08.07.2026        FORSCHUNG

Neues aus der Forschung

Neue Studie des UKE zeigt anhaltende Erfolge des Bergen 4-Day Treatment-Konzepts bei Zwangsstörungen | Unsicherheit und soziale Isolation zählen zu wichtigsten Risikofaktoren für psychische Belastungen in Krisenzeiten | Intensivmedizin: Erprobung eines neuen Therapieansatzes wird gefördert

Neue Studie des UKE zeigt anhaltende Erfolge des Bergen 4-Day Treatment-Konzepts bei Zwangsstörungen

Auch ein Jahr nach der Behandlung bleiben die Erfolge einer intensiven, viertätigen Psychotherapie bei Menschen mit Zwangsstörungen bestehen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftler:innen aus der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). In der Studie wurden die ersten 58 Erwachsenen untersucht, die in Deutschland nach dem sogenannten Bergen 4-Day Treatment (B4DT) behandelt worden sind – einer hochintensiven Form der Expositions- und Reaktionsmanagementtherapie, die innerhalb von vier aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt wird. Nach zwölf Monaten zeigten 78 Prozent der Patient:innen eine klinisch bedeutsame Verbesserung und mehr als die Hälfte war sogar weitgehend frei von Zwangssymptomen. Besonders bemerkenswert: Während des gesamten Nachbeobachtungszeitraums zeigte keine Person eine relevante Verschlechterung der Symptome. Die Ergebnisse haben die Forschenden im Fachmagazin PLOS ONE veröffentlicht.

Zwangsstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Das Bergen 4-Day Treatment gilt als vielversprechendes Therapiekonzept und wurde ursprünglich in Norwegen entwickelt. Es wird im UKE derzeit überwiegend im Rahmen wissenschaftlicher Studien angeboten.

Publikation: Jelinek L, Yassari AH, Pampuch S et al. Brief intervention, lasting impact: One-year outcomes of the Bergen 4-day treatment for OCD in Germany. PLOS ONE. 2026.

DOI: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0350615xt 3

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Lena Jelinek , Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Unsicherheit und soziale Isolation zählen zu wichtigsten Risikofaktoren für psychische Belastungen in Krisenzeiten

Mithilfe eines innovativen Verfahrens des maschinellen Lernens haben Wissenschaftler:innen der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam untersucht, welche Faktoren während der COVID-19-Pandemie besonders bedeutsam für Symptome einer Anpassungsstörung waren. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere empfundene Unsicherheit über Dauer und Risiken der Pandemie, ein schlechter Gesundheitszustand, soziale Isolation, Konflikte im häuslichen Umfeld und der Verlust von Alltagsstrukturen mit psychischen Belastungen in Krisenzeiten zusammenhingen. Grundlage der Studie waren Daten von 15.155 Erwachsenen aus elf Ländern. Insgesamt wurde die Bedeutsamkeit von 245 potenziellen Risiko- und Schutzfaktoren für Anpassungsstörungssymptome untersucht. Ihre Ergebnisse haben die Forschenden in der Fachzeitschrift Psychological Medicine veröffentlicht.

Publikation: Lotzin A et al. Determining the relative importance of risk and protective factors for adjustment disorder symptoms during the COVID-19 pandemic by mixed-effects random forests. Psychological Medicine. 2026.

DOI: https://doi.org/10.1017/S0033291726104048

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Annett Lotzin , Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Intensivmedizin: Erprobung eines neuen Therapieansatzes wird gefördert

Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) werden für eine klinische Studie mit intensivpflichtigen Patient:innen vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Im Rahmen einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten, doppelblinden, multizentrischen klinischen Studie werden intensivpflichtige Patient:innen, die über den Schockraum der Zentralen Notaufnahme stationär aufgenommen werden, für eine spezielle zielgerichtete Therapie ausgewählt. Dafür erfolgt zunächst eine Biomarkerbestimmung. Die Teilnehmenden erhalten zusätzlich zur Standardtherapie entweder den Antikörper Invobenitug oder ein Placebo.

„Mit dem Projekt wollen wir zeigen, dass eine biomarkerbasierte Präzisionsmedizin das Potenzial hat, die Behandlung kritisch kranker Patient:innen nachhaltig zu verändern“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Dr. Mahir Karakas, Klinik für Intensivmedizin des UKE. Die Studie wird vom BMFTR über zweieinhalb Jahre mit insgesamt 3,2 Millionen Euro gefördert, von denen 1,6 Millionen Euro direkt ans UKE gehen. Studienpartner ist ein Biotechnologieunternehmen. In die Studie werden 100 Patient:innen aufgenommen, Studienbeginn ist Ende 2026, mit ersten aussagekräftigen Ergebnissen rechnet Prof. Karakas 2029.

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Dr. Mahir Karakas , Klinik für Intensivmedizin


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