Kriterien zur Initiierung von allgemeiner oder spezialisierter Palliativversorgung: Qualitative Untersuchung der gängigen Praxis in Deutschland / ASPECT
Priv.-Doz. Dr. Gabriella Marx-Rosenberg
Hintergrund und Ziel
Die palliative Versorgung ist ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich ist eine Zunahme an Versorgungsangeboten zu verzeichnen. Die demographisch bedingte Zunahme chronisch (progredienter) Erkrankungen und Multimorbidität führt zu einer steigenden Komplexität der Versorgungssituation sowie einer erhöhtenSymptomlast bei gleichzeitig sinkender Lebensqualität. Besonders die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) wird immer wichtiger. Um den Versorgungsbedarf angemessen zu decken und schwer(st)kranken Menschen eine passgenaue Versorgung in ihrer Häuslichkeit zu ermöglichen, braucht es klare Kriterien für die Einleitung von AAPV und spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV). Bisher fehlen solche Kriterien. Bestehende Instrumente zur Beurteilung des Palliativbedarfs sind oft unzuverlässig, insbesondere bei nicht-onkologischen Erkrankungen.
Die ASPECT-Studie hat zum Ziel gängige Praktiken und aktuelle Entscheidungsprozesse im Zusammenhang mit der Initiierung ambulanter palliativer Versorgung zu identifizieren und daraus relevante Kriterien abzuleiten.
Design und Methodik
In dieser qualitativen Studie werden sieben ca. zweistündige Online-Fokusgruppen mit insgesamt 56 Ärzt:innen der allgemeinen und spzialisierten ambulanten Palliativversorgung (Hausärzt:innen, niedergelassene Onkolog:innen, Ärzt:innen aus SAPV-Teams) durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgt im Großraum Hamburg und in Nordrhein-Westphalen. Die Fokusgruppen werden audiodigital aufgezeichnet und wörtlich transkribiert. Alle Teilnehmenden erhalten eine Aufwandsentschädigungin Höhe von 100 Euro. Die Analyse der Transkripte erfolgt mittels strukturierender Inhaltsanalyse nach Kuckartz.
Erwarteter Nutzen
Die Ergebnisse dieses ersten von drei geplanten Teilprojekten geben Aufschluss darüber, aufgrund welcher Kriterien Versorgende eine allgemeine oder spezialisierte Palliativversorgung initiieren. In einem Folgeprojekt (Teile 2 und 3) soll die Eindeutigkeit der Kriterien überprüft und deren Akzeptanz erhoben werden. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Initiierung zeitgerechte palliativer Versorgung auf einer einheitlichen Entscheidungsgrundlage voranzubringen.
Förderer: Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung und Stiftung Universitätsmedizin Essen
Laufzeit: März 2026 – Februar 2027
Mitantragstellerin: Prof. Dr. med. Mitra Tewes, Palliativmedizin Essen, Universitätsklinikum Essen
Kooperationspartner: Prof. Dr. med. Jürgen in der Schmitten, Institut für Allgemeinmedizin Essen, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
Ansprechparterin: Priv.-Doz. Dr. Gabriella Marx-Rosenberg