Klima und Gesundheit
Der Arbeitsbereich Klima und Gesundheit untersucht den Zusammenhang zwischen klimatischen Phänomenen, insbesondere von Hitze, auf den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden von vulnerablen Personengruppen, besonders von Menschen mit chronischen Erkrankungen. Im Fokus stehen dabei die Beschreibung der spezifischen Gesundheitsfolgen, die Identifikation von schützenden und gefährdenden Faktoren, wie z.B. der psychosozialen Lage, der Risikowahrnehmung oder der Gesundheitskompetenz, die Bewertung des gesundheitlichen Nutzens von spezifischen Verhaltensweisen, wie z.B. Expositionsvermeidung, gezielter Abkühlung oder Einschränkung von körperlicher Aktivität, und die Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Interventionen, mit denen negative Gesundheitsfolgen klimatischer Phänomene abgeschwächt werden können. Zusätzlich wird das bestehende Wissen zum Thema Klima und Gesundheit im Bereich der hausärztlichen Versorgung systematisch bewertet und es werden Empfehlungen für die Integration der Erkenntnisse in die hausärztliche Versorgung erarbeitet.
Kontakt: Valentina Pauke, Claudia Mews, Heike Hansen, Ingmar Schäfer
Aktuelle Projekte
Leitlinienprojekt: Klimasensible Gesundheitsberatung für hausärztliche Praxen
Der Klimawandel hat bereits heute erhebliche direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit und stellt Hausärzt:innen zunehmend vor neue Herausforderungen im Praxisalltag. Die klimasensible Gesundheitsberatung bietet die Möglichkeit, Patient:innen zu gesundheitlichen Risiken und Präventionsmaßnahmen zu beraten und zugleich Maßnahmen mit individuellem Gesundheitsnutzen und positiver Klimawirkung zu fördern. Die geplante S1-Handlungsempfehlung soll hierfür praxisnahe Beratungsansätze und konkrete Handlungsoptionen für die hausärztliche Versorgung aufzeigen.
Zur Studienwebsite
Chronical illness-related LIMitations in the Ability to cope with rising TEmperatures: an observational study (“CLIMATE Cohort Study”)
Die „CLIMATE Cohort Study“ untersucht mit prospektiven Kohortenstudien, in welchem Maße ältere, chronisch kranke Patienten während heißen Tagen Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit erleben und in welchem Maße der individuelle Umgang mit Hitze zum Schutz vor diesen Gesundheitsstörungen beitragen kann. Die Kenntnis über die Korrelation zwischen chronischen Erkrankungen und dem Umgang mit Hitze auf der einen und der Symptombelastung auf der anderen Seite, könnte Hausärzten dabei helfen, chronisch Kranke in Hitzeperioden besser zu betreuen.
Primary care-based interventions addressing Chronic illness-related LIMitations of the Ability to cope with heat and rising Temperatures: a scoping review (“CLIMATE Evidence Study”)
Besonders bei Menschen mit chronischen Erkrankungen ist die Verringerung und Prävention von möglichen gesundheitlichen Problemen durch Hitze von großer Bedeutung. Ein wichtiges Setting für Interventionen zum Schutz vulnerabler Patientengruppen stellt die Primärversorgung da. Die CLIMATE-Evidence-Studie untersucht deshalb, welche Interventionen mit Beteiligung der Primärversorgung in der Literatur beschrieben und evaluiert wurden, um mögliche negative Folgen von Hitze bei Menschen mit chronischen Erkrankungen zu verhindern oder zu verringern. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, welche Arten von Interventionen einen Anschluss in der Primärversorgung finden könnten oder wo eventueller Bedarf in diesem Bereich besteht.
Chronical illness-related LIMitations in the Ability to cope with rising Temperatures: a qualitative study (“CLIMATE Exploration Study”)
Die „CLIMATE Exploration Study“ untersucht mit qualitativen Interviews und in Fokusgruppen, in welchem Maße ältere Patienten mit Multimorbidität sich bei Hitze in ihrer Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigt fühlen und in welchem Maße von ihnen Anpassungsstrategien zum Schutz vor Hitze umgesetzt werden. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit Hausärzte über den Einfluss von Hitze auf die Gesundheit ihrer Patienten informiert sind und inwiefern das Thema Hitze regelhaft in der hausärztlichen Versorgung zum Gegenstand gemacht wird. Die Ergebnisse der Studie könnten dabei helfen, mögliche Bedarfe in der Versorgung der Patienten aufzudecken und die Versorgung von Hitzefolgen zu verbessern.
Kürzlich abgeschlossene Projekte
Entwicklung eines Leitfadens zur klimasensiblen Gesundheitsberatung in der hausärztlichen Praxis (ELKGE)
Im Projekt ELKGE wurde ein praxisnaher Leitfaden zur klimasensiblen Gesundheitsberatung für die hausärztliche Praxis entwickelt und erprobt. Auf Basis von Literaturrecherche, Fokusgruppen und Evaluationen mit Hausärzt:innen entstand ein evidenzbasertes Werkzeug mit konkreten Beratungsbeispielen, Checklisten und Hintergrundwissen zu klimawandelbedingten Gesundheitsfolgen. Der Leitfaden unterstützt Hausärzt:innen dabei, Patient:innen kompetent und alltagsnah zu Präventions- und Beratungsanlässen im Kontext des Klimawandels zu begleiten.