Sozialberatung in hausärztlichen Praxen: Ein Versorgungsprojekt in Hamburg
Thomas Kloppe , N. Can, A. Dünwald, C. Schroth der Zweite, Britta Tetzlaff, J. Husemann, T. Münster, Thomas Zimmermann, Claudia Mews
Hintergrund
Gesundheitliche und soziale Probleme treten häufig gemeinsam auf und beeinflussen sich gegenseitig. Hausärzt:innen sind für viele Menschen zentrale Vertrauenspersonen; soziale Problemlagen werden in der Praxis regelmäßig angesprochen, jedoch fehlen oft Zeit, Personal und spezifisches Fachwissen für eine adäquate Bearbeitung. Das Projekt stellt daher den direkten Kontakt zu sozialen Beratungsstellen her, um Versorgungslücken zu schließen.
Zielsetzung/Fragestellung
Das laufende Projekt zielt darauf, eine dauerhafte Schnittstelle zwischen medizinischem und sozialem Versorgungssystem direkt in hausärztlichen Praxen zu verankern. Durch niedrigschwellige, unmittelbare Beratung werden Vermittlungshemmnisse reduziert und Zugänge zu Hilfen erleichtert.
Material & Methoden
Das Projekt wird gemeinsam vom Hamburger Hausärztinnen- und Hausärzteverband, dem Institut und der Poliklinik für Allgemeinmedizin sowie dem öffentlichen Träger hamburger arbeit umgesetzt. Zielgruppe sind in Hamburg wohnhafte Menschen im erwerbsfähigen Alter mit sozialen Problemen. Die Implementierung erfolgt schrittweise in mehreren Praxen verschiedener Stadtteile. Die Evaluation nutzt eine fortlaufende Routinedokumentation, standardisierte Patient:innenbefragungen in mehreren Wellen sowie begleitende qualitative Formate und Abschlussworkshops zur Ableitung von Verbesserungen.
Bisherige Ergebnisse und Zwischenstand
Zunächst werden in 9 hausäztlichen Praxen wöchentlich Sozialberatung für die Patient:innen angeboten Bislang konnten zahlreiche Beratungstermine mit Patient:innen durchgeführt werden. Schwerpunkte sind Unterstützung beim Stellen und Verstehen von Anträgen, bei Wohn- und Finanzproblemen sowie bei der Arbeitssuche. Rückmeldungen betonen das breite Beratungsspektrum und die barrierearme Kommunikation; Praxisteams berichten über Arbeitserleichterungen und eine verbesserte Vernetzung im Sozialraum. Auf dieser Basis werden Prozesse und Materialien iterativ weiterentwickelt.
Diskussion
Die Integration sozialer Beratung in hausärztliche Praxen ist eine effektive Möglichkeit, um soziale Probleme von Patient:innen zu adressieren und deren Selbstwirksamkeit zu stärken. Die positiven Rückmeldungen und die hohe Akzeptanz des Angebots unterstreichen die Bedeutung einer solchen Schnittstelle zwischen medizinischem und sozialem Versorgungssystem. Herausforderungen bestehen in den Bereichen Wegezeiten und verfügbare Räumlichkeiten.
Projektlaufzeit: 01.10.2025 – 31.12.2027
Förderer: Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation
Kooperationspartner: hamburger arbeit GmbH , Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hamburg e.V.
Ansprechpartner: Thomas Kloppe
Artikel zu diesem Projekt
"Wenn soziale Probleme hinzukommen" ein Artikel von Nuray Can über das Projekt können Sie hier herunterladen:
Wenn soziale Probleme hinzukommen, Nuray Can, Juni, 2025
Den Artikel "Wegweiser nicht nur in medizinischen Fragen" aus dem Hamburger Ärzteblatt können Sie hier herunterladen:
Wegweiser nicht nur in medizinischen Fragen, Hamburger Ärzteblatt, 2024
Den Artikel "Ein Hamburger Projekt geht neue Wege der Patientenberatung. Dort kommen Sozialarbeiter in Hausarztpraxen" von Christian Beneker zu dieser Studie können Sie hier herunterladen:
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