„Informieren – Entscheiden – Kommunizieren“
Aktion „Campen für die Organspende“ am UKE
Die Aktion „Campen für die Organspende“ ist mittlerweile eine feste Institution in der Aufklärung über die Organspende geworden. In der ersten Juniwoche vor dem offiziellen „Tag der Organspende“ in Deutschland machen sich die Transplantationsbeauftragten des „Netzwerks der Transplantationsbeauftragten Region Nord e.V.“ auf den Weg, um an öffentlichen Orten das Gespräch mit der Bevölkerung zu suchen und Fragen zur Organspende zu beantworten. Auf ihrer Tour durch Norddeutschland stehen die insgesamt sechs Campermobile zwischen Leer, Gifhorn und Hamburg in Fußgängerzonen, Schulen, Firmen und auf Festivals.
Am 3. Juni 2026 machte ein Campermobil auf dem UKE-Gelände vor dem Hauptgebäude (O10) sowie vor dem Campus Lehre (N55) Halt. Den ganzen Tag über standen die Hannoveraner Transplantationsbeauftragten Dr. Frank Logemann und Elke Wiethake an ihrem Campermobil allen Interessierten für Fragen zum Thema Organspende zur Verfügung.
Das, was auf den ersten Blick nach entspannter Campingtour klingt, ist jedoch harte Arbeit und hat ein ernstes Anliegen: Noch immer ist das Thema Organspende trotz vieler politischer Kampagnen nicht weit genug im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen; noch immer ist die Debatte geprägt von Unsicherheit und offenen Fragen. Fehlt ein erklärter Wille des Versterbenden sind die Angehörigen oft verunsichert, wenn sie auf einer Intensivstation auf das Thema Organspendewunsch angesprochen werden. Denn nach wie vor haben viele ihre Entscheidung zu einer möglichen Organspende zu Lebzeiten nicht dokumentiert.
Mit ihrem niedrigschwelligen Angebot wollen Frank Logemann und Elke Wiethake genau diese Lücke schließen und suchen das Gespräch mit Mitarbeitern, Angehörigen und Patient:innen, die an diesem Tag zu Hunderten ins und aus dem UKE strömen. „Wir wollen direkt mit den Menschen reden, nicht über Gesetzestexte und Kampagnen, sondern auf Augenhöhe“, betont Dr. Frank Logemann. Ziel sei es dabei nicht, die Menschen zu einem „Ja“ zu drängen. „Uns ist wichtig, dass überhaupt eine Entscheidung zu einer möglichen Organspende getroffen wird. Jedes Kreuzchen auf einem Organspendeausweis zählt – egal ob „Ja“ oder „Nein“.“ Jede festgehaltene Entscheidung entlaste im Zweifelsfalle die Angehörigen.
Informieren – Entscheiden – Kommunizieren
Elke Wiethake unterstreicht das: „Nach einer informierten Entscheidung ist es wichtig, diese Entscheidung im Familien- und Freundeskreis auch zu kommunizieren.“ Dies schaffe Sicherheit für die Angehörigen. Neben einem ausgefüllten Organspendeausweis kann dies auch durch einen Eintrag im neugeschaffenen Organspenderegister geschehen.
Buntgemischt sind die Fragen, mit denen die beiden Transplantationsbeauftragten an diesem Tag konfrontiert werden: Bin ich nicht zu alt für eine Organspende? Bei welchen Vorerkrankungen kann man kein Organspender mehr sein? Wie trage ich mich ins Organspenderegister ein? Wo steht Deutschland in der Diskussion um die Widerspruchslösung? Wie verbindlich ist eigentlich mein Kreuz auf dem Organspendeausweis? - Wertneutral beantworten sie alle Fragen und nehmen sich viel Zeit für jeden Besuchenden. Großes Interesse an der Camper-Tour zeigen auch zwei regionale Fernsehsender, die an dem Tag vor Ort filmen und berichten.
„Die Campertour ist eine sehr gute Möglichkeit, in der Öffentlichkeit mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und auf die Wichtigkeit einer Entscheidung hinzuweisen. Wir unterstützen den offenen Austausch sehr und freuen uns, dass das Mobil in diesem Jahr auch am UKE einen Zwischenstopp eingelegt hat“, betont Prof. Dr. Florian Grahammer, Direktor des Universitären Transplantations Centrums (UTC), das die Aktion gemeinsam mit den Transplantationsbeauftragten des UKE unterstützt.
Und bevor das Wohnmobil am Abend in Richtung seiner nächsten Station in Bremerhaven aufbricht, steht am Tagesende für Frank Logemann und Elke Wiethake angesichts der vielen Interessierten, der guten Gespräche und Hunderten von ausgegebenen Organspendeausweisen schon fest: „Wir kommen im nächsten Jahr wieder!“
Dr. Stefan Kiekel, UTC