Gutachten Evidenz-Mapping zu Telemonitoring-Interventionen bei häufigen chronischen Erkrankungen
Hintergrund
Telemonitoring bezeichnet die digitale Erhebung und Übertragung gesundheitsbezogener Daten durch Patient:innen außerhalb von Versorgungseinrichtungen. Diese Daten – etwa zu Vitalparametern oder patienten-berichteten Endpunkten – werden erhoben, digital übermittelt und durch Ärzt:innen oder Gesundheitsfachkräfte überwacht, um bei Auffälligkeiten eine Rückmeldung an Patient:innen zu ermöglichen.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung und neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie dem Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens (Digital-Gesetz — DigiG, 2024), rücken Telemonitoring-Verfahren zunehmend in den Fokus der Versorgung chronisch erkrankter Patient:innen. Während Telemonitoring bei Herzinsuffizienz bereits in die Regelversorgung aufgenommen wurde, ist die Evidenzlage für andere chronische Erkrankungen bislang uneinheitlich.
Ziele
Ziel des Projekts ist es, die wissenschaftliche Evidenz zum Nutzen von Telemonitoring-Interventionen bei häufigen chronischen Erkrankungen systematisch zu erfassen und zu bewerten. Das Gutachten soll dazu beitragen, zu klären, bei welchen Indikationen und mit welcher Ausgestaltung Telemonitoring einen relevanten Nutzen zeigt. Die Ergebnisse können eine Grundlage für zukünftige Entscheidungen zur Weiterentwicklung strukturierter Behandlungsprogramme (DMP) und zur Bewertung neuer Methoden im Gemeinsamen Bundesausschuss bilden.
Methodik
Das Projekt folgt einem zweistufigen Vorgehen:
- Evidenzkartierung (Evidence Map): Zunächst wird auf Basis systematischer Reviews und ergänzend randomisierter kontrollierter Studien (RCT) die verfügbare Evidenz zu Telemonitoring-Interventionen bei den Indikationen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, COPD, Asthma bronchiale, Brustkrebs und Hypertonie (Fokus als Risikofaktor bei koronarer Herzkrankheit) erfasst.
- Vertiefende Analyse (Rapid Review): Nach einem Zwischenworkshop mit den Auftraggebern erfolgt eine gezielte, methodisch an die Cochrane-Rapid-Review-Guidelines angelehnte Vertiefung zu ausgewählten Fragestellungen.
Für die systematische Bewertung der Evidenz werden ausschließlich RCTs berücksichtigt, die u.a. patientenrelevante Endpunkte wie Mortalität, Morbidität, Lebensqualität, Therapieadhärenz oder Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen untersuchen. Hiermit soll das Projekt eine belastbare Grundlage für die Bewertung und Weiterentwicklung telemedizinischer Versorgungskonzepte bei chronischen Erkrankungen schaffen, um die Versorgungsqualität im Gesundheitswesen nachhaltig zu verbessern.
Leitung und Durchführung
Projektkoordination:
Dr. Dagmar Lühmann
Wissenschaftliche Mitarbeit:
Dr. M. Albrecht,
C. Jäger
Projektleitung:
Prof. Dr. Martin Scherer
Projektträger: GKV Spitzenverband