AG Interdisziplinäre Todesursachenforschung

Die Arbeitsgruppe Interdisziplinäre Todesursachenforschung am Institut für Rechtsmedizin des UKE befasst sich mit der systematischen Untersuchung von Todesursachen an der Schnittstelle von Rechtsmedizin, (Neuro-) Pathologie, Infektiologie, Epidemiologie und Public Health. Ziel der AG ist es, belastbare Grundlagen für eine verbesserte Todesursachenerfassung, Versorgungsqualität und Prävention zu schaffen.

Ein zentraler Tätigkeitsbereich der AG ist die wissenschaftliche und organisatorische Betreuung der Methodenplattform des Nationalen Obduktionsnetzwerks (NATON) . Dabei stehen die Harmonisierung von Obduktionsstandards, die Qualitätssicherung postmortaler Untersuchungen sowie die Stärkung der Obduktionsinfrastruktur in Deutschland im Vordergrund.

Ein Arbeitsschwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung Verstorbener, die mit hochinfektiösen Erregern infiziert sind. Die Arbeitsgruppe entwickelt, erprobt und evaluiert sichere und praktikable Konzepte für den Umgang mit infektiösen Verstorbenen sowie für die Durchführung von Obduktionen und Gewebeentnahmen unter besonderen biosicherheitsrelevanten Bedingungen. In diesem Zusammenhang betreut sie ein internationales Kooperationsprojekt zur minimalinvasiven Gewebeentnahme bei Verstorbenen mit Lassa-Fieber-Infektion in Nigeria . Das Projekt wird gemeinsam mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und dem Irrua Specialist Teaching Hospital durchgeführt und dient der Verbesserung der postmortalen Diagnostik, Surveillance und wissenschaftlichen Datengrundlage bei hochinfektiösen Erkrankungen.

Ein weiterer Fokus der Arbeitsgruppe ist die multidisziplinäre und systematische Untersuchung von Todesfällen bei Kindern. Hierzu wird eine Pilotstudie zur Einführung eines Child-Death-Review-Verfahrens in Deutschland vorbereitet. Ziel ist es, pädiatrische Todesumstände und -ursachen strukturiert zu analysieren, potenziell vermeidbare Faktoren zu identifizieren und eine evidenzbasierte Grundlage für zukünftige Präventionsmaßnahmen und gesundheitspolitische Entscheidungen zu schaffen.

Durch ihre interdisziplinäre Ausrichtung, methodische Expertise sowie enge nationale und internationale Vernetzung leistet die AG Interdisziplinäre Todesursachenforschung einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der rechtsmedizinischen Forschung sowie zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheitsvorsorge.

Ansprechpartnerin:
Dr. rer. nat. Kristina Allgoewer-Martin, MPH

Leitung der AG Interdisziplinäre Todesursachenforschung
k.allgoewer-martin@uke.de
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