30.07.2026 AKTUELLES
50.000 Prostatektomien in der Martini-Klinik: Erfahrung, Qualität und individuelle Therapie
Fragen an…Prof. Dr. Markus Graefen
50.000 Prostatektomien, individuelle Therapieentscheidungen und ein konsequenter Fokus auf Qualität: Die Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) steht für eine Behandlung des Prostatakarzinoms, die so differenziert ist wie nie zuvor. Moderne Diagnostik und ein breites Spektrum an Therapieoptionen – von der aktiven Überwachung über Operation und Strahlentherapie bis hin zu fokalen Verfahren – ermöglichen heute eine individuell auf die Erkrankung und die Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Behandlung. Welche Therapie für wen die richtige ist, welche Rolle die systematische Qualitätskontrolle für den Behandlungserfolg spielt und wie die Martini-Klinik ihre Versorgung kontinuierlich weiterentwickelt, erklärt Prof. Dr. Markus Graefen, Ärztlicher Leiter und Mitglied der Faculty der Martini-Klinik.
Herr Prof. Dr. Graefen, heute wurde an der Martini-Klinik die 50.000. Prostatektomie durchgeführt. Welche Bedeutung hat diese Zahl für Sie und Ihr Team?
Prof. Dr. Markus Graefen: Diese Zahl ist eine Bestätigung unserer täglichen Arbeit und spiegelt die hohe Qualität nicht nur unserer Operationstechniken, sondern unserem gesamten Behandlungskonzeptes wider. Wir sehen in der Martini-Klinik Patienten nicht nur aus Deutschland, sondern aus aller Welt und es freut mich sehr, dass wir uns alle gemeinsam diesen Ruf in den vergangenen Jahren so erarbeiten konnten. Diese beeindruckende Zahl basiert nicht zuletzt auf den hohen Empfehlungsraten von ehemaligen Patienten und deren Familien sowie der zuweisenden Kolleg:innen, auch deshalb ist sie für uns so bedeutend.
Die Martini-Klinik zählt zu den Pionieren der roboterassistierten Prostatektomie. Wie hat sich das Verfahren weiterentwickelt und welche Vorteile bietet es?
Tatsächlich waren wir eines der ersten Zentren in Deutschland, das vor bereits 20 Jahren die Robotertechnik in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen und weiterentwickelt hat. Einige unserer Operierenden sind sogar Ausbildende für die roboterassistierte Prostatektomie. Der Eingriff mit Roboterunterstützung ist weniger invasiv und es erfolgen kontinuierlich spannende Weiterentwicklungen, wie beispielsweise die Einführung des sogenannten Single-Port-Systems, bei dem nur noch ein einziger rund drei Zentimeter großer Schnitt notwendig ist. Es ist mir aber wichtig zu betonen, dass es sich bei einem OP-Roboter nur um ein Instrument handelt; die Erfahrung des Operierenden stellt weiterhin – unabhängig vom eingesetzten Verfahren – den wichtigsten Faktor für das Gelingen des Eingriffs dar.
Die Behandlung von Prostatakrebs ist heute deutlich individueller als früher. Welche Therapieoptionen stehen den Patienten über die Operation hinaus zur Verfügung?
Früh entdeckte Tumore werden heutzutage viel häufiger zunächst aktiv überwacht und erst behandelt, wenn gewisse Aggressivitätskriterien erfüllt sind. Neben der Operation, die in Deutschland die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Therapieform des Prostatakrebses darstellt, sind strahlentherapeutische Verfahren und auch sogenannte fokale Therapieformen ein wichtiger Bestandteil der Behandlungsoptionen. Eine individuelle Beratung, die neben den Tumorcharakteristika auch Patientenalter, Begleiterkrankungen sowie die Erwartungen an die Therapie berücksichtigen, ist hier entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Die Strahlentherapie gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ist sie für einige Patienten eine gleichwertige Alternative zur Operation?
Ja, die Strahlentherapie stellt eine sehr wichtige Säule der Therapieoptionen des Prostatakarzinoms dar. Ihre hohe Wirksamkeit und das auch hier mittlerweile geringe Nebenwirkungsspektrum sind gut belegt. In der Therapieberatung spielen stets verschiedene Faktoren des Patienten – wie Lebensalter, Situation des Wasserlassens und auch die Möglichkeit, dass zukünftig noch einmal eine weitere Behandlung notwendig sein könnte – eine wichtige Rolle. Wir haben in unserer Klinik eine sehr enge Kooperation mit der Strahlentherapie und besprechen jede einzelne geplante Behandlung gemeinsam in unserem Tumorboard.
Die Martini-Klinik bietet auch die organerhaltende Fokale Therapie an, bei denen ausschließlich das befallene Gewebe gezielt behandelt wird. Für wen kommt sie infrage und welche Vor- und Nachteile haben sie?
Die Fokale Therapie ist durch die Verbesserung der Kernspintomographie der Prostata und auch der Techniken der fokalen Therapie selbst – wie beispielsweise dem fokussierten Ultraschall – eine wichtige Therapieoption geworden. Allerdings kommen hierfür nur wenige Patienten infrage, da für eine erfolgreiche fokale Therapie der Tumor nur in einem klar umgrenzten einzelnen Herd vorliegen und nur wenig aggressiv sein darf. Weiterhin ist es hier im Verlauf aufgrund von erneuter Tumoraktivität häufiger notwendig, eine weitere Behandlung durchzuführen. Die anfänglich vorteilhafte geringe Invasivität mit den sehr guten Kontinenz- und Potenzraten dieser Verfahren sollte also auch bei geeigneten Tumoren gegen die mittlerweile ebenfalls sehr guten Ergebnisse einer schonenden Operation oder Bestrahlung abgewogen werden.
Die Martini-Klinik ist weltweit für ihre konsequente Qualitätskontrolle bekannt. Warum ist die systematische Erfassung der Langzeitergebnisse so wichtig und wie profitieren die Patienten davon?
Ich halte diese systematische Ergebniserfassung für ein extrem wichtiges Instrument, um zum einen zukünftige Patienten anhand von Fakten solide und realistisch beraten zu können und um zum anderen weiteres Verbesserungspotential zu identifizieren und die Qualität der bei uns angebotenen Therapien nachprüfen zu können. Tatsächlich setzen wir leitende Ärzt:innen uns alle sechs Monate zusammen und diskutieren die Ergebnisse aller hier behandelnden Kolleg:innen. Wir haben aus dem Feedback unserer Patienten in all den Jahren so viel lernen und verbessern können; eine Weiterführung dieser strikten Qualitätskontrollen wird deshalb für uns auch zukünftig seine entscheidende Bedeutung beibehalten.
Weitere Informationen finden Sie auch unter:
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