14.10.2026 FORSCHUNG
Ebola-Impfstoff löst beim Menschen eine T-Zell-Immunantwort auch gegen das Bundibugyo-Virus aus
Studie in The Lancet Infectious Diseases
Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben weitere Hinweise auf eine mögliche Immunogenität des vorhandenen Ebola-Impfstoffs gegen das derzeit in der Demokratischen Republik Kongo grassierende Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV) gefunden. In einer im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases veröffentlichten Studie konnten sie zeigen, dass eine einmalige Impfung mit dem bereits zugelassenen VSV-EBOV-Impfstoff T-Zell-Immunantworten gegen das BDBV auslösen kann. Der derzeitige BDBV-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist mit mehr als 6.000 bestätigten Fällen und einer Sterblichkeitsrate von 48 Prozent der zweitgrößte Ebolavirus-Ausbruch weltweit. Derzeit ist kein zugelassener BDBV-Impfstoff verfügbar.
Das Forschungsteam des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) unter der Leitung von Dr. Leonie Mayer und Prof. Dr. Marylyn Addo vom Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung des UKE sowie von Prof. Dr. Christof Geldmacher und Dr. Rolanda Londt vom Institut für Infektions- und Tropenmedizin am LMU Klinikum München analysierte und kartierte die T-Zell-Reaktionen gegen das Ebola-Virus (EBOV), das Bundibugyo-Virus (BDBV) und das Sudan-Virus (SUDV) bei 20 mit VSV-EBOV geimpften Personen.
Die Wissenschaftler:innen konnten damit zeigen, dass eine einmalige Impfung mit dem verfügbaren, zugelassenen EBOV-Impfstoff eine Kreuzreaktivität der T-Zellen gegen BDBV und – in geringerem Maße – gegen SUDV auslösen kann. Ob diese T-Zellen zu besseren klinischen Verläufen bei einer Infektion mit BDBV beitragen können, ist zwar noch nicht bekannt, doch deuten zurückliegende präklinische Studien an nichtmenschlichen Primaten darauf hin, dass T-Zell-Reaktionen für einen durch den Impfstoff vermittelten Schutz erforderlich sind. Grundsätzlich tragen T-Zell-Reaktionen bei verschiedenen Virustypen zur Viruskontrolle und zum Schutz vor schweren Erkrankungen bei.
„Unsere Ergebnisse liefern den ersten Nachweis dafür, dass die VSV-EBOV-Impfung gegen das Ebola-Virus BDBV-kreuzreaktive T-Zell-Reaktionen auslöst“, sagt Prof. Geldmacher vom LMU Klinikum München. „Zwar weist die Studie aufgrund der geringen Stichprobengröße Einschränkungen auf, doch da es keinen BDBV-spezifischen Impfstoff gibt, spricht die Studie dafür, den EBOV-Impfstoff im Rahmen weiterer klinischer Studien während des aktuellen BDBV-Ausbruchs systematisch zu evaluieren.“
Durchführung der Studie
„Mithilfe von Multiplen Sequence Alignments – dem parallelen Vergleich mehrerer Aminosäuresequenzen – haben wir mehrere Sequenzen identifiziert, die zwischen den Glykoproteinen von EBOV, BDBV und SUDV hochkonserviert sind, und diese Regionen auf Reaktionen mit dem Immunsystem der Geimpften getestet“, sagt Erstautorin Mayer aus dem UKE. Anschließend untersuchten die Forschenden 28 Tage nach der VSV-EBOV-Impfung die kreuzreaktiven T-Zell-Reaktionen bei 20 geimpften Personen. Von diesen Geimpften wiesen 16 am 28. Tag nach der Impfung EBOV-Glykoprotein-spezifische T-Zell-Reaktionen auf, 13 zeigten BDBV-Glykoprotein-reaktive T-Zell-Reaktionen und sieben SUDV-Glykoprotein-reaktive T-Zell-Reaktionen. Die meisten Geimpften mit einer positiven EBOV-Glykoprotein-Reaktion wiesen auch BDBV-reaktive T-Zellen auf.
Die Studie wurde vom DZIF, dem European Vaccines Hub for Pandemic Readiness (EVH) und vom UKE koordinierten DFG-Sonderforschungsbereich 1648 „Neu auftretende Viren: Pathogenese, Struktur und Immunität” unterstützt.
Publikation: Leonie Mayer, Rolanda Londt, Eva Gruener, My Linh Ly, Marylyn M. Addo and Christof Geldmacher. Cross-reactive T-cell responses against BDBV in humans after rVSVΔG-ZEBOV-GP vaccination. The Lancet Infectious Diseases. 2026.
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