Fragen und Antworten:
Mein Kurs durch die Lebendspende:
Die Nierenlebendspende
Liebe Patient:innen und Angehörige,
auf dieser Seite haben wir für Sie die wichtigsten "Häufig gestellten Fragen" zum Thema Nierenlebendspende zusammengestellt.
Wichtig: Diese Rubrik richtet sich vor allem an (potentielle) SPENDER:INNEN.
Möchten Sie sich zum Thema aus der Perspektive der EMPFÄNGER:INNEN einer Niere informieren, so finden Sie die für Sie wichtigen Informationen im Patientenkompass "
Mein Kurs durch die Nierentransplantation
".
Um Ihnen die Orientierung in den "Häufig gestellten Fragen" zu erleichtern, sind die Fragen grob in idealtypische Etappen geordnet. Je nachdem wo Sie sich im Prozess der Lebendspende befinden, können Sie unten in den "FAQs" gezielt die für Sie relevanten Fragen ansteuern.
Ihr Kurs teilt sich in vier aufeinander folgende Etappen:
1.Etappe: Was ist eine Lebendspende und wann kommt sie in Frage?
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1.1) Was ist eine Nierenlebendspende?
Was ist eine Nierenlebendspende?
Die Niere ist das am häufigsten für eine Transplantation benötigte Organ. In Deutschland stehen rund 6500 Menschen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Im Jahr 2024 wurden 2.075 Nieren transplantiert, ca. 30 % davon im Rahmen einer Lebendspende.
Bei einer Nierenlebendspende spendet eine Person eine ihrer beiden Nieren an jemanden, der auf eine Nierentransplantation angewiesen ist. Die im Körper des Spenders verbleibende Niere kann daraufhin einen Teil der Funktion der gespendeten Niere „zusätzlich“ übernehmen, so dass ein Verlust der Nierenfunktion zu einem erheblichen Teil kompensiert wird.
Lebendspenden können angesichts des allgemeinen Mangels an Spenderorganen und langen Wartezeiten auf ein solches Organ eine gute Option sein, erkrankten Patient:innen zu helfen. Gleichwohl steht der Schutz der Spendenden vor möglichen gesundheitlichen Nachteilen stets im Vordergrund und ist auch im juristischen Sinne oberstes Gebot.
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1.2) Wer kommt als Nierenlebendspender:in in Frage?
Wer kommt als Nierenlebendspender:in in Frage?
Die Lebendspende einer Niere basiert auf den Prinzipien der Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit.
Sie ist in Deutschland momentan nur zwischen Verwandten und Personen möglich, die emotional eng verbunden sind.
Im Rahmen der aktuellen gesetzlichen Neuregelung der Nierenlebendspende werden in Deutschland zukünftig aber auch sog. „nicht gerichtete“ Nierenspenden und "Überkreuzlebendspenden" möglich sein. (Sehen Sie hierzu auch Frage 1.7) Zum jetzigen Zeitpunkt aber ist eine enge persönliche Beziehung zwischen Spender:in und Empfänger:in noch eine Vorbedingung, familiäre Verwandtschaft aber nicht.
Eine weitere Voraussetzung für eine Lebendspende ist neben der Volljährigkeit des Spenders/der Spenderin die Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit der Spende.
Vor der Spende prüfen Gutachter:innen aus medizinischer, psychologischer und rechtlicher Perspektive, ob:
- die spendende Person gesundheitlich geeignet ist.
- keine langfristigen gesundheitlichen Folgen oder Einschränkungen durch die Operation zu erwarten sind.
- das Transplantationsverfahren für den Empfänger erfolgversprechend ist.
Generell muss der:die Spender:in gesund genug sein, um die Operation und die zukünftige Einnierigkeit gut zu überstehen. Das bedeutet, dass die verbleibende Niere nach der Spende noch genug Funktion hat, um den Körper ausreichend zu versorgen. Die Niere des Spendenden sollte zudem mit dem:der Empfänger:in biologisch kompatibel sein, insbesondere in Bezug auf die Gewebeverträglichkeit. Blutgruppenunverträglichkeiten stellen heutzutage meistens keinen Hinderungsgrund mehr dar. Grundsätzlich raten wir, dass Frauen vor der Spende einer ihrer Nieren ihre Familienplanung abgeschlossen haben sollten (siehe hierzu auch Frage 4.4.).
Eine wichtige Voraussetzung zur Prüfung, ob eine Person potentiell für eine Lebendspende geeignet ist, ist die Freiwilligkeit der Spende und das Bewusstsein möglicher Risiken. Die spendende Person muss die Risiken der Operation und des Lebens mit einer Niere nachweislich verstanden haben und hierzu vollständig zustimmen. Daher gehört zur seriösen Prüfung auch ein ausführliches psychologisches Gespräch, um sicherzustellen, dass die Entscheidung zur Spende wohlüberlegt ist.
Wichtig zu wissen:
Eine Lebendspende ist nicht für jeden möglich. Spendende müssen ausreichend gesund sein, die Entscheidung freiwillig treffen, und es sollte medizinisch „möglichst vieles passen“. Auch eine „normale“ Organspende eines Verstorbenen bleibt eine sehr wichtige und gute Option, wenn keine Lebendspende möglich ist. -
1.3) Was sind die Vorteile einer Nierenlebendspende?
Was sind die Vorteile einer Nierenlebendspende?
Eine Nierenlebendspende hat im Vergleich zur Transplantation mit einer Niere von einem verstorbenen Spender einige wichtige Vorteile. Deshalb gilt sie für die Empfänger:innen oft als die „bessere“ Option. Hier sind die Hauptgründe, warum eine Nierenlebendspende besser sein kann:
1. Bessere Erfolgschancen
- Nieren von lebenden Spender:innen funktionieren meist länger und zuverlässiger als solche von Verstorbenen.
- Die Lebensdauer einer transplantierten Niere beträgt bei einer Lebendspende im Median ca. 18 Jahre, oft sogar länger.
2. Kürzere oder keine Wartezeit
- Je nach Blutgruppe beträgt in Deutschland die Wartezeit auf eine Verstorbenenspende ca. 10 Jahre. Wer eine Nierenlebendspende bekommt, muss hingegen nicht jahrelang auf ein Organ warten.
- Das kann lebenswichtig sein, da viele Patient:innen, die auf Dialyse angewiesen sind, während der Wartezeit Probleme mit der Dialyse bekommen oder schwerwiegende Herz-Kreislauf-Komplikationen entwickeln können.
3. Transplantation kann geplant werden
- Die Operation kann frühzeitig und in gutem Zustand der Empfänger:innen geplant werden
- Dadurch ist die Chance auf eine optimale Transplantation mit sofortiger Funktion höher.
4. Bessere Qualität der gespendeten Niere
- Die Niere lebender Spender:innen wird unter optimalen Bedingungen entnommen und transplantiert.
5. Keine langen Transportwege
- Die Spenderniere kommt direkt aus dem Spende-OP und wird sofort transplantiert. Das verringert die Zeit, in der das Organ ohne Blutversorgung und auf Eis gelagert ist.
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1.4) Welche Risiken gibt es für Spender:innen bei einer Nierenlebendspende?
Welche Risiken gibt es für Spender:innen bei einer Nierenlebendspende?
Obwohl eine Nierenlebendspende viele Vorteile hat, gibt es wie bei jedem operativen Eingriff auch Risiken zu bedenken. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Risiken für Spender:innen:
- Operation und Risiken
- Die Spende bleibt natürlich ein chirurgischer Eingriff, der wie jede Operation mit Risiken verbunden ist. Hierzu gehören z.B. Blutungen, Infektionen oder Verletzungen von anderen Organen. Auch Komplikationen wie Thrombosen oder Probleme mit der Wundheilung können auftreten.
- Langzeitfolgen
- Spender:innen leben mit nur einer Niere, was die Nierenfunktion grundsätzlich reduziert, auch wenn die verbliebene Niere einen erheblichen Teil der Funktion der zweiten Niere kompensieren kann.
- In seltenen Fällen kann es langfristig zu einer schlechteren Nierenfunktion kommen, vor allem, wenn später noch Krankheiten hinzukommen (z.B. Bluthochdruck oder Diabetes). Daher ist das Risiko, später einmal selber dialysepflichtig zu werden, für Nierenlebendspender:innen ca. 3-fach erhöht.
- In Einzelfällen haben Spender:innen von einem sog. „Fatigue-Syndrom“ berichtet, einer anhaltenden körperlichen und geistigen Erschöpfung, die sich auch durch Erholung nicht bessert und die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt. Mildere Formen im Sinne einer Zunahme körperlicher und/oder geistiger Müdigkeit bei aber meist erhaltener oder nur gering eingeschränkter Leistungsfähigkeit geben ca. 10-15 von 100 Spender:innen an. Allerdings ist der ursächliche Zusammenhang mit der Lebendspende nicht eindeutig geklärt. Anhaltende Beschwerden sollten immer diagnostisch abgeklärt werden. Sprechen Sie uns bei Fragen hierzu gern bei einem Ihrer Termine in der Transplantationsambulanz an. Wir werden dieses Thema auch unaufgefordert mit Ihnen besprechen.
- Erholungszeit
- Nach der Operation brauchen die Spender:innen einige Wochen zur Erholung und können für diese Zeit keine körperlich anstrengenden Arbeiten verrichten oder Sport treiben. Diese Dauer ist individuell, beträgt aber im Durschnitt ca. acht bis zwölf Wochen. Die Dauer des Arbeitsausfalls ist von der körperlichen Belastung im Beruf abhängig und beträgt meist vier bis sechs Wochen. Leichte Tätigkeiten im Homeoffice können oft bereits früher wieder ausgeübt werden.
- Psychische Belastung
- Auch wenn für viele Spender:innen der einmal gefasste Entschluss zu einer Spende als psychisch erleichternd beschrieben wird, kann es sein, dass die anstehende Entscheidung zur Spende im Vorwege als emotional belastend wahrgenommen wird.
- Manche Menschen haben Angst vor der Operation oder Sorgen, wie sich ihr Körper und ihre Gesundheit verändern werden.
- Die zahlreichen Untersuchungen im Vorfeld der Spende können ebenfalls als belastend empfunden werden und Ängste wecken, z.B. davor, dass eine Krankheit festgestellt wird.
- Nach der Spende können vor allem eigene Komplikationen und ein Organverlust des Empfängers bzw. der Empfängerin sich negativ auf die Psyche der Spender:innen auswirken.
- Außerdem ist wichtig zu beachten:
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- Trotz sorgfältigster Vorbereitung kann es bei Empfänger:innen zu einer Abstoßungsreaktion kommen.
Zusammenfassung:
Die Nierenlebendspende ist insgesamt sicher, aber wie bei jeder Operation gibt es Risiken und mögliche Belastungen. Deshalb wird sehr genau geprüft, ob eine Person spenden kann. Im Vordergrund der umfangreichen Voruntersuchungen steht dabei immer, Risiken für potentielle Spender:innen so gering wie möglich zu halten.
GUT ZU WISSEN: Wer im Laufe der Untersuchungen merkt, dass er:sie nicht mehr spenden möchte, darf jederzeit von dem Angebot zurücktreten – in unserem Transplantationszentrum werden wir dann niemanden von einer Spende zu überzeugen versuchen! Falls sich mögliche Spender:innen aus Sorge vor der Reaktion nicht trauen, Empfänger:innen diese berechtigte persönliche Entscheidung mitzuteilen oder Hilfe bei der Entscheidungsfindung benötigen, bieten wir gern ein beratendes ärztliches oder psychologisches Gespräch an.
- Operation und Risiken
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1.5) Fragen über Fragen - Woher bekomme ich jetzt Informationen?
Fragen über Fragen - woher bekomme ich jetzt Informationen?
Die ersten Ansprechpartner:innen für das Thema Lebendspende und Transplantation sind sicher zunächst Ihre betreuenden Nephrolog:innen und später Ihr betreuendes Ärzt:innenteam am UKE. Im Internet finden sich natürlich auch viele Informationen zum Thema Nierenlebendspende und Nierentransplantation, allerdings oft in unterschiedlicher Qualität und nicht immer zur neutralen Information gedacht. Bleiben Sie bei Ihrer eigenen Recherche bei unbekannten Seiten daher zunächst eher kritisch und beachten Sie Quellen, Aktualität sowie Autor:innen und Herausgeber:innen der Seiten.
Fragen Sie im Zweifel das Team Ihrer Nephrologie.Zuverlässige Informationen findet man z.B. auf folgenden Seiten:
Auch in der Transplantationsmedizin tätige Pharmafirmen verfügen über an Patient:innen gerichtete, allgemeine Informationsseiten zum Thema Transplantation:
Die Nennung dieser externen Seiten erfolgt nur zum Zweck der Information und Bildung im Rahmen des Transparenzkodex. Die Haftung für die Inhalte liegt grundsätzlich bei den Betreibern der Seiten.
Die Verlinkung stellt keine Empfehlung oder Bewerbung der dort dargestellten Inhalte oder Arzneimittel dar. Auch übernimmt das UKE keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte. -
1.6) Wie nehme ich Kontakt zum Transplantationszentrum auf?
Wie nehme ich Kontakt zum Transplantationszentrum auf?
Das Transplantationszentrum am UKE verfügt über einem spezialisierten Bereich zur Koordination von Nierenlebendspenden. Hier finden Sie weiterführende Informationen zu unserer Lebendspendekoordination .
Wenn Sie überlegen, für eine Ihnen nahestehende Person eine Niere zu spenden oder Sie sich weiter informieren möchten, können Sie sich jederzeit an unsere Lebendspendekoordination wenden und sich in unserer Ambulanz für Nieren- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen vorstellen.
Eine rasche Terminvereinbarung gelingt unter der Telefonnummer
040 7410 28503 oder per Mail unter transplant-evaluation@uke.de oder lebendspende@uke.de .Auch können sich Ihre betreuenden Nephrolog:innen jederzeit direkt an unser Zentrum wenden. Die Kontaktmöglichkeiten für Ärzt:innen finden Sie auf der Homepage des UTC unter diesem Link.
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1.7) Was steckt hinter den aktuellen Diskussionen zur Reform der Nierenlebendspende durch den Gesetzgeber? (Stand April 2026)
Was steckt hinter den aktuellen Diskussionen zur Reform der Nierenlebendspende durch den Gesetzgeber?
Ende März 2026 hat der Bundestag die Novellierung der Regelungen zur Lebendorganspende beschlossen. Die Reform soll die Lebendspende erleichtern und gleichzeitig sicherer machen – damit Patient:innen mit Nierenversagen schneller eine passende und gut funktionierende Spenderniere erhalten können.
Mit der Reform soll u.a. der bisherige sog. „Subsidiaritätsgrundsatz“ nach §8 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 des Transplantationsgesetzes aufgehoben werden. Gegenwärtig ist die Lebendorganspende einer postmortalen Spende nachrangig („subsidiär“), d.h. die Entnahme eines Organs bei einer lebenden Person ist nur dann zulässig, wenn ein geeignetes Organ eines:einer verstorbenen Spender:in nicht zur Verfügung steht. Diese Nachrangigkeit der Lebendspende soll durch die Reform aufgehoben werden. Dadurch soll die Voraussetzung für eine „präemptive“ (d.h. der Dialysepflichtigkeit vorbeugende) Nierentransplantation geschaffen werden. Dies würde die Versorgungssituation von chronisch an Niereninsuffizienz leidenden Patient:innen deutlich verbessern.
Kern der Reform ist weiter, dass künftig mehr Formen der Lebendspende möglich werden sollen. Bislang darf eine Niere nur an nahestehende Personen gespendet werden – etwa an enge Angehörige, Partner:innen oder andere emotional nahestehende Personen. Zukünftig sollen jedoch auch „Überkreuz-Spenden“ erlaubt sein (sog. „Cross-Over-Spenden“). Das bedeutet: Wenn zwei Paare (also potentielle:r Empfänger:in und potentielle:r Spender:in) jeweils aus medizinischen Gründen nicht zueinander passen, die Spender:innen aber dem:der jeweils anderen Empfänger:in helfen könnten, dürfen die Nieren zwischen beiden Paaren getauscht werden. Dazu soll zukünftig ein nationales Programm für die Durchführung der Überkreuzspende in Deutschland etabliert werden.
Außerdem soll es in Zukunft möglich sein, anonym und „nicht-gerichtet“ zu spenden, also einem Menschen zu helfen, den man nicht persönlich kennt.
Wichtig ist hier: Wie schon aktuell bei der postmortalen Organspende, wird auch hier die Zuteilung ausschließlich nach transparenten medizinischen Kriterien durch eine unabhängige zentrale Vermittlungsstelle erfolgen.
Weiter sieht der Gesetzesentwurf erweiterte Aufklärungs- und Beratungspflichten der Krankenhäuser für Lebendspender:innen und eine unabhängige Beratung und individuelle Betreuung vor.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Reform der Nierenlebendspende auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums:
2.Etappe: Zum ersten Mal am UKE und die Evaluation für Spender:innen
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2.1) Zum ersten Mal am UKE - Wo finde ich die Transplantationsambulanz?
Zum ersten Mal am UKE - Wo finde ich die Transplantationsambulanz?
Der UKE-Campus in Hamburg-Eppendorf ist fast so groß wie ein eigener Stadtteil. Immerhin arbeiten am UKE auch rund 16.000 Mitarbeiter:innen. Zugegebenermaßen kann die Orientierung zwischen den vielen verschiedenen Gebäuden zunächst schwerfallen, wenn man das UKE noch nicht kennt.
Unsere Transplantationsambulanz finden Sie im Hauptgebäude des UKE (Gebäude O10) im Erdgeschoss. In der Eingangshalle halten Sie sich links und folgen Gang A bis an den Tresen 2. Der Tresen trägt die Aufschrift „Universitäres Transplantationszentrum, Bereich Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse“.
Dort am Tresen wird man Sie um Ihre Versichertenkarte bitten und Sie für Ihre Erstvorstellung registrieren.Finden Sie den schnellsten Weg zu unserem Bereich – nutzen Sie dafür den Online-Wegweiser des UKE.
Außerdem finden Sie hier einen Lageplan der verschiedenen Ambulanzen im Hauptgebäude. Der Tresen der Transplantationsambulanz ist Ambulanztresen 2.Hier finden Sie außerdem einen ausdruckbaren Lageplan des UKE mit allen Gebäuden. Zusätzlich befindet sich im Erdgeschoss des Hauptgebäudes O10 ein Informationstresen. Hinweise zur Anfahrt, einen Bereichsfinder sowie weitere Informationen rund ums UKE finden Sie außerdem auf der Homepage des UKE oder am unteren Ende dieser Seite.
Wir freuen uns darauf, Sie in unserer Transplantationsambulanz zu begrüßen und beraten zu dürfen!
Finden Sie den schnellsten Weg zu unserem Bereich – nutzen Sie dafür den Online-Wegweiser:
Wegweiser für Desktopansicht
Wegweiser für Smartphone & Tablet
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2.2) Was genau ist die "Evaluation" und was passiert da?
Was genau ist die „Evaluation“ und was passiert da?
Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, ob Sie als mögliche:r Spender:in einer Ihrer Nieren geeignet sind, erfolgt eine Reihe medizinischer Untersuchungen sowie ein psychologisches Gespräch. In dieser „Evaluation“ genannten Folge von Untersuchungen geht es um die Frage, ob man eine Lebendspende für Sie als Spender:in sicher durchführen kann und ob Sie und der:die potentielle Empfänger:in einer Ihrer Nieren -einfach gesagt- „zusammenpassen“.
Im Rahmen der Prüfung der Option einer Lebendspende umfasst die Evaluation alle Untersuchungen, die zur Überprüfung der Eignung und individueller Risiken einer Transplantationsoperation erforderlich sind sowie deren abschließende Bewertung durch das interdisziplinäre Team des Transplantationszentrums.
Unser Transplantationsteam am UKE besteht aus allen für eine Transplantation relevanten Berufsgruppen: Nephrolog;innen, Transplantationschirurg:innen, Immunolog:innen des HLA-Labors, Transplantationskoordinator:innen, Fachpflegeexpert:innen sowie Transplantationspsycholog:innen.
Am Ende der Evaluation steht im optimalen Fall die Festlegung einer Lebendspendeoperation.
Den detaillierten Ablauf einer idealtypischen Evaluation finden Sie hier:
Der Evaluationsprozess erfolgt in mehreren Schritten, wobei die Ergebnisse jeder Phase in einer ärztlichen oder interdisziplinären Konferenz besprochen werden. Kritische Befunde können den Prozess beenden, was Sie umgehend erfahren. Während der gesamten Evaluationsphase steht eine Mitarbeiterin unserer Evaluationskoordination als feste Ansprechpartnerin zur Verfügung.
So läuft die Erstvorstellung ab:
Erstgespräch:
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- Ein:e Nierenspezialist:in fragt nach Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand, Gewichtskontrolle (BMI Voraussetzung kleiner als 30), Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und der persönlichen Beziehung zum:zur Empfänger:in.
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- Bestimmung der Blutgruppe und Gewebeverträglichkeit.
- Kreatininwerte zur Überprüfung der Nierenfunktion.
Mit diesen Informationen wird auf einer internen Transplantationskonferenz besprochen, ob eine weitere Evaluation für eine Nierenlebendspende möglich ist.
Bei einer positiven Beurteilung wird die Evaluation wie folgt fortgeführt:
Basisuntersuchungen
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- 2-malige 24h Stundenblutdruckmessung im Abstand von ca. 2 Wochen
- 2-malige 24 h Urinsammlung inklusive Blutentnahme im Abstand von ca. 2 Wochen
- Ultraschall des Abdomens (inklusive Nierensonografie)
- Glukosetoleranztest (Nüchternwertbestimmung des Blutzuckers, dann Trinken einer Zuckerlösung mit nachfolgenden Blutentnahmen zur Blutzuckerbestimmung).
Nach Vorliegen von unauffälligen Befunden bieten wir Ihnen gern ein Informationsgespräch mit den Transplantationschirurgen an und planen in Absprache mit Ihnen die weitere Diagnostik.
Einschätzung der Fitness und Gesundheit für den Eingriff
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- Herz-Untersuchung und Gefäßdiagnostik
- reguläre Vorsorgediagnostik (Gynäkologie, Urologie, Magen- und Darmspiegelung und Mammografie, evtl. Augenarzt bei vorliegender Bluthochdruckerkrankung)
- Lungenfunktionstestung
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- Magnetresonanztomografie (MRT) der Nieren
- Funktionsprüfung beider Nieren im Seitenvergleich (Szintigrafie)
- Röntgen oder CT der Lunge
- Aufklärungen
- Chirurgische Aufklärung: Unter Anwesenheit eines unabhängigen Zeugen erklären wir Ihnen den Ablauf der Entnahme einer Niere bei einem:einer Lebendspender:in. Mögliche Komplikationen bei der Operation und eventuelle langfristige Gesundheitsprobleme durch die Entfernung einer Niere werden ausführlich besprochen
- Nephrologische Befundbesprechung
- Narkoseaufklärung
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2.3) Warum erfolgt auch ein psychologisches Gespräch?
Warum erfolgt auch ein psychologisches Gespräch?
Das in Deutschland geltende Transplantationsgesetz legt fest, dass etwaige finanzielle Interessen oder emotionaler Druck im Rahmen einer Lebendspende auszuschließen sind. Das psychologische Gespräch während der Evaluation der möglichen Spender:innen stellt sicher, dass der Entschluss zur Spende freiwillig und ohne Druck erfolgt, dass die Spender:innen sich der Risiken bewusst sind und die Tragweite ihrer Entscheidung erfassen. Außerdem werden die Lebenssituation und die psychische Gesundheit näher betrachtet, um zu gewährleisten, dass die mit der Spende einhergehenden psychischen Herausforderungen bewältigt werden können. Es dient damit dem Schutz der Spender:innen sowie der Qualität und Sicherheit des Transplantationsprozesses.
Ziel der psychologischen Begutachtung ist:
- Die Freiwilligkeit und informierte Entscheidung sicherzustellen
- Das Verständnis der Risiken, Folgen und Belastungen abzuschätzen
- eventuelle psychosoziale Belastungen, Konflikte oder psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen,
- sicherzustellen, dass die Spende langfristig gut mit dem Leben und der Gesundheit der Person vereinbar ist.
Am UKE erfolgt das psychologische Gespräch mit den Kolleginnen der Transplantationspsychologie im Rahmen Ihrer Untersuchungen während der Evaluation. Sollten Sie in Bezug auf Ihre Entscheidung unsicher sein, sollte auch dies im Rahmen des Gesprächs thematisiert werden, um Sie bei der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Lebendspende zu unterstützen. Ergeben sich im Gespräch Hindernisse für eine Lebendspende oder Unterstützungsbedarfe wie die Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung, kann eine Vermittlung in entsprechende Hilfsangebote erfolgen.
Die Ablehnung einer Spende aus psychologischen Gründen kommt vergleichsweise selten vor, kann aber in manchen Fällen aus Gründen des Spender:innenschutzes erforderlich sein. Ziel ist es jedoch, spendebereite Personen zu unterstützen und günstige Voraussetzungen zu schaffen, damit die Lebendspende mit einem möglichst geringen psychosozialen Risiko durchgeführt werden kann.
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2.4) Alle medizinischen Unterlagen liegen vor - Wie geht es jetzt weiter?
Alle medizinischen Unterlagen liegen vor - Wie geht es jetzt weiter?
In einer abschließenden Konferenz werden alle Untersuchungsergebnisse diskutiert und über die Durchführung der Lebendspende entschieden. Zu diesem Zeitpunkt kann auch ein vorläufiger Operationstermin vereinbart werden.
Vor Durchführung der Lebendspende ist noch eine Vorstellung bei der Lebendspendekommission der Ärztekammer Hamburg notwendig, einem unabhängigen Gremium, das prüft, ob die rechtlichen Vorgaben des Transplantationsgesetzes erfüllt sind. Diese unabhängige Prüfung ist gesetzlich vorgeschrieben und dient ebenfalls dem Schutz der Spender:innen, indem sichergestellt wird, dass die Spende freiwillig, gut informiert und unentgeltlich erfolgt.
In dem Gespräch mit der Lebendspendekommission wird insgesamt also der regelrechte Ablauf der Evaluation und die rechtliche Zulässigkeit der Lebendspende überprüft. Hierfür benötigen wir bei verwandtschaftlichen Verhältnissen eine Kopie der Geburts- oder Heiratsurkunde. Diese geben Sie im Rahmen des Evaluationsprozesses bei Ihrer Evaluationskoordinatorin ab.
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2.5) Sozialrechtliche Fragen rund um die Lebendspende
Kommt auch eine Lebendspende in Frage?“
Eine Nierenlebendspende ist ein besonderes Zeichen von Verbundenheit und Vertrauen. Wer sich zu einer Spende entschließt, übernimmt Verantwortung – für einen anderen Menschen, aber auch für sich selbst.
Damit Sie dabei keinen gesundheitlichen oder finanziellen Nachteil erleiden, sind Lebendspenderinnen und Lebendspender in Deutschland umfassend sozialrechtlich abgesichert.Medizinische Sicherheit und Kostenübernahme:
Alle medizinisch notwendigen Untersuchungen, Behandlungen und Nachsorgemaßnahmenim Zusammenhang mit der Spende werden nach § 27, Abs. 1a SGB V nicht von Ihnen, sondern von der Krankenkasse der Empfängerperson bezahlt.
Dazu gehören:- Voruntersuchungen und Aufklärungsgespräche
- Operation und Krankenhausaufenthalt
- Nachsorge und Kontrolluntersuchungen
Allgemeiner Hinweis: Wir empfehlen, bei einer anstehenden Evaluation zu einem möglichst frühen Zeitpunkt schriftlich die Empfängerkrankenkasse über die anstehenden Untersuchungen zusammen mit einem Hinweis auf die o.a. Rechtsgrundlage zu informieren. Da die Nierenlebendspende nicht so häufig vorkommt und Mitarbeitende der Krankenkassen somit oft noch keine Berührungspunkte mit diesem Thema hatten, hilft oft ein kleiner vorbereitender Hinweis Ihrerseits, um die internen Prozesse in den Krankenkassen besser zu bahnen.Finanzielle Absicherung:
Damit Ihnen kein finanzieller Nachteil entsteht, übernimmt die Krankenkasse des:der Empfänger:in gemäß §27 Abs.1a SGB V:- Ihren Verdienstausfall während der Evaluation, der Spende und der Genesungszeit
- Ihre Fahrt- und Reisekosten (z. B. zur Klinik oder zu Nachsorgeterminen)
- Kosten für Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung, wenn dies durch die Spende erforderlich wird.
- Die Leistungen einer medizinischen Reha (Anschlussheilbehandlung) des Spenders/der Spenderin.
Sollten durch die Spende gesundheitliche Probleme oder Spätfolgen auftreten, sind Sie automatisch über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt (§ 12a SGB VII).
Das bedeutet:- Die Unfallversicherung übernimmt die medizinische Behandlung von Folgeschäden.
- Bei bleibenden Beeinträchtigungen kann eine Rente oder Pflegeleistung gezahlt werden.
- Es wird vermutet, dass gesundheitliche Schäden im Zusammenhang mit der Spende stehen – Sie müssen das also nicht selbst beweisen.
Ihre Rechte auf einen Blick:
- Kostenfreiheit für alle medizinisch notwendigen Maßnahmen
- Ersatz des Verdienstausfalls und anderer Auslagen
- Absicherung bei gesundheitlichen Spätfolgen
- Anspruch auf Nachsorge und regelmäßige Kontrolluntersuchungen
- Versicherungsschutz auch ohne eigene Erwerbstätigkeit.
Ansprechpartner und Unterstützung
Wenn Sie Fragen haben oder Unterstützung wünschen, können Sie sich an folgende Stellen wenden:
- Selbsthilfe Lebendorganspende Deutschland e. V. (SLOD)
www.slod-ev.de – Informationen, Austausch und individuelle Beratung - Bundesverband Niere e. V.
www.bundesverband-niere.de – Infos zu Nierenerkrankungen, Transplantation und Sozialrecht - Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)
Telefon 0800 – 0 11 77 22 (gebührenfrei) – Sozialrechtliche und medizinische Beratung - Sozialverbände (z. B. VdK oder SoVD)
Unterstützung bei Anträgen, Widersprüchen und rechtlichen Fragen - Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover
Wenn Sie sich eine feste Ansprechperson wünschen, an die Sie sich während des Prozesses der Vorbereitung bis nach der Transplantation mit Ihren Fragen und Unterstützungsbedarfen stets wenden können, kontaktieren Sie gern die Mitarbeitenden vom Projekt Organ der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover per Mail unter organ@drv-bsh.de . Als Projektteilnehmende des unverbindlichen und kostenfreien Angebotes bekommen Sie Unterstützung bei der Vernetzung mit anderen Betroffenen, Informationen zu sozialrechtlichen Leistungen, insbesondere zu Rehabilitation und Teilhabe, sowie bei Bedarf Hilfe bei der jeweiligen Antragstellung.
3.Etappe: Die Lebendspende-Operation
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3.1) Kann ich mich auf die Operation vorbereiten
Kann ich mich auf die Operation vorbereiten?
Vor einer anstehenden Lebendspende-Operation ist ein gesunder Lebensstil besonders wichtig. Achten Sie auf ausreichenden und regelmäßigen Schlaf, denn Erholung stärkt Körper und Geist. Ernähren Sie sich ausgewogen und nährstoffreich: Viel Obst und Gemüse, wenig stark verarbeitete Lebensmittel und ausreichend Wasser (mind. 1,5 bis 2 Liter pro Tag).
Ein Verzicht auf Alkohol und Nikotin ist essenziell. Trinken Sie möglichst keinen Alkohol in den Wochen vor der OP und verzichten Sie komplett auf Nikotin, da Rauchen das Thromboserisiko sowie die Infektanfälligkeit erhöht und die Wundheilung verzögert. Ggf. können Labortests erfolgen, um die Nikotinkarenz sicherzustellen.
Bleiben Sie in Absprache mit Ihren betreuenden Ärzt:innen in Bewegung mit einem moderaten, regelmäßigen Training und vermeiden Sie schwere Belastungen vor der Operation. Streben Sie ein gesundes Gewicht an und sorgen Sie für Stressreduktion und ausreichende Erholungsphasen; besprechen Sie ggf. Unterstützungsmöglichkeiten durch Familie und Freunde in der Zeit nach der OP.
Vermeiden Sie Infektionsrisiken durch gute Hygiene und melden Sie sich bei Infekten kurz vor einer OP frühzeitig beim Transplantationszentrum. Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille setzen Sie bitte rechtzeitig ab. Dies werden wir dann aber ganz konkret mit Ihnen vereinbaren.
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3.2) Was passiert direkt vor der OP mit mir im Krankenhaus?
Was passiert direkt vor der OP mit mir im Krankenhaus?
Einen Tag vor der Operation erfolgt die stationäre Aufnahme auf die Transplantationsstation 3G bei uns im UKE. Es folgen letzte Untersuchungen und Gespräche mit dem:der Operateur:in, dem:der Narkosearzt:in und gegebenenfalls weiteren Fachärzt:innen Sie erhalten alle wichtigen Informationen und unterschreiben dann die Einverständniserklärungen für die Operation und die Narkose.
Wichtig ist: Sie können Ihre Entscheidung jederzeit – auch noch kurz vor der Operation – zurücknehmen. Das ist völlig in Ordnung, und Sie müssen dafür keine Begründung geben. Ihnen entstehen dadurch keine Nachteile.
Bis sechs Stunden vor der Operation dürfen Sie nach vorheriger Abklärung mit dem:der Narkoseärzt:in Essen und Trinken zu sich nehmen.
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3.3) Wie verläuft die Operation?
Wie verläuft die Operation?
Am Tag der Operation werden Sie in den Operationssaal gebracht und bekommen eine Vollnarkose. Sie schlafen tief und spüren während des Eingriffs nichts. Das Operationsteam besteht aus erfahrenen Chirurginnen und Chirurgen, Anästhesist:innen und Pflegekräften, die sich während der gesamten Zeit um Sie kümmern.
Vorbereitung im Operationssaal
Zunächst werden alle Geräte angeschlossen, die während der Operation Ihre Atmung, den Kreislauf und andere wichtige Körperfunktionen überwachen. Sobald die Narkose wirkt, beginnt die eigentliche Operation.Entnahme der Niere
Heute wird die Niere minimal-invasiv sowie ggf. auch robotisch assistiert über kleine Schnitte im Bauchraum entnommen. Dieses Verfahren nennt man laparoskopische oder „Schlüsselloch“-Operation. Dabei führt der:die Chirurg:in eine kleine Kamera und feine Instrumente in den Bauch ein. Über einen Monitor kann er:sie das Operationsfeld vergrößert sehen und sehr genau arbeiten.Die Blutgefäße und der Harnleiter der Niere werden vorsichtig freigelegt, verschlossen und durchtrennt. Anschließend wird die Niere über einen kleinen Schnitt, meist im Bereich des Unterbauchs, entnommen. In manchen Fällen – zum Beispiel bei schwierigen anatomischen Verhältnissen – kann auch ein etwas größerer Bauchschnitt nötig sein.
Nach der Entnahme der Niere erfolgt der Verschluss der Operationswunde mit selbstauflösenden Fäden.
Sobald die Niere entnommen ist, wird sie sofort von einem eigenen Transplantationsteam vorbereitet und in den Operationssaal der Empfängerin/des Empfängers gebracht. Dort beginnt unmittelbar die Transplantation, sodass die Niere möglichst schnell wieder durchblutet wird.
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3.4) Muss ich nach der Operation auf die Intensivstation?
Muss ich nach der Operation auf die Intensivstation?
Nein, nach dem Eingriff kommen Sie in der Regel in den Aufwachraum. Dort werden Sie sorgfältig überwacht, und sobald sich Ihr Kreislauf stabilisiert hat, werden Sie auf die Transplantationsstation 3G zurückverlegt.
Die Schmerzen nach der Operation sind dank moderner Schmerztherapie in der Regel gut behandelbar. Die meisten Spender:innen können am ersten Tag nach der Operation bereits wieder aufstehen und vorsichtig herumlaufen.
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3.5) Wie verläuft die erste Zeit nach der Lebendspende-OP?
Wie verläuft die erste Zeit nach der Lebendspende-OP?
Nach der Operation werden Sie im Aufwachraum betreut. Dort überwacht das Narkoseteam Ihre Vitalwerte. Sobald Sie wieder richtig wach sind und sich Ihr Kreislauf stabilisiert hat, werden Sie auf Ihre Station zurückgebracht.
Schon kurz nach der Operation beginnt die sogenannte Frühmobilisation. Dabei helfen Ihnen Pflegekräfte und Physiotherapeut:innen, erste Bewegungsübungen im Bett durchzuführen – zum Beispiel sanfte Fuß- und Beinbewegungen. Diese kleinen Übungen fördern die Durchblutung, beugen Thrombosen vor und helfen Ihrem Körper, schneller wieder in Schwung zu kommen.
Ebenso wichtig ist die Atemtherapie. Durch regelmäßige Atemübungen – am besten etwa einmal pro Stunde – halten Sie Ihre Lunge gut belüftet und beugen Infektionen vor. Ihr Behandlungsteam zeigt Ihnen einfache Techniken, die Sie selbstständig anwenden können.
Damit Sie sich wohlfühlen und sich gut bewegen können, erhalten Sie eine individuell abgestimmte Schmerztherapie. Sie bekommen regelmäßig Medikamente, die die Schmerzen wirksam lindern. Falls nötig, können zusätzliche Mittel verabreicht werden. Das Ziel ist, dass Sie sich frei bewegen und tief durchatmen können, ohne Beschwerden zu haben.
Bereits am Operationstag dürfen Sie in der Regel wieder etwas trinken und leichte Speisen wie Suppe oder Joghurt essen. Am Folgetag wird die Ernährung schrittweise auf eine leicht verdauliche Vollkost umgestellt. Auch Ihre Verdauung wird unterstützt – durch ausreichend Bewegung, viel Flüssigkeit, das Kauen von Kaugummi oder, falls nötig, sanfte Abführmittel.
Diese ersten Tage sind ein wichtiger Teil Ihres Heilungsprozesses. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei engmaschig und sorgt dafür, dass Sie gut versorgt, sicher und optimal unterstützt sind.
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3.6) Kann es nach der OP zu einem Delir bei mir kommen?
Kann es nach der OP zu einem Delir bei mir kommen?
Nach einer Nierenlebendspende erholen sich die meisten Spender:innen rasch und ohne größere Komplikationen.
Wie bei jedem größeren Eingriff kann es jedoch vorübergehend zu körperlichen oder psychischen Reaktionen kommen. Eine davon – wenn auch sehr selten – ist ein sogenanntes Delir.Was ist ein Delir?
Ein Delir ist eine kurzfristige Verwirrtheit, die nach einer Operation oder Narkose auftreten kann.
Betroffene Menschen wirken plötzlich desorientiert, unruhig oder ungewöhnlich schläfrig.
Oft können sie sich nicht genau erinnern, wo sie sind oder welcher Tag ist, und nehmen ihre Umgebung verändert wahr.Manche berichten, sie hätten „seltsam geträumt“ oder Dinge gesehen oder gehört, die nicht da waren.
Ein Delir ist kein bleibender Schaden, sondern eine vorübergehende Reaktion des Gehirns auf die körperliche Belastung einer Operation.Wann kann das passieren?
Ein Delir tritt in der Regel in den ersten Tagen nach der Operation auf – meist, wenn der Körper noch mit der Narkose, dem Heilungsprozess oder der neuen Umgebung im Krankenhaus beschäftigt ist.Mögliche Auslöser sind:
- die Narkose oder bestimmte Medikamente,
- Schmerzmittel oder Beruhigungsmittel,
- Flüssigkeits- oder Salzverlust,
- Infektionen oder Fieber,
- Schlafmangel oder die ungewohnte Krankenhausumgebung.
Wer ist gefährdet?
Bei jüngeren, gesunden Spender:innen kommt ein Delir nur sehr selten vor.
Ein etwas höheres Risiko besteht bei Menschen, die älter als 65 Jahre sind oder schon einmal ein Delir nach einer Operation hatten.Was kann man dagegen tun?
Die beste Vorbeugung ist eine sorgfältige Vorbereitung und Nachsorge.
Das Behandlungsteam achtet auf:- eine gute Flüssigkeitszufuhr vor und nach der Operation,
- die richtige Dosierung von Medikamenten,
- ausreichend Ruhe und Schlaf,
- eine beruhigende Umgebung mit vertrauten Personen, Tageslicht und klaren Strukturen.
Falls doch ein Delir auftritt, wird es sofort behandelt.
In den meisten Fällen klingt es innerhalb weniger Tage vollständig wieder ab, sobald die Ursache behoben ist.Was Sie als Spender:in tun können:
- Sagen Sie dem Pflegepersonal sofort Bescheid, wenn Sie sich ungewöhnlich verwirrt, unruhig oder ängstlich fühlen.
- Bitten Sie darum, dass eine vertraute Person bei Ihnen ist – das hilft, sich zu orientieren.
- Tragen Sie Ihre Brille oder Ihr Hörgerät, wenn Sie eins haben.
- Versuchen Sie, ausreichend zu trinken (sofern ärztlich erlaubt) und regelmäßig zu schlafen.
Wichtig zu wissen: Ein Delir nach einer Nierenlebendspende ist sehr selten und meist harmlos.
Es verschwindet in der Regel nach kurzer Zeit vollständig, sobald der Körper sich erholt hat
Im UKE erfolgt nach der OP ein regelmäßiges Screening auf ein Delir.
Ihr Behandlungsteam weiß, wie man damit umgeht und wird Sie sorgfältig begleiten.Bei Fragen oder Sorgen:
Sprechen Sie jederzeit mit Ihrem Ärzteteam und den Pflegekräften.
Wir sind für Sie da.
4.Etappe: Nachsorge und die Zeit "danach"
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4.1 Wie geht´s mit mir nach der OP weiter?
Wie geht´s mit mir nach der OP weiter?
In der Regel können Sie zwischen dem zweiten und vierten Tag nach der Operation aus dem Krankenhaus entlassen werden. Voraussetzung dafür ist, dass Ihr Kreislauf stabil ist, die Schmerztherapie gut eingestellt wurde und Ihre Blutwerte unauffällig sind. Ihr Behandlungsteam bespricht gemeinsam mit Ihnen, wann genau der richtige Zeitpunkt für die Entlassung gekommen ist.
Zu Hause sollten Sie sich weiterhin ausreichend schonen. Leichte Tätigkeiten im Alltag sind erlaubt, körperlich anstrengende Aufgaben oder schweres Heben (ca. mehr als fünf Kilo) sollten Sie in den ersten Wochen jedoch vermeiden.
Meist lässt der Bedarf an Schmerzmitteln bereits innerhalb der ersten Woche deutlich nach. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich regelmäßig Ruhepausen – Erholung ist jetzt die beste Unterstützung für Ihren Heilungsprozess.
Nach Ihrer Entlassung aus dem UKE erfolgt eine mehrwöchige Krankschreibung. Die Länge der Krankschreibung ist abhängig von Ihrer Tätigkeit und Ihrem Befinden. In dieser Zeit sollten Sie keine körperlich anstrengenden Arbeiten verrichten oder Sport treiben. Die Dauer der Erholung ist individuell, beträgt aber ca. acht bis zwölf Wochen. Die Dauer des Arbeitsausfalls ist von der körperlichen Belastung im Beruf abhängig, beträgt aber meist vier bis sechs Wochen. Leichte Tätigkeiten im Homeoffice können meist bereits früher wieder ausgeübt werden.
Bei beruflichen Tätigkeiten, die schweres Heben erfordern, kann dagegen auch eine längere Krankschreibung erforderlich sein.
Etwa vier Wochen nach der Operation findet ein Nachsorgetermin in der chirurgischen Sprechstunde statt. Dabei werden die Wundheilung, Ihre Blutwerte und Ihr allgemeiner Zustand überprüft. Sollten Sie in der Zwischenzeit Fragen haben oder Unregelmäßigkeiten bemerken, können Sie sich selbstverständlich jederzeit an das Behandlungsteam wenden.
Bitte beachten Sie: Eine strukturierte Nachsorge nach einer Lebendspende ist verpflichtend. Es erfolgen in den ersten drei Jahren nach der Spende Kontrollen in verschiedenen Intervallen im Transplantationszentrum. Danach läuft eine jährliche Nachsorge hausärztlich oder nephrologisch betreut weiter.
Wenn Sie weitere Informationen benötigen oder spezielle Fragen haben, sprechen Sie uns gerne an. Alle beteiligten Fachrichtungen stehen Ihnen mit Rat und Unterstützung zur Seite – vor, während und nach der Nierenlebendspende. Unser Ziel ist, dass Sie sich rundum gut informiert, sicher und betreut fühlen.
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4.2) Komme ich nach einer Nierenlebendspende als Spender:in in eine Reha?
Komme ich nach einer Nierenlebendspende als Spender:in in eine Reha?
Nach einer Nierenlebendspende in Deutschland ist nicht automatisch eine Reha im klassischen Sinn vorgesehen. Es gibt aber Möglichkeiten, eine „Anschlussheilbehandlung“ (AHB) zu beantragen, wenn sie medizinisch sinnvoll ist oder Sie sich davon Unterstützung für die Erholung versprechen. Wir empfehlen grundsätzlich die Inanspruchnahme einer Anschlussheilbehandlung und unterstützen Ihren Wunsch gerne.
Es gibt in Deutschland spezielle AHB-Angebote für Organspender:innen, meist in spezialisierten Kliniken mit nephrologischem Schwerpunkt. Diese Behandlung zielt darauf ab,
- die körperliche Leistungsfähigkeit wieder aufzubauen,
- die Nierenfunktion zu überwachen,
- die psychische Verarbeitung der Spende und die Rückkehr in den Beruf zu unterstützen.
Die Kosten einer Anschlussheilbehandlung für Spender:innen übernimmt nach §27, Abs. 1a SGB V ausschließlich die Krankenkasse des:der Organempfänger:in. (Die Kosten für die Anschlussheilbehandlung der Organempfänger:innen übernimmt je nach beruflicher Situation die Deutsche Rentenversicherung oder die jeweilige Krankenkasse.)
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4.3) Wieder zuhause - Wie funktioniert die Nachsorge?
Wieder zuhause - Wie funktioniert die Nachsorge?
Mit der Nierenlebendspende haben Sie etwas Außergewöhnliches getan: Sie haben einem anderen Menschen ein Stück Lebensqualität und Hoffnung geschenkt. Damit Sie selbst langfristig gesund bleiben, ist eine gute Nachsorge besonders wichtig. Sie hilft, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Ihre eigene Gesundheit dauerhaft zu sichern.
Die Nachsorge beginnt direkt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Schon in den ersten Wochen wird genau überprüft, wie gut Sie sich von der Operation erholen und wie Ihre verbliebene Niere arbeitet.
In den ersten Monaten erfolgen die Kontrolluntersuchungen bei uns im Transplantationszentrum. Hier werden Blut- und Urinwerte überprüft, Ihr Blutdruck kontrolliert, und Sie erhalten Beratung zu Ernährung, Bewegung und Lebensstil. Nach vier Wochen erfolgt auch eine chirurgische Nachsorge im Rahmen einer chirurgischen Sprechstunde.Eine strukturierte Nachsorge nach einer Lebendspende ist verpflichtend und wichtig. In den ersten drei Jahren nach der Spende erfolgen die Kontrollen in verschiedenen, länger werdenden Intervallen im Transplantationszentrum. Danach läuft eine jährliche Nachsorge bei Ihrem:Ihrer Nephrolog:in bzw. beim Hausärzt:in weiter – und das ein Leben lang. Sollten sich dabei Auffälligkeiten zeigen, wird das Transplantationszentrum selbstverständlich wieder hinzugezogen.
Natürlich haben Sie jederzeit die Möglichkeit, sich mit Anliegen oder speziellen Fragen an uns zu wenden.
Was wird kontrolliert?
Bei den Nachsorgeterminen werden regelmäßig Ihre Nierenfunktion, Ihr Blutdruck und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand überprüft. Dazu gehören Blut- und Urinuntersuchungen sowie eine Ultraschalluntersuchung der verbliebenen Niere.
Diese Routineuntersuchungen helfen, Ihre Gesundheit im Blick zu behalten und Sie bestmöglich zu unterstützen. Oberstes Ziel ist es, Ihnen die gleiche Lebenserwartung wie ohne Nierenspende und eine altersentsprechende Lebensqualität zu gewährleisten.Auch das seelische Wohl zählt
Viele Spender:innen empfinden nach der Spende tiefe Zufriedenheit, manchmal aber auch Erschöpfung oder emotionale Belastung. Deshalb bieten wir Ihnen auf Wunsch psychologische Gespräche an. Diese Unterstützung kann helfen, Erlebtes zu verarbeiten und den neuen Lebensabschnitt gestärkt zu gestalten.Wer trägt die Kosten?
Die Krankenkasse der Empfängerin oder des Empfängers übernimmt alle medizinisch notwendigen Nachsorgeuntersuchungen, einschließlich Fahrtkosten und gegebenenfalls Verdienstausfall. Sie sollen durch Ihre Spende keine finanziellen Nachteile erfahren.Sie haben mit Ihrer Spende Großes geleistet
Mit einer regelmäßigen Nachsorge sorgen Sie dafür, dass Ihre eigene Gesundheit im Mittelpunkt bleibt – heute und in Zukunft.
Ihr Transplantationsteam und Ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte begleiten Sie dabei verlässlich auf diesem Weg. -
4.4) Was verändert sich in meinem Alltag?
Was verändert sich in meinem Alltag?
Mit der Nierenlebendspende haben Sie einem anderen Menschen ein neues Stück Lebensqualität geschenkt. Damit Sie selbst gesund bleiben, ist es hilfreich zu wissen, was sich nach der Spende in Ihrem Alltag verändern kann – körperlich, psychisch und im täglichen Leben.
Körperliche Veränderungen und Anpassung
Nach der Operation braucht Ihr Körper etwas Zeit, um sich zu erholen. In den ersten Wochen ist es wichtig, sich zu schonen, auf ausreichend Ruhe zu achten und körperliche Anstrengungen zu vermeiden.
In der Regel können Spender:innen nach vier bis sechs Wochen wieder in den Beruf zurückkehren, je nach Tätigkeit eventuell etwas früher oder später.Ihre verbleibende Niere übernimmt schon bald die Arbeit beider Nieren. Sie passt sich an und kann den Verlust der zweiten Niere weitgehend ausgleichen. Langfristig leben die meisten Spender:innen ohne körperliche Einschränkungen und führen ein ganz normales, aktives Leben.
Einige Punkte verdienen jedoch besondere Aufmerksamkeit:
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (meist 1,5–2 Liter pro Tag, je nach ärztlicher Empfehlung)
- Regelmäßige Blutdruckkontrollen, um die Niere zu schützen
- Nehmen Sie keine Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac, da diese die Nierenfunktion beeinträchtigen können!
- Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung zur langfristigen Stabilisierung der Gesundheit
Psychisches Wohlbefinden
Viele Spender:innen empfinden nach der Nierenspende tiefe Zufriedenheit, weil sie einem nahestehenden Menschen helfen konnten. Gleichzeitig kann die Zeit nach der Spende auch emotional anspruchsvoll sein – etwa durch Erschöpfung, die Verarbeitung des Erlebten oder psychische Belastung, falls sich der Gesundheitsverlauf der Empfängerin oder des Empfängers anders entwickelt als erhofft.Es ist völlig normal, wenn Sie nach einer so bedeutenden Erfahrung Zeit brauchen, um wieder in Ihr gewohntes Gleichgewicht zu finden. Wir bieten auf Wunsch psychologische Unterstützung durch unsere spezialisierten Tx-Psycholog:innen an. Dies kann Ihnen möglicherweise helfen, Ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen und gestärkt in die Zukunft zu blicken.
Gesundheit und Nachsorge
Auch wenn Sie sich gesund fühlen, bleibt die regelmäßige Nachsorge besonders wichtig. Sie stellt sicher, dass Ihre verbleibende Niere gut arbeitet und eventuelle Veränderungen frühzeitig erkannt werden.
Diese Kontrollen finden zunächst im Transplantationszentrum statt und werden später von Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer Nephrologin bzw. einem Nephrologen übernommen. So bleiben Sie medizinisch gut begleitet.Alltag, Beruf und Freizeit
Nach der Genesungsphase können Sie in aller Regel:- Ihren Beruf wieder aufnehmen,
- reisen,
- Sport treiben und
- Ihr gewohntes Leben führen.
Grundsätzlich sollten Frauen vor einer Nierenspende ihre Familienplanung abgeschlossen haben. Auch wenn wir einige (unerwartete) Schwangerschaften nach Nierenspende begleitet haben, besteht nach einer Nierenspende für Mutter und Kind einer erhöhtes Komplikationsrisiko, weil Erkrankungen wie Schwangerschaftsdiabetes und -Bluthochdruck mit höherer Wahrscheinlichkeit auftreten könnten.
Einen etwaigen Kinderwunsch thematisieren wir daher bereits in den ersten Terminen in unserer Transplantationsambulanz.Wenn Sie Leistungssport treiben oder beruflich körperlich stark gefordert sind, empfiehlt es sich, dies individuell mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen.
Viele Spenderinnen und Spender berichten, dass die Erfahrung der Spende ihr Leben bewusster gemacht hat – sie achten mehr auf sich selbst, auf Ernährung, Bewegung und Erholung.