Körper formen

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Herzkanne, Kirsten Krüger
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Haarpilz, Kirsten Krüger
Stickbild von Bakterien aus Perlen in einer Nährlösung

Döderlein-Bakterien, Christine Achtermann-Jones
Aus farbigen Perlen gestickte anatomische Darstellung der Paraurethraldrüse (Skene-Drüse)

Skene-Drüse, Christine Achtermann-Jones
Historisches Bild einer Frau mit Korsage, das Dekolleté und die Arme tätowiert

Schaustellerin Nandl Koritzky, Sammlung Schönfeld Heidelberg
Männliche Brust mit Tätowierung eines Segelschiffs

Tätowierter Seemann, 1950er Jahre, Sammlung Schönfeld
Der Mouleur Ary Bergen mit Pinsel und Palette beim Bemalen eines Patienten, der von hinten zu sehen ist

Moulagenbildner Ary Bergen in seinem Atelier, Eppendorf 1932
Gipsabguss eines durch Binden deformierten Fußes

Herrmann Welcker: Modell eines gebundenen Fußes, um 1870, Ton, MARKK Hamburg, Foto: Paul Schimweg
Schulwandtafel mit der Abbildung der anatomischen Folgen zu enger Corsagen

Anatomisch-Hygienisches Wandtafelwerk Leipzig: Folgen des Schnürens, um 1900, Westfälisches Schulmuseum Dortmund

Körper formen

Begleitprogramm zur Sonderausstellung "Venusmaschine"

Ausgangspunkt der Veranstaltungsreihe „Körper formen“ sind Arbeiten der Künstlerin Kirsten Krüger, der das Medizinhistorische Museum Hamburg ab Mai 2023 eine Sonderausstellung mit dem Titel „Venusmaschine“ widmet. Ihre narrativen und abstrakten Arbeiten spielen mit der Imitation natürlicher Materialien und Formen.

Damit inspirieren sie auch zu Fragen nach der Verfasstheit des menschlichen Körpers. Im Dialog mit den Modellen und Exponaten des Museums verweisen die Arbeiten von Kirsten Krüger darauf, dass Körper nicht einfach gegeben sind, sondern dass sie durch Prozesse der Beschreibung, Abformung, Modellierung, Nachbildung hergestellt und hervorgebracht werden. Zugleich ist diesen Prozessen der Hervorbringung auch die Produktion von spezifischem Wissen über Körper eingeschrieben.

Von der chinesischen Praxis des „Füßebindens“ über die Pathologisierung von Tätowierten bis hin zur Gestaltung von Krankheitsbildern in der Moulage richtet die Reihe ihren Blick auf verschiedene Arten der Modellierung von Körpern und führt auf diese Weise Kunst und Literatur, historische Bildwissenschaft und medizinische Forschung zusammen.

Der Eintritt ist frei!
Vor den Veranstaltungen können die Dauerausstellung des Museums sowie die Sonderausstellung ab 17 Uhr kostenlos besichtigt werden.

Alle Termine in der Übersicht


Freitag, 12. Mai 2023, 19.30 Uhr

Eröffnung der Ausstellung „Venusmaschine“ mit Skulpturen der Künstlerin Kirsten Krüger. Begrüßung: Prof. Dr. Philipp Osten. Mit einer Einführung in die Ausstellung von Dr. Monika Ankele (Wien).


Mittwoch, 24. Mai 2023, 18 Uhr

Kartographierte Frauenkörper. Eponyme zur weiblichen Anatomie als medizinhistorisches Erbe.
Vortrag und Präsentation von Dr. Anna von Villiez und Christine Achtermann-Jones (Hamburg)

Als ehemals besondere Form der Ehrung bestehen Eponyme in der medizinischen Terminologie als Denkmäler fort. Begriffe wie das Tourette-Syndrom haben sich in die Alltagssprache eingeschrieben. Während schon länger um den Umgang mit Eponymen aus der NS-Zeit diskutiert wird, ist der Blick auf die weibliche Anatomie und die Frage nach der Berechtigung, diese nach männlichen Entdeckern zu benennen, noch neu. Anna von Villiez stellt die medizinhistorischen Debatten zum Umgang mit Eponymen in der Anatomie vor. Im Anschluss präsentiert Christine Achtermann-Jones ihr Kunstprojekt "Who the fuck is James Douglas?" zu diesem Thema.


Mittwoch, 21. Juni 2023, 18 Uhr

„Diagnose: Tätowierung“. Die Medikalisierung und Kriminalisierung von Tätowierten in der Wissenschaft am Beispiel der Sammlung Schönfeld.
Vortrag von Dr. Igor Eberhard, Lektor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien

Tätowierungen sind mindestens genauso weit verbreitet wie ihr schlechter Ruf. Denn nach wie vor haften ihnen Vorurteile und negative Assoziationen an. Wissenschaftliche Sammelpraxen und Forschungen über Tätowierungen haben einen besonderen Beitrag zur Verfestigung dieser Stereotype geleistet – zum Teil mit fatalen Folgen. Am Beispiel der beinahe vergessenen Tattoo-Sammlung des Heidelberger Dermatologen und Medizinhistorikers Walther Schönfeld (1888-1977) zeigt Igor Eberhard auf, wie große Teile der Forschung im deutschsprachigen Raum das Bild von kranken, abnormen oder kriminellen Tätowierten mitgeschaffen haben.


Mittwoch, 5. Juli 2023, 18 Uhr

Abgeformt. Wächserne Körper zwischen Idealbild und Naturtreue.
Vortrag von Dr. Henrik Eßler, Kurator am Medizinhistorischen Museum Hamburg

Anatomische und pathologische Modelle werden in der Regel als objektive Bilder wahrgenommen. Nicht selten wurden diese jedoch von Bildenden Künstler:innen hergestellt, die nicht nur ihre eigene "Handschrift" in die Objekten einschrieben, sondern ästhetische und wissenschaftliche Vorstellungen ihrer jeweiligen Zeit. Anhand von Wachsmodellen spürt Henrik Eßler den wechselnden Paradigmen vom 18. bis ins 20. Jahrhundert nach.


Mittwoch, 11. Oktober 2023, 18 Uhr

Arbeit am Körper: Zur Modellierung eines eigensinnigen Materials.
Vortrag von Prof. Dr. Jasmin Mersmann, Professorin für Kunstgeschichte an der Kunstuniversität Linz

Turmschädel, gepiercte Ohren, gedehnte Lippen, gelängte Hälse, geschnürte Brüste, gebundene Füße: Befremdlich wirken vor allem die Körpermodifikationen anderer. Entsprechend enthalten zahlreiche anatomische Sammlungen Bilder, Abgüsse und Präparate modifizierter Körperteile. Der Vortrag untersucht ausgewählte Beispiele vor dem Hintergrund medizinischer, ethnographischer und politischer Diskurse zur Modellierung vor allem weiblicher Körper.


Mittwoch, 8. November 2023, 18 Uhr

Finissage und Künstlerinnengespräch in der Ausstellung „Venusmaschine“ mit Kirsten Krüger und Prof. Dr. Philipp Osten