Studierende auf dem 20. EbM-Kongress in Berlin

Macht Zucker dumm? Unter dieser Leitfrage fand der Studierendentag im Rahmen des 20. EBM-Kongress statt, zu dem in unsere Hauptstadt eingeladen wurde. Wir (Physiotherapie-Studenten des UKE ) durften uns hoch über Berlin mit einem ausgezeichneten Ausblick über die Stadt in den Räumen des ÄZQ Towers (Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin) und der KBV (Kassenärztlichen Bundesvereinigung) aufhalten. Wir verbrachten also zwei Tage im Zentrum des deutschen Gesundheitssystems und schnupperten dessen belebte Luft, die Lust auf mehr macht.

Am ersten Abend wurde ein gemeinsamer Einstieg in das Thema und ein Kennenlernen gestaltet. Die Gruppe setzte sich aus über 12 verschiedenen Professionen zusammen. Von Medizinern über Hebammen, Logopäden, Gesundheitsökonomen und Physiotherapeuten, es war fast alles dabei. Ebenso bunt durchmischt war die Gruppe bezüglich Alter und Semester. Von Frischlingen im 2. Semester, über Masterstudenten und ebenso Promovierende. Zwischen 19 und 50 Jahren waren alle Altersgruppen vertreten.

Gerade diese unerwartete, erfreulich bunte und interprofessionelle Mischung, gemeinsam mit dem Interesse am aktuellen Stand der Evidenz, waren die führende Motivation. Seinen Ausklang fand der Abend mit einem gemeinsamen Essen im Kultrestaurant Tiergartenquelle.

Am nächsten Morgen gingen wir dann wieder mit Impulsvorträgen in Kleingruppen zum fachlichen Teil über.

Wir beschäftigten uns mit dem richtigen Erstellen von Leitfragen, der Optimierung der Suchwortauswahl und der Vorstellung der "RefHunter". Bei "RefHunter" handelt es sich um ein frei verfügbares Manual zur Literaturrecherche in Fachdatenbanken, das ich wirklich jedem ans Herz lege, der wissenschaftliche Recherche betreiben möchte https://refhunter.eu/ . Das Manual navigiert zielgerichtet, strukturiert und gut verständlich durch eine wissenschaftliche Literaturrecherche.

Des Weiteren lernten wir das Berechnen von und das Umgehen mit verschiedenen Kenngrößen aus Studien, wie der “Number to treat” kennen und wie diese zu interpretieren sind.

Nach einer wohl verdienten Mittagspause mit einem wirklich leckeren Buffet, wandten wir altes und neu gewonnenes Wissen bei einer ausführlichen Beurteilung verschiedener Studien in Kleingruppen an und stellten uns die gesammelten Ergebnisse gegenseitig vor.

Passend zu den Räumen, in denen wir uns befanden, durften wir noch einen Vortrag zu den Nationalen Versorgungs Leitlinien (NVL) hören.

Es ist unfassbar, wie viel mühsame Arbeit sich hinter nur einer dieser Leitlinien versteckt und was für ein großer Pool an Menschen an einer NVL mitwirkt. Die wohl bedeutsamsten Messages dieses Vortrags waren einerseits ein Appell an die ausgedehnte Nutzung und Wahrnehmung der NVLs, da diese leider von vielen nicht gekannt werden. Außerdem werden vom ÄZQ auch zu jeder Leitlinie patientenverständliche Versionen und Flugblätter erstellt, die in Praxen oder sonstigen Institutionen ausgelegt werden sollten. Auch sollten Leitlinien aus Sicht der Ersteller nicht als starrer Fahrplan, sondern mehr als nützlicher Wegweiser wahrgenommen werden.

Einen passenden Abschluss fand der Tag mit einer Expertendiskussion, in der wir Experten aus den unterschiedlichsten Professionen unsere persönlichen Fragen ganz offen stellen durften.

Alles in Allem war der Studientag eine sehr bereichernde Erfahrung, durch die ich einen neuen Blick auf EBM und EBP entwickeln, sowie meine Expertise weiterentwickeln konnte. Ich durfte viele interessante, neue Personen aus der vielfältigen Welt der medizinischen Berufe und deren Meinungen, Probleme und Wünsche bezüglich EBM und EBP kennenlernen.

Verantwortlich für den Inhalt
Autor: Nick Berendt, Studierender Physiotherapie DUAL
Erstellung: 26.04.2019
Letzte Änderung: 26.04.2019