Das Gehirn einschalten
Was die Redewendung fordert, ist manchmal leichter gesagt als getan. Wie anpassungsfähig das Gehirn ist und wie sich seine Funktionen selbst bei Krankheit erhalten lassen – das vermittelt Prof. Dr. Monika Pötter-Nerger, Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Kinderreporterin Rachel im persönlichen Gespräch.
Rachel: Warum wollten Sie Neurologin werden – war das schwierig?
Monika Pötter-Nerger: Jemand aus meiner Familie hatte einen Fahrradunfall und lag lange Zeit mit einer Hirnverletzung auf der Intensivstation. Das hat mich bewogen, Medizin zu studieren. Dabei hat mich das Gehirn am meisten fasziniert. Meine Begeisterung für die Neurologie hat es mir erleichtert.
Hatten Sie auch schon mal eine Phase, in der Ihnen Ihre Arbeit zu schwer wurde?
Schicht- und Nachtdienste in einer Klinik sind mir zugegebenermaßen nie leichtgefallen. Und Menschen schlechte Nachrichten zu ihrer Erkrankung zu überbringen, bleibt selbst mit Erfahrung herausfordernd.
Ich habe von einem Mädchen mit nur einer Gehirnhälfte gehört – ist es möglich, nur mit einer Gehirnhälfte auszukommen?
Je jünger ein Mensch ist, desto besser kann er umlernen. Es gibt Berichte von einer Frau, die vor ihrer Geburt einen Schlaganfall erlitten hatte, der lange unbemerkt geblieben war. Die gesunde Hirnhälfte hatte alle Funktionen der betroffenen Seite übernommen – so konnte sie mehrere Sprachen erlernen und einen Masterstudienabschluss erwerben. Das zeigt, wie anpassungsfähig dieses Organ ist.
Kann dauerhafter Stress psychisch und körperlich krank machen?
Kurzzeitiger Stress – zum Beispiel vor Klassenarbeiten – kann positive Kräfte freisetzen. Dauerhafter Stress aber begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen oder Depressionen. Das Gehirn kann in der Folge zeitweise schrumpfen, und es kann zum Beispiel zu Gedächtnisstörungen kommen.
Was passiert bei Parkinson im Gehirn?
Bei Parkinson sterben Nervenzellen im Hirnstamm und in tief liegenden Hirnkernen ab, es kommt zu einem Mangel am Botenstoff Dopamin. Dieser Mangel unterbricht die Kommunikation zwischen tiefen Hirnregionen und der motorischen Hirnrinde.
Warum sind vor allem ältere Menschen betroffen, und wie kann man ihnen helfen?
Bis sich typische Symptome wie Zittern, langsames Gehen und Sprechen sowie Mimikverlust zeigen, vergeht viel Zeit. Daher sind die Betroffenen überwiegend älter. Wir helfen Parkinsonpatient:innen, indem wir den Dopamninverlust im Gehirn ausgleichen, beispielsweise mit Tabletten, Hautpumpen, Sprays oder Strips unter der Zunge. Alternativ können wir das Hirn seit den 90er Jahren mit einem Schrittmacher stimulieren und den Dopamineffekt sozusagen nachahmen. Dabei geben operativ eingesetzte Elektroden Strom an das Hirn ab. Auch Entspannungsübungen, Yoga oder Musik können das Zittern zusätzlich lindern helfen.
Inwiefern zeigt sich Parkinson unterschiedlich bei Frauen und Männern?
Männer erkranken häufiger an Parkinson als Frauen. Dafür entwickeln Frauen häufiger ein Zittern, mehr Schmerzen und Depressionen – Männer wiederum haben ein erhöhtes Risiko für Demenz. Obwohl bei Frauen Medikamente häufig nicht kontinuierlich wirken, entscheiden sich weniger Frauen als Männer für die geeignetere, elektrische Alternative Hirnschrittmacher.
Wie kann ich als Jugendliche bei einer Person einen Schlaganfall erkennen?
Bei Parkinson sterben Nervenzellen im Hirnstamm und in tief liegenden Hirnkernen ab, es kommt zu einem Mangel am Botenstoff Dopamin. Dieser Mangel unterbricht die Kommunikation zwischen tiefen Hirnregionen und der motorischen Hirnrinde.
Was passiert bei einem Schlaganfall im Gehirn, wie kommt es zu einer Lähmung?
Es gibt viele Erkrankungen, die einem Schlaganfall ähneln. Wenn aber beispielsweise ein älterer Mensch plötzlich nicht mehr sprechen, sich auf einer Körperseite nicht mehr bewegen kann, heißt es, schnell zu reagieren und ihn ins Krankenhaus zu bringen.
Wie kann man einen Schlaganfall behandeln?
Bei akuten Schlaganfällen wird der Pfropfen über Medikamente und über einen dünnen Schlauch durch die Arterie in der Leiste aufgelöst. Im Anschluss fahnden wir nach den Ursachen, müssen mögliche weitere Schlaganfälle etwa mit Hilfe blutverdünnender Arzneien verhindern. Bei blutigen Schlaganfällen gilt es, den Blutdruck zu senken und Risikofaktoren auszuschalten. Bei uns befassen sich Kolleg:innen darüber hinaus damit, wie Schlaganfälle früher und besser behandelt werden können.