Infostände, Vorträge, Podiumsdiskussion und Meet the Expert - „Messe-Feeling“ am Hamburger Transplantationszentrum

Patientenseminar sorgte mit vielfältigem Programm für „volles Haus“

Kein gewöhnliches Patientenseminar, sondern eher eine „Transplantationsmesse“ – diesen Eindruck konnte man am 2.9.2026 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gewinnen. Unter dem Titel „Update Transplantation: Aktuelle Perspektiven für Patient:innen“ lockte ein buntes Programm, das neben den klassischen Vorträgen u.a. auch mit Infoständen von Selbsthilfegruppen, einer spannenden Podiumsdiskussion zur Organspende und einem „Meet the Expert“ aufwartete.

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"Uni-Atmosphäre" - Das Seminar im großen Hörsaal

Das Hamburger Transplantationszentrum veranstaltet zweimal im Jahr in Zusammenarbeit mit seinem Patientenbeirat Seminare für Jedermann, in denen es um wichtige Themen rund um die Transplantation geht. So waren am 2.9.2026 rund 120 Transplantierte, Wartelistenpatient:innen, Angehörige und Interessierte der Einladung des Universitären Transplantations Centrums (UTC) am UKE zum Patientenseminar „Update Transplantation“ gefolgt.

Nachdem es in einem ersten Seminarteil um aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Lebendspende und Gewebemerkmale ging, beleuchteten weitere Vorträge die Einflussfaktoren der Wartezeit auf ein Organ. Warum warten manche Patient:innen länger als andere auf ein Organangebot? – Dieses oft zu Missverständnissen und Irritationen führende Phänomen beantworteten die Referentinnen fachkundig und konnten durch die Schilderung der Prozesse und Strukturen der Organverteilung im Eurotransplant-Raum viele drängende Publikumsfragen beantworten.

Grahammer Grau
Prof. Grahammer im Gespräch mit Cornelius Grau

"Mut zum Leben"

Traditionell nehmen Stimmen von Betroffenen in den Hamburger Seminaren einen großen Raum ein. Dies wurde u.a. durch ein Patientengespräch deutlich, das der Direktor des Hamburger Transplantationszentrums Prof. Dr. Florian Grahammer auf der Bühne mit Cornelius Grau führte. Der Hamburger ist zweifach nierentransplantiert und berichtete in launigen und mit viel Applaus bedachten Ausführungen unter dem Titel „Mut zum Leben“ über seine Krankheit und seine Transplantationen. So sei besonders der Verlust des ersten Transplantats -eine Lebendspende seiner Frau- ein „Schock“ für ihn gewesen. Die Vorstellung, dass nach der ersten Transplantation alles geschafft sei, erwies sich als falsch. Doch gerade in schwierigen Zeiten sei es wichtig gewesen, sich immer wieder zu vergewissern, was man noch alles im Leben erreichen wolle und dies auch umzusetzen. Denn: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, so Cornelius Grau. Besonderen Stellenwert nahm für ihn der Sport ein und so riet er den anwesenden Teilnehmer:innen: „Bringen Sie ihren Kreislauf in Wallung!“ Und schloss seine Ausführungen augenzwinkernd: „Tun Sie auch mal was Verrücktes.“

Austausch und Beratungsangebote

Zwischen den Beiträgen lud eine ausgedehnte Kaffeepause nicht nur zur Stärkung, sondern auch zu Austausch, Vernetzung und Information ein. Die Infostände von Selbsthilfeorganisationen wie BDO, Nierenselbsthilfe oder PKD Familiäre Zystennieren e.V. wurden ergänzt von einem Beratungsstand der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover zum Thema Lebendspende, so dass ausreichend Gelegenheit bestand, an den Ständen ins Gespräch zu kommen und sich über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren.

Außerdem standen die Expert:innen des Hamburger Transplantationszentrums an speziellen organspezifischen Stehtischen für ein „Meet the Expert“ zur Verfügung. Im direkten Austausch konnten so wiederum viele individuelle Fragen niedrigschwellig und unmittelbar beantwortet werden – ein äußerst wertvolles und schnelles Instrument der Patient:inneninformation, das gern genutzt wurde.

Podiumsdiskussion
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Organspende in Deutschland - Licht am Ende des Tunnels?

Endlich Aufbruch? – Podiumsdiskussion zur Organspende

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob in die Diskussion um die Organspende in Deutschland in den letzten Monaten Bewegung gekommen sei: Ein neuer Anlauf zur Einführung der Widerspruchslösung hat das Parlament erreicht, das Organspende-Register hat seine Arbeit aufgenommen und eine Reform der Nierenlebendspende ist verabschiedet. Doch bedeutet dies für die Organspendesituation in Deutschland bereits Licht am Ende des Tunnels? Könnte man von einem Ende des Reformstaus, vielleicht sogar von einem hoffnungsvollen „Aufbruch“ sprechen?

Mit PD Dr. Matthias Kaufmann (Geschäftsführender Arzt der DSO-Region Nord), Dr. Gerold Söffker (Hauptverantwortlicher Transplantationsbeauftragter des UKE), Stefan Mroncz (Bereichsleiter Organspende beim Bundesverband Niere und selber nierentransplantiert) und Ulrike Bergmann (evangelische Theologin und selber nierentransplantiert) spürten vier Expert:innen diesen Fragen in der abschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Prof. Dr. Florian Grahammer nach.

Trotz aller hoffnungsvollen Ansätze: Schnell wurde in der Diskussion deutlich, dass Organspende in Deutschland immer noch „Mangelverwaltung“ ist. Während andere europäische Länder teilweise Spendequoten hätten, die 2 bis 5 mal so hoch sind wie in Deutschland, fehle bei uns immer noch der „Gamechanger“. Doch kann die Widerspruchslösung ein solcher Gamechanger sein? Die Diskutanten waren sich einig, dass die Widerspruchslösung ein sehr wichtiger Baustein ist, der aber durch andere Maßnahmen flankiert werden müsse, wenn man eine wirklich grundlegende Reform wolle. Der Blick auf die europäischen Nachbarn wie zum Beispiel die Niederlande zeige, welche große Rolle die Spende nach Kreislauf-Tod (DCD) mittlerweile spiele – ein Verfahren, das in Deutschland aktuell gesetzlich ausgeschlossen ist. Das in Deutschland gängige Hirntod-Kriterium habe jedoch den Nachteil, so Dr. Söffker als Transplantionsbeauftragter, dass es als ein „technisches Konzept“ von den Menschen gerade in Ausnahmesituationen auf den Intensivstationen schwer nachzuvollziehen sei. Sei dann vor einem Notfall von den Betroffenen keine Entscheidung pro oder kontra Organspende kommuniziert worden, würden die Angehörigen in ihrer nachvollziehbaren Unsicherheit oft die Zustimmung zu einer Organspende verweigern.

Das Thema Organspende berühre grundlegende menschliche Fragen von Leben und Tod, so Ulrike Bergmann. Aus ihrer Erfahrung als Seelsorgerin berichtete sie von der allzu menschlichen Tendenz, Schweres partiell auszublenden. Und die Beschäftigung mit dem eigenen Tod ist immer schwer und eine Herausforderung, so die Theologin.

Alle waren sich einig, dass es eine verbesserte Aufklärung geben müsse, was Organspende wirklich bedeute und wie wichtig eine kommunizierte Entscheidung innerhalb der Familie ist.

PD Dr. Kaufmann wies abschließend noch darauf hin, dass alle gesetzgeberischen Aktivitäten verpuffen würden, wenn es keine gesellschaftliche Solidarität gebe. Es brauche eine positive „Kultur der Organspende“ in Deutschland als Voraussetzung staatlicher Aktivitäten.

Podiumsdiskussion
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Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion

Zwang zur Entscheidung?

Doch dürfe man die Menschen auch zu einer Meinungsäußerung gesetzlich anhalten, so wie es die Widerspruchslösung beinhalten würde? Hier gab es Nuancen im Meinungsbild. Während auf der einen Seite darauf hingewiesen wurde, dass „Zwang“ auch zu Widerständen führen könne, wurde auf der anderen Seite betont, dass das Fällen einer persönlichen Entscheidung -zumal zur Entlastung von Angehörigen im Notfall- doch keine besondere Herausforderung darstelle. Dr. Söffker brachte es auf den Punkt: „Die Widerspruchslösung ist nicht unzumutbar!“ Gewisse Sorgen brachten Diskutanten wie Publikum in Bezug auf das aktuell in Abstimmung befindliche sog. „GKV-Spargesetz“ zum Ausdruck. Gerade für das Klientel der chronisch Kranken wie die Transplantierten könnten sich hier noch einige Fallstricke verstecken. Stefan Mroncz berichtete hierzu vom Stand der Berliner Gespräche, auf die er als Sachkundiger Experte und Patientenvertreter teilweise Einfluss nimmt. Es sei unerfreulich, dass zum Beispiel die Vergütung der hausärztlichen Beratung zur Organspende gestrichen werden wird und wahrscheinlich auch die Medikamentenkosten steigen werden. Eine Kürzung bei der allgemeinen Aufklärung zur Organspende sei ggf. ebenfalls zu erwarten, auch wenn man die volle Breite der geplanten Veränderungen aktuell noch nicht überblicken könne.

„Es geht um Menschenleben!“

Egal ob Widerspruchslösung, Organspende-Register oder Spende nach Herz-Kreislauf-Tod: Eine grundlegende Verbesserung der Organspendesituation in Deutschland sei kurzfristig nicht zu erwarten, darin waren sich die Anwesenden einig. So wichtig und richtig diese Instrumente auch sind, so deutlich ist auch, dass eine Lösung „von heute auf morgen“ unrealistisch ist. Die Maßnahmen der letzten Jahre hätten auch in den umständlichen Gesetzgebungsverfahren gezeigt, dass es einen langen Atem brauche. Zeit, die Betroffene oft nicht haben. „Warum dauert das so lange, es geht um Menschenleben!?“, fasst Patientenvertreter Mroncz das Unverständnis so Vieler zusammen.

Insgesamt braucht es also trotz vieler guter Ansätze und leicht steigender Organspendezahlen in den letzten Jahren noch viel Aufklärung und viele Gespräche – und vor allem eine grundlegende gesellschaftliche Diskussion: Wie wollen wir als Gesellschaft eigentlich miteinander umgehen?