Multimorbidität
Der Arbeitsberich Multimorbidität untersucht die Epidemiologie und hausärztliche Versorgung von mehrfachen chronischen Erkrankungen, auch Multimorbidität genannt. Im Fokus stehen dabei die Identifizierung von Multimorbiditätsmustern bei hausärztlichen Patienten, die Untersuchung des Schweregrads und der Folgen für ältere Menschen, die Bewertung der Ressourcen und Kosten für das Gesundheitssystem und die Beurteilung der Qualität der hausärztlichen Versorgung von Patienten mit Multimorbidität. Außerdem wird untersucht, welche Interventionen einen positiven Effekten auf den Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten, die gesundheitsbezogene Lebensqualität und die Zufriedenheit von Patienten mit Multimorbidität haben und wie sich Ressourceneinsatz und Behandlungskosten bei diesen Interventionen verändern. Darüber hinaus beschäftigt sich der Forschungsbereich damit, das vorhandene Wissen über Multimorbidität, das z.B. in wissenschaftlichen Veröffentlichungen verfügbar ist, zu bündeln und in Form von Leitlinien in die hausärztliche Versorgung zu integrieren.
Zu diesem Zweck werden seit 2008 verschiedene Forschungsvorhaben umgesetzt, in denen qualitative Fokusgruppen- und Interviewstudien, standardisierte Querschnittsstudien und prospektive Kohortenstudien auf Basis von Befragungsdaten, retrospektive quer- und längsschnittliche Auswertungen von Sekundärdaten, wie z.B. Abrechnungsdaten von Krankenkassen, randomisierte klinische Interventionsstudien, Konsensusprozesse zur Abfrage und Integration von Expertenmeinungen und systematische Übersichtsarbeiten über die wissenschaftliche Literatur durchgeführt werden.
Kontakt: Ingmar Schäfer
Aktuelle Projekte
MultiTool-Entwicklung und Evaluation eines computergestützten Tools für das hausärztliche Management von Multimorbidität
In der MultiTool-Studie wird eine Intervention entwickelt, pilotiert und evaluiert, mit der die DEGAM-S3 Leitlinie Multimorbidität mit Hilfe eines computergestützten Tools implementiert wird. Strukturierte digitale Erhebungen von Patientenpräferenzen, Teilhabechancen, der Behandlungssituation, und der Beschwerdelast, sowie strukturierte Medikamentenreviews sollen die Entscheidungsfindung zwischen Hausarzt und Patient erleichtern. Aktuell wird in einer cluster-randomisierten klinischen Studie geprüft, ob die Intervention die Wahrscheinlichkeit für Krankenhauseinweisungen reduziert.
ESCAPE: EU-gefördertes Projekt für Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und weiteren chronischen Erkrankungen
Das ESCAPE-Projekt untersucht, ob eine personalisierte und integrierte Versorgung für ältere Patient:innen mit Herzinsuffizienz und weiteren chronischen Erkrankungen ihre Lebensqualität verbessern kann. Durch langfristige, teambasierte Unterstützung und regelmäßige Beratung wird den Betroffenen geholfen, ihre gesundheitlichen Belange und den Umgang mit Stress besser zu bewältigen. Ziel ist es, eine bessere Vernetzung zwischen Hausärzt:innen, Spezialist:innen und Patient:innen zu schaffen und so die Behandlungsergebnisse zu optimieren.
Kürzlich abgeschlossene Projekte
MULTImprove – Aktualisierung und Umwandlung in eine „Living Guideline" der Leitlinie Multimorbidität der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
MULTImprove ist ein vom Innovationsfonds des G-BA gefördertes Projekt für die Aktualisierung und Umwandlung der Leitlinien in eine „Living Guideline“ der Leitlinie Multimorbidität der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM).
MultiCare Cohort Study: Multimorbiditätsmuster in der hausärztlichen Versorgung
Die "MultiCare Cohort Study" ist eine multizentrische, prospektive Kohortenstudie mit 3.189 multimorbiden Patienten im Alter von 65 bis 85 Jahren, die per Zufall aus 158 Hausarztpraxen in acht großen deutschen Städten rekrutiert wurden. Ziel der Studie ist es, Multimorbiditätsmuster zu untersuchen, prognostische Variablen für den Verlauf der Multimorbidität zu identifizieren und die Auswirkungen auf die Lebensqualität sowie die Versorgungskosten im Zeitverlauf zu analysieren. Auf diesem Wege soll ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse von multimorbiden älteren Menschen entwickelt werden.