„Wir behandeln Enddarmkrebs interdisziplinär: Im Tumorboard entscheiden Radiolog:innen, Patholog:innen, Strahlentherapeut:innen, Onkolog:innen und Chirurg:innen gemeinsam über die beste individuelle Behandlungsstrategie. Viele Enddarmkrebsoperationen führen wir heutzutage robotisch durch, was eine minimal invasive, schonende und zugleich präzise OP-Technik darstellt.“
Prof. Dr. Thilo Hackert, Direktor Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie
Prof. Dr. Thilo Hackert
Enddarmkrebs: Neueste Entwicklungen
Darm- und Enddarmkrebs zählen geschlechterunabhängig zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Etwa 30 von 100.000 Einwohner:innen erkranken jährlich neu daran. Welche Möglichkeiten der Therapie es gibt, erläutert Prof. Dr. Thilo Hackert, Direktor Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie.
Prof. Dr. Hackert: „Enddarmkrebs ist eine bösartige Wucherung der Darmschleimhaut im Bereich des Enddarms. Vom herkömmlichen Darmkrebs unterscheidet er sich durch seine besondere Lokalisation in den letzten rund 16 Zentimetern des Darms vor dem Schließmuskel. Damit ist der Enddarmkrebs manchmal eine Herausforderung, weil die Operationsstrategie davon abhängt, ob der Schließmuskel betroffen ist oder nicht.
Bei den allermeisten Patient:innen können wir heutzutage so operieren, dass der Schließmuskel erhalten bleibt. Dabei gelingt es uns, den verbliebenen Dickdarm im Bereich des Schließmuskels oder knapp oberhalb anzuschließen. Ist der Schließmuskel betroffen, muss dieser gegen einen künstlichen Darmausgang ersetzt werden.
Eine Enddarmkrebsoperation dauert in der Regel bis zu vier Stunden. Dabei entfernen wir das vom Tumor betroffene Stück Darm einschließlich des Weichgewebes drum herum. Nur wenn der Abstand zum Schließmuskel sehr knapp ist, machen wir zusätzlich eine so genannte Schnellschnittuntersuchung des umliegenden Gewebes, um sicherzugehen, die Tumorzellen vollständig operiert zu haben.
Im Anschluss an die OP erholen sich die Patient:innen bis zu zehn Tage lang stationär in der Klinik, bevor sie nach Hause oder falls nötig in eine anschließende Reha-Behandlung entlassen werden. In manchen Fällen sind ergänzend zur OP eine Chemotherapie oder andere onkologische Therapien erforderlich – in diesem Fall dauert die gesamte Behandlung dann etwa ein halbes Jahr. Ansonsten sind die Patient:innen meist zwei Wochen nach der OP wieder fit und können normal am alltäglichen Leben teilnehmen.
Wegen der verbesserten flächendeckenden Vorsorgeuntersuchungen und den fortgeschrittenen Behandlungsmöglichkeiten haben sich die Überlebenschancen in den vergangenen Jahren maßgeblich verbessert. Die größten Risikofaktoren für Enddarmkrebs bleiben wie bei anderen Krebsarten auch vor allem der Lebensstil und erbliche Faktoren.“