MultiQual
MultiQual
MULTIqual
MULTIqual

Entwicklung und Validierung von Qualitätsindikatoren für Multimorbidität (MULTIqual)

Josefine Schulze1, Nadine Pohontsch1, Heike Hansen1, Ingmar Schäfer1, Anja Rakebrandt1, Dagmar Lühmann1, Katharina Glassen2, Amanda Breckner2, Joachim Szecsenyi2, Eva Blozik3, Martin Scherer1

1Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Konsortialführung)
2Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg (Konsortialpartner)
3Helsana-Gruppe, 8081 Zürich, Schweiz

Hintergründe und Ziele

Multimorbidität bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen von drei oder mehr chronischen Erkrankungen. Sie ist oft mit funktionellen Einschränkungen, niedriger Lebensqualität, höherer Inanspruchnahme von Gesundheits-leistungen und Kosten sowie einem höheren Mortalitätsrisiko verbunden. Aufgrund der Vielzahl möglicher Krankheitsbilder und Problemstellungen ist die Versorgung multimorbider Patientinnen und Patienten besonders anfällig für eine große Varianz hinsichtlich Qualität und Erfolg der Behandlung. Ein krankheitsübergreifender Bezugsrahmen zur Beurteilung der Versorgungsqualität fehlt bislang. Vor diesem Hintergrund soll im Projekt MULTIqual ein Qualitätsindikatorensatz entwickelt werden, der die Beschreibung der Versorgungqualität von Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität ermöglicht.

Design und Methodik

Zunächst wurde auf Basis existierender Leitlinien, Qualitätsindikatoren und systematischer Literaturrecherchen eine Liste potentieller Indikatoren erstellt. Weitere Indikatoren wurden aus den Ergebnissen von Fokusgruppen mit multimorbiden Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen abgeleitet. Anschließend wurden die Indikatoren in einem zweistufigen Konsensusverfahren von einem unabhängigen, interdisziplinären Expertenpanel online bewertet und kommentiert und darauf aufbauend in einem Präsenzmeeting konsentiert.

Aus diesem Verfahren resultierte ein vorläufiger Satz von 25 Qualitätsindikatoren, der patientennahe Versorgungsaspekte, Aspekte der Arzt-Patienten-Interaktion sowie Kontext und Versorgungsstrukturen abbildet. Die neu entwickelten Indikatoren werden im nächsten Projektschritt auf ihre Ausprägungen, Machbarkeit und Aussagekraft hin geprüft. Dabei werden auch Zusammenhänge zu patientenrelevanten Outcomes wie Lebensqualität und funktioneller Status untersucht. Hierfür werden einerseits etablierte, und andererseits an den Indikatoren orientierte, neu entwickelte Erhebungsinstrumente in Praxen eingesetzt, um insgesamt 350 multimorbide Patientinnen und Patienten sowie etwa 50 Ärztinnen und Ärzte zu befragen.

Geplante Ergebnisverwertung

Der Qualitätsindikatorensatz für Patientinnen und Patienten mit Multimorbidität soll als Rahmen für die Identifikation von Qualitätsproblemen und als Implementationshilfe von Behandlungsstandards verwendet werden. Darüber hinaus sollen die Indikatoren dazu beitragen, Standards in der Behandlung zu etablieren und Unter-, Über- und Fehlversorgung reduzieren.

Förderer: Innovationsfond des G-BA

Laufzeit: 2017 bis 2020

Partner: Universitätsklinikum Heidelberg

Ansprechpartner: Dagmar Lühmann Josefine Schulze