11.06.2026 FORSCHUNG
Neues aus der Forschung
EU-Projekt CURE-SHOCK erforscht Therapien bei lebensbedrohlichem Kreislaufschock | EU-Studie zur Wirksamkeit der Tabakentwöhnung in Albanien, Armenien, Georgien und Serbien | SGLT2-Hemmer schützt bei genetischem Risiko effektiv vor Herzschwäche | Studie BASS-Teams untersucht barrierefreie Versorgung für Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störung
EU-Projekt CURE-SHOCK erforscht Therapien bei lebensbedrohlichem Kreislaufschock
Ein internationales Konsortium aus Deutschland, Polen und der Ukraine untersucht unter Leitung der Klinik für Intensivmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) den neuartigen Antikörper „Invobenitug“ als gezielte Therapie bei septischem, Verbrennungs- und traumatischem Schock. Mithilfe eines schnellen Tests direkt am Krankenbett soll früh erkannt werden, wer erhöhte Werte des Enzyms DPP3 aufweist und daher besonders von einer Antikörper-Behandlung profitieren könnte. Das Enzym gilt als wichtiger molekularer Treiber beim Fortschreiten schwerer Schockzustände. „Invobenitug“ wiederum wurde entwickelt, um DPP3 im Blut gezielt zu neutralisieren. Untersucht wird, ob der Antikörper die Herz-Kreislauf-Funktion stabilisiert und so den Bedarf an kreislaufunterstützenden Maßnahmen reduziert und Organversagen verringert. Die EU fördert die internationale, klinische Studie CURE-SHOCK im Rahmen von Horizon Europe über vier Jahr mit insgesamt rund 7,9 Millionen Euro, davon gehen knapp 1,9 Millionen Euro direkt an das UKE.
Ein Kreislaufschock infolge schwerer Infektionen, großflächiger Verbrennungen, traumatischer Verletzungen oder chirurgischer Eingriffe zählt weiterhin zu den größten Herausforderungen in der Intensivmedizin. Trotz erheblicher Fortschritte in der medizinischen Versorgung verläuft die Erkrankung bei vielen Patient:innen schwer und ist mit einem hohen Sterberisiko verbunden.
Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Mahir Karakas , Klinik für Intensivmedizin
EU-Studie zur Wirksamkeit der Tabakentwöhnung in Albanien, Armenien, Georgien und Serbien
Weil in Georgien, Armenien, Serbien und Albanien viele Menschen rauchen und dadurch chronische Erkrankungen wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln, sind die dortigen Gesundheitssysteme stark belastet. Zugleich sind in diesen Ländern bewährte Raucherentwöhnungsangebote nicht systematisch in die routinemäßige Gesundheitsversorgung integriert. In der länderübergreifenden Studie ACTS wollen Wissenschaftler:innen den Erfolg, die Akzeptanz und die Umsetzung von Entwöhnungsprogrammen in diesen Ländern evaluieren, um diese dauerhaft in die medizinische Versorgung einzubinden. Die Federführung liegt dabei beim Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Es sollen konkrete Handlungshilfen wie ein praxisnaher Leitfaden für die Umsetzung sowie ein Maßnahmenpaket für politische Entscheidungsträger:innen entstehen. Diese Instrumente sollen dabei helfen, erfolgreiche Angebote langfristig in Georgien, Armenien, Serbien und Albanien einzuführen. Gefördert wird das Verbundprojekt „Accelerating Tobacco Cessation within Healthcare Systems of European LMICs: A Multi-Country Implementation-Effectiveness Trial“ von der EU über das Innovationsprogramm Horizon Europe für fünf Jahre mit insgesamt 4,7 Millionen Euro; davon geht rund eine Million Euro ans UKE.
Kontakt für Rückfragen: Dr. Marcus Martens, Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie ( ma.martens@uke.de )
SGLT2-Hemmer schützt bei genetischem Risiko effektiv vor Herzschwäche
Genetische Tests können Menschen mit einem erhöhten Risiko für erbliche Herzmuskelerkrankungen identifizieren. Eine internationale Studie unter Leitung von Forschenden der Klinik für Kardiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt nun, dass diese genetischen Informationen konkrete therapeutische Konsequenzen haben können. Die Studie, die im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde, zeigt, dass das Diabetes-Medikament „Dapagliflozin“ das Risiko für eine herzinsuffizienzbedingte Krankenhauseinweisung vor allem bei Träger von Kardiomyopathie-Genen drastisch reduziert. In der Placebo-Gruppe mussten innerhalb von gut vier Jahren 16 Prozent der Variantenträger wegen Herzschwäche stationär behandelt werden, im Gegensatz zu nur 3,5 Prozent der Nichtträger. Das Risiko war bei genetischer Vorbelastung somit mehr als achtfach erhöht. Die Behandlung mit „Dapagliflozin“ senkte dieses Risiko bei den Kardiomyopathie-Genträger:innen um 82 Prozent. „Dapagliflozin“, ein SGLT2-Hemmer, wird bereits erfolgreich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Herzinsuffizienz eingesetzt. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für eine personalisierte Präzisionsmedizin.
Publikation: Marston, N A, Kany, S, Melloni, G E M et al. Effects of SGLT2 inhibition on incident heart failure in carriers of cardiomyopathy-associated genetic variants. Nature Medicine. 2026.
DOI: https://doi.org/10.1038/s41591-026-04439-x
Kontakt für Rückfragen: Dr. Shinwan Kany , Klinik für Kardiologie
Studie BASS-Teams untersucht barrierefreie Versorgung für Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störung
Im Forschungsprojekt „BASS-Teams“ möchten Wissenschaftler:innen unter der Leitung des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in drei Modellregionen in Deutschland (Hamburg, Köln, München) ein barrierefreies Behandlungsmodell für Erwachsene im Autismus-Spektrum (ohne kognitive Beeinträchtigungen) implementieren und evaluieren. Die Abkürzung BASS steht dabei für den Forschungsschwerpunkt Barrierefreiheit für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung. Die Forschenden untersuchen, ob das BASS-Teams-Behandlungsmodell eine Verbesserung im Vergleich zur aktuellen Versorgung darstellt und somit Potential hat, perspektivisch in die Routineversorgung übertragen zu werden. Ziel ist es, aktuell bestehende Barrieren für autistische Personen abzubauen und dadurch die Anbindung an benötigte Versorgungangebote in den Bereichen Psychotherapie und Psychiatrie, Allgemeinmedizin, Teilhabe, Peer-Support und Selbsthilfe zu fördern. Das BASS-Teams-Behandlungsmodell ist auf die besonderen Bedürfnisse autistischer Personen zugeschnitten und beachtet einen erleichterten Zugang, zum Beispiel durch gleichbleibende Ansprechpersonen, angepasste Raumgestaltung und Kommunikation. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss fördert das Projekt über dreieinhalb Jahre mit insgesamt rund 5,3 Millionen Euro, von denen 2,4 Millionen Euro direkt an das UKE gehen.
Kontakt für Rückfragen: Dr. Judith Peth , Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie
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