SFB 289 – Projekt A13: Positive Behandlungs­erwartungen durch Beobachten bei Rückenschmerz­patient*innen

Hilft mir das auch? Positive Behandlungserwartungen durch Beobachten bei Rückenschmerz­Patient*innen

Positive Erwartungen an eine Therapie können das Schmerzempfinden und die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen. Wie aber lässt sich die Erwartung der PatientInnen gezielt steuern? Die medizinische Forschung weist darauf hin, dass bereits die Beobachtung erfolgreich behandelter PatientInnen positiv auf die eigene Behandlungserwartung wirkt und das Schmerzempfinden verändert. Im Projekt wird diese Fragestellung bei chronischen Schmerzen im Rücken mit dem Ziel untersucht, langfristig den Therapieerfolg zu verbessern und den Einsatz von Medikamenten zu reduzieren.

Studienteilnehmer*innen gesucht

An unserer Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin im Bereich Schmerzmedizin und Schmerzpsychologie suchen wir derzeit Studienteilnehmer*innen für eine Studie für Personen mit chronischen Rückenschmerzen.

  • Unsere Studie eignet sich für Sie, wenn Sie an wiederkehrend oder dauerhafte auftretenden Rückenschmerzen seit mindestens drei Monaten leiden und an einer innovativen Behandlungsmethode interessiert sind.

  • Chronische Rückenschmerzen sind weit verbreitet und werden nach festen Therapieleitlinien behandelt. Ein wichtiger Bestandteil der Standardtherapie ist die Einnahme von Schmerzmitteln. In wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass bereits die bloße Einnahme von wirkstofffreien Tabletten (Placebotabletten) zu einer deutlichen Schmerzlinderung führen kann. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Placeboeffekt. Dieser Effekt tritt auch bei der Einnahme von Medikamenten auf und kann deren Wirksamkeit um bis zu 33% verbessern. Das wollen wir in dieser Studie nachweisen.

    Placebos, die wissentlich – also offen – eingenommen werden, wirken aufgrund von persönlichen Vorerfahrungen und Erwartungen und können so schmerzlindernde Prozesse im Körper freisetzen. Im Rahmen unserer Studie soll die schmerzlindernde Wirkung eines eingenommenen Placebos (Open Label Placebo) mit der Wirkung des häufig eingesetzten Schmerzmittels Metamizol verglichen werden. Nach dem Zufallsprinzip wird entschieden, ob Studienteilnehmende das Placebo oder Metamizol einnehmen werden. Die weitere Therapie der Rückenschmerzen (z.B. Krankengymnastik) wird gemäß der aktuellen Therapieleitlinien durch die behandelnde Ärztin bzw. den behandelnden Arzt fortgeführt.

  • Wenn Sie sich entschieden haben, an unserer Studie teilzunehmen, werden Sie über alle Details informiert. Sie werden zunächst zufällig in eine Behandlungsgruppe eingeteilt. Je nach Einteilung erhalten Sie ein Schmerzmedikament oder ein Placebo. Bei dem Schmerzmedikament handelt es sich um die Standardtherapie unserer Schmerzambulanz, Metamizol. Sie werden auch im Falle der Placebobehandlung genau über die Substanz aufgeklärt.

    In einem weiteren Studienarm werden zusätzlich die Bereiche soziales Lernen und Auslösung der natürlichen Schmerzhemmung des Körpers durch Placebos getrennt untersucht. Hierbei werden drei Gruppen gebildet: Eine Gruppe erhält ein Placebo und nimmt an einer Intervention zum sozialen Lernen teil. Die andere Gruppe nimmt das Placebo ein und erhält neutrale Informationen zur Behandlung von Rückenschmerzen. Eine dritte Gruppe erhält kein Placebo über den Zeitraum der Studie. In diesem Teilbereich der Studie wird kein Metamizol vergeben. Wenn Sie besonderes Interesse an diesem Studienbereich haben, können Sie sich direkt bei Marie Schwartz ( ma.schwartz@uke.de oder 040- 7410 54 523 ) melden.

    Vor, während und nach der Behandlung dokumentieren Sie Ihr Befinden und Ihre Schmerzen in einem speziell für Sie zusammengestellten Schmerztagebuch. Ob Sie Schmerzmedikamente oder Placebos erhalten, wird mit Ihnen abgesprochen. Mitarbeiter*innen der Studie stehen Ihnen jederzeit für Fragen zur Verfügung. Mit Hilfe der innovativen Schmerzbehandlung wünschen wir uns für Sie eine angenehmere Zeit und schmerzarme Momente.
    Teilnehmer*innen aller Gruppen erhalten die Möglichkeit, nach Ablauf der Studie das Placebomedikament einzunehmen und selbstständig den Effekt auf die natürliche Schmerzhemmung des Körpers zu auszuprobieren.

    Für weitere Informationen können Sie sich hier den Flyer runterladen.
    Falls Sie Interesse an einer Teilnahme haben oder gerne noch mehr Informationen erhalten würden, können Sie uns gerne telefonisch oder per E-Mail kontaktieren:

    Telefon: 01522 - 2849 147
    E-Mail: SFB-Studie@uke.de

  • Wiss. Hintergrund
  • Wiss. Hintergrund

    Wissenschaftliche Zusammenfassung

    Das Projekt wird die Behandlungserwartung von PatientInnen systematisch variieren, indem diese ein positives oder neutrales Behandlungsergebnis in anderen PatientInnen beobachten. Es wird der Einfluss dieser Erwartungsmodulation auf das Behandlungsergebnis durch Analgetika oder offene Placebos untersucht. Um sowohl klinische als auch mechanistische Erkenntnisse zu gewinnen, werden die Faktoren Erwartung und Behandlung vollständig gekreuzt, was es ermöglicht, potenzielle Interaktionseffekte von Erwartung und pharmakologischer Analgesie zu untersuchen.

    Literaturempfehlungen:

    Schmitz J, Müller M, Stork J, Eichler I, Zöllner C, Flor H, Klinger R (2019) Positive Treatment Expectancies Reduce Clinical Pain and Perceived Limitations in Movement Ability Despite Increased Experimental Pain: A Randomized Controlled Trial on Sham Opioid Infusion in Patients with Chronic Back Pain. Psychother Psychosom 88(4):203-214.

    Klinger R, Matter N, Kothe R, Dahme B, Hofmann U, Krug F (2010) Unconditioned and Conditioned Muscular Responses in Patients with Chronic Back Pain and Chronic Tension-Type Headaches and in Healthy Controls. Pain 150 66-74.

    Christiansen S, Oettingen G, Dahme B, Klinger R (2010) A short goal-pursuit intervention to improve physical capacity: A randomized clinical trial in chronic back pain patients. Pain 149 (3), 444-452.

  • Studienleitung:
    PD Dr. Regine Klinger
    Psychologische Psychotherapeutin

    Mitarbeitende:
    Dr. Till Friedheim
    Clinician Scientist, Facharzt für Anästhesiologie

    Julia Stuhlreyer
    Psychologin Psychotherapeutin, Studienkoordinatorin

    Marie Schwartz
    Psychologische Psychotherapeutin

  • Publikationen

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    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Schmerzmedizin und Schmerzpsychologie

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