SoPrHa
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Soziale Probleme in der Hausarztpraxis
(SoPrHa)

Thomas Kloppe, Claudia Mews, Britta Tetzlaff, Thomas Zimmermann, Moritz Hadwiger, Olaf von dem Knesebeck*, Martin Scherer | *Institut für Medizinische Soziologie, UKE

Hintergründe und Ziele

Häufig nehmen Patientinnen und Patienten die hausärztliche Versorgung für gesundheitliche Beschwerden in Anspruch, die in Verbindung mit sozialen Problemen stehen. Hausärztinnen und Hausärzte sehen sich daher oft mit primär nicht medizinischen Versorgungsthemen konfrontiert, die einen erheblichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben können. Bisher ist wenig darüber bekannt, in welchem Ausmaß Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Einsamkeit das hausärztliche Handeln bestimmen und wie Hausärztinnen und Hausärzte damit umgehen. Ziel ist es, die häufigsten von ärztlicher Seite aus wahrgenommenen gesundheitsbezogenen sozialen Probleme in der hausärztlichen Versorgung zu identifizieren und herauszufinden, wie niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte mit ihnen umgehen.

Design und Methodik

Postalische Fragebogenerhebung (Fragebogenkonstruktion in Anlehnung an „Kapitel Z Soziale Probleme“ der International Classification of Primary Care – 2nd Edition): Angeschrieben wurden alle Hausärztinnen und Hausärzte, die im Dezember 2015 in den öffentlich zugänglichen Datenbanken der Kassenärztlichen Vereinigungen Hamburg (n=1637) und Schleswig-Holstein (n=1262) gelistet waren.

Ergebnisse

N=485 Fragebögen (16,7%) konnten ausgewertet werden, darunter Antworten von 51,7% Frauen und 48,3% Männern. Mehrmals in der Woche sehen Hausärzte und Hausärztinnen Patientinnen und Patienten mit z.B. finanziellen Problemen (53,2%), Problemen am Arbeitsplatz (43,3%), sozialer Isolation (38,3%) sowie Beziehungs- und Partnerschaftsproblemen (24,5%). Eher selten werden z.B. Probleme in der Ausbildung (7,8%) oder körperliche Misshandlung (0,8%) benannt. Je nach Problemlage suchen die Ärztinnen und Ärzte das Gespräch oder warten darauf, dass das Problem angesprochen wird. Zur Unterstützung wünscht sich die Mehrheit in fast allen Fällen institutionalisierte Ansprechpartner.

Geplante Ergebnisverwertung

Die Erhebung zeigt: Soziale Probleme sind ein Thema im hausärztlichen Praxisalltag. Der Wunsch nach Unterstützung, vorrangig durch institutionalisierte Ansprechpartner, ist groß. Interventionen, die an diesem Bedarf ansetzen, könnten die hausärztliche Versorgung ergänzen und damit die Patientenversorgung verbessern.

Weitere geplante Untersuchungen sollen zeigen, welche Art von Interventionen sich Hausärztinnen und Hausärzte wünschen und welche Einstellung Patientinnen und Patienten dazu haben.

Veröffentlichungen:

Zimmermann T, Mews C, Kloppe T, Tetzlaff B, Hadwiger M, von dem Knesebeck O, Scherer M Soziale Probleme in der hausärztlichen Versorgung – Häufigkeit, Reaktionen, Handlungsoptionen und erwünschter Unterstützungsbedarf aus der Sicht von Hausärztinnen und Hausärzten. ZEFQ Z Evidenz Fortbild Qual G. 2018;131:81-89.

Laufzeit: seit 2014

Ansprechpartner: Thomas Kloppe