Lungentransplantation bei Erwachsenen

  • Indikation
  • Indikation

    Für eine Lungentransplantation kommen grundsätzlich Patienten mit einer Lungenerkrankung im Endstadium in Betracht, bei denen die medikamentöse Therapie ausgeschöpft ist und deren Lebenserwartung durch die Erkrankung auf weniger als zwei bis drei Jahre begrenzt ist.

    Folgende Auflistung gibt einen Überblick über die wichtigsten Indikationen zur Lungentransplantation:

    parenchymatöse Erkrankungen

    • Mukoviszidose (zystische Fibrose, CF)
    • Chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD, Emphysem, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel)
    • Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
    • ideopathische Lungenfibrose (IPF)
    • Bronchiektasien
    • Sarkoidose
    • exogen allergische Alveolitis
    • Langerhanszell-Histiozytose (Hystiozytosis X)
    • Lymphangioleiomyomatose
    vaskuläre Erkrankungen

    • primär pulmonale Hypertension
    • sekundär pulmonale Hypertension bei Eisenmenger-Syndrom
    • sekundär pulmonale Hypertension bei chornischen pulmonalen Thromboembolien

    Lungenretransplantation

    • therapieresistente akute und chronische Abstoßung

    Für Patienten mit COPD oder Lungenfibrose kommt je nach Befund eine Einzel- oder eine Doppellungentransplantation in Frage. Patienten mit Mukoviszidose haben meist eine chronische Besiedlung der Atemwege mit Erregern wie Pseudomonas aeroginosa oder Staphylokokkus aureus und sollten in der Regel eine Doppellungentransplantation bekommen. Auch bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie sollte eine Doppellungentransplantation durchgeführt werden.

    Durch angeborene Herzfehler, die im Kindesalter nicht korrigiert werden, kann es im Verlauf unabhängig von der Herzerkrankung zur sekundären pulmonalen Hypertonie kommen. In sehr komplexen Fällen kommt dann als einzige Behandlungsmöglichkeit eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation in Frage. Die wichtigsten dieser sogenannten kongenitalen Vitien mit Eisenmenger-Reaktion sind der ASD (Vorhofseptumdefekt), der VSD (Ventrikelseptumdefekt), oder der offene Ductus arteriosus. Komplexe angeborene Herzfehler können aber ebenfalls zum Herzversagen mit sekundärer Lungenbeteiligung führen. In Einzelfällen können auch Patienten mit Lungenerkrankung und unabhängiger kardialer Erkrankung für eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation in Frage kommen.

  • Im interdispziplinären Konsens aus Pneumologen und Chirurgen wird dann die Indikation zur Listung bei Eurotransplant gestellt. Die Stiftung Eurotransplant vermittelt die Spenderorgane in den sieben europäischen Ländern Belgien, Deutschland, Koratien, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Slowenien. Diese Länder haben sich zusammengeschlossen, um durch gemeinsame Vermittlung der gespendeten Organe eine möglichst effektive Versorgung der Patienten auf den Wartelisten zur Organtransplantation zu gewährleisten. Die Stiftung Eurotransplant, mit Sitz im holländischen Leiden, führt in ihren Wartelisten ca. 15.000 Menschen. Im Jahr 2007 wurden rund 7.100 Lebern, Herzen, Lungen, Nieren und Bauchspeicheldrüsen gespendet und transplantiert.

    Bei Eurotransplant laufen die Daten der Patienten, die auf eine Transplantation warten und die Daten der Organspender zusammen. Die relevanten Daten über mögliche Organempfänger erhält Eurotransplant aus den Transplantationszentren. Die Informationen über den Organspender bzw. über die gespendeten Organe werden aus Deutschland von der Koordinierungsstelle, der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) weitergeleitet. Wird von der DSO ein Organspender gemeldet, so ermittelt Eurotransplant computergesteuert die passenden Empfänger von der Warteliste. Die Entscheidung, ob ein Organ zur Transplantation akzeptiert werden kann, hängt von vielerlei Aspekten ab. Von der Funktion des Spenderorgans, vom Größenverhältnis des Spenders und des potentiellen Empfängers und den Begleiterkrankungen.

    Um die Spenderlunge vor der Entnahme zu konservieren, wird sie mit einer Konservierungslösung durchspült.

    Die Lunge wird dann während des Transports vom Spender- zum Empfänger-Krankenhaus auf Eis gekühlt. So behandelte Lungen können problemlos für 6 bis 8 Stunden bis zur Implantation konserviert werden.

  • Bei der Einzellungentransplantation wird der Brustkorb seitlich eröffnet und der schlechtere der beiden Lungenflügel wird entfernt. Der Patient wird während der Operation über die verbleibende Lunge beatmet. Der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine kann notwendig werden, wenn diese Lunge nicht in der Lage ist, den Körper während der Operation ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Die Spenderlunge wird durch Verbindungen des Atemweges, der pulmonalarteriellen und der venösen Blutgefäße implantiert.

    Bei der Doppellungentransplantation wird eine Längseröffnung des Brustkorbs oder in manchen Fällen eine Quereröffnung vorgenommen. Beide Lungen werden entfernt. In der Regel wird während der Operation die Herz-Lungen-Maschine eingesetzt, um beide, oft stark entzündete Lungen entfernen zu können, bevor die sauberen Spenderlungen implantiert werden. Damit vermiindert man das Risiko einer frühzeitigen Infektion der Spenderorgane.

    Kombinierte Herz-Lungentransplantationen werden über eine Längseröffnung des Brustkorbs unter Zuhilfenahme der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Die Spenderorgane werden "en bloc", das heißt noch zusammenhängend implantiert. Verbindungen zwischen dem Spenderherzen und den Spenderlungen müssen nicht neu geschaffen werden.

    Nachdem der Blutstrom freigegeben wird, nehmen die neuen Organe ihre Arbeit auf und der Brustkorb wird verschlossen. Der Patient wird auf die Intensivstation verlegt. Der Beatmungsschlauch wird entfernt, sobald der Patient aufwacht, der Kreislauf stabil ist und die Lunge eine gute Funktion aufweist.

  • Patienten werden nach der Transplantation so schnell wie möglich unter krankengymnastischer Anleitung mobilisiert, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Die meisten Patienten spüren nach der Transplantation eine sofortige Erleichterung beim Atmen. Die Lungenfunktion nimmt dann in den ersten Tagen bis Wochen nach Transplantation weiter zu, bis sie ihr stabiles Niveau erreicht hat.

    Die Einnahme immunsuppressiver Medikamente wird begonnen, um eine Abstoßung der transplantierten Organe zu verhindern. Da diese aber auch das Risiko für Infektionen erhöhen, muss die Dosierung diese Immunsuppressiva regelmäßig angepasst werden. Dies geschieht zunächst stationär, später durch enge Anbindung an unsere Transplantationsambulanzen. Durch regelmäßige Kontrollen der Organfunktion sollen Probleme frühzeitig identifiziert und der adäquaten Behandlung zugeführt werden.