IMPACT-logo
IMPACT Logo
GermanIMPACT
GermanIMPACT
GermanIMPACT
Lupe zum Vergrößern des Bildes
GermanIMPACT

Koordinierte Behandlung der Altersdepression in der Primärversorgung:
Implementierung des IMPACT-Programms in Deutschland (GermanIMPACT)

Thomas Kloppe, Sigrid Boczor, Patricia Thomsen, Maren Wögens, Moritz Hadwiger, Christiane Bleich1, Christina Rosenberger2, Christian Brettschneider2, Thomas Grochtdreis2, Hans-Helmut König2, Martin Härter1, Martin Scherer

1 Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, UKE
2 Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, UKE

Hintergründe und Ziele

Depressionen sind neben Angststörungen die häufigsten psychischen Erkrankungen bei älteren Menschen und mit einer hohen Krankheitslast verbunden. GermanIMPACT ist die deutsche Adaption eines in den USA etablierten Collaborative-Care-Modells zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung depressiver Patient*innen ab 60 Jahren. Die telefongestützte Intervention beinhaltet primär psychoedukative Elemente, die unter Supervision von geschulten nichtärztlichen Therapiebegleiterinnen durchgeführt werden. Diese Studie prüft, ob die Versorgung nach dem IMPACT-Modell einer üblichen hausärztlichen Versorgung (TAU) überlegen ist.

Design und Methodik

Zwischen Juli 2012 und September 2013 führten die Universitätskliniken Freiburg und Hamburg eine cluster-randomisierte kontrollierte Interventionsstudie mit ortsansässigen Hausarztpraxen durch. Eingeschlossen wurden Patient*innen mit mittlerer depressiver Symptomatik (Patient Health Questionnaire [PHQ-9-Wert: 10 - 14]). Ausschlusskriterien waren psychiatrische Komorbiditäten, aktuelle Psychotherapie und starke kognitive Einschränkungen. Primärer Endpunkt war der mittlere PHQ-9 Wert nach 12 Monaten.

Ergebnisse und Schlussfolrgerung

71 Hausarztpraxen schlossen 248 Patient*innen (IG=139 und KG=109) ein. Der Anteil der Frauen lag bei 77,4% (n=192), das mittlere Alter betrug 71,3 Jahre (±7,6). In der IG betrug der mittlere PHQ-9-Wert zur Baseline 10,7 Punkte und war damit signifikant (p=0,038) höher als in der KG (9,7). Nach einem Jahr zeigten die Patient*innen der IG im adjustierten Mittel einen geringeren PHQ-9-Wert von 8,1 Punkten, während der Score in der KG bei 9,4 Punkten lag (p=0,009). 25,6% der Patient*innen der IG befanden sich in Remission (PHQ-9-Wert < 5 Punkte). In der KG betrug dieser Anteil 10,9% der Patient*innen (p=0,004). Die Zufriedenheit mit der Intervention (Skala 0-4) war sehr hoch (Mittelwert=3,7 [±0,7]). Die Intervention zeigt eine signifikante Verbesserung der depressiven Symptomatik und erfuhr eine positive Evaluation durch Patienten*innen. Weitere Analysen prüfen derzeit die Wirksamkeit in Bezug auf sekundäre Lebensqualität, Angstsymptomatik und die Wirtschaftlichkeit. Die Einführung des IMPACT-Programms in die Routineversorgung in Deutschland kann signifikante klinische Vorteile für die Patient*innen bedeuten.

Veröffentlichung

Types of Utilization and Types of Treatment Response in a Collaborative Care Approach for Depressive Disorders in Old Age in Primary Care
Kloppe, T; Pohontsch, N; Scherer, Martin. Frontiers in Psychiatry, 2020,10.3389/fpsyt.2020.565929

Koordinierte Behandlung der Altersdepression in der Primärversorgung: Eine cluster-randomisiert kontrollierte Studie (GermanIMPACT)
Hölzel L, Bjerregaard F, Bleich C, Boczor S, Härter M, König H, Kloppe T, Niebling W, Scherer M, Tinsel I, Hüll M Deut Arzteblatt. 2018;115(44):741-747.

How do general practitioners evaluate collaborative care of elderly depressed patients? Results of a qualitative study
Bireckoven MB, Niebling W, Tinsel I.
Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes. 2016 Nov;117:45-55.

Implementation of the GermanIMPACT collaborative care program: A qualitative study on the perspective of care managers and supervisors Bjerregaard F, Zech J, Frank F, Hüll M, Stieglitz RD, Hölzel L.
Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes. 2018 Jul;134:42-48

Collaborative treatment of late-life depression in primary care (GermanIMPACT): study protocol of a cluster-randomized controlled trial Wernher I, Bjerregaard F, Tinsel I, Bleich C, Boczor S, Kloppe T, Scherer M, Härter M, Niebling W, König H, Hüll M TRIALS. 2014;15:351.

Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Laufzeit: 2012 bis 2022

Partner: Universitätsklinikum Freiburg

Kontakt: Thomas Kloppe