Den Gaumen schließen
Wenn ein Kind mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wird, erfordert die Erkrankung eine sofortige Behandlung. Im UKE arbeiten Expert:innen verschiedener Fachrichtungen Hand in Hand, um den Spalt im Mund der betroffenen Kinder zu schließen und ihnen damit die Nahrungsaufnahme zu ermöglichen.
Text: Katja Strube, Fotos: Anja Meyer
„Durch einen Spalt im Gaumen kann beim Trinken Flüssigkeit in die Atemwege gelangen“, verdeutlicht Prof. Kahl-Nieke. Damit Neugeborene mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKGS) Nahrung über den Mund aufnehmen können, fertigen sie und ihr Team direkt nach der Geburt eine Trinkplatte aus Kunststoff an, die dem Kind das Trinken ermöglicht und dafür sorgt, dass sich die beiden Oberkiefersegmente annähern und symmetrisch entwickeln.
Die angeborene Erkrankung der LKGS ist in Europa die zweithäufigste Fehlbildung bei einer von 500 bis zu einer von 300 Geburten, erläutert Prof. Gosau. „Man unterteilt, welche Abschnitte betroffen sind – Lippe, zahntragende Abschnitte, harter Gaumen, weicher Gaumen – und dann ein- oder beidseitige Spalten.“ Gemeinsam mit seinem Team schließt Prof. Gosau solche Lippen- und Gaumenspalten operativ: Rund 100 Spalteingriffe werden jährlich in der MKG-Chirurgie im UKE durchgeführt. „Neben der funktionellen Seite geht es auch darum, das möglichst beste ästhetische Ergebnis zu erreichen“, so Gosau.
Auch während des Wachstums bleiben die Kinder in der Behandlung von MKG-Chirurgie und Kieferorthopädie. „Wichtig ist, dass man bei der ersten Operation Lippe und Nase gemeinsam behandelt, denn der Gaumen muss verschlossen sein, bis die Sprachentwicklung richtig Fahrt aufnimmt“, so Prof. Gosau. „Im Alter von zwei Jahren fangen die Kinder richtig an zu sprechen, da werden sie häufig auch logopädisch betreut.“ Mit Zahnspangen wird der Gaumen vorsichtig geweitet, um Platz für die bleibenden Zähne zu schaffen, erklärt Kieferorthopädin Kahl-Nieke.
Im Alter von etwa neun Jahren setzen die Ärzt:innen der MKG-Chirurgie den Kindern mit LKGS Knochen aus dem Hüftkamm in den Kiefer ein. „Da kommt dann wieder die Kieferorthopädie dazu, da die Zähne so ausgerichtet werden müssen, dass sie durch diesen Knochen hindurchwachsen und ihn so stabilisieren“, erläutert Prof. Gosau. Von großer Wichtigkeit, betont Prof. Gosau, sei während der gesamten Behandlung die Zusammenarbeit mit den beteiligten Fachdisziplinen, neben der MKG-Chirurgie und der Kieferorthopädie sind auch Kinderärzt:innen, Kolleg:innen aus der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO) sowie Logopäd:innen involviert. „Eine gute Behandlung von LKGS kann nur interdisziplinär in einem großen Zentrum wie zum Beispiel im UKE erfolgen“, sagt er.
Illustration: Orang Robot/Adobe Stock