Barrieren
Barrieren

Identifikation von Barrieren und Schwierigkeiten bei der Diagnose somatoformer Störungen in der Hausarztpraxis

Martin Scherer, Nadine Pohontsch, Thomas Zimmermann, Astrid Althaus, Marco Lehmann, Christina Heinbokel, Bernd Löwe

Hintergründe und Ziele

Im Setting der hausärztlichen Versorgung beträgt die Prävalenz der somatoformen Störung um die 20%. Die Mehrheit aller PatientInnen mit somatoformen Störungen sucht zunächst ihre Hausärztin auf und wird im Verlauf der Erkrankung von ihr weiterbehandelt. In der Literatur finden sich Hinweise darauf, dass im hausärztlichen Setting die Erkennung und Diagnose und somit auch die weitere Behandlung der somatoformen Störung Schwierigkeiten bereitet. Dies kann negative Folgen (z. B. verzögerte Behandlung oder iatrogene Schädigungen) für die betroffenen PatientInnen nach sich ziehen. Gemäß der interdisziplinären S3-Leitlinie „Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden“ (051/001) der AWMF gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse zum diagnostischen Prozess sowie über Barrieren oder Faktoren, die eine leitliniengerechte Diagnosestellung erschweren.

Ziel dieses interdisziplinären Projekts, das gemeinsam mit dem Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am UKE durchgeführt wird, ist es Barrieren zu identifizieren, die eine leitliniengerechte Diagnosestellung erschweren. Das Ausmaß dieser Barrieren soll mittels Survey quantifiziert werden. Daraus entwickeln wir Handlungsempfehlungen, um die Barrieren zu überwinden.

Design und Methodik

Zunächst sollen 4 Fokusgruppen mit HausärztInnen zu diesen Themen durchgeführt werden. Die Fokusgruppen werden inhaltsanalytisch ausgewertet und dienen als Basis für die Erstellung der Interviewleitfäden für die folgenden Interviews. Auf die Erkenntnisse aufbauend sollen 15 Patient-Behandler-Dyaden mithilfe semistrukturierter Leitfäden interviewt werden. Im Anschluss an die qualitative Inhaltsanalyse des so erhobenen Datenmaterials soll ein Online-Survey zur deutschlandweiten Befragung von HausärztInnen entwickelt und durchgeführt werden.

Erwartete Ergebnisse

Im ersten Schritt sollen insbesondere Barrieren und hinderliche Faktoren identifiziert werden, die es dem Hausarzt erschweren, evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnose somatoformer Störungen umzusetzen. In einem zweiten Schritt soll die wahrgenommene Relevanz der beschriebenen Barrieren und die Akzeptanz für sogenannte „maßgeschneiderte Interventionen“ geprüft werden. Schlussendlich sollen - die Ergebnisse von Schritt I) und II) berücksichtigend - Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen zur Überwindung der identifizierten Barrieren und der Verbesserung der Erkennung und Diagnose von somatoformen Störungen entwickelt werden.

Geplante Ergebnisverwertung

Im Rahmen der Studie entstehen jeweils eine wissenschaftliche Publikationen zum Studienprotokoll und zu den Ergebnissen der Fokusgruppen, der dyadischen Interviews und des Surveys.

Förderer: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: November 2015 bis April 2017

Partner: Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, UKE

Kontakt: Nadine Pohontsch , Thomas Zimmermann