Leitlinienprojekt: Klimasensible Gesundheitsberatung für hausärztliche Praxen

Alina Herrmann, Heike Hansen, Claudia Mews, Eva-Maria Schwienhorst-Stich, Janina Zirkel, Max Bürck-Gemassmer, Franziska Charrier, Ralph Krolewski, Sebastian Pörnbacher

Hintergrund und Ziele

Klimawandel und Planetary Health rücken zunehmend in den Blick von Fachgesellschaften (z.B. DEGAM Positionspapier Klimawandel 2019, WONCA Statement on Planetary Health 2017). Der Klimawandel wirkt sich direkt und indirekt auf die Gesundheit von Patient:innen aus, z.B. durch Hitze, Extremwetterereignisse oder veränderte Muster von Infektionserkrankungen. So stieg beispielsweise die Anzahl der Krankenhauseinweisungen während der Hitzewelle im Juli 2015 in Frankfurt am Main insgesamt um 22%, bei den hitze-assoziierten Einweisungen betrug der Anstieg sogar 300% (Becker et al. 2019). Die hitzebedingte Übersterblichkeit in Deutschland während der Hitze-Sommer 2003, 2010 und 2015 lag jeweils bei etwa 7.800, 4.700 und 5.200 Todesfällen (an der Heiden et al. 2020). In einer deutschlandweiten Online-Umfrage berichteten Ärzt:innen von klimawandelbedingten Folgen für die Gesundheit ihrer Patient:innen. Hierzu zählten z.B.: Folgen von Hitzewellen, Herz-Kreislaufprobleme, Gefährdung von Risikogruppen, Zunahme von Allergien, Infektionen und respiratorischen Erkrankungen. Psychische Probleme in Zusammenhang mit dem Klimawandel wurden ebenfalls genannt (Mezger et al. 2021). Daher sind Hausärzt:innen mit dem Thema Klimawandel und dessen gesundheitlichen Auswirkungen in ihrer Praxis zunehmend konfrontiert. Klimasensible Gesundheitsberatung kann als das Berücksichtigen von Themen aus dem Bereich Klimawandel und Gesundheit in der individuellen Gesundheitsberatung im Rahmen der hausärztlichen Sprechstunde definiert werden. Hausärzt:innen können im Rahmen der klimasensiblen Gesundheitsberatung zu Auswirkungen des Klimawandels und entsprechenden Präventionsmaßnahmen, beispielswiese im Bereich Hitzeschutz, beraten. Zudem können Sie Empfehlungen geben, die neben dem individuellen gesundheitlichen Nutzen für die Patient:innen auch eine Reduzierung des Treibhausgasausstoßes zum Ziel haben, um den globalen Anstieg der Temperaturen zu begrenzen. Beispiele hierfür sind die Beratung bei einer Ernährungsumstellung unter Einbezug der Planetary Health Diet oder die Motivierung zu mehr körperlicher Bewegung bei gleichzeitiger Einsparung von Treibhausgasen (Radfahren, Fußwege). Klimasensible, an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Patient:innen orientierte Beratungen können somit die Gesundheit des Individuums und der Bevölkerung verbessern, zu Klimaschutzzielen beitragen und zu einer Verbesserung der planetaren Gesundheit führen.

Zielorientierung der S1 Handlungsempfehlung

Die S1 Handlungsempfehlung soll Hausärzt:innen klimasensible Beratungsansätze im Praxisalltag aufzeigen und Handlungsoptionen für eine klimasensible Gesundheitsberatung geben.

Methodik

Das geplante Leitlinienprojekt entsteht in Anlehnung an das Projekt „Planetary Health - Entwicklung und Implementierung eines Leitfadens zur klimasensiblen Gesundheitsberatung für hausärztliche Praxen“ (ELKGE) und baut auf dessen Ergebnissen auf. Das ELKGE Projekt wurde gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Zudem trägt die DEGAM Sektion Klimawandel und Gesundheit Mitverantwortung für die Erstellung der S1 Handlungsempfehlung.

Geplante Fertigstellung 2026

Koordinatorinnen der S1-Handlungsempfehlung Alina Herrmann und Heike Hansen

Publikationen