MultiQual
MultiQual

Entwicklung und Validierung von Qualitätsindikatoren für Multimorbidität (MULTIqual)

Dagmar Lühmann 1, Nadine Pohontsch 1, Ingmar Schäfer 1, Hendrik van den Bussche 1, Tabea Eißing1, Josefine Schulze1, Joachim Szecsenyi2, Dr. med. Katharina Glassen2, Gunter Laux2, Tobias Freund2, Eva Blozik3, Martin Scherer 1

1Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Konsortialführung)
2Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg (Konsortialpartner)
3Helsana-Gruppe, 8081 Zürich, Schweiz

Hintergründe und Ziele

Multimorbidität bezeichnet das gleichzeitige Vorliegen mehrerer chronischer Erkrankungen und betrifft etwa 2/3 der über 65-jährigen Bevölkerung. Sie ist mit funktionellen Einschränkungen, niedriger Lebensqualität, höherer Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und Kosten sowie einem höheren Mortalitätsrisiko assoziiert.

Derzeit sind in Deutschland noch keine Behandlungsstandards für Multimorbidität etabliert, so dass auch Beurteilungskriterien für die Qualität der Versorgung von multimorbiden Patienten im hiesigen Kontext fehlen. Im Projekt MULTIqual soll ein Qualitätsindikatorensatz zur Abbildung der Versorgungsqualität von Patienten mit Multimorbidität im deutschen Gesundheitswesen entwickelt werden.

Design und Methodik

Die Entwicklung des Qualitätsindikatorensatzes greift auf etablierte Methoden zur Entwicklung von Qualitätsindikatoren zurück und gliedert sich in drei Arbeitsphasen:

1. Entwicklung der Qualitätsindikatoren: umfasst eine Leitlinien- und Literaturanalyse sowie semiquantitative Befragungen von betroffenen Patienten. Auf dieser Grundlage wird eine vorläufige Liste von potenziellen Qualitätsindikatoren erstellt.

2. Delphi-Verfahren: Abstimmung eines vorläufigen Indikatorensatzes aus der Liste. In das 2-stufige Delphi-Verfahren werden 50 Experten für Multimorbidität aus Versorgung und Wissenschaft einbezogen.

3. Validierungsstudie: Für die Validierungstudie werden Zusatzerhebungen von patientenrelevanten Versorgungsaspekten und Outcomes in zwei bereits bestehenden Kohorten von multimorbiden Patienten in Hamburg und Heidelberg durchgeführt.

  • Univariate Analysen in unterschiedlichen Patientensubgruppen prüfen Machbarkeit, Prävalenz, Konsistenz und Plausibilität der vorläufigen Indikatoren.

  • In Korrelations- bzw. multivariaten Regressionen werden die Zusammenhänge zwischen hoher bzw. niedriger Versorgungsqualität (gemäß neu entwickelter QI) mit Konstrukten, die mit hoher bzw. niedriger Qualität assoziiert sind (z.B. Polypharmazie, PIM, HRQoL) geprüft (Konstruktvalidität).

Geplante Ergebnisverwertung

Der Qualitätsindikatorensatz für Patienten mit Multimorbidität soll als Rahmen für die Identifikation von Qualitätsproblemen und als Implementationshilfe von Behandlungsstandards verwendet werden. Perspektivisch soll er dazu beitragen, die Varianz im Umgang mit Multimorbidität zu verringern und gegebenenfalls bestehende Über-, Unter- und Fehlversorgung in der multimorbiden Bevölkerung zu reduzieren.

Förderer: Innovationsfond des G-BA | 01VSF16058 MULTIqual

Laufzeit: 2017 bis 2020

Partner: Universitätsklinikum Heidelberg

Ansprechpartner: Dagmar Lühmann