Praxiseinsatz im Rahmen der Ausbildung zur Diätassistentin

Mitarbeiterfortbildung „Ernährung im Leben mit Beeinträchtigung“ in Berlin

Als Auszubildende Diätassistentin im UKE hatte ich im Rahmen des Beratungseinsatzes im 3. Ausbildungsjahr die Gelegenheit, Dipl. oec. troph. Margarete Nowag bei der Vorbereitung, Gestaltung und Durchführung der Fortbildung „Ernährung im Leben mit Beeinträchtigung“ in ambulant betreuten Wohnformen zu begleiten.

So fand u.a. eine zweitägige Fortbildung am 25./26. März 2026 mit 14 Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Einrichtungen des Bereichs Wohnen und Teilhabe bei einer Diakonie in Berlin-Neukölln statt.

Direkt zu Beginn wurde deutlich, dass Ernährung und Essverhalten immer im Zusammenspiel mit physiologischen, psychischen, sozialen und funktionalen bzw. praktischen Faktoren zu sehen ist. Mir ist positiv aufgefallen, dass die Teilnehmenden von Anfang an sehr interessiert waren, sie stellten zu den einzelnen Themen immer wieder direkt Fragen und brachten eigene Erfahrungen mit ein. Es fand ein sehr lebendiger, offener, fachlicher und praxisorientierter Austausch statt.

Ein weiteres Thema war die Regulation von Hunger und Sättigung, was im Alltag regelmäßig zu besonderen Herausforderungen führt. Hier sind wir auf körpereigene Steuerungsmechanismen und mögliche Veränderungen eingegangen. Es wurden die endokrinologischen Besonderheiten ergründet, die Appetit und Sättigung, den Stoffwechsel und das Gewicht beeinflussen können. Wichtige einflussnehmende Hormone sind hier Ghrelin, Leptin, Insulin, GLP-1 und PYY, Schilddrüsenhormone, Cortisol, Geschlechtshormone und hormonaktive Signale aus dem Fettgewebe. Gerät das Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, sind Hunger, Sättigung, Energieverbrauch, Fettverteilung und Gewichtsregulation deutlich verändert.

In diesem Kontext wurde auch auf das Thema Hyperphagie eingegangen, ein krankhaft gesteigertes Hungergefühl mit grenzenlosen Essverlangen. Neben auffälligem Essverhalten, Übergewicht und Adipositas und Mangelernährung lag der Fokus auf Diabetes mellitus Typ 2. Gerade die Erklärung dieses immer häufiger auftretenden Krankheitsbildes wurde von den Teilnehmenden besonders interessiert verfolgt und anschließend als sehr positiv bewertet, da die medizinischen Zusammenhänge alltagsnah, klar und verständlich vermittelt wurden.

Im weiteren Verlauf wurden methodische Impulse für den beruflichen Alltag aufgegriffen, z.B. zu Themen wie Einkaufen, Snacken, Außer-Haus-Verpflegung und Umgang mit Angehörigen. Dabei wurde vor allem Bezug auf aktuelle Situationen aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmenden genommen, so dass die Schulung sehr praxisnah war.

Am zweiten Fortbildungstag stand dann die praktische Umsetzung im Vordergrund. Hier bin ich auf Themen wie übliche Portionsgrößen, mögliche Abwandlungen von Rezepten, Zubereitungstipps, Küchentricks und Aspekte einer zielgruppengerechten Tischgestaltung eingegangen. Anschließend haben wir gemeinsam die Theorie in die Praxis umgesetzt, wir haben zusammen gekocht: Pizza Waffeln, Müsliriegel, Kräuterquark, Kichererbsenpancakes mit herzhafter Füllung, bunter Salat mit verschiedenen Dressings und Grüne Smoothies. Das gemeinsame Mittagessen bestätigte noch einmal, dass Ernährung nicht nur reine Energieversorgung bedeutet, sondern ebenso Genuss, Gemeinschaft und Teilhabe.

Fazit: Mir ist positiv aufgefallen, dass alle Teilnehmenden sehr interessiert waren, zu allen Themenbereichen viele Fragen stellten und dafür sorgten, dass während der gesamten Fortbildung eine ausgesprochen lebendige und konstruktive Atmosphäre herrschte. Es wurden viele alltagsbezogene Fragen bezüglich des Umgangs zu auffälligen Ernährungsweisen gestellt und abschließend von den Teilnehmenden gefordert, dass Fortbildungen zu ernährungsbezogenen Themen in der ambulanten Betreuung regelmäßig stattfinden sollten.

Dadurch wurde mir noch einmal bewusster, wie wichtig eine praxisnahe Ernährungsbildung in diesem Arbeitsfeld ist. In diesem Praxiseinsatz ist mir noch einmal deutlicher geworden, dass beim Thema Ernährung in der ambulant betreuten Selbständigkeit noch Luft nach oben ist: Gerade im Rahmen des Übergangs von Menschen mit Beeinträchtigung aus dem Elternhaus in ambulant betreute Wohnformen zeigt sich immer wieder ein deutlicher Unterstützungsbedarf im Bereich Ernährung. Werden andere teilhabebezogene Ziele, z.B. die selbstständige Einnahme von Medikamenten, häufig strukturiert angeleitet und durch verschiedene Bezugspersonen begleitet, wird die Ernährung zu Beginn der Selbstständigkeit oft weniger systematisch berücksichtigt.

Wenn Menschen erstmals mehr Freiraum bei der Auswahl ihrer Lebensmittel erhalten, werden verständlicherweise gerne Lebensmittel gewählt, die zuvor seltener verfügbar oder stärker begrenzt waren, wie Süßigkeiten, Chips, Cola, Limonade, Pommes oder andere Snacks. Dies kann zu einer unausgewogenen Ernährung und Gewichtszunahme führen. In der Folge entstehen nicht selten Diskussionen oder gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Eltern bzw. gesetzlicher Betreuung und ambulanter Betreuung. Gleichzeitig stellt sich immer wieder die Frage, wie weit Begleitung gehen darf, ohne die Autonomie und Selbstbestimmung der betroffenen Person einzuschränken.

Besonders in dieser Übergangsphase ist es wichtig, den schmalen Grat zwischen Selbstbestimmung und notwendiger Anleitung auszuloten. Ernährung sollte nicht erst bei bereits eingetretener Gewichtszunahme oder gesundheitlichen Problemen thematisiert werden, sondern von Beginn an als fester Bestandteil der Teilhabeplanung berücksichtigt werden. Damit der Übergang in eine selbständige gesundheitsförderliche Ernährungsweise gelingen kann, ist eine regelmäßige Kommunikation zwischen allen Beteiligten wichtig. Die betroffene Person selbst, die Eltern/ gesetzliche Betreuung, die ambulante Betreuung, sowie Ernährungstherapeutinnen sollten im Idealfall schon vor Einzug in die eigenen vier Wände gemeinsame Ziele und realistische Maßnahmen abstimmen, begleiten und dem neuen Lebensalltag anpassen.

Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, kann eine verlässliche und gleichzeitig selbstbestimmungsorientierte Begleitung zu einer gesundheitsförderlichen Ernährungsweise stattfinden.

Maja Kim | Auszubildende Berufsfachschule für Diätassistenz | 19.05.2026

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