„Patient im Mittelpunkt“

Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu verbessern – das ist Ziel der Versorgungsforschung. Das UKE ist auf diesem Gebiet seit vielen Jahren sehr aktiv und ausgesprochen erfolgreich, wie Prof. Dr. Burkhard Göke und Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus betonen.

Im Interview Wissen und Forschen 2019
Prof. Dr. Burkhard Göke

Was beinhaltet Versorgungsforschung und was bringt sie heutigen und künftigen Patienten?

Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied:
Sie verfolgt den Weg der Patientinnen und Patienten durch die verschiedenen Teilsysteme des Gesundheitswesens. Bei der stationären Versorgung
etwa beinhaltet Versorgungsforschung Vorbereitung, Aufnahme, Aufenthalt, Entlassung und Nachsorge. Versorgungsforschung sucht sich auf dieser Wegstrecke Fragen, die die Strukturen, Prozesse und Ergebnisse betreffen. Dabei werden Stärken und Schwächen der Versorgung analysiert; die Schwächen bestenfalls als Ansatzpunkte für eine Optimierung genutzt.

Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und UKE-Vorstandsvorsitzender:
Mehr Gesundheit, mehr Wohlbefinden, das Vermeiden von Erkrankungen – das sind die großen Anliegen der Medizin. In naher Zukunft wird mehr Medizin erforderlich sein für älter werdende Menschen, wir werden mehr komplex erkrankte Patienten haben, denen wir mehr Angebote für Diagnostik und Therapie machen können. Im heutigen Gesundheitssystem geht es um die Frage, ob sich das, was wir tun, am Ende auch lohnt. Versorgungsforschung ist ein wichtiges Werkzeug,
dabei zu helfen, den großen Einsatz der Ressourcen zu rechtfertigen.

Es geht aber nicht nur darum, Geld zu sparen?

Koch-Gromus: Es geht um die Optimierung der Prozesse – auch unter Kostengesichtspunkten.
Göke: Die Frage ist, für wen sich der Einsatz der Ressourcen lohnen soll. Für die, die damit in erster Linie einen signifikanten Gewinn erwirtschaften wollen? Wir hier im akademischen Bereich stellen eine andere Frage: Lohnt sich der Ressourceneinsatz für den Patienten und seine Gesundheit? Bei uns steht der Patient im Mittelpunkt, nicht der Shareholder Value.

Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus
Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus

Versorgungsforschung zählt zu den Forschungsschwerpunkten im UKE. In welchen Bereichen sind die Wissenschaftler besonders engagiert?

Koch-Gromus: In den letzten 20 Jahren haben wir die Voraussetzungen für eine breit aufgestellte Versorgungsforschung im UKE geschaffen; dazu gehört eine Struktur mit 12 bis 15 Professuren unterschiedlicher Disziplinen und eine Vernetzung aller Beteiligten. Schwerpunkte sind die Versorgung von Kindern, von chronisch kranken sowie von psychisch erkrankten Menschen.

Die UKE-Experten kooperieren mit Universitäten und Institutionen wie Krankenkassen und Patientenorganisationen. Welche Vorteile hat das?

Göke: Wir verfolgen seit Jahren intensiv den Gedanken der Vernetzung. Vernetzung heißt nicht nur, dass Patienten zugewiesen oder verlegt werden. Vernetzte Versorgungsforschung ermöglicht langfristig eine bessere Patientenversorgung – und auch, dass sich gute Qualität und gute Prozesse ökonomisch gut abbilden lassen.
Koch-Gromus: Wenn man ein Thema perspektivenreich darstellen will, muss man sich breit aufstellen und Kooperationen eingehen. Jede erfolgreiche Kooperation stärkt die Forschung.

Im Innovationsfonds des Bundes ist das UKE überaus erfolgreich. Eine logische Konsequenz?

Göke: Wir wollen stetig Neues entwickeln und einführen. Deshalb engagieren wir uns beim Innovationsfonds und haben bereits Projekte im deutlich zweistelligen Millionenbereich eingeworben. Diese führen langfristig nicht nur zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgung im UKE, sondern auch in der Region und im ganzen Land. Darauf sind wir sehr stolz.

Ein Ausblick: Welche Bedeutung wird die Versorgungsforschung für die Bereiche Wissen, Forschen und Heilen im UKE langfristig haben?

Koch-Gromus: Im Modellstudiengang iMED bekommen Studierende genaue Einblicke, wie Versorgungsforschung in Deutschland funktioniert. Das entwickeln wir permanent weiter. Für die Klinik bedeutet Versorgungsforschung, immer wieder zu prüfen, was für uns direkt anwendbar ist, um die Behandlung unserer Patienten zu verbessern und Prozesse zu optimieren. In der Forschung wollen wir den theoretischen Unterbau stärken, um weitere DFG-Verbundforschungsprojekte zu beantragen.
Göke: Wir haben den Zukunftsplan 2050 fürs UKE entwickelt. Der beinhaltet nicht nur, alte Gebäude durch neue zu ersetzen. Mit dem Zukunftsplan sind ganz erhebliche Bemühungen verbunden, eine konzeptionelle Fort- und Weiterentwicklung der Medizin abzubilden, die stark auf den Ergebnissen von Versorgungsforschung fußt.

Interview: Uwe Groenewold
Foto: Ronald Frommann
Illustrationen: Sina Hofmann