13.03.2026        AKTUELLES

Frühjahrsmüdigkeit: Warum wir uns im Frühling oft erschöpft fühlen

Fragen an… Priv.-Doz. Dr. Arne Böttcher

Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, fühlen sich viele Menschen müde und antriebslos, dabei existiert wissenschaftlich gesehen das Phänomen der Frühjahrsmüdigkeit nicht. Dennoch kann es sein, dass unser Körper empfindlich auf den Wechsel der Jahreszeiten reagiert. Priv.-Doz. Dr. Arne Böttcher, Oberarzt in der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), erklärt, welche Rolle Licht, Temperatur und die innere Uhr dabei spielen – und was hilft, wieder erholsamer zu schlafen.

Viele Menschen berichten im Frühling von Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Aber gibt es die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit aus medizinischer Sicht wirklich?

Priv.-Doz. Dr. Arne Böttcher: Der Begriff Frühjahrsmüdigkeit ist keine medizinische Diagnose. Trotzdem berichtet etwa die Hälfte aller Menschen in dieser Jahreszeit von Müdigkeit und einem Leistungstief. Wissenschaftlich lässt sich das Phänomen jedoch nicht belegen, vielmehr handelt es sich hierbei um ein gesellschaftliches Narrativ, das sich hauptsächlich im deutschsprachigen Raum manifestiert hat. Auch wenn sich unser Körper an veränderte Umweltbedingungen anpasst, gibt es aus schlafmedizinischer Perspektive keine Grundlage für das Phänomen, wie eine aktuelle Studie aus der Schweiz belegt.

Welche Veränderungen im Frühling wirken sich besonders auf den Körper aus?

Im Winter schlafen die Menschen im Durchschnitt etwas länger. Dieser Effekt wird jedoch im Alltag häufig durch äußere Faktoren, wie Wecker oder Arbeitszeiten, ausgeglichen. Mit dem Frühling nehmen die Tageslichtstunden zu. Mehr Licht wirkt sich auf unseren Schlaf-Wach-Rhythmus aus und kann dazu führen, dass sich Menschen tagsüber etwas wacher fühlen. Mitunter können Temperaturschwankungen den Kreislauf beeinflussen und dazu beitragen, dass wir uns zeitweise eventuell erschöpft fühlen.

Welche Rolle spielt unsere innere Uhr?

Unsere sogenannte innere Uhr unterliegt einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlichster Faktoren und reagiert unter anderem auf Licht. Dem Blauanteil kommt dabei eine besondere Rolle zu, da er die Melatonin-Produktion unterdrückt, was wiederum wachhält. Wenn die Tage im Frühling kontinuierlich länger werden, passt sich unser Körper im Normalfall gut daran an. Schwieriger für den Körper und den Schlaf-Wach-Rhythmus dagegen ist eine plötzliche Veränderung wie die Zeitumstellung.

Welche allgemeinen Tipps haben Sie für Menschen, die langfristig gesünder und besser schlafen möchten?

Hilfreich ist es, die sogenannte Schlafhygiene zu befolgen, also regelmäßige Gewohnheiten, die einen guten Schlaf fördern: Ein kühles Schlafzimmer, regelmäßige und gleiche Zubettgehzeiten, keine digitalen Endgeräte im Bett und, wenn es unbedingt sein muss, nur mit aktivierten Nachtfilter, kein Alkohol oder Nikotin, keine schweren Mahlzeiten vor dem Schafengehen und Verzicht auf Koffein nach 15 Uhr. Außerdem hilft ausreichende körperliche Aktivität tagsüber, vorzugsweise bei Tageslicht, beziehungsweise regelmäßige Bewegung. Wenn Schlafprobleme länger anhalten oder zum Beispiel von der Partnerin oder dem Partner bemerkt werden, sollten diese ärztlich abgeklärt werden.


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