Auswahlverfahren für Studienbewerber(innen).

Das Interesse an Medizinstudienplätzen ist weit größer als das Angebot: Pro Jahr bewerben sich in Hamburg mehrere Tausend Abiturienten auf die ca. 400 vorhandenen Studienplätze, davon mehr als 2000 mit Hamburg als erster Ortspräferenz. Ist die Abiturdurchschnittsnote das alleinige Auswahlkriterium, hätten Bewerber mit einem Notendurchschnitt schlechter als 1,6 praktisch keine Chance, zugelassen zu werden.

Wir haben am UKE unterschiedliche Tests eingeführt, die Bewerbern mit Abiturnoten bis 2,4 den Zugang zum Medizinstudium ermöglichten. Als erstes weiteres Auswahlkriterium zusätzlich zur Abiturnote wurde der HAM-Nat eingeführt, ein multiple-choice-Test zu naturwissenschaftlichen Themen, die schon in der gymnasialen Oberstufe behandelt werden. Motivierte Bewerber können sich anhand eines Themenkatalogs auf den Test vorbereiten und somit zugleich das Basiswissen schaffen, auf dem die naturwissenschaftlich geprägten ersten Studiensemester aufbauen. Durch die Vorbereitung auf den HAM-Nat erhöhen Bewerber ihre Chancen auf eine Zulassung zum Studium und auf das erfolgreiche Absolvieren der ersten Studiensemester. Studierende mit guten HAM-Nat Ergebnissen, brechen seltener das Studium ab und schaffen häufiger in Regelstudienzeit das Physikum.

Neben fundierten Kenntnissen in den Naturwissenschaften benötigt jeder Arzt gute psychosoziale Kompetenzen. Auch diesen Aspekt berücksichtigen wir in unserem Auswahlverfahren. Während manche Universitäten klassische Auswahlgespräche führen, setzen wir ein Verfahren ein, welches sich an die in Kanada entwickelten Multiplen Mini-Interviews anlehnt. Unser HAM-Int besteht aus mehreren kurzen Interviewstationen in denen die Bewerber z.B. ein Gespräch mit einem Interviewer über ein medizinrelevantes Thema führen oder aber mit einem geschulten Schauspieler interagieren. Jeder Bewerber durchläuft also eine Art Parcours,in dem er verschiedene Situationen bewältigen muss. An jeder Station sitzen unterschiedliche Juroren, so dass jeder Bewerber eine Vielzahl unabhängiger Bewertungen erhält. Dadurch bekommen wir ein umfassenderes und zuverlässigeres Bild von unseren Studienbewerbern.

Für den Studiengang Zahnmedizin setzen wir zudem einen Test für manuelle Fertigkeiten, den Drahtbiegetest HAM-Man und einen Test zum räumlichen Vorstellungsvermögen (HAM-MRT) ein.

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten für Studienbewerber . Zusätzlich zu der UKE-Finanzierung für die Durchführung der Auswahltests ermöglicht uns die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Universitätskollegs Hamburg, neue Auswahltests zu konzipieren, bestehende Testverfahren weiterzuentwickeln und eine testspezifische Beratung für die Studienbewerber anzubieten. Projekte hierbei sind z.B.

  • Aufbau einer Datenbank zur Validierung der Testverfahren
  • Durchführung von Zusatzerhebungen mit Studienbewerbern und Studierenden zur Validierung der Auswahltests, z.B. zur Ermittlung der Testfairness gegenüber Teilnehmern unterschiedlichen Geschlechts oder unterschiedlicher sozialer Herkunft
  • Entwicklung eines Tests zum räumlichen Vorstellungsvermögen (HAM-MRT)
  • Entwicklung von Situational-Judgement-Tests zur Messung psychosozialer Kompetenzen

Mittel für Lehrprojekte

  • Studierendenauswahlverfahren Medizin, Teilprojekt 12 im Universitätskolleg Hamburg, Förderung durch den Qualitätspakt Lehre des BMBF, 2012-2016, insgesamt 536.000 €.
  • UKE Förderfonds Lehre: „Studienbewerberauswahlverfahren am UKE“ Wolfgang Hampe 2008-2014, insgesamt 442.000 €
  • UKE Förderfonds Lehre "E-Learning", Wolfgang Hampe et al., seit 2008 insgesamt 715.000 €, verstetigt
  • UKE Förderfonds Lehre „UKE-Prüfungszentrum“ Wolfgang Hampe et al., seit 2008 insgesamt 234.000 €, verstetigt
  • UKE Förderfonds Lehre "Dozententraining" O. Kuhnigk, Wolfgang Hampe et al., seit 2008 insgesamt 284.000 €, verstetigt
  • Verbesserung der Biochemielehre durch Studiengebühren; Wolfgang Hampe et al. seit 2008; insgesamt 437.000 € für Investitionen und 170.000 € für Personal

Kooperationen

Nationale Kooperationen

  • M. Otto, Uni Hamburg
  • K. Wegscheider, UKE Biometrie
  • M. Wollatz, M. Riemer, UKE Med. Informatik
  • G. Reiser, Uni Magdeburg
  • B. Danz, Charité Berlin
  • Entwicklung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin NKLM (Gesellschaft für Medizinische Ausbildung, Medizinischer Fakultätentag)

Internationale Kooperationen

  • W. Prodinger, Innsbruck
  • K. Cleutjens, Maastricht

Ausgewählte Publikationen

Multiple mini-interviews: same concept, different approaches.
Knorr M1, Hissbach J. Med Educ. 2014 Dec;48(12):1157-75. doi: 10.1111/medu.12535
Abstract

Cutting costs of multiple mini-interviews - changes in reliability and efficiency of the Hamburg medical school admission test between two applications.
Hissbach J, Sehner S, Harendza S, Hampe W. BMC Med. Educ. 2014; 14: 54
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Prediction of performance in preclinical laboratory courses – the return of wire bending for admission of dental students in Germany.
Kothe C, Hissbach J, HampeW. GMS Z. Med. Ausbild. 2014; 31: Doc22
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The Hamburg Selection Procedure for Dental Students - Introduction of the HAM-Nat as subject-specific test for study aptitude.
Kothe C, Hissbach J, Hampe W. GMS Z. Med. Ausbild. 2013; 30: Doc46
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Suitability of the HAM-Nat test and TMS module „basic medical-scientific unterstanding“ for medical school selection.
Hissbach J, Feddersen L, Sehner S, Hampe W. GMS Z Med Ausbild 2012; 29: Doc 72
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