So geht Gänsehaut

Warum stellen sich uns die Haare auf, wenn wir frieren oder uns gruseln? Das und mehr wollte unsere Kinderreporterin Elise von Dr. Julian Kött, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, genauer wissen – der ihr zu Beginn des Gesprächs das Du anbot.

Text: Kathrin Thomsen, Fotos: Axel Kirchhof

Elise: Warum wolltest du Dermatologe werden?

Julian Kött: Ich bin leidenschaftlicher Quizzer. Deshalb war ich während des Studiums sofort Fan von den Blickdiagnosen: Ich habe gelernt, durch genaues Hinschauen und zunächst ohne weitere Hilfsmittel festzustellen, wel­che Erkrankung jemand auf der Haut zeigt.

… aber riechen Hauterkrankungen nicht oft sehr unangenehm?

Oh ja, aber auch zum Glück nur selten! Dagegen wende ich noch heute einen Trick an, den ich als Rettungssanitäter kennen gelernt habe: Ich tränke eine Kompresse mit Wasser und Zitronenöl und trage diese unter meiner Maske.

Was genau fasziniert dich an deiner Arbeit?

Mich reizt der Mix an Möglichkeiten: die Blickdiagnosen – aber auch, dass ich etwas mit meinen Händen machen, also operieren, und auch forschen kann; aktuell erforsche ich vor allem Schwarzen Hautkrebs.

… den kriegen vor allem Menschen mit heller Haut durch zu viel Sonne, oder?

Richtig ist, dass wir je nach Helligkeitsgrad sechs verschiedene Hauttypen unterscheiden und der helle Hauttyp schneller einen Sonnenbrand bekommt, was wiederum Hautkrebs begünstigt. Allerdings gibt es entgegen der landläufigen Meinung auch bei dunkleren Typen keine gesunde Bräune. Vielmehr kann die Sonne allen Hauttypen schaden.

Reagieren manche Menschen auch auf Wasser allergisch?

Genau genommen nein. Es kommt allerdings vor, dass Menschen auf das Wasser mit einer Nesselsucht (Urtikaria) reagieren. Die Urtikaria kann auch durch bestimmte physikalische Reize wie Wasserdruck oder Temperatur ausgelöst werden, dann bekommen die Patient:innen eine Nesselsucht beispielsweise immer unter der Dusche.


Elise (10) besucht die 5. Klasse der Schule am See in Steilshoop
Elise (10)
besucht die 5. Klasse der Schule am See in Steilshoop. Sie liest, zeichnet, boxt und springt Trampolin

Stimmt es, dass weniges Trinken die Haut austrocknet?

Nein, das stimmt so nicht. Tatsächlich können unsere Nieren den Wasserhaushalt sehr gut regulieren. Erst bei extremem Flüssigkeitsmangel, zum Beispiel wenn ältere Menschen zu wenig trinken oder Babies bei hohem Fieber dehydrieren, kann sich dies gesundheitlich negativ auswirken und sich auf der Haut zeigen. Ob wir genug trinken, können wir anhand des Hautturgor-Tests, indem wir mit Daumen und Zeigefinger in die Falte am Handrücken kneifen, ganz einfach ablesen: Bleibt die Falte stehen, haben wir zu wenig getrunken.

Woran erkennen wir gute Schminke?

Um die Qualität von Kosmetikprodukten einzuschätzen, bietet die Anzahl an Inhaltsstoffen einen guten Anhaltspunkt. Weniger ist dabei mehr. Gute Hautverträglichkeit wird durch bestimmte Siegel etwa von Ökotest oder Stiftung Warentest bescheinigt. Fakt ist, dass Wasser und Seife die Haut austrocknen und man sich daher nach dem Duschen oder Baden eincremen sollte.

Bekommen wir von Süßigkeiten Pickel?

Einige Menschen bekommen von Süßem Pickel. Das liegt daran, dass Zucker die Talgproduktion der Haut begünstigt, damit mehr Mitesser verursacht – was sich beispielsweise während der Pubertät durch Akne verstärkt zeigen kann.

Welchen Einfluss haben Jahreszeiten auf die Gesundheit der Haut?

Bedingt durch kältere Temperaturen, weniger Luftfeuchtigkeit und Heizungsluft in Innen­räumen haben wir im Winter trockenere Haut. Menschen mit Neurodermitis beispiels­weise geht es dann oft schlechter. Im Frühjahr werden Allergien wie Heuschnupfen akuter. Im Sommer steigen die Temperaturen, wir schwitzen mehr, was manchmal einen Nähr­boden für die Entstehung von Pilzen, etwa unterm Bauch oder in der Leiste, darstellt.


Dr. Julian Kött
Dr. Julian Kött
ist Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie des UKE

Warum haben Menschen Allergien?

Eine Allergie ist eine Fehlreaktion des Immun­systems. Es reagiert auf Stoffe, die eigentlich gar keine Erreger sind – zum Beispiel Pollen, Tierhaare oder Lebensmittel. Hierbei spie­len laut Forschung wahrscheinlich Genetik, Stress oder übertriebene Hygiene eine Rolle.

Wie können wir unsere Haut vor Sonne schützen?

Ich empfehle, sich am UV-Index 1 bis 11 zu orientieren: Ab 4 zeigt beispielsweise die Wetter-App Gelb für ein mittleres Sonnen­brandrisiko an. Dann sollte man seine Haut mit leichter Kleidung, Hände und Gesicht mit einer Sonnencreme Faktor 50 schützen, eine Kopf­bedeckung tragen. Am besten meidet man die Sonne in der Zeit von 11 bis 15 Uhr gänzlich. Fun fact: Sonnenschutz hält länger jung.

Was ist eigentlich Gänsehaut?

Üben wir einen Reiz auf unsere Haut aus – etwa durch Kälte, Grusel oder Berührung – wird der Haarmuskel angesprochen, und die Haare stellen sich auf. Bei Tieren zeigt sich die­ser Effekt noch viel stärker, ihr Fell wird dicker.

Ist die Haut der Spiegel der Seele?

Das ist eine schwierige Frage. Was wir fest­stellen, ist, dass wir Emotionen und Gemüts­lagen an der Haut ablesen können: Haben wir Angst, kriegen wir eine Gänsehaut. Sind wir müde, wird unsere Haut meistens blasser. Grundsätzlich kann man sagen: Je weniger Flecken die menschliche Haut aufweist, desto gesünder ist sie.

Wie wichtig ist Berührung für die Haut?

Die Haut ist ein Kommunikationsorgan: Berührung regt die Muskulatur an, bringt Nähe, es werden Kuschel­hormone ausgeschüttet. Ein Bei­spiel hierfür sind eine Mutter und ihr Baby, bei der die Hor­mone beim Kuscheln sogar die Milchproduktion anregen.


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