht für ein vielfältiges Miteinander und duldet keinen Rassismus, auch nicht gegenüber Mitarbeitenden. Wenn Ihnen das passiert, ist es wichtig, dass Sie das, was Sie erleben, aussprechen und Grenzen setzen. Sie können sich damit direkt an Ihre Vorgesetzten wenden oder auch an Anlaufstellen, damit Sie mit Ihren Erfahrungen ernst genommen werden und Unterstützung bekommen im Umgang mit diesen Erfahrungen. Bleiben Sie nicht alleine, wenden Sie sich gerne an uns!

    Haben Sie noch eine Botschaft für uns?

    Wir leben in einer Zeit, in der mehr und mehr Menschen sich für ein respektvolles Zusammenleben einsetzen. Und gleichzeitig gibt es aber auch sehr viel Verunsicherung und eine große Angst, Fehler zu machen. Und da möchte ich allen Menschen Mut machen, sich weiter und kontinuierlich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, es geht uns alle an, und wir alle profitieren von einem respektvollen Zusammenleben.

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